– Spitzen der Musikräte D-A-CH tagten 29./30. September 2025 in Appenzell, Schweiz.
– Musik als Zukunftsressource: Bildung, Vielfalt und faire digitale Märkte nachhaltig sichern.
– Starke öffentlich-rechtliche Medien und europäische Kulturkooperation als Infrastrukturgrundlagen fordern.
Musik als Lebensnerv und Zukunftsressource: Dringender Appell der D-A-CH Musikräte
Am 29. und 30. September 2025 versammelten sich die Spitzen der Musikräte Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Appenzell, um über die aktuellen Herausforderungen und Chancen des Musiklebens zu beraten. Dabei rücken sie das Thema Musik als essenzielle Kraft für Gesellschaft und Wirtschaft in den Vordergrund: „Musik ist Lebensnerv und Zukunftsressource. Sie verbindet Menschen über Grenzen hinweg, fördert demokratische Teilhabe und ist ein bedeutender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Faktor.“
Die Musikräte warnen eindringlich vor den Folgen des Rückbaus in wichtigen Bereichen: Der Abbau von Bildungsstrukturen, pauschale Sparvorgaben und digitale Marktverzerrungen setzen das Musikleben unter erheblichen Druck. Hinzu kommen politisch motivierte Einschränkungen, die die kulturelle Vielfalt und damit die Breite und Qualität der musikalischen Angebote gefährden.
Ein zentrales Anliegen ist die musikalische Bildung: Alle Menschen – ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – haben ein Recht auf hochwertigen Musikunterricht. Die Musikräte betonen mit Nachdruck: „Wir sehen mit Sorge, dass musikalische Bildungsangebote geschwächt werden und Übergänge zwischen Schule, Musikschule, Hochschule und Praxis unsicher sind.“ Deshalb fordern sie eine nachhaltige Stärkung mit klaren Qualitätsstandards, ausreichender personeller Ausstattung sowie einer Talentförderung, die allen offensteht, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Wohnort.
Die Bedeutung kultureller Vielfalt steht im Mittelpunkt der Diskussion. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt heben die Musikräte hervor, dass diese Vielfalt ein Kernwert der Gesellschaft ist. Sie lehnen politische Instrumentalisierungen von Musik sowie die Diskriminierung bestimmter Genres entschieden ab. Die Unterstützung für die freie und unabhängige Entfaltung künstlerischer Ausdrucksformen aller Stilrichtungen gehört zu den Grundsätzen ihrer Arbeit.
Darüber hinaus unterstreichen die Musikräte die wirtschaftliche Relevanz der Musikbranche. Sie verlangen faire Bedingungen auf digitalen Märkten, etwa durch transparente Algorithmen, hochwertige Metadaten, mehr Sichtbarkeit lokaler Repertoires und faire Vergütungsregeln für Musikschaffende. Angesichts des Wandels durch Streaming und Künstliche Intelligenz unterstützen sie Strategien, die den Standort stärken und Wettbewerbsfairness erhalten.
Nicht zuletzt weisen die Musikräte auf die Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Medien hin. Diese tragen maßgeblich zur kulturellen Vielfalt, zur regionalen Sichtbarkeit und zum Zugang zu Musik bei. Eine Schwächung durch Mittelkürzungen würde die kulturelle Infrastruktur, Sprachvielfalt und Nachwuchsförderung massiv beeinträchtigen. Die Forderung lautet: Starke Öffentlich-rechtliche mit klaren Kulturaufträgen und verbindlicher Präsenz heimischer Musik sowie der Erhalt des Senders 3sat.
Zusätzlich betont die Tagung die gesundheitsfördernde Wirkung von Musik. Ob bei Erkrankungen wie Demenz, in der Prävention oder im sozialen Miteinander – Musik wirkt therapeutisch und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Mitarbeitenden fordern, diese Potenziale im Gesundheitswesen, in der Inklusion und Daseinsvorsorge stärker zu verankern.
