Mobilitätsgeld statt Pendlerpauschale: BUND fordert sozial gerechte Entlastung bei hohen Spritpreisen

Angesichts hoher Spritpreise fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Umsteuern in der Verkehrspolitik. Statt einer erneuten Erhöhung der sogenannten Pendlerpauschale, die laut BUND sozial ungerecht und klimaschädlich sei, solle ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld eingeführt werden. Zudem müsse das Deutschlandticket dauerhaft gesichert und der öffentliche Verkehr ausgebaut werden, um allen Menschen bezahlbare und klimafreundliche Mobilität zu ermöglichen.
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– Der BUND fordert ein sozial gerechtes Mobilitätsgeld statt einer weiteren Erhöhung der Pendlerpauschale.
– Ein dauerhaft günstiges Deutschlandticket soll klimafreundliche und bezahlbare Mobilität für alle sichern.
– Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, besonders im ländlichen Raum, ist für weniger Autoabhängigkeit nötig.

Hohe Spritpreise: Streit um Pendler-Hilfen

Wer bei hohen Kraftstoffpreisen entlastet werden soll und auf welchem Weg, ist erneut Gegenstand einer politischen Grundsatzdebatte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat am 2. April 2026 in Berlin seine Forderung bekräftigt, die bisherige Entfernungspauschale durch ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld zu ersetzen. Eine weitere Erhöhung der sogenannten Pendlerpauschale lehnt der Verband ab. Aus seiner Sicht würde das vor allem bestehende soziale Ungleichgewichte zementieren und zugleich falsche Anreize in der Verkehrspolitik setzen.

Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND, sagte: “Angesichts hoher Kraftstoffpreise ist die Bundesregierung gefordert, langfristig tragbare Lösungen zu erarbeiten. Denn auch, wenn die Kosten für Diesel und Benzin in nächster Zeit wieder sinken sollten, werden sie doch perspektivisch grundsätzlich eher steigen. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Impulse für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität zu setzen. Die Umwandlung der aktuellen Regelung der Entfernungspauschale in ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld wäre ein guter Schritt.”

Damit richtet sich der Verband gegen ein Entlastungsmodell, das über das Steuerrecht wirkt, und wirbt stattdessen für eine pauschalere Förderung, die unabhängig vom Einkommen greifen soll. Zugleich verbindet der BUND diese Forderung mit dem Ruf nach einem dauerhaft günstigen Deutschlandticket, einem ergänzenden bundesweiten Sozialticket und dem Ausbau von Alternativen zum Auto.

Warum die Pendlerpauschale umstritten ist

Die Entfernungspauschale gilt politisch seit Jahren als ein schnelles Instrument, um Berufspendler steuerlich zu entlasten. Wie stark diese Entlastung tatsächlich ausfällt, hängt aber nicht nur von der Strecke zur Arbeit ab, sondern auch davon, wie sich der Abzug steuerlich auswirkt.

Vor dem 1. Januar 2026 galt eine Staffelung: 30 Cent für die ersten 20 Kilometer und 38 Cent ab dem 21. Kilometer. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt die Entfernungspauschale 38 Cent pro Kilometer. Darauf verweist auch der Hintergrund der BUND-Mitteilung, wonach die Bundesregierung die Erhöhung auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer im Dezember 2025 beschlossen hatte.

Wer profitiert von der Regelung?

Der BUND kritisiert, dass von der Entfernungspauschale in ihrer jetzigen Form vor allem Menschen mit höherem Einkommen und langen Arbeitswegen profitieren, wenn sie diese mit dem Auto zurücklegen. Denn die Regelung mindert das zu versteuernde Einkommen und entlastet damit nicht alle Pendler in gleichem Maß. Menschen mit niedrigem Einkommen, die nur den Eingangssteuersatz zahlen, würden nach Darstellung des Verbands meist überhaupt nicht entlastet und damit auch von einer weiteren Erhöhung kaum profitieren.

Diese Kritik wird durch Forschungsergebnisse gestützt. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT führte die Entfernungspauschale 2022 zu Steuerentlastungen von knapp über 5 Milliarden Euro. Die untere Hälfte der Steuerpflichtigen erhielt dabei weniger als 1 Milliarde Euro, die oberen 20 Prozent dagegen mehr als 2 Milliarden Euro. Das belegt keine politische Bewertung für sich, zeigt aber, warum die Verteilungswirkung der Pauschale so umstritten ist.

