– Dr. Michael Fübi ist neuer Vorsitzender des Präsidiums des TÜV-Verbands e.V.
– Präsidentschaftsschwerpunkte: Digitalisierung, Klimakrise, geopolitische Herausforderungen sowie nachhaltige Transformation.
– Fokussiert auf Umsetzung des europäischen AI Acts mit harmonisierten KI-Prüfstandards durch TÜV AI.Lab.
Dr. Michael Fübi als neuer Vorsitzender des TÜV-Verbands: Weichenstellung für Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Die Mitgliederversammlung des TÜV-Verbands e.V. hat am entscheidenden Termin Dr. Michael Fübi, CEO der TÜV Rheinland AG, zum neuen Vorsitzenden des Präsidiums gewählt. Damit übernimmt er die Leitung in einer Phase, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist. In seiner Antrittsrede stellte Fübi klar heraus, dass neben der fortschreitenden Digitalisierung und der Bekämpfung der Klimakrise auch geopolitische und konjunkturelle Herausforderungen den Wandel maßgeblich prägen. In Zeiten des Wandels sind Vertrauen und Sicherheit entscheidend, um den Menschen Orientierung und Zuversicht zu geben. Für die nachhaltige Transformation sieht er die Notwendigkeit klarer Vorgaben, passender Anreize und gezielter Förderungen.
Der TÜV-Verband unterstützt diesen Wandel mit einem breiten Spektrum an Prüfdienstleistungen, die den Übergang zu einer nachhaltigeren und digitalisierten Zukunft begleiten. Zu den zentralen Projekten zählen der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, der Ausbau erneuerbarer Energiequellen und Elektromobilität sowie energieeffiziente Bauvorhaben. Angesichts der bevorstehenden Europawahl betont das Präsidium die Bedeutung des europäischen Gedankens. Die Europäische Union ist ein Garant für Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand. Dennoch mahnte Fübi an, sich kritisch mit der EU auseinanderzusetzen, um sicherzustellen, dass neue Vorschriften Investitionen in digitale und nachhaltige Technologien fördern, ohne die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu gefährden.
Ein Schwerpunkt der Präsidentschaft wird die Umsetzung des europäischen 'AI Acts' sein. Fübi sieht Europa in der Lage, einen globalen Maßstab für sichere und vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz zu setzen. Dabei komme es darauf an, klare Verantwortlichkeiten zu schaffen, zuständige Stellen aufzubauen und harmonisierte Normen zu entwickeln. Seit 2021 arbeitet das 'TÜV AI.Lab' intensiv an der Entwicklung von Prüfstandards für KI-Systeme und begleitet den Gesetzgebungsprozess eng.
Die Mitgliederversammlung würdigte zudem den scheidenden Vorsitzenden Dr. Johannes Bussmann, der dem Präsidium erhalten bleibt. Bussmann trug maßgeblich dazu bei, die Ausrichtung des TÜV-Verbands auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu stärken – zwei zentrale Pfeiler, die heute die traditionellen Geschäftsbereiche der TÜV-Unternehmen prägen. Mit seiner breiten Erfahrung, die unter anderem Stationen bei Babcock Borsig und RWE umfasst, sowie seiner Funktion als Präsident des TIC Councils, des Weltverbands der Prüf-, Verifizierungs- und Zertifizierungsbranche, bringt Dr. Michael Fübi die notwendige Expertise mit, um die ambitionierten Ziele des TÜV-Verbands erfolgreich umzusetzen.
Neuer Kurs für technische Sicherheit und Künstliche Intelligenz: Gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen
Mit dem Führungswechsel bei den TÜV-Organisationen zeichnet sich ein deutlicher Neuanfang ab, der über die reine technische Prüfung hinausgeht. Diese Entwicklung ist eng verwoben mit den massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Insbesondere die zunehmende Digitalisierung und die rapide Ausbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) stellen zentrale Gestaltungsfelder dar, in denen Sicherheit und Vertrauen gleichermaßen gefragt sind.
Die TÜV-Organisationen spielen in diesem Kontext eine Schlüsselrolle: Sie sind längst nicht mehr nur als klassische Prüfunternehmen tätig, sondern werden zu wichtigen Akteuren für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie wirken daran mit, technologische Innovationen sicher und verlässlich zu machen – eine Aufgabe, die als Fundament für jede Bürgerin und jeden Bürger spürbar ist. Dabei steht Nachhaltigkeit ebenso im Fokus wie technologische Sicherheit und ethische Standards.
Dieser neue Kurs hat vielfältige Auswirkungen auf unterschiedliche Gruppen:
- Für Verbraucher bedeutet er ein gestärktes Vertrauen in Technik, sei es in smarten Haushaltsgeräten, autonom fahrenden Fahrzeugen oder digitalen Gesundheitsanwendungen.
- Unternehmen profitieren von klaren und nachvollziehbaren Prüfstandards, die Investitionen in Innovationen absichern und gleichzeitig die Einhaltung europäischer Vorgaben wie des AI Act gewährleisten.
- Die Politik erhält durch die TÜV-Prüfdienstleistungen handfeste Instrumente zur Regulierung und Kontrolle, die eine Balance zwischen Innovation und Sicherheit fördern.
Der AI Act wird dabei als ein Meilenstein verstanden, der verbindliche Standards für KI-Systeme schaffen soll – mit dem Ziel, ethische, sicherheitsrelevante und gesellschaftliche Aspekte von Anfang an mitzudenken. Die technische Prüfung solcher Systeme durch spezialisierte Organisationen ist eine Voraussetzung, um Risiken zu minimieren und die breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern.
Die Transformation, die damit einhergeht, verändert nicht nur einzelne Produkte oder Dienstleistungen, sondern hat Auswirkungen auf den gesamten Alltag: von der digitalen Infrastruktur über den Umweltschutz bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und Arbeitsabläufen. Die Rolle der TÜV-Organisationen als Brücke zwischen technischer Innovation, gesellschaftlicher Akzeptanz und regulatorischer Steuerung gewinnt somit erheblich an Bedeutung.
Der eingeschlagene Kurs markiert einen Schritt hin zu einer vernetzten, sicheren und nachhaltigen Zukunft. Er spiegelt nicht nur den Wandel technischer Prüfungen wider, sondern ist auch ein Indikator für das wachsende Bewusstsein, wie eng technologische Entwicklungen mit gesellschaftlichen Herausforderungen verzahnt sind. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die technischen und ethischen Fragen der Digitalisierung und KI gemeinsam zu gestalten – für eine starke und verantwortungsvolle europäische Wirtschaft und Gesellschaft.
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