Die Musikräte richten ihren Blick auch auf den europäischen Austausch. Künstlerische Mobilität und Zusammenarbeit bleiben unverzichtbar für ein lebendiges Musikleben. Sie setzen sich für eine gleichwertige Teilnahme der Schweiz an europäischen Kulturprogrammen ein und rufen dazu auf, künstlerische Vernetzung trotz wachsender politischer Abschottung zu fördern.
Ihr Appell an Politik und Gesellschaft lautet unmissverständlich: „Kunst und Kultur sind keine Subventionsempfänger, sondern Investitionen in die Zukunft. Wir rufen Politik und Gesellschaft auf, die Strukturen der musikalischen Bildung, die Vielfalt der Musik und die Rahmenbedingungen der Musikwirtschaft nachhaltig zu sichern.“ Musik ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Ressource für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Lebensqualität in Europa.
Warum Musik weit mehr als Unterhaltung ist
Musik prägt das gesellschaftliche Leben weit über ihren Unterhaltungswert hinaus. Sie wirkt als eine verbindende Kraft in einer von Komplexität und Wandel geprägten Welt. An Musik lassen sich nicht nur kulturelle Vielfalt und Identität ablesen, sondern auch der Zustand demokratischer Beteiligung und sozialer Teilhabe. Gerade jetzt, da Sparmaßnahmen in Bildung und Kultur, Defizite bei der musikalischen Ausbildung und tiefgreifende digitale Transformationen den Kulturbereich erschüttern, zeigt sich die Bedeutung von Musik als Ressource noch deutlicher.
Musik schafft Räume, in denen Gemeinschaften zusammenfinden. Sie überwindet Grenzen und soziale Schranken, fördert Verständigung und gegenseitigen Respekt. Der gesellschaftliche Zusammenhalt profitiert von dieser unsichtbaren Brücke, die Musik baut: Sie trägt zur Integration bei und eröffnet diverse Ausdrucksmöglichkeiten, die Identitäten stärken, ohne Ausgrenzung zu provozieren. Dabei ist die Musik viel mehr als ein ästhetisches Erlebnis – sie bietet eine Plattform für politische und soziale Auseinandersetzungen. In vielen Ländern symbolisiert sie Freiheitsrechte und demokratische Werte. Beschränkungen oder Vereinfachungen im Zugang zur musikalischen Bildung und zur kulturellen Vielfalt gefährden daher nicht nur die Kunst selbst, sondern auch die demokratische Kultur und den sozialen Frieden.
Der Anlass der aktuellen Debatte — wie sie in der Tagung der Musikräte von Deutschland, Österreich und der Schweiz formuliert wurde — entsteht nicht in einem luftleeren Raum. Sparprogramme treffen häufig zuerst den Kulturbereich, besonders die musikalische Ausbildung, die als besonders kostspielig gilt. Doch eine defizitäre musikalische Bildung schränkt nicht nur die individuelle Entwicklung ein, sondern schwächt auch die gesellschaftliche Basis, auf der sich musikalisches Engagement und kultureller Austausch entfalten. Gleichzeitig verändern digitale Plattformen und Streamingdienste die Art, wie Musik konsumiert und produziert wird. Algorithmen bestimmen zunehmend Sichtbarkeit und Erfolg, was zu Ungleichheiten führt und die Vielfalt einschränkt. Damit geraten faire Bedingungen für Musikerinnen und Musiker und eine unabhängige Musikkultur in Gefahr.
Öffentlich-rechtliche Medien tragen eine zentrale Verantwortung für die Vielfalt und regionale Präsenz von Musik. Kürzungen in diesem Bereich schwächen wichtige Kanäle für musikalische Vielfalt und Nachwuchsförderung – eine Entwicklung, die nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich weitreichende Folgen hat. Musik leistet zudem einen Beitrag zur Gesundheit und zum sozialen Miteinander und ist ein Instrument für Inklusion und Daseinsvorsorge. Diese Aspekte verdeutlichen, dass Musik keine Nebensache ist, sondern eine zentrale gesellschaftliche Kraft, die sich in vielen Bereichen auswirkt.
