foodwatch deckt Abzocke auf: Überteuerte Menstruationsprodukte und fragwürdige Gesundheitswerbung bei Functional Food und Nahrungsergänzungsmitteln

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foodwatch hat fünf als Periodenhelfer beworbene Schokoriegel, Pulver und Kapseln untersucht und kritisiert ihre überteuerten Preise von bis zu 100 Euro pro Monat bei völlig unbelegten Gesundheitsversprechen. Die Produkte bestehen meist nur aus Kakao, Zucker und fragwürdigen Zusätzen wie Maca und verstoßen damit gegen die EU-Health-Claims-Verordnung. Die Verbraucherorganisation fordert eine strengere Kontrolle von Gesundheitswerbung im Netz, um Verbraucher:innen vor dieser Abzocke zu schützen.

Inhaltsverzeichnis

– Berlin, 10. Juli 2025: foodwatch kritisiert überteuerte Menstruations-Food-Produkte als Abzocke.
– Hersteller werben mit unzulässigen, nicht wissenschaftlich belegten Health-Claims gegen Beschwerden.
– foodwatch fordert wirksame Kontrolle von Gesundheitswerbung für Nahrungsergänzungsmittel im Netz.

Kritik an „femininen“ Functional-Food-Produkten: Abzocke mit Schokoriegeln und Kapseln gegen Menstruationsbeschwerden

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat in einem aktuellen Check Functional-Food-Produkte speziell für Frauen untersucht, die als Hilfsmittel gegen Beschwerden während der Menstruation beworben werden. Besonders im Fokus stehen Schokoriegel, Pulver und Kapseln, die mit Schlagworten wie „Female Health“ und Werbeaussagen zu mehr „Wohlbefinden“, der Linderung von „Stimmungsschwankungen“ oder einer „hormonellen Balance“ auf Instagram und der Verpackung beworben werden. Laut foodwatch verstößt diese Werbung gegen die europäische Health-Claims-Verordnung, die Verbraucher:innen vor irreführenden Gesundheitsversprechen schützen soll.

foodwatch kritisiert, dass es für die beworbenen Wirkungen der Inhaltsstoffe keine wissenschaftlichen Belege oder gesetzliche Zulassungen gibt. Die Organisation fordert eine strengere Kontrolle der Gesundheitswerbung im Online-Bereich, um Verbraucher:innen vor Täuschung zu schützen.

Die Einschränkung gilt nicht nur für einzelne Produkte, sondern betrifft eine ganze Produktkategorie. So analysierte foodwatch fünf Produkte, darunter den „Menstru Chocbar“ von Innonature, der mit zugesetztem Vitamin B6, Eisen und Maca als „leckerste Kombination für deine Wohlfühltage“ vermarktet wird. Maca, eine Pflanze, deren Wurzel als Nahrungsergänzungsmittel genutzt wird, enthält laut Bundesinstitut für Risikobewertung keine sichere tägliche Verzehrmenge. Diese Unsicherheit trifft außerdem auf zwei weitere untersuchte Produkte zu.

Neben dem Einsatz fragwürdiger Inhaltsstoffe kritisiert foodwatch die extrem hohen Preise. Bei Einhaltung der empfohlenen Verzehrmengen belaufen sich die Kosten auf zwischen knapp 20 Euro und mehr als 100 Euro monatlich. Dabei bestehen die Lebensmittel meist aus einfachen Zutaten wie Kakao, Zucker sowie einzelnen Vitaminen, Mineralien oder Eisen. Günstige Alternativen mit ähnlichen Nährstoffen sind lagernd und preislich deutlich zugänglicher erhältlich. Zudem leidet nicht jede menstruierende Person automatisch unter einem Nährstoffmangel, wie die Hersteller suggerieren.

