– Bis 2035 gehen 14.700 Musikschulkräfte in den Ruhestand.
– Es stehen nur 4.000 Absolventen für deren Nachfolge zur Verfügung.
– Mindestens 500.000 Schüler könnten dadurch ihren Musikschulunterricht verlieren.
Dramatischer Lehrermangel an Musikschulen bedroht Unterricht für 500.000 Schüler
Heute wurde in Berlin und online die Studie „MiKADO-Musik“ vorgestellt, die einen existentiellen Nachwuchsmangel an deutschen Musikschulen belegt. Die Ergebnisse zeigen eine akute Krise, die das musikpädagogische Angebot in seiner bisherigen Form gefährdet.
Bis 2035 gehen rund 14.700 Musikschulkräfte in den Ruhestand (Stand: 25. November 2025). Dem stehen lediglich etwa 4.000 Absolvent:innen musikpädagogischer Studiengänge gegenüber (Stand: 25. November 2025).
„Die Ergebnisse der ‚MiKADO-Musik‘-Studie sind ein deutlicher Weckruf! Qualifizierte und motivierte Nachwuchskräfte in ausreichender Zahl sind die Basis für unser gesamtes Musikleben und der Schlüssel für die Zukunft des Musiklands Deutschland. Wir brauchen jetzt eine breite Allianz aus politischen Entscheidungsträger:innen und Ausbildungsinstitutionen. In gemeinsamer Anstrengung müssen wir die Rahmenbedingungen für Studium und Beruf im Künstlerisch-Pädagogischen Bereich nachhaltig verbessern. Die Zeit drängt.“ — Prof. Lydia Grün
„Mit der Studie liegen nun wesentliche, alarmierende Ergebnisse über den gravierenden Nachwuchsmangel in diesem Bereich vor. Die klaren Handlungsempfehlungen für die drei Phasen Studienvorbereitung, Studium und Berufspraxis wollen wir jetzt strukturiert und abgestimmt angehen. Für diese Grundlage sind wir den Initiator:innen und Autor:innen der Studie dankbar.“ — Prof. Christian Fischer
„Musikalische Bildung ist ein tragendes Fundament unserer Kultur. Die MiKADO-Musik-Studie zeigt, wie ernst die Lage ist und dass wir uns wieder stärker den Werten zuwenden müssen, die Musik für unsere Gesellschaft bereithält: Orientierung, Gemeinschaft und Menschlichkeit. Diese Haltung – verbunden mit verlässlichen Bedingungen für eine gesicherte Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen – ist entscheidend, wenn wir die Zukunft unserer Musikschulen und unseres Musiklebens sichern wollen.“ — Friedrich-Koh Dolge
Studien belegen: Musiklehrkräftemangel ist strukturelles Problem
Die alarmierenden Ergebnisse der MiKADO-Musik-Studie fügen sich in eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen ein, die den Fachkräftemangel im Musikschulbereich seit Jahren dokumentieren. Die Entwicklung zeigt ein klares Bild: Was zunächst als regionales Problem erschien, hat sich zu einer flächendeckenden strukturellen Krise ausgeweitet.
Bereits 2020 prognostizierte die Bertelsmann-Stiftung einen Bedarf von 25.280 Musiklehrkräften an Grundschulen in Deutschland bis 2028.* Diese frühe Warnung blieb nicht isoliert. Zwei Jahre später bestätigte eine Umfrage in Nordrhein-Westfalen die Verschärfung der Situation: Musikschulen berichteten 2022 von Schwierigkeiten bei der Neu- oder Wiederbesetzung von Stellen.* Angaben zur genauen prozentualen Verteilung der Besetzungssituation liegen nicht vor.
Studienlage im Zeitraffer
Die Klemm-Studie von 2023/24 zeichnete ein noch düsteres Bild für die kommende Dekade. Bis 2035 werden nach dieser Prognose etwa 36 Prozent der Musiklehrkräfte altersbedingt ausscheiden.* Die Pressemitteilung zur Studie nennt zudem konkret rund 14.700 Musikschulkräfte, die in den Ruhestand gehen werden.* Die Bedarfsdeckung in Nordrhein-Westfalen lag bei nur 32,9 Prozent – ein Wert, der die Diskrepanz zwischen Nachfrage und verfügbaren Fachkräften deutlich macht.