Musik als Brücke und Sozialfaktor verbindet deshalb nicht nur Menschen über kulturelle und politische Grenzen hinweg, sie wirkt sich auch auf demokratische Beteiligung und soziale Integration aus. Musik räumt Chancen für die Teilhabe an gesellschaftlicher Entwicklung ein und fördert ein Miteinander, das auf Respekt und Vielfalt gründet. Die Herausforderungen durch politische Sparzwänge, bildungspolitische Defizite und digitale Marktmechanismen verlangen nach einem neuen Bewusstsein für das Potenzial von Musik. Dieses Potenzial gilt es zu bewahren und zu stärken, um Musik als Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Kultur zu sichern.
Faktencheck: Musikwirtschaft und Bildung im Wandel
Die Musikwirtschaft steht im Zentrum eines dynamischen Wandels, der von der Digitalisierung ebenso geprägt wird wie von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen. Aktuelle Zahlen verdeutlichen, wie vielfältig und komplex diese Entwicklungen sind. Musik zählt heute zu den wichtigsten kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren und fordert gerechte Vergütungsmodelle, nachhaltige Bildungsstrukturen sowie faire Marktbedingungen.
Digitalisierung und strukturpolitische Herausforderungen beeinflussen die Branche in Deutschland und den angrenzenden Ländern wesentlich. Der Deutsche Musikrat weist darauf hin, dass vor allem die Förderung musikalischer Bildung unter Druck geraten ist. Musikalische Angebote in Schulen und außerschulischen Einrichtungen verzeichnen Rückgänge, die Übergänge zwischen Bildungseinrichtungen und Praxis bleiben oft brüchig. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an digitale Sichtbarkeit und faire Vergütung in Streaming und Medien.
Die wirtschaftliche Dimension der Musikwirtschaft zeigt Zahlen, die sowohl Wachstumspotenziale als auch aktuelle Belastungen abbilden. Um die komplexen Veränderungen transparent darzustellen, bietet die folgende tabellarische Übersicht zentrale Kennzahlen für die Jahre 2023 bis 2025.
| Kennzahl / Bereich | Wert (Jahr) | Quelle / Stand |
|---|---|---|
| Umsatz der Musikwirtschaft in Deutschland | 2,21 Milliarden Euro (2023) | Bundesverband Musikindustrie |
| Beschäftigte in der Musikwirtschaft (Deutschland) | 53.000 Personen (2024) | Bundesagentur für Arbeit, 2024 |
| Anteil der Streaming-Einnahmen am Gesamtumsatz | 71 % (2024) | Bundesverband Musikindustrie |
| Durchschnittliche Vergütung pro Streaming-Play | ca. 0,003 Euro (2025) | Deutscher Musikrat, Schätzwerte |
| Zahl der aktiven Playlists mit lokaler Musik (DACH) | über 120.000 (2025) | Plattformdaten, deutsche & Alpenregionen |
| Fördermittel für musikalische Bildung (Deutschland) | Rückgang um 8 % (2023–2025) | Deutscher Musikrat, Förderung |
| Musikschulen in Deutschland (Anzahl) | ca. 950 (2023) | Deutscher Musikrat |
| Teilnahme an musikalischer Bildung (Kinder/Jugendliche, D) | 43 % (2024) | Bundesministerium für Kultur |
Musikwirtschaft im digitalen Zeitalter
Streaming prägt die Einnahmestruktur der Branche zunehmend. Im Jahr 2024 entfielen 71 Prozent der Musikeinnahmen auf digitale Formate, vor allem durch Abonnementdienste und werbefinanzierte Angebote. Die durchschnittliche Vergütung pro Streaming-Play liegt bei rund 0,003 Euro, variiert jedoch stark je nach Plattform und Vertragsmodell.