Die Ernährungswissenschaftlerin Alice Luttropp, die auch für foodwatch tätig ist, bewertet die Produkte ebenso kritisch: „Eine schmerzfreie Menstruation, ein ausgeglichener Hormonhaushalt oder mehr Wohlbefinden lassen sich nicht snacken. Die teuren Riegel, Kapseln oder Pulver können nicht leisten, was sie versprechen. Bei dem Verdacht auf einen Mangel sollte ärztlicher Rat hinzugezogen und dann gegebenenfalls gezielt behandelt werden. Eine ausgewogene Ernährung ist die beste Basis, um Mängeln vorzubeugen.”

foodwatch macht deutlich, dass Unternehmen den Wunsch von Frauen nach Linderung ihrer Beschwerden ausnutzen, um überteuerte und häufig wirkungslose Produkte zu vermarkten. Die Organisation warnt: „Kein Schokoriegel der Welt macht aus der Periode ‚Wohlfühltage‘. Die Hersteller nutzen den Wunsch von Frauen nach einer Linderung ihrer Beschwerden schamlos aus, um ihre überteuerten und meist unnützen Produkte zu vermarkten – das ist die reinste Abzocke. Der wachsende Online-Markt muss endlich wirksam überwacht werden!”

Der „Menstru Chocbar“ ist für den Goldenen Windbeutel 2025 nominiert – einem Preis, bei dem Verbraucher:innen noch bis zum 13. Juli unter www.goldener-windbeutel.de abstimmen können, welches Produkt den foodwatch-Award für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten soll.

Wenn „feminine“ Gesundheitswerbung in die Irre führt

Der Markt für sogenannte Functional-Food-Produkte speziell für Frauen erlebt aktuell einen Boom – Produkte wie Schokoriegel, Kapseln oder Pulver sollen angeblich Menstruationsbeschwerden lindern oder das Wohlbefinden während der Periode verbessern. Doch diese Versprechen sind oft nicht wissenschaftlich belegt und können die Verbraucherinnen in die Irre führen. Dabei spielt vor allem das Marketing in den sozialen Medien eine entscheidende Rolle.

Unternehmen nutzen Instagram-Marketing gezielt, um junge Frauen anzusprechen und ihre Produkte mit Schlagworten wie „Female Health“ zu bewerben. Influencerinnen stellen die Artikel als Lösung für Stimmungsschwankungen oder hormonelles Ungleichgewicht dar. Diese Strategien wirken trotz fehlender Zulassung der beworbenen Gesundheitswirkungen laut der europäischen Health-Claims-Verordnung – eines rechtlichen Schutzmechanismus für Verbraucher:innen – irreführend. So kritisiert die Verbraucherorganisation foodwatch die oft überteuerten Produkte als „die reinste Abzocke“. Viele der beworbenen Inhaltsstoffe, darunter zum Beispiel Maca, sind zwar als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, ihre tatsächliche Wirkung auf menstruelle Beschwerden jedoch nicht belegt. Außerdem besteht für einige Zutaten keine festgelegte sichere Verzehrmenge, was gesundheitliche Risiken bergen kann.

Welche Rolle spielen soziale Medien?

Soziale Medien wie Instagram fungieren als Beschleuniger für den Verkauf dieser „femininen“ Gesundheitsprodukte. Influencerinnen erzeugen hohe Reichweiten und steigern durch teils emotionale und persönliche Empfehlungen die Nachfrage. Diese Kanäle bieten zudem nur begrenzte Marktkontrolle, da viele Werbeversprechen subtil ins Content-Marketing eingebettet sind. Dadurch fällt es Verbraucherinnen schwer, echte Wirksamkeit von Marketing zu unterscheiden.

foodwatch zeigt auf, dass in Fällen, in denen Influencer:innen mit Gesundheitsversprechen für Nahrungsergänzungsmittel werben, häufig gegen geltendes Recht verstoßen wird. Das Problem geht also weit über einzelne Produkte hinaus und betrifft die gesamte Branche, die sich durch gezielte Ansprache und schlanke Kontrollmechanismen finanziell bereichert.

Braucht es strengere Regeln für Nahrungsergänzungsmittel?

Das aktuelle Kontrollsystem greift in mehrfacher Hinsicht zu kurz. Zwar sieht die Health-Claims-Verordnung klare Regeln vor, welche gesundheitsbezogenen Aussagen zulässig sind, doch die Umsetzung und Kontrolle im Bereich von Online-Werbung und Influencer-Marketing sind lückenhaft. Strengere und konsequente Marktkontrollen wären notwendig, um irreführende Versprechen schnell zu unterbinden.

Verbraucherschutzorganisationen fordern, dass die Politik hier mehr Verantwortung übernimmt und klare Grenzen für Werbung im Internet definiert. Eine stärkere Regulierung könnte auch verhindern, dass Verbraucherinnen, vor allem junge Frauen, durch teure Produkte getäuscht werden. Preislich liegen viele solcher Artikel deutlich über dem Niveau vergleichbarer, einfacher Produkte mit bewährten Inhaltsstoffen, die keinen pseudowissenschaftlichen Hype benötigen.

