MedTech-Dialog 2025: Verbände fordern Bürokratieabbau und Reformen für Deutschlands Innovationsstandort

Nach der Auftaktveranstaltung zur Pharma- und Medizintechnikstrategie im Kanzleramt haben vier Branchenverbände im Bundesgesundheitsministerium einen MedTech-Dialog gestartet. Sie fordern tiefgreifende Reformen, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Medizintechnik-Innovationsstandort zu stärken. Konkret geht es um Bürokratieabbau, schnellere Anwendung von Innovationen und bessere Rahmenbedingungen für digitale Versorgung. Die Branche beschäftigt über 210.000 Menschen und erwirtschaftete 2024 eine Bruttowertschöpfung von 38,3 Milliarden Euro.
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MedTech-Dialog startet mit klaren Forderungen für Deutschlands Gesundheitsstandort

Die vier führenden Medizintechnik-Verbände BVMed, SPECTARIS, VDGH und ZVEI haben beim gestrigen Auftakt des MedTech-Dialogs im Bundesgesundheitsministerium deutliche Reformforderungen für den Innovationsstandort Deutschland gestellt. „Wir brauchen den Mut zu tiefgreifenden und strategischen Reformen, damit Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Medizintechnik-Innovationsstandort gestärkt wird“, betonen die Verbandsgeschäftsführer unisono.

„Nach der Auftaktveranstaltung zur Pharma- und Medizintechnikstrategie am 12. November im Kanzleramt starteten heute die Arbeiten in der Arbeitsgruppe 6 – Medizintechnik und Medizinprodukte – mit einem Roundtable im BMG.“ Dieser ressortübergreifende Prozess unter Beteiligung von Gesundheits-, Wirtschafts- und Forschungsministerium soll innerhalb eines Jahres in ein Strategiepapier münden, das im Kabinett beschlossen wird.

Zentrale Forderungen der Branche

Die Verbände identifizieren vier Hauptherausforderungen, die im Strategieprozess angegangen werden müssen:

  • Bürokratieabbau und Deregulierung – um Innovationsprozesse zu beschleunigen
  • Schnelle Anwendung von Innovationen in der Regelversorgung und Schaffung von Anreizen für Ergebnisqualität – für bessere Patient:innenversorgung
  • Ausbau digitaler und KI-basierter Versorgungsangebote, Nutzung von Gesundheitsdaten – zur Modernisierung des Gesundheitssystems
  • Resilienz der medizinischen Versorgung in Fällen der Bedrohung von Sicherheit und Verteidigung – für krisenfeste Strukturen

Wirtschaftliche Bedeutung der Medizintechnik-Branche

Die deutsche Medizintechnik-Industrie beweist mit beeindruckenden Kennzahlen ihre systemrelevante Rolle*.

„Die deutsche Medizintechnik-Branche ist eine Schlüsselindustrie. Sie gehört weltweit zur Spitze in Forschung, Qualität und Export“, so die Verbände. Die nun gestarteten Arbeiten am MedTech-Dialog sollen dazu beitragen, diese Position langfristig zu sichern und auszubauen.

Journalistische Einordnung & Hintergründe

Die Forderungen der Medizintechnik-Verbände nach grundlegenden Reformen kommen nicht aus dem Nichts. Sie speisen sich aus einer konkreten wirtschaftlichen Gemengelage, die durch mehrere aktuelle Entwicklungen zusätzlich verschärft wird. Laut Verbände-PM sehen die Akteure die Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche als zunehmend gefährdet an.*

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Warum Bürokratieabbau jetzt Schwerpunkt ist

Eine aktuelle BVMed-Umfrage vom 7. Oktober 2025 mit 116 Unternehmen zeigt ein ambivalentes Bild: Zwar erwarten die Betriebe ein Umsatzplus von 3,1 Prozent, gleichzeitig bleibt die Gewinnlage weiterhin schlecht. Diese Diskrepanz zwischen Umsatzerwartung und tatsächlicher Ertragskraft unterstreicht den wirtschaftlichen Druck, unter dem die mittelständisch geprägte Branche operiert.*

Die eigentliche Stoßrichtung wird bei der Frage nach der MDR-Weiterentwicklung deutlich: 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden wünschen sich hier vor allem weniger Bürokratie – dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr nochmals angestiegen (Stand: 2025).* Für die Praktiker in den Unternehmen stellt die regulatorische Weiterentwicklung damit primär eine Chance zum Abbau administrativer Hürden dar, nicht zur Schaffung neuer.

