– DLG-Unternehmertage 2025 am 2. und 3. September im CongressCenter Erfurt veranstaltet.
– Leitthema „Nachhaltige Produktivitätssteigerung – Betrieb, Markt, Umwelt“ wurde vielfältig beleuchtet und diskutiert.
– DLG stellte neues Fortschrittskonzept und Positionspapier mit sieben Thesen zur Produktivitätssteigerung vor.
Kernbotschaften und Originaltöne der DLG-Unternehmertage 2025 in Erfurt
Am 2. und 3. September 2025 versammelten sich rund 335 Fachleute im CongressCenter der Messe Erfurt, um unter dem Leitmotiv „Nachhaltige Produktivitätssteigerung – Betrieb, Markt, Umwelt“ zentrale Fragen der Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft intensiv zu diskutieren. Dabei stand ein neu entwickelter Begriff von Fortschritt im Mittelpunkt, der Ökonomie, Ökologie und gesellschaftliche Anforderungen enger zusammenführt. DLG-Präsident Hubertus Paetow appellierte in seiner Eröffnungsrede eindringlich: „Wenn wir uns alle hinter einer gemeinsamen Idee des nachhaltigen Fortschritts versammeln, dann wird sich dieser auch einstellen.“ Diese Aussage betont den kollektiven Willen und die Verantwortlichkeit, die beim Wandel in Landwirtschaft und Ernährung gefragt sind.
Die Veranstaltung zeigte intensiv auf, wie existenziell Produktionssteigerungen im globalen Maßstab bleiben. Prof. Bernhard Brümmer unterstrich eindrücklich, dass ohne eine Erhöhung der Agrarrohstoffproduktion das Ziel, im Jahr 2050 rund 9 Milliarden Menschen zu ernähren, nicht erreicht wird: „Ohne Produktionssteigerung in der globalen Erzeugung von Agrarrohstoffen werde das Ziel, die auf rund 9 Milliarden im Jahr 2050 anwachsende Weltbevölkerung zu ernähren, verfehlt.“ Gleichzeitig veranschaulichten Experten praxisnahe Herausforderungen, etwa Dr. Anna Catharina Voges, die am Beispiel ihres Betriebs die Kosten-Nutzen-Dilematik in der Ackerbaustrategie schilderte: „Die weite Fruchtfolge von zehn bis elf Gliedern auf unserem Betrieb bringt zwar einen hohen ökologischen Nutzen, gleichzeitig deckt aber rund ein Drittel der angebauten Kulturen die Kosten nur unzureichend.“ Dieses Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zieht sich als roter Faden durch viele Beiträge.
Auch im Bereich Tierhaltung zeigte sich nachhaltige Produktivität als vielschichtiges Thema. DLG-Vizepräsident Philipp Schulze Esking hob die Bedeutung der Fütterung hervor: „Durch die Wahl hochwertiger, leicht verdaulicher Komponenten kann ich die Futterverwertung und damit auch den Futtereinsatz positiv beeinflussen.“ Dieses Beispiel verdeutlicht, wie gezielte Maßnahmen zu Ressourcenschonung und Effizienz beitragen können. Ein konkretes Beispiel für nachhaltigen Erfolg lieferte Ulrich Westrup, der den CO₂-Fußabdruck seiner Milchproduktion signifikant reduzieren konnte: „Der CO₂-Fußabdruck je Liter Milch konnte auf unter 1 kg CO₂-Äquivalent gesenkt werden.“ Dass Tierwohl darin eine wichtige Rolle spielt, betont ebenso die Gesamtperspektive der nachhaltigen Produktivitätssteigerung.
Die Rolle der Lebensmittelwirtschaft als zentraler Akteur für eine nachhaltige Entwicklung hob Prof. Dr. Katharina Riehn hervor. Sie bezeichnete die Branche als „Gamechanger“ und unterstrich die Bedeutung intelligenter und digitalisierter Verfahren: „Mehr Wertschöpfung mit weniger Ressourcen“ sei das Ziel, das durch innovative Anwendungen wie den Einsatz künstlicher Intelligenz etwa zur Reduktion von Lebensmittelabfällen erreichbar ist. Dieses Zusammenspiel von Technologie, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung spiegelt sich auch im neu vorgestellten DLG-Positionspapier wider, welches den Begriff der Nachhaltigen Produktivitätssteigerung in sieben Thesen präzisiert und als Leitfaden für Betriebe und Wirtschaft dient.
