Aktuelle Leitlinie 2025: Neue Therapien und mehr Behandlungschancen bei Migräne – Experten betonen Ausdauersport und innovative Ansätze

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Am Kopfschmerztag 2025 haben DGN und DMKG ihre Leitlinie zur Akut- und Prophylaxebehandlung der Migräne überarbeitet und bieten damit für nahezu alle Patient:innen passende Therapieoptionen. Neben bewährten Triptanen stehen nun auch neue Wirkstoffe wie Lasmiditan und Rimegepant für Menschen mit Gefäßrisiko zur Verfügung, während zur Vorbeugung sowohl klassische Medikamente als auch nicht-medikamentöse Verfahren wie elektrische Nervenstimulation und Ausdauersport empfohlen werden. Die Expert:innen betonen, dass die Kombination aus medikamentösen Therapien und Basismaßnahmen die besten Erfolgsaussichten bietet.

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– Aktualisierung der DGN/DMKG-Migräne-Leitlinie am Kopfschmerztag 2025 in Berlin publiziert.
– Leitlinie integriert neue medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien für Akutbehandlung und Prophylaxe.
– Prophylaxeoptionen: Betablocker, Gepante, CGRP-Antikörper, Topiramat, Onabotulinumtoxin A sowie Ausdauersport.

Aktualisierte Leitlinie am Kopfschmerztag 2025: Neue Wege in der Migränetherapie

Am heutigen Kopfschmerztag 2025 haben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) die überarbeitete Leitlinie zur „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ veröffentlicht. Diese aktualisierte Fassung spiegelt den schnellen Fortschritt in der Migräneforschung wider und unterstreicht, dass die Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene heutzutage deutlich vielfältiger und wirksamer sind als zuvor.

Migräne betrifft in Deutschland zwischen 10 und 15 Prozent der Bevölkerung jährlich, besonders häufig im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. In dieser Phase sind Frauen sogar bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Auswirkungen der Erkrankung sind gravierend: Migräne zählt zu den zehn häufigsten Ursachen für Fehlzeiten am Arbeitsplatz und beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen stark. Daher ist eine wirksame Akutbehandlung der Anfälle ebenso wichtig wie eine langfristige Prophylaxe, um die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.

Mit Blick auf die Therapie hebt die neue Leitlinie hervor, dass sich das Behandlungsspektrum in den letzten Jahren deutlich erweitert hat. Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, federführender Autor der Leitlinie, betont: „Wie sich zeigte, hat sich das Therapiespektrum in den vergangenen Jahren stark erweitert, so dass es für nahezu alle Betroffenen Behandlungsmöglichkeiten gibt.“ Dabei ist entscheidend, Akuttherapie und Prophylaxe immer gemeinsam zu betrachten: „Beides muss immer zusammengedacht werden, auch wenn die neuen prophylaktischen Therapien sehr wirksam sind und die Anzahl und Schwere der Migräneanfälle stark reduzieren.“

Bei akuten Migräneattacken gelten die Triptane Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan als am wirkungsvollsten. Allerdings schließt die Leitlinie Personen mit bestimmten Gefässerkrankungen, wie einer koronaren Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall, von dieser Therapie aus, denn diese Erkrankungen und ein nicht kontrollierbarer Bluthochdruck stellen klare Kontraindikationen dar. Prof. Diener erläutert, wie wichtig Alternativen sind: „Es gibt aber gute Alternativen zur Therapie akuter Migräneattacken. Beispielsweise kann Lasmiditan, ein Serotonin-1F-Rezeptoragonist, in diesen Situationen verschrieben werden, da es keine vasokonstriktiven Eigenschaften hat. Auch Rimegepant, ein Antagonist am CGRP-Rezeptor, zeigt bei der Behandlung akuter Migräneattacken eine gute Verträglichkeit und ist als erstes Gepante in Deutschland bereits zugelassen.“

