Mehr Geld für Ehrenamtliche – Was die neuen Pauschalen wirklich bringen

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Was wurde beschlossen? Die neuen Zahlen auf einen Blick

Die steuerfreien Pauschalen für ehrenamtlich Engagierte waren lange nicht mehr angepasst worden – zuletzt 2021. Seitdem sind Kosten und Erwartungen gestiegen, das Engagement ist anspruchsvoller geworden. Trotzdem blieben die Beträge auf altem Niveau:

  • Übungsleiterpauschale: 3.000 €
  • Ehrenamtspauschale: 840 €

Jetzt verspricht der Koalitionsvertrag ein Update:

„Wir werden die Übungsleiterpauschale auf 3.300 Euro und die Ehrenamtspauschale auf 960 Euro anheben.“

Diese Erhöhung soll nicht nur einen finanziellen Ausgleich schaffen, sondern ein Signal senden: Ehrenamt ist kein Gratisdienst. Es ist Leistung, die Würdigung verdient – auch materiell.

Konkret bedeutet das:

  • Wer regelmäßig z. B. als Jugendtrainer:in oder Übungsleiter:in aktiv ist, kann jährlich bis zu 3.300 € steuerfrei erhalten.
  • Wer anderweitig ehrenamtlich mitwirkt – etwa als Schatzmeister:in, Beisitzer:in oder bei Veranstaltungen – kann bis zu 960 € steuerfrei geltend machen.

Beide Pauschalen sind nicht sozialversicherungspflichtig und können unabhängig von Hauptberuf, Rente oder Arbeitslosigkeit gezahlt werden – sofern die Tätigkeit die Voraussetzungen erfüllt.

Das Wichtigste zusammengefasst: Die neuen Pauschalen im Überblick

PauschaleBisherNeu ab 2025
Übungsleiterpauschale3.000 €3.300 €
Ehrenamtspauschale840 €960 €
Aufwandsentschädigung Rentner:innenNicht geregeltFreibetrag geplant

Warum das Ehrenamt finanzielle Anerkennung benötigt

Ehrenamt ist kein Hobby – es ist Verantwortung. Und zwar eine, die oft mit erheblichem zeitlichem, organisatorischem und emotionalem Aufwand verbunden ist. Ob Jugendtrainerin, Chorleiter, Platzwart oder Kassenführerin: Wer sich engagiert, investiert Lebenszeit – regelmäßig, zuverlässig, oft über Jahre hinweg. Doch die steuerlichen Rahmenbedingungen blieben diesem Einsatz lange nicht gerecht.

Was bisher das Problem war

Bis 2025 galten steuerliche Freibeträge, die längst nicht mehr zur Lebensrealität passten:

  • Die Übungsleiterpauschale stagnierte bei 3.000 € – trotz Inflation, gestiegener Kosten und wachsender Anforderungen.
  • Die Ehrenamtspauschale lag bei mageren 840 € – kaum mehr als ein symbolischer Obolus.

Besonders kritisch war das für Menschen, die mehrere Rollen gleichzeitig übernahmen – etwa als Trainer und Vorstand. Hier kam es häufig zu Unsicherheiten und Abgrenzungsproblemen, auch steuerlich.

Gleichzeitig fehlte es an Anreizen für neue Engagierte: Gerade in ländlichen Regionen, bei Berufstätigen oder jungen Menschen war der Einstieg oft mit Aufwand, aber kaum mit Anerkennung verbunden. Dabei ist klar: Engagement lebt nicht nur von Idealismus – sondern auch von Rahmenbedingungen, die fair sind.

Warum diese Reform mehr als Symbolpolitik ist

Die Erhöhung der Pauschalen ist keine Revolution – aber sie ist ein überfälliger Schritt:

  • Sie signalisiert Respekt gegenüber einer Leistung, ohne die unser Gemeinwesen kaum funktionieren würde.
  • Sie gibt Menschen mehr Spielraum – etwa für Fahrkosten, Ausrüstung, Weiterbildung oder einfach als kleine Entlastung.
  • Und sie wertet das Ehrenamt im gesellschaftlichen Bewusstsein auf: nicht als Nebensache, sondern als tragende Säule.

Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels im sozialen Bereich, der Überalterung vieler Vereinsstrukturen und der zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft ist das ein starkes Zeichen: Wer sich einsetzt, wird nicht vergessen – sondern gefördert.

Was bringen die Pauschalen in der Praxis?