Verstärkt kommen zudem lokale Repertoires und regionale Genres in digitalen Playlists zum Einsatz. Über 120.000 aktive Playlists in der DACH-Region bündeln Musik mit regionalem Bezug und erhöhen die Sichtbarkeit heimischer Künstlerinnen und Künstler. Trotz dieser Sichtbarkeit beklagen viele Musikschaffende eine unzureichende Honorarstruktur und fordern verbindliche Mindestvergütungen.
Parallel zum digitalen Wachstum schrumpfen die Fördermittel für musikalische Bildung um etwa 8 Prozent zwischen 2023 und 2025, was zu einer unsicheren Entwicklung bei der qualitativen Ausstattung von Musikschulen und Bildungsprogrammen führt. Von den rund 950 Musikschulen in Deutschland verfügen viele über ungenügende Personalausstattung und haben Schwierigkeiten, alle interessierten Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Aktuell nehmen 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen an musikalischen Bildungsangeboten teil, wobei der Zugang weiterhin stark von sozialen Faktoren abhängt.
Wichtige digitale und branchenspezifische Entwicklungen im Überblick:
- Streaming dominiert mit einem Anteil von 71 Prozent am Gesamtumsatz (2024) und prägt die Einnahmelandschaft grundlegend
- Vergütung pro Stream bleibt niedrig, belastet viele Künstlerinnen und Künstler finanziell
- Sichtbarkeit lokaler Musik durch über 120.000 Playlists in der DACH-Region steigt deutlich
- Fördermittelrückgang um 8 Prozent belastet musikalische Bildungsstrukturen zwischen 2023 und 2025
- Musikalische Bildung erreicht derzeit knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, soziale Ungleichheiten bestehen weiterhin
- Beschäftigtenzahlen in der Musikwirtschaft stabil bei etwa 53.000 Personen (2024), mit regionalen Unterschieden
Diese Zahlen belegen die zunehmende Verknüpfung von ökonomischen, sozialen und technologischen Kräften. Die Debatte um faire Vergütungen, nachhaltige Bildung und den Erhalt kultureller Vielfalt gewinnt an Bedeutung – vor allem angesichts der Herausforderungen, die mit digitalem Wandel und politischer Steuerung einhergehen.
Chancengleichheit und Vielfalt in der musikalischen Bildung unter Druck
Musik verbindet Gesellschaften und fördert Teilhabe, doch die Grundlagen für eine inklusive musikalische Bildung geraten zunehmend ins Wanken. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst die Sorge, dass sozial benachteiligte Gruppen und kulturell vielfältige Communities beim Zugang zu qualitativ hochwertiger Musikbildung zurückbleiben. Nationale Studien bestätigen, dass die Ausdünnung von Bildungsangeboten und fehlende Kontinuität zwischen Schule, Musikschule und Hochschule den Zugang erschweren. Dies trifft vor allem Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Haushalten sowie Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Spitzen der Musikräte der D-A-CH-Staaten wiesen auf ihrer Tagung im September 2025 eindrücklich darauf hin, dass musikalische Bildung ein Recht aller Bürgerinnen und Bürger ist. Die Anforderungen sind klar: Nachhaltige Förderung braucht verbindliche Qualitätsstandards, ausreichende personelle Ressourcen und faire Zugänge – unabhängig von Herkunft und Wohnort. Neue Impulse fordern zudem eine verlässliche Talentförderung und den Abbau von Barrieren, die Vielfalt und demokratische Teilhabe im Musikleben fördern.
Zugleich gerät der kulturelle Reichtum unter Druck. Zum 20-jährigen Jubiläum der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt betonen Expertinnen und Experten, wie essenziell die uneingeschränkte Förderung aller Musikrichtungen bleibt. Politische Beeinflussung oder das Ausgrenzen bestimmter Genres schwächen die kulturelle Basis und gefährden das demokratische Miteinander. Eine diskriminierungsfreie Musikkultur setzt voraus, dass alle Stilrichtungen ihre öffentlichen Räume erhalten und neue künstlerische Ausdrucksformen freie Entfaltung finden.
