Mehr Genehmigungen klingen erst einmal nach Bewegung auf dem Wohnungsmarkt. Für Menschen, die bezahlbare Wohnungen suchen, ist das aber noch längst keine Entwarnung. Zwischen dem genehmigten Bauantrag und einer tatsächlich fertiggestellten Wohnung liegt oft ein weiter Weg.
Im Mai 2026 wurden in Deutschland 21.000 Wohnungen genehmigt, wie aus der aktuellen Statistik hervorgeht. Das entspricht einem Plus von 24,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Von Januar bis Mai kamen 104.700 Genehmigungen zusammen, also 15,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Bei neuen Mehrfamilienhäusern stieg die Zahl auf 56.100 Wohnungen, ein Zuwachs von 18,9 Prozent. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW sieht darin eine Bewegung in die richtige Richtung – von einer Entspannung will der Verband aber nicht sprechen.
Genehmigung ist noch keine fertige Wohnung
Wer nur auf die Zahl der Genehmigungen schaut, bekommt vom Wohnungsbau nur einen Teil des Bildes. In der amtlichen Bautätigkeitsstatistik wird klar zwischen Genehmigung, Baufortschritt und Fertigstellung unterschieden. Eine Genehmigung erlaubt ein Vorhaben, sagt aber noch nichts darüber aus, wann gebaut wird oder ob die Wohnung später tatsächlich bezugsfertig ist.
Das zeigt ein Blick auf die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Für 2025 wurden 206.600 Wohnungen fertiggestellt, gleichzeitig lag die Zahl der Baugenehmigungen bei 238.100. Hinzu kommt, dass im selben Jahr 35.700 Genehmigungen erloschen. Besonders wichtig ist auch der sogenannte Bauüberhang – also genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen. Er lag Ende 2025 bei 760.700 Wohnungen.
Gerade dieser Bauüberhang zeigt, warum das aktuelle Plus bei den Genehmigungen noch keine echte Entlastung bringt. Solange Vorhaben auf Papier stehen, aber nicht auf der Baustelle ankommen, bleibt der Mangel an Wohnraum bestehen.
Das Geschäftsklima bleibt ein Warnsignal
Auch die Lage in der Branche selbst bleibt angespannt. Das ifo Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechterte sich im Mai 2026 auf -29,3 Punkte. Nach Angaben des Instituts meldeten 42,2 Prozent der Unternehmen Auftragsmangel, 11,7 Prozent berichteten von Stornierungen.
Der GdW verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie auf immer neue Anforderungen. Aus Sicht des Verbands werden dadurch selbst bereits genehmigte Projekte wirtschaftlich fragwürdig. Präsident Axel Gedaschko sprach in der Mitteilung von Vorhaben, die wegen der Kostenlage in der Schublade landen. Gemeint sind also Projekte, die zwar geplant und genehmigt sind, aber zunächst nicht begonnen werden.
„Entscheidend ist deshalb nicht die monatliche Genehmigungsstatistik, sondern was tatsächlich auf den Baustellen ankommt“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des GdW.
Damit macht der Verband deutlich, worauf es aus seiner Sicht am Ende ankommt: Nicht die Zahl der Anträge entscheidet, sondern ob daraus tatsächlich neue Wohnungen entstehen. Genau daran hapert es derzeit noch an mehreren Stellen zugleich.
Was das für bezahlbaren Wohnraum bedeutet
Besonders deutlich wird das Problem beim bezahlbaren Wohnen. Der GdW rechnet für 2026 bundesweit nur noch mit rund 200.000 fertiggestellten Wohnungen. Der jährliche Bedarf liegt aus Sicht des Verbands bei etwa 320.000 Wohnungen. Die Lücke bleibt damit groß und dürfte die angespannte Lage am Mietwohnungsmarkt weiter belasten.
Hinzu kommt: Sozial orientierte Wohnungsunternehmen sollen ihre Neubauinvestitionen nach Verbandsangaben um fast 26 Prozent zurückfahren. Für sie erwartet der GdW nur noch rund 16.000 statt zuvor gut 24.000 Wohnungen. Für Kommunen, Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Anbieter ist das relevant, weil gerade sie im unteren und mittleren Preissegment eine wichtige Rolle spielen.
Diese Zahlen sind allerdings als Verbandsprognose zu lesen, nicht als amtliche Gesamtvorhersage. Sie zeigen dennoch, dass steigende Genehmigungen allein wenig nützen, wenn aus ihnen wegen Kosten, Zinsen oder fehlender Planungssicherheit keine Baustarts folgen.
Mehr Förderung allein reicht noch nicht
Als einen kleinen Lichtblick nennt der GdW die verbesserte EH55-Förderung. EH55 steht für einen energetischen Standard im Wohnungsbau; gefördert werden also Projekte, die bestimmte Effizienzanforderungen erfüllen. Nach Angaben des Verbands werden bereits geschlossene Verträge mit Generalunternehmern künftig nicht mehr automatisch vom Förderausschluss erfasst. Die KfW und der Bund haben die EH55-Förderung bis zum Verbrauch der Mittel, spätestens bis Ende 2026, verlängert.
Ob das ausreicht, um mehr Projekte wirtschaftlich an den Start zu bringen, bleibt offen. Der GdW fordert verlässlichere und langfristig planbare Förderbedingungen, deutlich niedrigere Bau- und Finanzierungskosten, schnellere Verfahren und stärkere Anreize für kostengünstigen Wohnungsbau. Für den Markt ist genau das der entscheidende Punkt: Erst wenn Genehmigungen wieder häufiger zu realisierten Bauvorhaben werden, entspannt sich die Lage spürbar.
Was von der Entwicklung im Alltag ankommt
Vorläufig bleibt das Genehmigungsplus deshalb vor allem ein Zwischenstand. Für den Wohnungsmarkt zählt nicht, wie viele Vorhaben auf dem Papier stehen, sondern wie viele Wohnungen am Ende tatsächlich fertig werden.
Solange Kosten, Zinsen und Planungsrisiken viele Projekte ausbremsen, ändert ein Plus bei den Genehmigungen nur wenig an der angespannten Lage. Entscheidend wird sein, ob aus der Statistik irgendwann wieder mehr gebaute Wohnungen werden.
Quellen
Destatis: Fertiggestellte Wohnungen 2025 und Bauüberhang
Destatis: Baugenehmigungen 2025 und erloschene Genehmigungen
ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechtert sich
KfW: EH55-Förderung verlängert
Destatis: Datenbasis der Bautätigkeitsstatistik