Aktuelle Erhebungen aus dem Jahr 2025 bestätigen diesen Trend. Eine Umfrage unter über 400 Musikvermittler:innen belegt eine deutlich überalterte Alterspyramide im Musikschulbereich. Diese demografische Schieflage verschärft den Nachwuchsmangel zusätzlich.*
Ausbildungs- und Altersstruktur als Ursache
Die chronologische Betrachtung der Studien offenbart zwei zentrale Problemfelder: die Alterung des bestehenden Lehrpersonals und die unzureichende Ausbildungskapazität. Während immer mehr erfahrene Kräfte in den Ruhestand gehen, fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs. Die Kultusministerkonferenz forderte deshalb am 24. Februar 2025 einen dringenden Ausbau der Ausbildungskapazitäten.*
Eine Fachtagung an der Hochschule für Musik Dresden analysierte am 10. Juni 2025 die Ursachen und Dynamiken dieses Nachwuchsmangels. Die Experten identifizierten dabei ein komplexes Wirkungsgefüge aus unattraktiven Arbeitsbedingungen, unzureichender Vergütung und mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung des Berufsbildes.
| Jahr | Studie/Quelle | Zentrale Erkenntnis |
|---|---|---|
| 2020 | Bertelsmann-Stiftung | Bedarf von 25.280 Musiklehrkräften an Grundschulen bis 2028* |
| 2022 | Umfrage NRW | Musikschulen mit Besetzungsschwierigkeiten* |
| 2023/24 | Klemm-Studie | 36% der Musiklehrkräfte scheiden bis 2035 altersbedingt aus* |
| 2025 | Verschiedene Quellen | Überalterung des Personals, Forderungen nach Ausbau der Ausbildung* |
Die kontinuierliche Verschärfung der Lage in diesem Fünfjahreszeitraum unterstreicht die Dringlichkeit politischer Maßnahmen. Während frühe Studien noch auf Einzelprobleme hinwiesen, zeigen aktuelle Untersuchungen ein systemisches Versagen, das die musikalische Bildungslandschaft in ihrer Gesamtheit bedroht.
Konkrete Folgen für Schulen, Musikschulen und Kinder
Der Mangel an qualifizierten Musiklehrkräften bleibt keine abstrakte Statistik – er verändert bereits heute den Alltag in Klassenzimmern und Musikschulen. Während die Nachfrage nach musikalischer Bildung steigt, fehlen die Fachkräfte, die Kindern Instrumente näherbringen oder Grundlagen vermitteln könnten. Die Lücken im System werden immer sichtbarer.
Besonders betroffen sind:
- Grundschulkinder, denen musikalische Früherziehung und elementare Musikkenntnisse fehlen
- Öffentliche Musikschulen, die ihr Unterrichtsangebot reduzieren oder ganz einstellen müssen
- Kinder aus bildungsfernen Familien, für die Musikschulen oft der einzige Zugang zur Musikkultur sind
- Kommunen in strukturschwachen Regionen, wo bereits jetzt weniger kulturelle Angebote existieren
Regionale Unterschiede und strukturschwache Räume
Die Situation verschärft sich regional sehr unterschiedlich. Laut einer NRW-Umfrage aus dem Jahr 2022 hatten 74 Prozent der Musikschulen Schwierigkeiten bei der Neu- oder Wiederbesetzung von Stellen. Die Hälfte aller Stellen blieb unbesetzt, während 24 Prozent fachfremd oder ohne Hochschulabschluss besetzt wurden. In ländlichen Gebieten und strukturschwachen Regionen zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich: Hier sind die Wege zu kulturellen Angeboten ohnehin länger, und wegfallende Musikschulstandorte hinterlassen oft eine vollständige Versorgungslücke.