Die DLG-Unternehmertage 2025 verbanden Fachvorträge mit interaktiven Deep Dives und Masterclasses, in denen praxisnahe Lösungen zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und innovativen Geschäftsmodellen gemeinsam erarbeitet wurden. Dieses neue Format förderte den Austausch und die Vernetzung an der Schnittstelle zwischen Betrieb und Markt. Damit bot die Veranstaltung nicht nur Raum zum Diskutieren, sondern auch zum Entwickeln konkreter Impulse für die Zukunft. Die Veranstaltungsergebnisse und das Positionspapier stehen interessierten Fachkräften und der Öffentlichkeit online zur Verfügung.
Die Botschaft der DLG-Unternehmertage 2025 ist klar: Fortschritt gelingt nur durch bewusstes Handeln, das ökonomische Erträge mit ökologischer Verantwortung verbindet – und durch gemeinsames Engagement für eine nachhaltige, leistungsfähige Agrar- und Lebensmittelwirtschaft.
Warum nachhaltige Produktivitätssteigerung heute entscheidet
Die wachsende Weltbevölkerung, der Klimawandel und die begrenzten Ressourcen machen die Frage nach einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung zu einem der zentralen Themen für Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf rund neun Milliarden Menschen anwachsen, was einen erheblichen Mehrbedarf an Nahrungsmitteln bedeutet. Gleichzeitig steigen die ökologischen Anforderungen: Der Schutz von Biodiversität, der Klimaschutz und ein sparsamer Umgang mit Wasser, Energie und Boden müssen in der Produktion berücksichtigt werden. Die Herausforderung besteht darin, mit geringeren oder zumindest gleichbleibenden Ressourcen nachhaltiger zu wirtschaften, ohne die Produktivität zu senken.
Dabei geht es nicht nur um rein technische oder agronomische Lösungen, sondern um die Entwicklung ganzheitlicher Konzepte, die Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und gesellschaftliche Akteure verbinden. Ein neues Verständnis von Produktivität wird gefordert, das über rein wirtschaftliche Kennzahlen hinaus auch ökologische und soziale Faktoren einbezieht. Wie DLG-Präsident Hubertus Paetow betont: „Wenn wir uns alle hinter einer gemeinsamen Idee des nachhaltigen Fortschritts versammeln, dann wird sich dieser auch einstellen.“ Die DLG-Unternehmertage 2025 zeigten eindrücklich, dass die Zukunft der nachhaltigen Produktivität auf den Höfen entschieden wird – nicht allein durch politische Vorgaben, sondern durch innovative Lösungen vor Ort.
Die globale Vernetzung der Landwirtschaft führt zu einem stärkeren Druck, mit international vergleichbaren Nachhaltigkeitsstandards Schritt zu halten und zugleich wettbewerbsfähig zu bleiben. Länder wie die Niederlande setzen hier bereits auf kooperative Modelle und digitale Innovationen, um ihre Produktivität trotz hoher Umweltstandards zu steigern. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) werden beispielsweise Produktionsprozesse optimiert und Lebensmittelverluste minimiert.
Globale Ernährungssicherheit im Fokus
Die Sicherstellung der Ernährung bleibt ein globales Ziel. Die steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen verlangt eine Produktivitätssteigerung, die gleichzeitig den Umwelt- und Klimaschutz berücksichtigt. Ein wichtiger Aspekt ist die Entwicklung neuer Bewertungsmaßstäbe, die auch bisher schwer messbare Leistungen wie Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit erfassen und bewerten. Wissenschaftler fordern daher ein Zielmaß, das marktfähige und nicht-marktfähige Produktionsfaktoren gleichwertig betrachtet.
Landwirtschaftliche Praktiken wie eine breite Fruchtfolge, gezielte Fütterung und verbesserte Haltungsmethoden tragen dazu bei, Effizienz und Nachhaltigkeit zu verbinden. Doch auch der Umgang mit Wasserressourcen oder die Erfassung und Nutzung von Daten zur Produktivitäts-Optimierung leisten einen wichtigen Beitrag. So kann beispielsweise ein präzises Nährstoffmanagement den Ressourcenverbrauch senken und gleichzeitig den Ertrag sichern.
Innovationsdruck und Digitalisierung in der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft steht unter enormem Innovationsdruck. Digitale Technologien und Vernetzung sind Schlüssel, um nachhaltige Produktivität zu erzielen. Intelligente Datenmanagementsysteme, KI-gestützte Analysetools und automatisierte Prozesse unterstützen Landwirte bei Entscheidungen in Echtzeit. Auch entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette setzen immer mehr Unternehmen auf Digitalisierung – von der automatisierten Warenbestellung im Einzelhandel bis zur Robotertechnik in der Schlachtindustrie.