Erhöhungen auf dem Papier sind das eine – aber wie wirken sich die neuen Freibeträge konkret im Ehrenamtsalltag aus? Wer profitiert wirklich, welche Grenzen gelten – und wo lauern Stolpersteine?

Die wichtigsten Regelungen im Überblick

1. Übungsleiterpauschale – neu: 3.300 € steuerfrei pro Jahr

Gilt für Tätigkeiten mit pädagogischem Bezug, z. B.:

  • Jugendtrainer:innen
  • Chorleiter:innen
  • Ausbilder:innen in Rettungsdiensten oder Sportvereinen

Voraussetzung: Die Tätigkeit muss nebenberuflich erfolgen (nicht hauptberuflich) und darf nicht im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses beim gleichen Träger wie die Hauptbeschäftigung stattfinden.

2. Ehrenamtspauschale – neu: 960 € steuerfrei pro Jahr

Gilt für alle anderen freiwilligen Tätigkeiten, z. B.:

  • Kassenwart:in
  • Platzwart
  • Vorstandsmitglieder
  • Helfer:innen bei Veranstaltungen

Wichtig: Die Pauschalen sind nicht miteinander kombinierbar für dieselbe Tätigkeit, aber theoretisch nebeneinander anwendbar, wenn jemand zwei klar getrennte Tätigkeiten ausübt – z. B. als Trainer und Kassierer:in.


Beispielrechnungen: Was bedeutet das konkret?

🔹 Beispiel 1: Jugendtrainerin im Fußballverein

Sie erhält eine jährliche Aufwandsentschädigung von 3.000 € – alles steuerfrei über die Übungsleiterpauschale. Durch die neue Erhöhung auf 3.300 € hat sie künftig noch etwas Luft nach oben, ohne Abgaben.

🔹 Beispiel 2: Rentner als Kassierer und Platzwart

Er bekommt insgesamt 900 € für seine Vereinsarbeit – fällt vollständig unter die Ehrenamtspauschale und bleibt steuerfrei.

🔹 Beispiel 3: Doppelrolle – Trainer + Schatzmeisterin

Sie erhält 2.500 € als Übungsleiterin und 800 € als Vorstandsmitglied. Beide Tätigkeiten sind klar voneinander abgegrenzt – also können beide Pauschalen parallel angewendet werden: steuerfrei insgesamt 3.300 € + 960 €.


Neu: Der Freibetrag für Rentner:innen

Ein echter Fortschritt betrifft Menschen im Ruhestand oder mit Erwerbsminderung: Für sie wird ein jährlicher Freibetrag für Aufwandsentschädigungen eingeführt – angelehnt an das Steuerrecht. Das bedeutet: Renten und Ehrenamtsentschädigung werden nicht gegeneinander verrechnet, solange die Freibeträge eingehalten werden.

Gerade ältere Menschen engagieren sich überdurchschnittlich häufig – dieser Schritt beseitigt endlich eine langjährige Gerechtigkeitslücke.

Kritik & offene Fragen

So wichtig und richtig die Erhöhung der Pauschalen auch ist – sie ist kein Allheilmittel. In der Praxis zeigen sich schnell strukturelle Schwächen, Missverständnisse und Leerstellen. Denn: Geld allein reicht nicht, wenn das System dahinter kompliziert, ungleich oder schwer zugänglich bleibt.

1. Ungleichheit unter Engagierten

Nicht alle profitieren im gleichen Maß:

  • Übungsleitende erhalten mit 3.300 € mehr als das Dreifache der Ehrenamtspauschale (960 €).
  • Wer „nur“ organisatorisch oder administrativ tätig ist – etwa als Vorstandsmitglied oder Platzwart – bleibt auf einem vergleichsweise kleinen Freibetrag sitzen.
  • Diese Unterscheidung erscheint vielen ungerecht, zumal alle Formen von Engagement Verantwortung und Zeit erfordern.

2. Komplexe steuerliche Abgrenzung

Besonders knifflig wird es bei Mehrfachengagement:

  • Wer zwei unterschiedliche Rollen ausfüllt, kann theoretisch beide Pauschalen nutzen – muss aber lückenlos dokumentieren, dass es sich um klar abgegrenzte Tätigkeiten handelt.
  • Hier entstehen schnell Unsicherheiten, und Fehler können zu Rückforderungen durch das Finanzamt führen.

Ohne klare Informationen und einfache Tools zur Anwendung bleibt der Spielraum für viele ungenutzt – oder wird aus Angst vor Fehlern gar nicht erst ausgeschöpft.