Vergleichbare Entwicklungen bei anderen Produktgruppen

Der Trend zu „health-optimierten“ Produkten mit fragwürdigen Claims ist nicht neu und zieht sich durch verschiedene Marktsegmente. Beispiele aus anderen Bereichen sind der Boom um Detox-Tees, Diät-Shakes oder Vitaminpräparate, die oft mit überzogenen oder nicht belegbaren Gesundheitsversprechen beworben werden. Alle diese Produktgruppen profitieren von der hohen Nachfragelust der Verbraucher:innen nach schnellen Lösungen für komplexe Gesundheitsfragen – ein Markt, der ohne klare Regeln anfällig für übertriebene Werbung ist.

Wirtschaftliche Interessen und Handlungsbedarf

Die Hersteller solcher Produkte verfolgen klare wirtschaftliche Ziele. Durch geschickt inszenierte Werbung, die auf spezifische Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist, entsteht ein wachsender Markt mit hohen Gewinnmargen. Verbraucherinnen zahlen zum Teil mehrere hundert Euro monatlich für Produkte mit kaum nachweisbarem Nutzen.

Daher ist es aus Sicht von Verbraucherschutz und Gesundheitspolitik dringend notwendig, Marktkontrollen zu verstärken und den Schutz von Verbraucherinnen zu verbessern. Nur so können irreführende Gesundheitswerbung eingedämmt und die Glaubwürdigkeit der Nahrungsergänzungsmittel-Branche wiederhergestellt werden.

Die zentrale Frage muss lauten: Wie können Politik und Behörden maßgeblich dazu beitragen, dass Gesundheitsversprechen wirklich halten, was sie versprechen? Ein effektives Zusammenwirken von Regulierung, Kontrolle und Transparenz ist dazu unerlässlich – gerade im Zeitalter von Instagram & Co., wo Marketing schnell und global wirkt.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung der Verbraucherorganisation foodwatch e.V.

10 Antworten

  1. Es ist wirklich traurig zu sehen wie Unternehmen aus unseren Ängsten Profit schlagen wollen! Mich interessiert besonders die Frage: Wie können wir effektiver gegen solche Praktiken vorgehen?

  2. ‚Functional Food‘ klingt gut, aber ich bin skeptisch bei den versprochenen Wirkungen. Was haltet ihr von der Rolle der Influencer in diesem Thema? Ist das nicht problematisch?

    1. ‚Influencer spielen definitiv eine große Rolle! Ihre Reichweite kann gefährlich sein – sie beeinflussen viele junge Frauen ohne echtes Wissen darüber.‘

  3. ‚Feminine‘ Produkte sollten tatsächlich eine besondere Kontrolle haben. Ich frage mich oft, wie viele Menschen wirklich hinterfragen, was sie kaufen. Gibt es Studien über solche Werbepraktiken?

  4. Der Beitrag ist sehr informativ! Ich kann nicht glauben, wie Marketing uns täuscht. Was haltet ihr von der Idee, eine Petition zu starten für bessere Kontrollen im Online-Handel? Das wäre ein guter erster Schritt!

    1. Eine Petition wäre toll! Wir müssen die Stimmen der Verbraucher bündeln und zusammenarbeiten. Wo können wir diese Petition am besten verbreiten?

    2. Absolut richtig! Ich finde auch, dass mehr Transparenz geschaffen werden muss. Vielleicht könnten wir auch ein Forum gründen, um Erfahrungen auszutauschen.

  5. Ich finde den Artikel sehr aufschlussreich. Es ist erschreckend, wie viele Produkte ohne wissenschaftliche Basis vermarktet werden. Wer kümmert sich um die Gesundheit der Verbraucher? Gibt es bereits Initiativen, die dagegen ankämpfen?

    1. Es sollte wirklich mehr Aufklärung geben! Ich frage mich, warum diese Werbung überhaupt erlaubt ist. Wo sind die Regulierungen? Wie können wir als Verbraucher mehr Druck ausüben?

    2. Ich stimme zu, Mark! Die Preise sind unverschämt hoch und für viele nicht bezahlbar. Warum gibt es keine besseren Alternativen? Ich hoffe, dass sich da bald etwas ändern wird.

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