Kooperative Ansätze gewinnen an Bedeutung, um Ressourcen effizienter zu nutzen und agrar- und klimaschutzrelevante Maßnahmen besser abzustimmen. Während traditionelle Fördermodelle oft als bürokratisch kritisiert werden, zeigt das niederländische Modell mit gemeinsamen Anträgen verschiedener Betriebe, wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen lassen.
Wichtige Innovationsfelder nachhaltiger Produktivitätssteigerung:
- Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Optimierung von Produktion und Logistik
- Entwicklung und Anwendung neuer Fruchtfolgesysteme und ressourcenschonender Anbautechniken
- Kooperative Agrarumweltmaßnahmen zur Förderung der Biodiversität und effizienterem Ressourceneinsatz
- Digitalisierte Managementsysteme zur Erfassung und Auswertung von Betriebsdaten
- Nachhaltige Futtermittelkonzepte zur Verbesserung der Futterverwertung und Senkung des CO₂-Fußabdrucks
Mit Blick auf politische und ökologische Entwicklungen wird die nachhaltige Produktivitätssteigerung auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Neue Regulierungen, etwa ab 2028 zu CO₂-Emissionen, bieten aus Sicht von Praktikern wie dem dänischen Landwirt Thomas Kjaer nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Damit wird die Landwirtschaft nicht nur Teil der Lösung in Klima- und Umweltschutzfragen, sondern sichert gleichzeitig ihre wirtschaftliche Zukunft.
Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG).
16 Kommentare
„Fortschritt gelingt nur durch bewusstes Handeln“ – das sollte man nicht vergessen! Wie können wir alle zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen? Gibt es Initiativen oder Projekte, die hier bereits wirken?
„Gemeinsame Anträge verschiedener Betriebe“ könnte eine Lösung sein! Aber gibt es schon konkrete Beispiele dafür? Ich glaube an kooperative Ansätze!
„Mehr Wertschöpfung mit weniger Ressourcen“ klingt gut in der Theorie! Aber wie sieht die Realität aus? Gibt es bereits Erfolge aus anderen Ländern? Ich würde gerne mehr darüber erfahren!
Die nachhaltige Produktivitätssteigerung ist ein Schlüsselthema unserer Zeit! Ich frage mich, ob die Politik genug tut, um Landwirte bei diesen Herausforderungen zu unterstützen. Was sind eure Gedanken dazu?
Ich glaube nicht, dass die Politik das wirklich versteht. Viele Landwirte stehen unter Druck und brauchen Unterstützung bei der Umsetzung neuer Technologien.
Ich finde die Themen der DLG-Unternehmertage sehr wichtig, besonders die Verbindung von Nachhaltigkeit und Produktivität. Aber wie können wir sicherstellen, dass diese Ideen auch in der Praxis umgesetzt werden? Ich hoffe auf mehr konkrete Beispiele!
Ja, gute Frage! Vielleicht könnten wir mehr Veranstaltungen wie diese brauchen, um den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu fördern. Was denkt ihr über den Einsatz von KI in der Landwirtschaft?
Ich denke auch, dass es an der Zeit ist, innovative Ansätze stärker in den Vordergrund zu stellen. Die DLG hat einen guten Punkt angesprochen, aber wie sieht es mit den Kosten für Landwirte aus?
‚Künstliche Intelligenz zur Optimierung‘ klingt spannend! Was haltet ihr von der Rolle der Technologie in der Landwirtschaft? Ist sie die Lösung oder birgt sie auch Risiken?
‚Gamechanger‘ finde ich ein starkes Wort! Wie können wir als Gesellschaft mehr dafür tun? Bildung und Aufklärung scheinen mir entscheidend.
Nachhaltigkeit ist super wichtig! Aber wie steht es mit der Wirtschaftlichkeit? Wenn wir mehr produzieren wollen, wie gehen wir dann mit den Ressourcen um? Das Thema ist sehr komplex!
Genau! Ich denke auch, dass wir innovative Ansätze brauchen. Hat jemand von euch gute Ideen dazu?
Ein interessanter Punkt! Vielleicht könnten digitale Lösungen helfen, effizienter zu arbeiten und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.
Ich fand den Artikel sehr informativ. Besonders die Punkte über nachhaltige Produktivitätssteigerung sind wichtig, aber wie können wir sicherstellen, dass auch kleine Betriebe davon profitieren? Gibt es schon Beispiele?
Das ist eine gute Frage, Johann. Vielleicht könnten lokale Kooperationen helfen, um Wissen und Ressourcen zu teilen?
Ich stimme zu! Es wäre interessant zu erfahren, welche Förderprogramme es gibt, um diese kleinen Betriebe einzubeziehen.