Tarifvertrag Film 2024: Arbeitszeitverkürzung, höhere Gagen und verbesserte Altersvorsorge in der Filmbranche

Nach monatelangen Verhandlungen haben ver.di, BFFS und die Produktionsallianz für rund 25.000 Filmschaffende in Deutschland einen neuen Tarifvertrag erzielt, der ab Januar 2025 eine monatliche Vier-Tage-Woche, eine Beschränkung der Tagesarbeitszeit auf zwölf Stunden mit 25 bis 50 Prozent Überstundenzuschlag sowie eine erweiterte Altersvorsorge mit vier Prozent Arbeitgeberzuschuss vorsieht. Die Gagen steigen um jeweils 2,5 Prozent im März 2025 und Januar 2026, das Einstiegsgehalt wird auf 1 050 Euro pro Tag angehoben. Über die Annahme des Tarifergebnisses wird bis Anfang September 2024 entschieden.
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– Ab Januar 2025 deutschlandweiter Tarifvertrag für 25.000 Filmschaffende mit 4-Tage-Woche und Überstundenzuschlägen.
– Altersvorsorge ausgeweitet: Arbeitgeber zahlen vier Prozent Gagenzuschuss für Kino-, Streaming- und TV-Produktionen.
– Gehälter steigen jeweils 2,5 % ab März 2025 und Januar 2026; Schauspieler-Tagessatz 1050 €.

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende bringt weitreichende Verbesserungen

Nach monatelangen Verhandlungen haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), die Schauspielgewerkschaft BFFS und die Produktionsallianz eine bedeutende Einigung erzielt, die rund 25.000 Filmschaffende in Deutschland betrifft. Die neuen Regelungen setzen wichtige Maßstäbe für die Arbeitsbedingungen in der Branche, auch wenn einige Themen, wie der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz, weiterhin offenbleiben und "im Sommer fortgesetzt werden" sollen.

Im Zentrum der Tarifeinigung stehen mehrere Neuerungen, die das Arbeitsleben der Beschäftigten nachhaltig verbessern. So wird eine Vier-Tage-Woche einmal im Monat eingeführt, wodurch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gestärkt wird. Überlange Arbeitstage, die in der Filmproduktion häufig sind, werden künftig besser honoriert: Für die elfte und zwölfte Arbeitsstunde gibt es Zuschläge, wobei die tägliche Arbeitszeit auf maximal zwölf Stunden begrenzt wird. Noch deutlicher zeigt sich die finanzielle Anerkennung bei den Überstunden: Arbeitszeiten über zehn Stunden werden künftig mit einem 25-prozentigen Zuschlag vergütet, ab Erreichen von 50 Wochenstunden steigt der Zuschlag auf 50 Prozent.

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Altersvorsorge, die deutlich verbessert wird. Die Tarifeinigung sieht vor, dass diese nun auf Kino-, Streaming- und Privatfernsehproduktionen ausgeweitet wird. Die Arbeitgeber leisten dabei einen regelmäßigen Zuschuss von vier Prozent zur Gagenhöhe. Das bedeutet für die Beschäftigten einen erheblichen Mehrwert, denn „das ist ein enormer Gewinn für die Altersvorsorge unserer Mitglieder“.

Auch die Gehälter werden angepasst: So steigt das Einstiegsgehalt auf 1050 Euro pro Tag an. In Kombination mit Verbesserungen beim E-Casting entstehen so attraktivere Bedingungen für Nachwuchstalente in der Branche. Die Tarifparteien planen zudem die Entwicklung eines speziellen Tarifvertrags für Nachwuchsfilme, der bisherige Regelungen wiederbeleben und ausweiten soll. Damit sollen junge Filmschaffende gezielt unterstützt werden.

Die neuen Regelungen treten ab Januar 2025 in Kraft und werden begleitet von zwei Gehaltserhöhungen um jeweils 2,5 Prozent ab März 2025 und Januar 2026. Diese Maßnahmen bringen den Filmschaffenden dauerhafte finanzielle Vorteile: „Das kostet die Produktionsfirmen einiges und bringt Filmschaffenden dauerhaft geldwerte Tarifverbesserungen“.