Für die Prophylaxe stehen mehrere wirksame Wirkstoffgruppen zur Verfügung, darunter Betablocker, Flunarizin, Amitriptylin, Topiramat sowie Onabotulinumtoxin A, das speziell bei chronischer Migräne genutzt wird. Zudem erweitern seit kurzem Gepante und monoklonale Antikörper gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bzw. dessen Rezeptor das Therapiespektrum erheblich. Prof. Diener weist jedoch auf eine wichtige Einschränkung hin: „Beide Substanzgruppen sollten allerdings nach derzeitigem Kenntnisstand nicht bei Menschen mit erhöhtem Risiko für vaskuläre Erkrankungen eingesetzt werden.“ Für Betroffene mit diesem Risiko empfehlen sich Topiramat oder Onabotulinumtoxin A als alternative Prophylaxe.

Neben den medikamentösen Optionen umfasst die Leitlinie auch nicht medikamentöse Verfahren, die bei Migräneattacken ebenso wie zur Vorbeugung eingesetzt werden können. Dazu zählen die Remote Electrical Neuromodulation (REN) und die externe transkutane Stimulation des Nervus trigeminus. Diese modernen Verfahren sind vielversprechend, werden bislang jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und verursachen entsprechend hohe Kosten.

Eine weitere Empfehlung der Leitlinie betrifft bewährte Basismaßnahmen wie Ausdauersport. Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN, hebt hervor: „Eine wirksame und kostengünstige Möglichkeit der Anfallsprophylaxe ist Ausdauersport.“ Ergänzend können Krafttraining, Entspannungsübungen, ein geregelter Biorhythmus und Stressbewältigung helfen, Migräneattacken zu verringern. Leider setze dies oft regelmäßige Umsetzung voraus, die viele Betroffene aus Zeitmangel nicht einhalten. Berlit erläutert dazu: „Viele Betroffene wünschen sich zwar eine nicht medikamentöse Therapie, finden jedoch nicht die Zeit, Basismaßnahmen wie Entspannungstechniken und Ausdauersport regelmäßig zu praktizieren. Die Einnahme eines Medikaments scheint bequemer, insbesondere, wenn es gut vertragen wird. Was aber dabei nicht bedacht wird, ist, dass durch die Kombination von nicht medikamentösen und medikamentösen Verfahren ein besserer Therapieeffekt erreicht wird als mit einem allein. Sportliche Betätigung sollte daher ein ‚Muss‘ für alle Migränepatientinnen und -patienten sein.“

Mit der Publikation der neuen Leitlinie am Kopfschmerztag 2025 geben die DGN und DMKG damit einen praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Leitfaden an die Hand, der Betroffenen und Ärzten Orientierung in der komplexen Behandlung der Migräne bietet und aktuelle Entwicklungen sowie neue Therapieoptionen berücksichtigt.

Wie die neue Leitlinie Migränepatienten und die Gesellschaft verändert

Die Aktualisierung der Therapieleitlinie zur Migräne markiert einen Wendepunkt für Betroffene und das Gesundheitssystem. Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen, von denen jährlich rund 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen sind – besonders zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Gerade in dieser Lebensphase beeinträchtigt die Erkrankung die Lebensqualität erheblich und führt zu signifikanten Fehlzeiten am Arbeitsplatz, was auch gesamtgesellschaftlich spürbare Folgen hat.

Mit den neuen Empfehlungen eröffnen sich heute deutlich mehr und vor allem wirksamere Behandlungsoptionen. Innovationen wie monoklonale Antikörper gegen CGRP, neue Wirkstoffe für die Akuttherapie und bewährte nicht medikamentöse Methoden bieten eine maßgeschneiderte Kombination aus Prophylaxe und Angriffstherapie. Dies könnte für viele Menschen mit Migräne zu einer echten Verbesserung ihrer Alltagsbewältigung führen und langfristig die Belastung durch wiederkehrende Attacken minimieren.

Die Herausforderung bleibt jedoch groß: Viele Betroffene bleiben bislang unterversorgt oder kennen die neuesten Therapieoptionen nicht. Auch die Akzeptanz von nicht medikamentösen Verfahren wie Ausdauersport, Entspannungsübungen und Stressmanagement ist noch nicht ausreichend verbreitet, obwohl diese wichtige Bausteine für eine effektive Prophylaxe darstellen. Die Leitlinie betont, dass die Kombination verschiedener Therapieformen den größten Erfolg verspricht.

