– VDE veröffentlicht „Hidden Electronics IV“, fordert Europas Mikroelektronik-Souveränität dringend zu sichern.
– Europa verliert Marktanteile in Mikroelektronik, Defizite besonders im Chipdesign.
– VDE fordert Aufbau eigener EDA-Kompetenz und Förderung von Open-Source-Ansätzen wie RISC-V.
Europas mikroelektronische Zukunft steht auf dem Spiel
Mikroelektronik bildet das Herz moderner Technologien – von künstlicher Intelligenz und Robotik über Medizintechnik bis hin zu Energiewende und Verteidigung. Trotz dieser entscheidenden Rolle droht Europa in diesem Zukunftsfeld den Anschluss zu verlieren. Während die USA und asiatische Regionen massiv in Halbleiterfertigung und Chipentwicklung investieren, wächst Europas Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten. Prof. Christoph Kutter, stellvertretender VDE-Präsident, warnt: „In der Mikroelektronik sind wir viel zu abhängig von anderen Regionen der Welt.“ Ohne entschlossenes Handeln stünden Wohlstand und technologische Souveränität auf dem Spiel.
Europa hält zwar noch wichtige technologische Kompetenzen, etwa bei Leistungshalbleitern, Sensorik, Edge AI und Lithografie, doch diese müssen gezielt ausgebaut werden. Fortschritte wie die Dresdner Chipfabriken und die EU-Förderinitiative IPCEI zeigen, dass Potenziale vorhanden sind. Gleichzeitig offenbaren sich große Lücken, insbesondere beim Chipdesign. Die zentralen Designwerkzeuge stammen überwiegend aus den USA, weshalb der VDE eine eigene Entwicklung von Electronic Design Automation (EDA)-Kompetenz fordert und die Förderung von Open-Source-Ansätzen wie RISC-V als Weg zur Stärkung Europas empfiehlt.
Zudem verlangt das Positionspapier eine stärkere Unterstützung von Start-ups, vermehrtes Wagniskapital, den Ausbau erfolgreicher Inkubatoren und die Förderung zukunftsträchtiger Märkte wie Robotik und High-Performance Computing. Dr. Ronald Schnabel, Geschäftsführer der VDE/VDI GMM, bringt es auf den Punkt: „Ohne ein koordiniertes Vorgehen wird Europa in der Mikroelektronik dauerhaft in die zweite Reihe abrutschen. Souveränität und Resilienz im Halbleiterbereich sind keine Kür, sondern Pflicht.“
Die Mikroelektronik wird auf dem MikroSystemTechnik Kongress 2025 ausführlich diskutiert, wo VDE GMM und VDI/VDE-IT vom 27. bis 29. Oktober in Duisburg wichtige Impulse für Europas technologische Zukunft setzen wollen.
Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des VDE Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
7 Kommentare
. Insgesamt finde ich die Forderungen des VDE sehr wichtig und notwendig. Der Artikel gibt einen guten Überblick über die Lage der Mikroelektronik in Europa und regt zum Nachdenken an.
Ich habe das Gefühl, dass der Artikel einige wichtige Themen anspricht. Die Frage nach der technologischen Souveränität ist zentral. Wo seht ihr die größten Herausforderungen für Europa in diesem Bereich?
. Das sehe ich genauso! Die Koordination zwischen den Ländern könnte verbessert werden. Vielleicht sollte es regelmäßige Treffen geben, um Erfahrungen auszutauschen?
Der Fokus auf Open-Source-Ansätze wie RISC-V ist ein guter Schritt. Ich frage mich jedoch, wie schnell wir diese Technologien in der Industrie implementieren können? Welche Hürden seht ihr dabei?
Das ist ein wichtiger Punkt! Ich denke auch, dass das Bewusstsein für diese Themen in der Gesellschaft steigen muss. Vielleicht könnten mehr öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen?
Die Diskussion über die Förderung von Start-ups ist sehr relevant. Ich denke, dass es wichtig ist, auch in Bildung zu investieren, um zukünftige Talente zu fördern. Gibt es spezielle Programme oder Initiativen, die hier Unterstützung bieten?
Ich finde den Artikel sehr aufschlussreich, insbesondere die Punkte über die Abhängigkeit Europas von ausländischen Lieferketten. Es ist wirklich wichtig, dass wir in der Mikroelektronik unabhängiger werden. Hat jemand Vorschläge, wie wir das am besten erreichen können?