Hinzu kommt: Die Regelung gilt unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel. Einen besonderen Anreiz, auf Bus und Bahn umzusteigen, sieht der BUND darin nicht.

Mobilitätsgeld als Alternative

Als Gegenmodell schlägt der Verband ein Mobilitätsgeld vor. Die Idee dahinter: Statt eines Abzugs vom zu versteuernden Einkommen würde ein fester Betrag pro Pendel-Kilometer angesetzt, der mit der Steuer verrechnet oder direkt ausgezahlt werden könnte. Nach Vorstellung des BUND wäre diese Förderung unabhängig vom Einkommen und auch nicht an ein bestimmtes Verkehrsmittel gebunden.

Aus Sicht des Verbands würde damit ein zentraler Unterschied zur Entfernungspauschale entstehen. Während die bisherige Regelung über das Steuerrecht unterschiedlich stark wirkt, soll das Mobilitätsgeld gerade auch Menschen mit geringerem Einkommen erreichen und die bestehende Ungleichbehandlung verringern.

Hilgenberg formuliert den Anspruch so: “Das Mobilitätsgeld ist sozial gerechter als die Entfernungspauschale und würde durch ihre Pauschalität die Nutzung von Alternativen zum Auto attraktiver machen. Wer bspw. Fahrrad, E-Bike oder öffentliche Verkehre nutzt, kann bares Geld sparen. Hierzu bedarf es einer veränderten Mobilitätspolitik mit Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere in den ländlichen Räumen. Nur so kann es den Menschen ermöglicht werden, zukünftig öfter auf das Auto verzichten zu können.“

Was sich für Pendler ändern würde

Für Pendler würde ein solches Modell vor allem bedeuten, dass die Förderung nicht mehr von der individuellen steuerlichen Ausgangslage abhängt. Der BUND verbindet damit die Erwartung, dass die Unterstützung breiter ankommt und zugleich Alternativen zum Auto attraktiver werden können. Das wäre allerdings nicht allein eine Frage des Geldes, sondern auch des Angebots.

Deutschlandticket, Landverkehr und Mobilitätsarmut

Genau an diesem Punkt setzt der zweite Teil der BUND-Forderung an. Aus Sicht des Verbands reicht es nicht, Mobilitätskosten nur steuerlich zu dämpfen. Nötig sei zugleich ein verlässlicher und bezahlbarer öffentlicher Verkehr.

Das Deutschlandticket ist nach Darstellung des BUND dafür ein wichtiges Instrument und sollte langfristig abgesichert werden. Der Verband fordert Preisstabilität auf dem aktuellen Niveau und zusätzlich ein bundesweites Sozialticket. Dahinter steht die Sorge, dass steigende Mobilitätskosten Menschen vom Zugang zu Arbeit, Bildung und Alltagswegen abschneiden könnten. Der Begriff Mobilitätsarmut beschreibt genau dieses Risiko: mobil sein zu müssen, es sich aber immer schwerer leisten zu können.

Besonders deutlich wird dieses Problem im ländlichen Raum. Wo Busse und Bahnen nur eingeschränkt verfügbar sind, bleibt das Auto oft die naheliegende oder einzige praktikable Option. Der BUND verknüpft deshalb zwei Ebenen der Entlastung: kurzfristig bezahlbare Angebote wie das Deutschlandticket und strukturell den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem auf dem Land.

Kosten, Folgen und politischer Ausblick

Die Debatte hat auch eine finanzpolitische Seite. Nach Angaben des BUND führt die jüngste Ausweitung der Entfernungspauschale bis 2030 dazu, dass dem Bund Einnahmen von knapp vier Milliarden Euro fehlen. Weil die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommensteuer auf Bund, Länder und Kommunen verteilt werden, fehlen den Bundesländern laut Mitteilung 3,7 Milliarden Euro und den Kommunen 1,3 Milliarden Euro.

Damit ist die Auseinandersetzung um hohe Spritpreise längst mehr als eine Frage akuter Entlastung. Im Kern geht es darum, welches System Mobilität künftig stützen soll: vor allem steuerliche Abzüge wie die Entfernungspauschale oder stärker direkte, einkommensunabhängige Hilfen in Verbindung mit einem besseren öffentlichen Verkehrsangebot. Genau an dieser Frage dürfte sich die verkehrspolitische Debatte in den kommenden Monaten weiter entzünden.