3. Kein Automatismus – Vereine müssen aktiv werden

Die steuerlichen Vorteile greifen nur, wenn der Verein sie auch aktiv umsetzt:

  • Das bedeutet: Richtige Vertragstexte, saubere Nachweise, korrekte Auszahlung.
  • Viele kleinere Vereine wissen nicht genau, wie sie die Pauschalen korrekt anwenden sollen – oder fürchten zusätzlichen Aufwand.

Ohne begleitende Schulungsangebote, Mustervorlagen und Beratung bleibt die Reform schnell ein theoretisches Konstrukt – gut gemeint, aber kaum wirksam.

4. Finanzierung bleibt Vereinssache

Nicht zu vergessen: Die Pauschalen werden nicht vom Staat gezahlt, sondern vom jeweiligen Verein.

  • Gerade kleinere Organisationen haben oft nicht die Mittel, um allen Ehrenamtlichen eine Aufwandsentschädigung in voller Höhe zu zahlen.
  • Wer auszahlt, muss das aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen oder Projektmitteln stemmen – bei gleichzeitig wachsenden Kosten (Raummiete, Materialien etc.).

Das führt zu einem Dilemma: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessern sich – aber ohne Gegenfinanzierung ist die Umsetzung für viele ein Kraftakt.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung – aber nicht das Ziel

Mit der Erhöhung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen sendet die Bundesregierung ein wichtiges Signal: Engagement verdient nicht nur Applaus, sondern auch konkrete Anerkennung. Für viele Ehrenamtliche bedeutet das mehr finanziellen Spielraum, bessere Planbarkeit – und endlich das Gefühl, dass ihr Einsatz politisch wahr- und ernstgenommen wird.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung – aber nicht das Ziel
Mehr Geld für Ehrenamtliche – Was die neuen Pauschalen wirklich bringen

Aber: Die Reform ist nur ein Teil der Lösung. Ohne Entlastung bei der Umsetzung, verständliche Informationsangebote und eine echte Gegenfinanzierung bleiben viele Potenziale auf der Strecke. Denn ein Freibetrag auf dem Papier nützt wenig, wenn er in der Praxis nicht ankommt – sei es aus Unwissen, Unsicherheit oder fehlenden Mitteln.

Was es jetzt braucht, ist ein zweiter Schritt:

  • Vereine müssen befähigt werden, die Pauschalen korrekt und flächendeckend anzuwenden.
  • Engagierte brauchen Klarheit, wie ihre Tätigkeiten eingeordnet werden.
  • Die Politik sollte flankierende Fördermittel prüfen, um besonders kleinen Organisationen die Auszahlung überhaupt zu ermöglichen.

Nur dann wird aus der Steuererleichterung eine echte Wertschätzungskultur.


Im nächsten Beitrag werfen wir den Blick auf den „Zukunftspakt Ehrenamt“ – und zeigen, wie die Koalition Ehrenamtliche besser absichern und rechtlich stärken will.

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🔎 Weiterführende Informationen

Wenn du tiefer einsteigen möchtest – hier findest du zentrale Quellen und weiterführende Analysen zum Koalitionsvertrag 2025:

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11 Antworten

  1. Die neuen Pauschalen sind wichtig für uns Ehrenamtliche! Aber wie wird sichergestellt, dass alle die gleichen Chancen haben? Ich mache mir Gedanken über die Ungleichheiten.

  2. Ich finde es toll, dass das Ehrenamt mehr wertgeschätzt wird! Aber was ist mit den kleinen Vereinen? Sie können sich oft keine hohen Aufwandsentschädigungen leisten. Wie soll das klappen?

  3. Die Erhöhung ist echt ein Schritt in die richtige Richtung! Aber ich mache mir Sorgen über die Umsetzung in der Praxis. Was denken andere darüber? Wird es wirklich für alle einfacher?

  4. Das klingt alles super! Aber ich mache oft mehrere Tätigkeiten im Verein. Wie wird das steuerlich betrachtet? Gibt es dazu spezielle Richtlinien oder nur allgemeine Infos?

  5. Ich finde die Erhöhung der Pauschalen gut. Aber wie wird das in den kleineren Vereinen umgesetzt? Die meisten wissen doch garnicht, wie sie das machen sollen. Gibt es dazu Schulungen oder Infos?

    1. Ja, genau! Ich hoffe auch, dass die Vereine Unterstützung bekommen, um die neuen Regeln zu verstehen und anzuwenden.

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