Gleichzeitig zeigt eine Umfrage unter über 400 Musikvermittler:innen aus dem Jahr 2025 eine überalterte Alterspyramide in diesem Berufsfeld. Die Folge: Immer mehr erfahrene Pädagog:innen gehen in den Ruhestand, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt. Für viele Kinder bedeutet dies das Ende ihrer musikalischen Ausbildung – und den Verlust eines wichtigen Teils kultureller Teilhabe.*
Debatte: Was Politik und Hochschulen vorschlagen
Die Diskussion um Lösungen für den Musiklehrkräftemangel bewegt sich entlang mehrerer zentraler Achsen: Einerseits fordern Expert:innen den raschen Ausbau von Ausbildungskapazitäten, andererseits betonen sie die Notwendigkeit attraktiverer Arbeitsbedingungen. Parallel dazu gewinnen regionale Förderprogramme und Kooperationen zwischen Hochschulen und Musikschulen an Bedeutung. Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln die Komplexität der Herausforderung wider – und zeigen, wo noch kontroverse Positionen aufeinandertreffen.
Forderungen aus Wissenschaft und Politik
Bereits 2023/24 wies die Klemm-Studie auf die Dringlichkeit hin, mehr Studienplätze in musikpädagogischen Fächern zu schaffen. Die Empfehlungen der Studie zielten darauf ab, die hohen Ausscheidungsquoten während des Studiums zu reduzieren und gleichzeitig die Kapazitäten an den Hochschulen deutlich zu erweitern. Der Landesmusikrat Berlin verwies auf einen besonders hohen Einstellungsbedarf im Fach Musik bis 2035*.
Diskussionspunkte und Kontroversen
Trotz breiter Einigkeit über die Dringlichkeit des Problems bleiben zentrale Fragen kontrovers. Die Finanzierung zusätzlicher Studienplätze und die personelle Ausstattung der Musikhochschulen stellen Länder und Kommunen vor Herausforderungen.
Weiterhin diskutieren Fachleute über die zeitlichen Rahmenbedingungen für notwendige Reformen. Während einige Quereinstiegsprogramme als kurzfristige Entlastung nennen, sehen andere langfristige Strategien zur Aufwertung des Berufsfelds als wichtig an. Unterschiedliche Geschwindigkeiten bei Hochschulreformen und den Anforderungen an Musikschulen erschweren eine koordinierte Vorgehensweise.
Studienlage im Überblick: Daten und Visualisierungsvorschläge
Für eine anschauliche Darstellung empfiehlt sich eine chronologische Aufarbeitung der zentralen Studienbefunde von 2020 bis 2025.
Empfohlene Tabelle: Entwicklung der Forschungsergebnisse
| Jahr | Studie/Quelle | Kernaussage / Kennzahl | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2020 | Bertelsmann-Studie | Bedarf ca. 25.280 Musiklehrkräfte an Grundschulen bis 2028 | Stand: 2020* |
| 2022 | Umfrage NRW | 74 % Schwierigkeiten bei Neu-/Wiederbesetzung; 50 % Stellen unbesetzt; 24 % fachfremd/ohne Hochschulabschluss | Stand: 2022* |
| 2023/24 | Klemm-Studie | Prognose: rund 36 % altersbedingte Ausscheidungen bis 2035; Bedarfsdeckung NRW 32,9 % | Stand: 2023/24* |
| 2025 | Umfrage Musikvermittlung | über 400 Musikvermittler:innen berichten von überalterter Alterspyramide | Stand: 2025* |
Grafische Umsetzungsempfehlung
Zur visuellen Unterstützung bietet sich eine Balkengrafik an, die die prozentualen Werte aus den Studien vergleichend darstellt. Besonders eindrücklich ließe sich so der Wert von 36 % altersbedingten Ausscheidungen bis 2035 (Stand: 2023/24) im Kontext der anderen Prozentangaben visualisieren.
Die chronologische Anordnung der Daten von 2020 bis 2025 verdeutlicht die zunehmende Präzision der Prognosen und die sich verschärfende Problemstellung. Die Tabelle dient dabei als zentrale Übersicht, während die ergänzende Grafik die emotionalen Kernaussagen der Studien stärker hervorhebt.
Die nachfolgenden Angaben und Erkenntnisse basieren auf einer Pressemitteilung des Deutschen Musikrats.