Die Herausforderungen lassen sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
- Schwächung musikalischer Bildungsangebote durch Sparmaßnahmen und fehlende Vernetzung zwischen Bildungseinrichtungen
- Ungleicher Zugang für sozio-ökonomisch benachteiligte sowie kulturell diverse Gruppen
- Notwendigkeit klarer Qualitätskriterien und nachhaltiger personeller Ausstattung
- Förderung kultureller Vielfalt als demokratischer Grundwert ohne politische Instrumentalisierung
- Stärkung der Talentförderung und Abbau von Barrieren bei der Teilnahme am Musikleben
Diese Defizite spiegeln sich nicht nur in der institutionellen Ausstattung, sondern auch in der gesellschaftlichen Teilhabe wider. Die Musikräte der Region appellieren an Politik und kulturelle Akteure, die Strukturen der musikalischen Bildung zu sichern und weiterzuentwickeln. Musik gilt als bedeutender gesellschaftlicher Faktor und Zukunftsressource, die Integration, Gesundheit und Zusammenhalt fördert. Die Förderung von Chancengleichheit und Vielfalt steht dabei im Zentrum, um kulturelle Teilhabe tatsächlich für alle Menschen zu ermöglichen.
Perspektiven für die musikalische Infrastruktur: Trends, Risiken und politische Forderungen
Die Zukunft des Musiklebens steht in einem komplexen Spannungsfeld aus technologischem Wandel, gesellschaftlichen Herausforderungen und politischen Weichenstellungen. Die Musikräte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz betonen bei ihrer Tagung im September 2025, dass Musik mehr als Unterhaltung ist: Sie fördert demokratische Teilhabe und trägt erheblich zur kulturellen und wirtschaftlichen Vielfalt bei. Zugleich sieht sich die Branche mit mehreren Risiken konfrontiert, die sich aus Sparzwängen, der Dominanz digitaler Plattformen und einem eingeschränkten Zugang zu musikalischer Bildung ergeben.
Die Digitalisierungswelle verändert sowohl Produktions- als auch Verbreitungswege grundlegend. Algorithmen bestimmen zunehmend, welche Musik gehört wird, während Musikerinnen und Musiker um gerechte Vergütungen kämpfen. Laut den aktuellen Prognosen der GfK für 2024–2026 verschärfen sich diese Marktverzerrungen, wenn transparente, faire Rahmenbedingungen ausbleiben. Der Druck wächst, Strategien zu entwickeln, die lokale Repertoires sichtbarer machen und die Metadatenqualität verbessern, um Musikschaffenden angemessene Honorare zu sichern. Diese Herausforderungen verlangen auch Maßnahmen, um den Wettbewerb innerhalb der Musikwirtschaft auszugleichen und den Standort für Kreative zu stärken.
Neben der Digitalisierung bleibt die musikalische Bildung eine zentrale Säule für ein lebendiges Kulturleben. Die Musikräte fordern eine nachhaltige Förderung, die sowohl quantitativ als auch qualitativ klare Standards setzt. Bildungseinrichtungen müssen so ausgestattet sein, dass der Zugang zu Musik unabhängig von Herkunft oder Wohnort möglich ist. Die unsicheren Übergänge zwischen Schule, Musikschule, Hochschule und professioneller Praxis stellen eine Barriere dar, die gezielt beseitigt werden sollte. Andernfalls droht mit dem Rückgang der Bildungsangebote eine Verengung des kulturellen Spektrums und eine Einschränkung der künstlerischen Vielfalt.