Diese Fortschritte zeigen zugleich, wie sehr Migräne eine gesellschaftliche Relevanz besitzt, die weit über das individuelle Leiden hinausgeht:

  • Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste durch Migräne kosten die Wirtschaft jährlich Milliarden.
  • Die öffentliche Wahrnehmung und das Verständnis für die Erkrankung müssen sich weiterentwickeln, um Betroffene besser zu unterstützen und Vorurteile abzubauen.

Die Leitlinie setzt damit auch Impulse für die Zukunft. Biotechnologische Entwicklungen, bessere Diagnostik und digitale Gesundheitsanwendungen könnten in den kommenden Jahren noch mehr Patienten zugutekommen. Zugleich gilt es, die Versorgungslücken zu schließen, den Zugang zu innovativen Therapien zu erleichtern und die Rolle nachhaltiger Lebensstilmaßnahmen in der Migränebehandlung stärker in den Alltag zu integrieren. So eröffnen sich Chancen, die Belastung durch Migräne nachhaltig zu verringern – für Betroffene und für die Gesellschaft insgesamt.

Die hier vorgestellten Informationen basieren auf einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

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10 Antworten

  1. Mein Sohn ist 25 und leidet seit Jahren unter Migräne. Die Antikörper-Behandlung hat ihm ein Jahr lang komplette Schmerzfreiheit geschenkt. Dann kamen die Attacken wieder zurück alle 5-6 Wochen in veränderter Form teilweise mit Sprachstörungen. Sein neuer Job hatte vielversprechend angefangen. Aufgrund der Fehltagen wurde sein Vertrag dennoch auf Befristung ausgelegt. Das setzt ihm enorm zu und führt ihn zeitweise am Rande der Depression. Sein Leben und seine schöne Beziehung stehen in diesen Phasen still. Es ist furchtbar. Ich werde auf jeden Fall diesen Link mit ihm teilen.

  2. Es ist beruhigend zu wissen das neue Therapiemöglichkeiten existieren für Migränebetroffene.Ich hoffe,dass in Zukunft noch mehr Forschung betrieben wird um bessere Lösungen anzubieten.Finde ich toll!

  3. ‚Die Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien ist wichtig.‘ Das stimmt! Es ist spannend zu sehen, wie vielschichtig die Behandlung sein kann. Was denkt ihr über die Rolle von Stressmanagement bei der Prävention?

    1. ‚Stressbewältigung‘ sollte definitiv mehr in den Fokus rücken! Oftmals wird dies vernachlässigt und das kann große Auswirkungen auf Migräne haben.

  4. Die neuen Medikamente wie CGRP-Antikörper sind faszinierend. Dennoch frage ich mich, wie die Nebenwirkungen im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten sind? Gibt es Studien dazu?

    1. Das ist eine berechtigte Frage! Ich denke, es wäre wichtig, mehr Informationen über die Langzeitwirkungen dieser neuen Medikamente zu bekommen.

  5. Die Integration von nicht-medikamentösen Therapien ist ein großer Schritt nach vorne. Ich denke, viele Betroffene könnten von Ausdauersport profitieren. Was haltet ihr von der Idee, spezielle Kurse für Migränepatienten anzubieten?

    1. Das klingt nach einer tollen Idee! Ich bin mir sicher, dass viele Menschen Unterstützung brauchen würden, um einen aktiven Lebensstil zu pflegen.

    2. Ja, ich denke auch, dass Aufklärung und Zugang zu Sportkursen wichtig sind. Vielleicht könnte man auch Online-Programme in Betracht ziehen.

  6. Ich finde die aktualisierte Leitlinie zur Migräne sehr interessant. Es ist gut zu wissen, dass es nun mehr Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wie können wir sicherstellen, dass mehr Menschen über diese neuen Optionen informiert werden?

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