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Mehr Baugenehmigungen, aber noch kein Aufatmen am Wohnungsmarkt

Im ersten Halbjahr 2026 wurden wieder deutlich mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Für den Wohnungsmarkt ist das trotzdem noch kein Durchbruch, weil zwischen Genehmigung und Fertigstellung weiter viel Zeit vergeht.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Im ersten Halbjahr 2026 stiegen Baugenehmigungen um 15,1 Prozent auf 126.300 Wohnungen.
  • Von Genehmigung bis Fertigstellung vergeht durchschnittlich 26 Monate, Neubau verzögert sich.
  • Genehmigungen im Mehrfamilienhausbau um 16,9 Prozent gestiegen, Gesamtstand aber auf 2011-Niveau.
  • Hohe Zinsen und Baukosten bremsen Bauprojekte, besonders im wichtigen Mietwohnungsbau.
  • Politische Forderungen für beschleunigtes und gefördertes Bauen sind noch nicht verbindlich beschlossen.

Wer auf eine bezahlbare Wohnung wartet, spürt von guten Nachrichten aus der Statistik zunächst wenig. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2026 wieder deutlich mehr Wohnungen genehmigt. Bis daraus neuer Wohnraum entsteht, vergeht aber weiter viel Zeit.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden von Januar bis Juni 126.300 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das entspricht einem Plus von 15,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Von einer Entspannung am Markt kann trotzdem noch keine Rede sein.

Warum das Plus noch keine Entwarnung gibt

Baugenehmigungen sind nur ein früher Hinweis darauf, was später gebaut werden könnte. Zwischen dem Papier und einer bezugsfertigen Wohnung liegt oft ein langer Zeitraum. Für 2024 nennt das Statistische Bundesamt im Schnitt 26 Monate von der Genehmigung bis zur Fertigstellung.

Das erklärt, warum ein Plus bei den Genehmigungen noch keine schnelle Wirkung entfaltet. Selbst wenn mehr Projekte auf den Weg gebracht werden, entstehen daraus nicht sofort neue Wohnungen. 2025 lagen die Genehmigungen zudem weiter über den Fertigstellungen. Der Abstand zwischen Ankündigung und tatsächlichem Bau bleibt also groß.

Auch die Lage in der Branche spricht derzeit nicht für eine schnelle Wende. Das ifo-Institut meldete im Juli 2026 eine erneute Verschlechterung des Geschäftsklimas im Wohnungsbau. 43,7 Prozent der Unternehmen berichteten von zu wenigen Aufträgen, die Erwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit März 2025.

Wo der Anstieg sichtbar wird

Die Entwicklung verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Bauarten. Bei Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 31.700 Einheiten genehmigt. Das ist ein Plus von 15,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Wichtiger für die Versorgung mit Wohnraum ist aus Sicht der Bauindustrie der Mehrfamilienhausbau. Auf dieses Segment entfallen nach Angaben des Verbands zwei Drittel des Neubaus. Hier stieg das Genehmigungsvolumen im ersten Halbjahr 2026 auf rund 67.000 Wohnungen, also um 16,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Das ist ein sichtbar besserer Wert, bleibt aber auf niedrigem Niveau. Der Verband verweist darauf, dass sich die Zahl der Baugenehmigungen insgesamt noch immer auf dem Stand des ersten Halbjahres 2011 bewegt. Das zeigt, wie tief der Einbruch der vergangenen Jahre war.

Was das für Wohnungssuchende und Mieter bedeutet

Für Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchen, ist die aktuelle Halbjahresbilanz deshalb nur bedingt eine gute Nachricht. Mehr Genehmigungen schaffen zunächst vor allem Erwartungen, aber noch keinen verfügbaren Wohnraum. Die Entlastung kommt, wenn überhaupt, erst deutlich später auf dem Markt an.

Hinzu kommen die anhaltend hohen Zinsen und Baukosten. Sie bremsen viele Projekte aus und machen es schwerer, aus einer Genehmigung tatsächlich einen Baubeginn zu machen. Gerade im Mietwohnungsbau ist das problematisch, weil dort die Nachfrage besonders hoch bleibt.

Die Folge: Kommunen, Mieter und Wohnungssuchende spüren die Wirkung der Statistik nur verzögert. Ob aus dem aktuellen Plus mehr fertige Wohnungen werden, hängt davon ab, ob Projekte wirtschaftlich tragfähig bleiben und ob sie in den kommenden Monaten tatsächlich gestartet werden.

Welche politischen Antworten jetzt diskutiert werden

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie fordert deshalb weitere politische Schritte. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller verlangt mehr Initiativen der Bundesregierung gegen die Wohnkrise, die aus seiner Sicht seit mehr als fünf Jahren anhält.

Genannt werden ein BauTurbo II, also ein weiteres Paket zur Beschleunigung des Bauens, eine neue Förderkulisse für EH55-Gebäude und damit Häuser, die den Effizienzhaus-55-Standard erfüllen, eine erhöhte Sonderabschreibung sowie eigenkapitalunterstützende Darlehen. Außerdem soll das Gesetz für den Gebäudetyp E nach der Sommerpause zügig durchs Parlament. Gemeint ist vereinfachtes Bauen mit weniger Vorgaben.

Wichtig ist dabei die Trennung zwischen Forderung und Beschluss. Die Mitteilung macht nicht deutlich, welche dieser Punkte bereits verbindlich entschieden sind. Für Leserinnen und Leser bleibt damit offen, wie schnell aus den politischen Vorschlägen tatsächlich konkrete Maßnahmen werden.

Für kleine und mittlere Unternehmen der Branche ist das relevant, weil sie besonders auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen sind. Wenn Vorgaben, Förderwege und Finanzierung nicht zusammenpassen, bleibt es oft bei genehmigten Vorhaben, die nicht in die Umsetzung kommen.

Die eigentliche Bewährungsprobe kommt auf der Baustelle

Die Halbjahreszahlen zeigen damit vor allem eines: Die Lage verbessert sich in der Statistik, aber noch nicht im Alltag. Zwischen Genehmigung und Fertigstellung liegt weiter eine lange Zeitspanne, und die schwache Auftragslage deutet darauf hin, dass viele Projekte auch künftig nur zögerlich anlaufen.

Für den Wohnungsmarkt ist deshalb nicht entscheidend, wie viele Anträge bewilligt werden, sondern wie viele Baustellen daraus tatsächlich entstehen. Solange dieser Abstand groß bleibt, ist ein statistisches Plus kein Grund für Entwarnung.

Quellen

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