– Landesmusikrat NRW verleiht 2025 zum 20. Mal „Silberne Stimmgabel“ an Hans Hermann Wickel
– Wickel prägte Musikgeragogik an FH Münster mit Weiterbildungen für ältere Menschen
– Verleihung am 30. August 2025 im Konzertsaal der Landesmusikakademie NRW in Heek
Landesmusikrat NRW ehrt Prof. Dr. Hans Hermann Wickel mit Silberner Stimmgabel
Der Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen verleiht 2025 die Silberne Stimmgabel an Prof. Dr. Hans Hermann Wickel. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Verband sein herausragendes Engagement in der Musikgeragogik, einem Fachgebiet, das die musikalische Bildungsarbeit speziell für ältere Menschen fokussiert. Der Mitbegründer der Musikgeragogik hat sich mit seinem Wirken an der Fachhochschule Münster und insbesondere mit den Weiterbildungen 'Kulturgeragogik' und 'Musikgeragogik/Musik mit alten Menschen' für eine spezifische musikalische Bildungsarbeit für das dritte und vierte Lebensalter eingesetzt und die gesellschaftliche Bedeutung dieser Arbeit bewusst gemacht.
Wickels Arbeit habe frühzeitig auf die wachsende Bedeutung des gemeinschaftlichen Musizierens im Alter aufmerksam gemacht. Das war zukunftsweisend, denn angesichts der demographischen und gesellschaftlichen Entwicklung nimmt die soziale Bedeutung des Musizierens und gerade auch des gemeinschaftlichen Musizierens im Alter weiter zu.
Die Übergabe der Silbernen Stimmgabel erfolgt am Samstag, den 30. August 2025 um 14 Uhr im Konzertsaal des Musikzentrums der Landesmusikakademie NRW in Heek. Die Laudatio hält Barbara Plenge, Prodekanin für Studium und Lehre der Musikhochschule Münster. Für den musikalischen Rahmen sorgt das preisgekrönte Duo Izabela Qevani (Violoncello) und Dajana Qevani (Klavier) aus Münster.
Die Preisverleihung findet im Rahmen der Mitgliederversammlung des Landesmusikrats statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt frei. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten.
Musikgeragogik – Musik als Brücke zu Teilhabe und Lebensqualität im Alter
Musikgeragogik beschreibt die spezifische musikpädagogische Arbeit mit älteren Menschen. Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem eigenständigen Fachgebiet herangewachsen, das sich den vielfältigen Bedürfnissen eines alternden Publikums widmet. Die Entwicklung dieses Bereichs ist eng mit dem demografischen Wandel verbunden, der in vielen Gesellschaften eine steigende Zahl älterer Menschen und eine veränderte Bedeutung von Teilhabe und Lebensqualität mit sich bringt. Vor diesem Hintergrund rücken musikalische Angebote für Seniorinnen und Senioren zunehmend in den Fokus – nicht zuletzt, weil Musik ein niederschwelliges, gemeinsames Erlebnis schafft, das körperliche, geistige und soziale Aspekte miteinander verbindet.
Demografischer Wandel und kulturelle Teilhabe
Die Alterung der Gesellschaft stellt viele Systeme vor Herausforderungen. Zugleich bieten sich Chancen für eine neue Gestaltung von Kultur- und Bildungsangeboten, die speziell auf die Lebensrealitäten im höheren Lebensalter zugeschnitten sind. Musikgeragogik unterstützt dabei nicht nur die individuelle Aktivität, sondern fördert auch die soziale Integration. Gemeinschaftliches Musizieren wirkt gegen Vereinsamung, stärkt das Selbstwertgefühl und trägt nachweislich zu einem positiven Lebensgefühl bei. Studien aus Deutschland und anderen Ländern belegen, dass musikalische Betätigung im Alter kognitive Fähigkeiten stabilisieren und die emotionale Gesundheit verbessern kann.
Darüber hinaus reagiert die Musikgeragogik auf die zunehmende Vielfalt unter älteren Menschen: kulturelle Hintergründe, körperliche Einschränkungen sowie unterschiedliche musikalische Vorlieben werden berücksichtigt, um passgenaue Angebote zu schaffen. Dieser inklusive Ansatz fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht deutlich, dass Teilhabe keine Frage des Alters, sondern der Zugänglichkeit ist.
Innovative musikpädagogische Konzepte
Die Praxis der Musikgeragogik hat sich von reiner Unterhaltung hin zur systematischen Förderung von Bildung, Gesundheit und sozio-kultureller Vernetzung entwickelt. Neuere Ansätze integrieren multimediale Technologien, partizipative Methoden und interdisziplinäres Arbeiten mit Soziologen, Psychologen und Therapeuten. Dabei geht es nicht nur um klassische Chor- oder Instrumentalangebote, sondern auch um experimentelle Formate wie Musikspiele, Improvisation oder digitale Anwendungen, die das kreative Potenzial älterer Menschen auf neue Weise ansprechen.
Diese Innovationen stimulieren nicht nur persönliche Fähigkeiten, sondern inspirieren auch Ehrenamtliche und hauptamtliche Fachkräfte, sich gezielter für musikalische Bildungsarbeit im Alter zu engagieren. Die Verbindung von theoretischer Weiterentwicklung und Praxisförderung trägt dazu bei, die Musikgeragogik als wichtigen Akteur im Bereich der Seniorenförderung zu etablieren.
Neue gesellschaftliche Impulse in der Musikgeragogik:
- Entwicklung maßgeschneiderter Weiterbildungsprogramme für Fachpersonal
- Einsatz digitaler Medien zur Unterstützung von Musikangeboten
- Interkulturelle Projekte, die unterschiedliche Generationen und Herkunft verbinden
- Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen, um Musik als therapeutisches Element zu etablieren
Zudem spiegeln sich politische Fördertrends in einer verstärkten Unterstützung dieser Angebote wider. Zum Beispiel fördern öffentliche Programme in mehreren Bundesländern die Ausweitung von musikgeragogischen Initiativen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und die soziale Teilhabe älterer Menschen zu sichern.
Der Landesmusikrat NRW würdigt mit der Verleihung der „Silbernen Stimmgabel“ nicht nur einzelne Pioniere der Musikgeragogik, sondern unterstreicht die wachsende gesellschaftliche Bedeutung dieser Disziplin. Damit wird auch sichtbar, dass gemeinsames Musizieren im Alter weit mehr als nur Freizeitgestaltung ist: Es ist ein Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe, persönlichem Wohlbefinden und nachhaltigem Engagement.
In Zukunft könnte die Musikgeragogik eine noch zentralere Rolle spielen, indem sie stärker in kommunale Gesundheits- und Sozialstrukturen eingebunden wird. Angesichts der demografischen Entwicklung und der steigenden Bedeutung von Lebensqualität im Alter ist zu erwarten, dass musikalische Bildungsarbeit die Brücke zwischen Pflege, Kultur und sozialer Teilhabe weiter ausbauen wird. Die Disziplin steht somit für eine innovative Antwort auf die Fragen einer alternden Gesellschaft.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Landesmusikrats NRW e.V.