– Ein Drittel der 18–53-Jährigen fühlt sich zeitweise einsam; ein Viertel sehr einsam.
– Einsamkeit fördert negative Demokratie-Einstellungen, schwaches Engagement und Zustimmung zu politischer Gewalt.
– Benefizaktion ‚Hand in Hand für Norddeutschland‘ startet 2. Dezember zur Förderung regionaler Zusammengehörigkeit.
Einsamkeit in Deutschland: Warum „Hand in Hand für Norddeutschland“ so wichtig ist
Einsamkeit ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das Menschen aller Altersgruppen betrifft. Das Einsamkeitsbarometer des Bundesfamilienministeriums macht die Tragweite der Lage deutlich: Nach einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) fühlt sich jeder dritte Bundesbürger im Alter zwischen 18 und 53 Jahren zumindest zeitweise einsam. Noch beunruhigender ist die Erkenntnis der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die zeigt, dass jede vierte Person zwischen 18 und 69 Jahren sehr stark von Einsamkeit betroffen ist. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen, denn Einsamkeit kann nicht nur krank machen, sondern führt auch zu negativen Einstellungen gegenüber der Demokratie und einer geringeren Bereitschaft, sich gesellschaftlich zu engagieren. Studien belegen, dass Menschen, die sich allein fühlen, häufiger dazu neigen, autoritären Haltungen zuzustimmen und politische Gewalt gutzuheißen.
Vor diesem Hintergrund startet die diesjährige NDR Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ mit dem klaren Fokus auf den Kampf gegen Einsamkeit und die Förderung von Zusammengehörigkeit. In den fünf norddeutschen Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen engagieren sich rund 80 Bürgerstiftungen als Aktionspartner. Sie unterstützen vielfältige Projekte wie Mehrgenerationenhäuser, Jugendfreizeitzentren, Bürgersingen, Fußball für Geflüchtete, Kochkurse für Witwer oder gemeinschaftliches Segeln – Orte, an denen soziale Beziehungen entstehen und gefestigt werden.
NDR-Intendant Joachim Knuth betont dazu: „**Unsere Gesellschaft braucht Zusammenhalt. Dafür steht auch der NDR ein: Wir möchten mit unseren Beiträgen informieren, unterhalten und beraten und dabei ein Gefühl von Nähe und Verbundenheit vermitteln, besonders zu unserer Region hier in Norddeutschland. Wir wollen die lebendige Gemeinschaft in der Region stärken. Die Bürgerstiftungen verfolgen ähnliche Ziele – auch sie verbinden Menschen. Wir freuen uns, die Bürgerstiftungen als diesjährigen Aktionspartner gewonnen zu haben und werden umfangreich über ihr Engagement berichten.**“
Der Startschuss für die Spendenaktion fällt am 2. Dezember, der Höhepunkt wird der Spendentag am 13. Dezember sein. Rüdiger Ratsch-Heitmann von der BürgerStiftung Hamburg hebt in diesem Zusammenhang hervor: „**Der Schlüssel im Kampf gegen die Einsamkeit ist Vertrauen – in andere Menschen, in Orte, in die Gesellschaft. Und Vertrauen entsteht dann, wenn Menschen verlässlich für andere da sind. Hier helfen die Bürgerstiftungen, indem wir Nachbarschaften geselliger machen und dort unterstützen, wo die Belastung groß ist.**“
Mit der Auswahl dieses Themas setzt der NDR seine bewährte Tradition fort und fördert zum vierzehnten Mal wohltätige Zwecke und das Ehrenamt in Norddeutschland. Seit dem Start von „Hand in Hand für Norddeutschland“ im Jahr 2011 wurden bereits rund 47,6 Millionen Euro gesammelt, die eigenverantwortlich an ausgesuchte Projekte verteilt werden. Die diesjährige Benefizaktion bringt damit ein drängendes gesellschaftliches Thema in den Fokus und verbindet es mit konkretem Engagement, das den sozialen Zusammenhalt in der Region stärken soll.
Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung: Neue Wege für Zusammenhalt
Einsamkeit ist längst nicht nur ein individuelles Schicksal, sondern ein wachsendes gesellschaftliches Problem, das weit über gesundheitliche Aspekte hinausreicht. Sie wirkt sich auf das soziale Gefüge aus, erschwert den Austausch und schwächt den Zusammenhalt in Nachbarschaften und Gemeinden. Angesichts steigender Tendenzen zu sozialer Isolation gewinnen bürgerschaftliches Engagement und Nachbarschaftsprojekte an Bedeutung. Sie bieten praktische Anknüpfungspunkte, um Menschen wieder miteinander zu verbinden und ein stärkeres Bewusstsein für gemeinschaftliches Handeln zu schaffen. Denn durch solche Initiativen wird nicht nur Einsamkeit überwunden, sondern auch das Demokratieverständnis gestärkt und das Gemeinwohl gefördert.
Wie soziale Projekte Isolation durchbrechen
Soziale Projekte wirken aktiv gegen Isolation, indem sie Räume schaffen, in denen Begegnungen möglich sind. Sie ermöglichen Teilhabe, fördern Verantwortung füreinander und bauen Vertrauen auf. Einige exemplarische Ansätze verdeutlichen diese Wirkung:
- Nachbarschaftstreffs, in denen Bewohnerinnen und Bewohner unterschiedlicher Generationen zusammenkommen
- Aktivitäten speziell für Menschen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder sozialer Lage besonders gefährdet sind
- Gemeinsame Projekte, die lokale Ressourcen bündeln und stärken
- Digitale Plattformen, die Kontaktaufnahme und Vernetzung erleichtern
Perspektiven für nachhaltigen Zusammenhalt
Langfristig bleibt es entscheidend, den Bedeutungsgewinn von gesellschaftlichem Engagement sichtbar und erlebbar zu machen. Initiativen wie „Hand in Hand“ zeigen, wie nachhaltige Wirkung entsteht: Sie fördern nicht nur kurzfristig Kontakte, sondern legen Grundlagen für dauerhafte soziale Netzwerke. So entsteht ein stabileres Gefüge, das jedem Einzelnen Halt bietet und zugleich demokratische Werte in der Praxis lebendig hält. Auf diesem Fundament kann eine solidarische Gesellschaft wachsen, in der Einsamkeit weniger Raum findet – und Zusammenhalt stärker verankert wird.
Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
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„Hand in Hand für Norddeutschland“ – NDR Benefizaktion mit den Bürgerstiftungen im …
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