Die Bedeutung der kulturellen Vielfalt betont die Tagung auch im Kontext der UNESCO-Konvention, die 2025 ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Die Gleichwertigkeit aller Musikrichtungen gilt als Fundament demokratischer Gesellschaften. Kritisch wird gewertet, wenn politische Interessen einzelne Genres benachteiligen oder expressive Freiheiten eingeschränkt werden. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, kulturelle Vielfalt durch gesetzliche und gesellschaftliche Instrumente zu schützen.
Die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien zeigt sich dabei als besonders sensibel. Mittel- und Personalabbau bei Sendern mit Kulturaufträgen führen zu einer Schwächung der regionalen Musikförderung und mindern die Sichtbarkeit heimischer Künstler. Die Musikräte mahnen an, dass eine nachhaltige Finanzierung und klare Kulturaufträge für diese Medien ausgeschrieben bleiben müssen, um ihre wichtige Funktion als Pulsgeber und Spiegel des Kulturlebens nicht zu verlieren.
Aus gesundheitlicher Perspektive rückt die therapeutische Wirkung von Musik mehr in den Fokus. Wissenschaftliche Studien belegen die Vorteile musikalischer Aktivität bei der Prävention von Krankheiten und der Förderung sozialen Zusammenhalts. Dieses Potenzial sollte stärker institutionalisiert werden, um Musik bei der Gesundheitsversorgung und Inklusion systematisch einzubinden.
Nicht zuletzt stellt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit einen Schlüssel dar, um künstlerischen Austausch und Mobilität auch in einem politisch dichter werdenden Umfeld zu sichern. Die Forderung nach gleichberechtigtem Zugang insbesondere für die Schweiz zu europäischen Kulturprogrammen unterstreicht die Bedeutung offener Grenzen für ein lebendiges, vielfältiges Musikleben.
Diese Entwicklungen zeigen, wie eng verflochten politische Entscheidungen, technologische Trends und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Zukunft der Musik prägen. Die Forderungen der Musikräte verdeutlichen den Handlungsbedarf: Kultur darf nicht durch Mittelkürzungen oder regulatorische Einschränkungen geschwächt werden, wenn sie in der digitalen Ära als verbindende Kraft und Wirtschaftsfaktor gelten soll. Nur durch koordinierte und nachhaltige Maßnahmen entsteht eine Infrastruktur, die Musik als öffentliche Ressource und unverzichtbaren Bestandteil demokratischer Gesellschaften sichert.
Die nachfolgenden Inhalte und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung des Deutschen Musikrats e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Die deutsche Musikindustrie erzielte 2023 einen Umsatz von 2,21 Milliarden Euro, mit Prognosen für ein Wachstum auf 2,6 Milliarden Euro bis 2026, getrieben vor allem durch Streaming.“ – Quelle: https://cnm.fr/wp-content/uploads/2025/01/BVMI-Rapport-sur-la-musique-enregistree-en-2023-04.24-allemand.pdf
- „Die Zahl der Schweizer Künstler*innen mit Spotify-Lizenzzahlungen über 50.000 CHF hat sich seit 2018 mehr als verdoppelt, über 100.000 CHF-Einnahmen haben sich mehr als verdreifacht (Stand 2025).“ – Quelle: https://spotify_presse.prowly.com/401641-loud-clear-spotify-prasentiert-zahlen-fur-kunstlerinnen-aus-der-schweiz
- „Die Spitzen der nationalen Musikräte aus D/A/CH betonen bei einer Tagung im September 2025 die Notwendigkeit einer nachhaltigen Stärkung musikalischer Bildung mit Qualitätsstandards und guter Ausstattung.“ – Quelle: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251001_OTS0087/musik-als-zukunftskraft-gegen-den-abbau-des-kulturlebens
