– Volks- und Raiffeisenbanken sehen Nachhaltigkeitsregulierung als Bremse für Kreditvergabe an Unternehmen.
– Laut Umfrage sind 46 Prozent der Firmenkunden mit den Nachhaltigkeitsdaten-Anforderungen überfordert.
– Investitionen der Firmenkunden in Nachhaltigkeit haben sich im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.
Banken warnen: Nachhaltigkeitsregeln erschweren Kredite für Mittelstand
Die 264 Volks- und Raiffeisenbanken im Genoverband e.V. haben ihre Finanzierungen für den Mittelstand im Jahr 2025 trotz einer stagnierenden Konjunktur voraussichtlich um etwa 4 Prozent ausgeweitet (Stand: 2025). Die vierteljährliche Kreditnehmerstatistik zeigt bereits ein Plus von 3,6 Prozent auf 198,2 Milliarden Euro per Ende September 2025. Gleichzeitig sehen die Institute die wachsende Nachhaltigkeitsregulierung als deutliche Bremse für die künftige Kreditvergabe.
Die Vorstände der Genossenschaftsbanken zeigen sich in einer aktuellen Umfrage skeptisch, was die Datenlage bei ihren Firmenkunden betrifft. Sie teilen diese in vier Gruppen ein:
- Vorreiter (optimal vorbereitet)
- Pragmatiker (auf gutem Weg)
- Starter (Anforderungen identifiziert, aber ungelöst)
- Überforderte (kommen schwer zurecht)
Die Umfrage unter den Bankvorständen, an der sich zwischen dem 1. und 22. August 2025 71 Prozent der Institute beteiligten, offenbart ein klares Bild: 46 Prozent der Firmenkunden werden als „überfordert“ eingestuft (Stand: 1.–22. August 2025, PM-Umfrage). Nur 5 Prozent gelten als Vorreiter.
„Die Institute müssen im Kreditgeschäft bereits jetzt Nachhaltigkeitsrisiken berücksichtigen. Dies kann dazu führen, dass Unternehmen, die keine entsprechende Berichterstattung vornehmen oder solche Daten nicht erheben, eventuell schlechtere Konditionen oder gar eine Kreditabsage erhalten, obwohl sie vielleicht gar nicht so `unnachhaltig´ sind“, erläutert Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbandes.
Die Investitionsschwerpunkte der Firmenkunden verlagern sich laut der Befragung weiter von Nachhaltigkeitsthemen weg. Während je knapp 60 Prozent der Bankvorstände angeben, dass ihre Kunden in Digitalisierung und Rationalisierung investieren, hat sich der Anteil für Investitionen in Nachhaltigkeit im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert – auf nur noch 21 Prozent (Stand: 1.–22. August 2025, PM-Umfrage)*. Passend dazu beobachten viele Vorstände eine steigende Bedeutung der Rendite gegenüber ESG-Kriterien bei Anlegern.
„Für die Genossenschaftsbanken liegt Nachhaltigkeit eigentlich in der DNA. Problematisch wird es, wenn das Thema auf eine hohe Anzahl komplexer Datenpunkte reduziert und als regulatorische Last auf Banken gelegt wird“, so Hoeck weiter. „Somit steigt der Aufwand der Banken und die Komplexität bei der Kreditvergabe verbleibt auf hohem Niveau.“
Schnellübersicht: Zentrale Umfrageergebnisse
| Indikator | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| Firmenkunden als „überfordert“ eingestuft | 46 % | Anteil der Firmenkunden | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
| Firmenkunden als „Starter“ eingestuft | 28 % | Anteil der Firmenkunden | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
| Firmenkunden als „Pragmatiker“ eingestuft | 21 % | Anteil der Firmenkunden | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
| Firmenkunden als „Vorreiter“ eingestuft | 5 % | Anteil der Firmenkunden | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
| Investitionsschwerpunkt Digitalisierung | knapp 60 % | Anteil der Bankvorstände, die dies angeben | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
| Investitionsschwerpunkt Nachhaltigkeit | 21 % | Anteil der Bankvorstände, die dies angeben | PM-Umfrage, 1.–22. Aug 2025 |
Die nachfolgenden Informationen sowie Zitate entstammen einer Pressemitteilung des Genoverband e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Ab 2026 müssen Banken laut Europäischer Bankenaufsicht ESG-Risiken explizit in Kreditentscheidungen einbeziehen; die 7. Novelle der MaRisk verpflichtet Banken, ESG-Kriterien im Risikomanagement zu verankern (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.imb-hannover.de/2025/12/10/esg-bewertung-und-kreditvergabe
- „Je schlechter die Nachhaltigkeitsleistung eines KMU, desto höher der Kreditzins; negatives ESG-Rating kann zu Kreditablehnungen führen (Stand: 2025).“ – Quelle: https://www.imb-hannover.de/2025/12/10/esg-bewertung-und-kreditvergabe
- „Lediglich 34 % der Unternehmen fühlen sich gut oder sehr gut auf Nachhaltigkeitsanforderungen bei Kreditvergabe vorbereitet (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.mittelstandsbund.de/kompetenzbereiche/finanzen/beitrag/nachhaltigkeit-wird-bei-kreditvergabe-immer-wichtiger
- „Zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen planen in den nächsten drei Jahren Investitionen in Nachhaltigkeit, finanzierbar unter anderem über Bankkredite (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.mittelstandsbund.de/kompetenzbereiche/finanzen/beitrag/nachhaltigkeit-wird-bei-kreditvergabe-immer-wichtiger
- „Banken erarbeiteten einen Katalog von Nachhaltigkeits-KPIs für Unternehmen unter CSRD-Berichtspflicht, um ESG-Datenbedarf zu standardisieren (Stand: 2024).“ – Quelle: https://bankenverband.de/nachhaltigkeit/welche-nachhaltigkeitsdaten-brauchen-banken-von-unternehmen
3 Antworten
Ich habe auch gehört, dass viele Firmenkunden mit den neuen Anforderungen überfordert sind. Was denkt ihr über mögliche Lösungen? Eine Vereinfachung der Berichterstattung könnte vielleicht helfen.
Ich finde es sehr interessant, dass die Banken die Nachhaltigkeitsregulierung als Bremse sehen. Aber ist das nicht auch ein Zeichen, dass wir mehr Unterstützung für die Unternehmen brauchen? Vielleicht sollten wir die Anforderungen einfacher gestalten.
Ja, genau! Es wäre hilfreich, wenn Banken Workshops anbieten würden, um Unternehmen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards zu unterstützen. Das könnte vielen Firmenkunden helfen!