Weiterführende Quellen:
- „Eine Umfrage 2022 in NRW zeigte, dass 74 % der Musikschulen Schwierigkeiten bei der Neu- oder Wiederbesetzung von Musikschullehrkräften hatten; 50 % der Stellen blieben unbesetzt, und 24 % wurden fachfremd oder ohne Hochschulabschluss besetzt, wobei die Elementare Musikpädagogik besonders betroffen ist.“ – Quelle: https://uebenundmusizieren.de/artikel/fuenf-nach-zwoelf/
- „Die Klemm-Studie 2023/24 prognostiziert, dass bis 2035 in Deutschland rund 36 % der Musiklehrkräfte altersbedingt ausscheiden, mit besonders hohem Bedarf in Ostdeutschland, und in NRW liegt die Bedarfsdeckung durch neue Lehrkräfte nur bei 32,9 %.“ – Quelle: https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/files/Klemm-Studie-Ergebnisbericht.pdf
- „Die Bertelsmann Stiftung prognostizierte 2020 einen Bedarf von ca. 25.280 Musiklehrkräften an Grundschulen in Deutschland bis 2028, wobei steigende Unterrichtsausfälle besonders in Grundschulen erwartet werden.“ – Quelle: https://uebenundmusizieren.de/artikel/fuenf-nach-zwoelf/
- „Das Durchschnittsalter der Musikschullehrkräfte in NRW betrug 2022 49 Jahre, was die Problematik des Nachwuchsmangels bundesweit verschärft.“ – Quelle: https://uebenundmusizieren.de/artikel/fuenf-nach-zwoelf/
- „Eine Umfrage 2025 unter über 400 Musikvermittler:innen zeigt eine deutlich überalterte Alterspyramide im Musikschulbereich, wodurch sich der Nachwuchsmangel in den kommenden Jahren erheblich verschärfen wird.“ – Quelle: https://www.jungeohren.de/umfrageergebnisse-arbeitsbedingungen-musikvermittlung-2025/
- „Im Jahr 2025 wurde in Berlin ein Ausbau der Ausbildungskapazitäten für Musiklehrkräfte gefordert, wobei die Kultusministerkonferenz einen besonders hohen Einstellungsbedarf im Fach Musik bis 2035 prognostiziert.“ – Quelle: https://www.landesmusikrat-berlin.de/zunehmender-lehrkraeftemangel-erfordert-dringenden-ausbau-der-ausbildungskapazitaeten-24-02-2025/
- „Am 10.06.2025 analysierte die Hochschule für Musik Dresden auf einer Fachtagung die Ursachen und Dynamiken des Nachwuchsmangels in der Musikpädagogik aus wissenschaftlicher Perspektive.“ – Quelle: https://www.hfmdd.de/forschung/aktuell/new6842b49b22042828734847-nachwuchsmangel-in-der-musikpaedagogik
8 Antworten
‚Die Lage ist wirklich ernsthaft und ich hoffe sehr, dass sich bald etwas ändern wird! Bildung ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft!‘
‚Die MiKADO-Studie zeigt auf jeden Fall große Lücken im System auf.‘ Ich finde es wichtig, dass wir darüber reden und Lösungen finden. Wer hat Ideen oder Erfahrungen mit diesem Thema? Lass uns gemeinsam diskutieren!
Die Zahlen sind alarmierend! Die Vorhersage von 36% altersbedingten Ausscheidungen klingt nach einer echten Krise für die Musikbildung in Deutschland. Ich frage mich, ob die Politik genug tut, um dies zu ändern.
Das denke ich auch! Wir brauchen dringend eine Diskussion darüber, wie wir die Ausbildungskapazitäten ausbauen können und was das für die zukünftige Musiklandschaft bedeutet.
Genau! Und was ist mit den ländlichen Regionen? Dort gibt es oft noch weniger Angebote als in Städten. Wie können wir sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zur musikalischen Bildung haben?
Ich finde die Ergebnisse der MiKADO-Studie sehr besorgniserregend. Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Musikschullehrer in den Ruhestand gehen werden und dass es so wenige Nachfolger gibt. Was können wir tun, um mehr junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern?
Ja, das ist wirklich ein großes Problem. Vielleicht sollten wir in Schulen mehr über die Bedeutung der musikalischen Bildung sprechen. Ich denke, das könnte helfen, das Interesse bei Schülern zu wecken.
Ich stimme zu! Es wäre auch hilfreich, wenn Musikschulen bessere Arbeitsbedingungen bieten könnten, um mehr Leute anzuziehen. Gibt es da schon Vorschläge oder Initiativen?