Diese Meldung basiert auf einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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12 Kommentare

  1. lesenswerter text, gute zusammenfassung. das thema mobilitätsarmut is wichtig, und das deutschlandticket langfristig sichern würde vielen sparen. trotzdem fehlt mir ein plan wie ländlicher raum wirklich erreicht wird, mehr investitionen in fahrplaene und buslinien nötig. link: /themen/mobilitaetsarmut und /services/deutschlandticket-info

    1. neutralen kommentar: danke für info. ich komm aus ausserhalb und hier sind spritpreise hoch, neues modell muss praktish sein. könnte man nicht kombination machen: mobilitaetsgeld + lokale bezuschussung für buslinien? jemand bessere ideen oder daten auf /projekte/kommunalfoerderung

    2. guter punkt im beitrag, lob an die autoren. frage bleibt offen wie man kontrolliert das die förderung nicht missbraucht wird. vielleicht digitale lösungen oder abrechnung über kommunale stellen, hat jemand beispiele oder verlinkungen zu systemen wie /tools/mobilitaetsabrechnung ?

  2. Netter artikel, sachlich geschrieben. mir gefällt die idee von pauschalen förderungen für alle, klingt fairer als jetzige entfernungspauschale. frage: wird das mobilitaetsgeld auch für radfahrer gelten und e-bikes? transparenz wär wichtig, gern mehr links zu modellsimulationen wie /analyse/mobilitaetsgeld-modelle

    1. Ich find das gut das der BUND auf sozialgerechtigkeit pocht, aber man muss aufpassen das nicht ungewollt auto-nutzen weiter gestärkt wird. besser: kombi aus geld + ausbau bus und zug. wer hat schon erfahrungen mit lokalen verbünden? schau /region/verkehrsverbund

  3. Der artikel spricht wichtige themen an: spritpreise, pendlerpauschale, sozial gerechte lösungen. ich lob das dass das deutschlandticket gesichert werden soll, das wuerd vielen helfen. aber es fehlt mir praxisbeispiel wie e-bike förderung oder lokale busnetze verbessert wird, hat jemand ideen oder erfahrungsberichte? siehe /projekte/e-bike-foerderung

    1. Danke für den Artikel, ich find das Mobilitaetsgeld klingt verständlich aber es darf nicht nur theorie bleiben. in meinem Kiez war ein testprojekt mit vergünstigten Bahntickets ok, bitte mehr daten und zeugen, und vergleicht bitte kosten vs nutzerzahlen unter /berichte/testprojekte

    2. neutraler ton hier ist gut, aber ich frag mich ob bund und länder sich einigen könnnen. die haushalte sind knapp, und 4 milliarden fehlen scheinbar. gibt es rechungen wie das verteilt wird, evtl in /politik/finanzierung-mobilitaet ? wer hat dort zahlen?

  4. Interessanter tekst und klarer punkt vom BUND das Mobilitätsgeld sozialer sein kann, trotzdem hab ich zweifel. die formulierung klingt neutral aber ungenau, wie wird mobilitätsarmut wirklich gemessen, reicht ein pauschalbetrag? verweis: /studien/mobilitaetsarmut und /angebote/deutschlandticket soll man lesen, was denkt ihr dazu

  5. ich find den artikel intressant, gute punkte zum Mobilitaetsgeld und pendlerpauschale, aber vieles is noch unklar für mich. wie soll das geld verteilt werden, wär das echt einkommensunabhänig? und wie klappt das mit dem Deutschlandticket auf dem Land? siehe auch /themen/mobilitaetsgeld und /verkehr/oeffentlicher-verkehr für mehr info

    1. guter beitrag, danke fürs teilen. ich versteh das so das mobilitaetsgeld fix sein soll pro km, das klingt fairer als die alte pauschale, aber wer zahlt dann mehr für bus und bahn wenn das geld kommt? hat jemand zahlen oder link zu kostenrechnungen wie /politik/kosten-deutschlandticket ?

    2. ich stimme zu das weniger autoabhaengigkeit wichtig is, aber in meinem dorf sind busse selten, das deutschlandticket hilft nix wenn fahrplan leer is. vielleicht kombi mit ausbau ländlicher nahverkehr wie bei /verkehr/landeausbau wär besser, frage: wer plant das zu finanzieren

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