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Mehr Papier, weniger Zeit fürs Engagement: DSEE sieht wachsende Bürokratie in gemeinnützigen Organisationen

57,4 Prozent der befragten Leitungs- und Führungskräfte in gemeinnützigen Organisationen sagen, dass der bürokratische Aufwand in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Die DSEE nennt vor allem Steuererklärung, Gemeinnützigkeitsprüfung und Auflagen für Veranstaltungen als Belastung und fordert einfachere, digitalere Verfahren.
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Das Wichtigste in Kürze

  • 57,4 % der Leitungen sehen einen gestiegenen bürokratischen Aufwand in den letzten fünf Jahren.
  • Bürokratische Belastungen betreffen besonders Steuererklärungen, Gemeinnützigkeitsprüfungen und Veranstaltungsauflagen.
  • Notarielle Beglaubigungen werden als wichtig, aber zeit- und kostenintensiv bewertet.
  • Mehr Zeit für Nachweise verdrängt Aktivitäten in Sport, Kultur, Jugend und Nachbarschaft.
  • Befragt wird eine Vereinfachung durch einheitliche Formulare und mehr Digitalisierung gefordert.

Neue DSEE-Studie setzt den aktuellen Befund

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) meldet eine wachsende Bürokratiebelastung in gemeinnützigen Organisationen: 57,4 Prozent der haupt- und ehrenamtlichen Leitungspersonen sagen, dass der bürokratische Aufwand in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Grundlage ist eine neue Umfrage unter 500 Leitungs- und Führungskräften aus gemeinnützigen Organisationen.

Erhoben wurden die Daten vom Marktforschungsinstitut Civey zwischen dem 12. und 23. März 2026. Die DSEE fasst die Untersuchung unter dem Titel „Engagement und Ehrenamt zwischen Bürokratiebelastung und Handlungssicherheit“ zusammen. Damit beschreibt die Stiftung nicht nur eine allgemeine Klage über Verwaltung, sondern eine aktuelle Einschätzung aus den Leitungsrollen, in denen der zusätzliche Aufwand unmittelbar ankommt.

Steuererklärung, Gemeinnützigkeit, Veranstaltungen: Wo der Druck sitzt

Besonders belastend sind nach Angaben der DSEE Aufgaben rund um die Steuererklärung, Vorgaben bei der Gemeinnützigkeitsprüfung und Auflagen für Veranstaltungen. Auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten die Befragten die Bürokratiebelastung im Schnitt mit 5,64.

Zwischen den Rollen gibt es dabei nur eine kleine, aber klare Verschiebung: Hauptamtliche liegen mit 5,95 etwas höher als Ehrenamtliche mit 5,51. Die Umfrage zeigt damit, dass der Aufwand nicht nur die Vereinsarbeit im Alltag begleitet, sondern vor allem dort drückt, wo Verantwortung für Nachweise und Prüfungen zusammenläuft.

Ein Beispiel dafür sind notarielle Beglaubigungen. 71,2 Prozent der Befragten halten sie für wichtig, weil sie die Verlässlichkeit und rechtliche Absicherung von Dokumenten und Unterschriften erhöhen. Gleichzeitig bewerten 57,4 Prozent das Verfahren als zeitaufwendig und 57,8 Prozent als kostenaufwendig. Der Befund beschreibt damit keinen pauschalen Wunsch nach weniger Regeln, sondern einen Zielkonflikt: Viele sehen den Nutzen, wollen aber den Aufwand kleiner haben.

Zeitverlust statt Vereinsarbeit

„Menschen engagieren sich, weil sie etwas bewegen wollen – nicht, weil sie Formulare ausfüllen möchten.“ So fasst DSEE-Vorstand Jan Holze zusammen, was die Umfrage aus seiner Sicht zeigt: Immer mehr Zeit in gemeinnützigen Organisationen fließt nicht in Projekte, sondern in Nachweise und bürokratische Verfahren.

Holze warnt, dass dadurch genau dort Zeit fehlt, wo Engagement sichtbar wird: bei Kindern und Jugendlichen, bei Sport, Kultur, Nachbarschaft und Zusammenhalt. Die DSEE beschreibt Engagierte als Menschen, die Verantwortung übernehmen, Zeit investieren und anpacken – der zusätzliche Verwaltungsaufwand verschiebt diese Arbeit aus ihrer Sicht weg vom eigentlichen Zweck der Organisationen.

Was die Befragten ändern wollen – und wie sich das einordnet

Die DSEE-Umfrage bleibt nicht bei der Kritik stehen. Die Befragten nennen einheitliche Formulare und Verfahren sowie mehr Digitalisierung als wichtigste Hebel, um Abläufe zu vereinfachen; diese Prioritäten zeigen sich laut Stiftung weitgehend unabhängig von der Rechtsform der Organisation. Es geht ihnen damit nicht um weniger Kontrolle um jeden Preis, sondern um klarere und schlankere Wege durch die bestehenden Anforderungen.

DSEE-Vorstand Jan Holze formuliert das so: „Wir brauchen einfachere Verfahren, die Rechtssicherheit gewährleisten, ohne Engagement unnötig auszubremsen. Bürokratieabbau darf kein politisches Versprechen bleiben – er muss im Vereinsheim und im Alltag der Engagierten spürbar werden“. Der Satz verbindet die beiden Seiten des Problems: Die Verfahren sollen verlässlich bleiben, aber die Menschen, die sie ausfüllen, sollen nicht mehr Zeit in Nachweise als in ihre eigentliche Arbeit stecken.

Dass die Kritik nicht neu ist, zeigen auch frühere Befunde der Stiftung und des Bundestags. In einer DSEE-Umfrage vom 20. Februar 2025 nannten Ehrenamtliche in Leitungspositionen vor allem Fördermittel und Finanzen, Datenschutz, Vereinsrecht und Veranstaltungen als Belastung. Der vierte Engagementbericht der Bundesregierung vom 5. Dezember 2024 hob Bürokratie ebenfalls als Belastungsfaktor hervor. Die aktuelle DSEE-Studie fügt dieser Linie den Befund hinzu, dass viele Verantwortliche die Belastung zwar für notwendig erklärt sehen, sie aber im Alltag als zu groß erleben.

Quellen

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