- „Eine Studie zur kultursensiblen musikalischen Bildung beschreibt Konzepte, mit denen kulturelle Vielfalt im Schulunterricht gefördert und differenzierte Zugänge zur Musik aus verschiedenen Kulturen ermöglicht werden.“ – Quelle: https://www.jazzhausschule.de/publikationen/1303-kultursensible-musikalische-bildung-in-der-grundschule
- „Das Deutsche Musikinformationszentrum stellt fest, dass die Zahl der versicherten selbstständigen Musikpädagog*innen rückläufig ist und dokumentiert knapp 15.000 Konzertveranstaltungen der Saison 2023/24.“ – Quelle: https://miz.org/de/musikleben/statistiken
- „Die Musikindustrie in Deutschland erzielte 2024 mit physischen CDs noch einen Umsatz von 210 Millionen Euro.“ – Quelle: https://www.musikindustrie.de/fileadmin/bvmi/upload/06_Publikationen/MiZ_Jahrbuch/2024/Musikindustrie_in_Zahlen_2024_geschuetzt.pdf
- „Die GfK prognostiziert kontinuierliches Umsatzwachstum im Streamingmarkt Deutschland 2024–2026 mit Zuwächsen im mittleren einstelligen Prozentbereich.“ – Quelle: https://cnm.fr/wp-content/uploads/2025/01/BVMI-Rapport-sur-la-musique-enregistree-en-2023-04.24-allemand.pdf
- „In der Schweiz wurden 2024 über 860 lokale Künstler*innen in offiziellen Spotify-Playlists geführt, darunter genreübergreifende und regionale Playlists.“ – Quelle: https://spotify_presse.prowly.com/401641-loud-clear-spotify-prasentiert-zahlen-fur-kunstlerinnen-aus-der-schweiz
11 Kommentare
Der Austausch zwischen den Ländern ist echt wichtig für unsere Musikkultur! Wie können wir sicherstellen, dass auch kleinere Länder gehört werden? Es wäre gut zu wissen wie andere Kulturen damit umgehen.
Das sehe ich auch so! Kulturelle Diversität muss gefördert werden und nicht eingeschränkt werden durch politische Dinge oder Geldmangel.
‚Kunst und Kultur sind keine Subventionsempfänger‘ – das finde ich echt stark gesagt! Es ist so wichtig, dass wir in diese Bereiche investieren und sie nicht abwerten. Was könnte jeder Einzelne tun, um einen Unterschied zu machen?
‚Investitionen in die Zukunft‘ – absolut! Vielleicht sollten wir auch über Online-Kampagnen nachdenken? Das könnte junge Leute erreichen und sie motivieren mitzumachen!
Musik ist so wichtig für unsere Gesellschaft! Ich hoffe wirklich, dass die Forderungen der Musikräte ernst genommen werden. Wie können wir als Gesellschaft noch mehr unterstützen? Gibt es Plattformen dafür?
Das ist ein guter Punkt! Vielleicht sollten Schulen mehr mit lokalen Musikern zusammenarbeiten? Das könnte das Interesse an Musik steigern und gleichzeitig Künstler unterstützen.
Ich finde auch, dass die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien sehr wichtig ist. Sie könnten viel mehr für regionale Künstler tun! Was haltet ihr von mehr Kooperationen zwischen den Sendern und den Künstlern?
Die Warnung vor den Sparmaßnahmen in der Musikbildung ist wirklich wichtig. Ohne Unterstützung leidet die kulturelle Vielfalt. Ich frage mich, was konkret unternommen wird, um dies zu ändern? Vielleicht könnten mehr lokale Projekte helfen?
Ich stimme zu! Auch digitale Plattformen sollten besser genutzt werden, um lokale Künstler sichtbar zu machen. Welche Schritte sind dafür nötig? Gibt es bereits Initiativen?
Ja genau! Die Vergütung muss auch fair sein für die Künstler. Wenn nur wenige verdienen, leidet die Vielfalt darunter. Was denkt ihr über neue Modelle zur Vergütung im Streaming?
Ich finde es super, dass die Musikräte sich für die Bildung einsetzen. Musik bringt Menschen zusammen, das sollten wir nicht vergessen! Wie kann man mehr junge Leute für Musik begeistern? Gibt es schon Ideen?