Eine wichtige Ergänzung ist die beantragte Allgemeinverbindlichkeit beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, durch die die Vorsorge breitflächig ausgebaut werden könnte. Damit würde die Tarifeinigung über die unterzeichnenden Verbände hinaus Wirkung entfalten und weitere Beschäftigte im Filmschaffen erreichen.

Über die Annahme des Tarifergebnisses soll bis Anfang September 2024 entschieden werden. Bis dahin sollen auch die noch offenen Fragen, insbesondere zum Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz in Filmproduktionen, weiterverhandelt werden.

Was die neuen Film-Tarife für Deutschland bedeuten

Die jüngsten Tarifverbesserungen in der deutschen Filmbranche markieren einen wichtigen Schritt hin zu moderneren Arbeitsbedingungen und besserer sozialer Absicherung der Filmschaffenden. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und sich wandelnder Produktionsprozesse bieten die neuen Vereinbarungen Antworten auf zentrale Herausforderungen: Arbeitszeiten werden sinnvoller gestaltet, soziale Sicherheit für kreative Gewerke verbessert, und der Berufszweig wird attraktiver für Nachwuchs.

Die Filmindustrie steht heute vor einem tiefgreifenden Umbruch. Kürzere Produktionszyklen und der wachsende Einfluss digitaler Technologien verändern nicht nur die Inhalte, sondern auch die Art der Zusammenarbeit und Arbeitsgestaltung. Die Verkürzung der Arbeitszeiten erlaubt Filmschaffenden eine bessere Work-Life-Balance und hilft, Überlastungen vorzubeugen. Gleichzeitig wird die soziale Absicherung gestärkt, was gerade für freiberufliche und projektbezogen Beschäftigte in der Branche von großer Bedeutung ist. Dies schafft mehr Planungssicherheit und fördert langfristige Kreativität.

Dabei ist Deutschland international keineswegs abgekoppelt: Viele Länder prüfen oder implementieren ähnliche Maßnahmen, um Filmberufe zukunftsfest zu gestalten. Eine Auswahl internationaler Vergleichswerte zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Branchenstandards weltweit sind:

  • Arbeitszeitverkürzungen und tarifliche Pausenregelungen in skandinavischen Filmindustrien gelten als fortschrittlich.
  • In den USA gewinnen umfassendere soziale Absicherungspakete für Filmschaffende zunehmend an Bedeutung, allerdings ohne flächendeckende Arbeitszeitregelungen.
  • Frankreich kombiniert traditionell starke tarifliche Schutzvorschriften mit umfangreichen Fördermodellen für Kreative.

Diese Entwicklungen spiegeln gesellschaftliche Trends wider: Die Nachfrage nach besseren Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Karrieren in kreativen Berufen nimmt zu. Der Wunsch nach Vereinbarkeit von beruflichen und privaten Lebensbereichen steht im Fokus, ebenso wie faire Entlohnung und Schutz vor Ausbeutung.

Blick nach vorn: Wie verändert sich Arbeiten im Film?

Langfristig dürften die neuen Tarife die Attraktivität des Berufsfelds deutlich steigern. Vor allem junge Talente erhalten so bessere Perspektiven, wodurch die Nachwuchsförderung gestärkt wird. Die Einbindung digitaler Tools und Künstlicher Intelligenz wird künftig immer mehr Arbeitsprozesse verändern – von der Postproduktion über die Organisation bis hin zu kreativen Entscheidungen. Tarifpolitisch bedeutet dies, dass Regelwerke flexibel und anpassungsfähig sein müssen, um Innovationen zu ermöglichen, ohne Standards zu verwässern.

Die jüngsten Tarifänderungen setzen einen Rahmen, der genau auf solche Anforderungen reagiert. Damit positioniert sich die deutsche Filmwirtschaft innovativ und sozial verantwortungsvoll zugleich – ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche.


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Vorläufige Tarifeinigung für Filmproduktionen: Arbeitszeitverkürzungen, neue …

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10 Kommentare

  1. Wieso es diese komischen Künstliche Intelligenz-Reden gibt, versteh ich nicht. Was hat das mit Tarifen zu tun? Voll komisch.

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