Weitere Kostentreiber, die die wirtschaftliche Situation im Herbst 2025 belasten, sind laut Analysen neben der Bürokratielast die schleppende Digitalisierung, mangelhafte Datennutzung sowie steigende Kosten für Energie, Rohstoffe, Transport und Logistik.*

Neue regulatorische Herausforderungen (Data Act) und ihre Bedeutung

Parallel zu den bestehenden Anforderungen kommt eine neue regulatorische Ebene hinzu: Seit dem 12. September 2025 gilt für digital vernetzte Medizinprodukte und verbundene Dienste der Data Act.* Diese EU-Verordnung zielt zwar auf einen fairen Datenzugang ab, erhöht für MedTech-Hersteller jedoch die regulatorische Komplexität erheblich.* Sie müssen nun zusätzliche Schnittstellen schaffen, Datennutzungsregelungen implementieren und Compliance-Prozesse für den Datenzugang Dritter etablieren.

In der Summe zeigt sich ein klares Bild: Während die Unternehmen mit den Nachwirkungen der MDR-Einführung und allgemeinem Kostendruck kämpfen, kommen durch den Data Act weitere regulatorische Pflichten hinzu. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung nach strategischen Reformen und Bürokratieabbau eine neue Dringlichkeit.*

Zahlen und Fakten zur Medizintechnik-Branche

Die Medizintechnik-Branche steht vor vielfältigen Herausforderungen, zeigt aber gleichzeitig bemerkenswerte wirtschaftliche Stärke. Die folgende Übersicht fasst wichtige Kennzahlen und aktuelle Entwicklungen zusammen:

  • 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden wünschen sich bei der MDR-Weiterentwicklung vor allem weniger Bürokratie; dieser Wert ist gegenüber dem Vorjahr nochmals angestiegen (Stand: 2025, Quelle: BVMed)*
  • Seit dem 12. September 2025 gilt für digital vernetzte Medizinprodukte und verbundene Dienste der Data Act (Stand: 12.09.2025, Quelle: Produktkanzlei)*
  • Die BVMed-Umfrage 2025 mit 116 Unternehmen zeigt ein erwartetes Umsatzplus von 3,1 Prozent, gleichzeitig bleibt die Gewinnlage weiterhin schlecht (Stand: 07.10.2025, Quelle: AOK)*
  • Kostentreiber neben der Bürokratielast sind schleppende Digitalisierung, mangelhafte Datennutzung sowie steigende Kosten für Energie, Rohstoffe, Transport und Logistik (Stand: Herbst 2025, Quelle: AOK)*
  • Der BVMed fordert einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für alle Medizintechnik-Produkte, wodurch die AOK 2,9 Milliarden Euro einsparen könnte (Stand: Oktober 2025, Quelle: AOK)*
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Wirtschaftliche Kennzahlen der Medizintechnik-Branche

Jahr Indikator Wert Einheit Quelle/Stand
2024 Beschäftigte 210.000 Personen WifOR-Institut*
2024 Bruttowertschöpfung 38,3 Milliarden Euro WifOR-Institut*
2024 Herstelleranzahl 1.508 Unternehmen Wirtschaftsstatistik*
2024 Umsatz 41,4 Milliarden Euro Wirtschaftsstatistik*
2024 Auslandsumsatzanteil 68 Prozent Wirtschaftsstatistik*
2024 F&E-Quote 9 Prozent Wirtschaftsstatistik*
2024 KMU-Anteil 93 Prozent Wirtschaftsstatistik*

Auswirkungen & gesellschaftliche Relevanz

Die im MedTech-Dialog diskutierten Reformvorschläge könnten tiefgreifende Folgen für Patientenversorgung, Gesundheitswesen und Wirtschaft haben. Die geplanten Änderungen bergen sowohl Chancen als auch Risiken, die sich unmittelbar auf die medizinische Versorgung und die wirtschaftliche Stabilität auswirken würden.

Versorgung & Ambulantisierung

Für Patientinnen und Patienten steht vor allem die Frage im Raum, ob medizinische Innovationen schneller verfügbar werden oder zusätzliche Hürden entstehen. Der Data Act vom 12. September 2025 schafft neue Rahmenbedingungen für digitale Gesundheitsdienste und Datennutzung. Einerseits könnte dies den Weg für personalisierte Medizin und KI-gestützte Diagnoseverfahren ebnen, andererseits drohen durch komplexere Datenschutzanforderungen längere Zulassungsverfahren.

Die angestrebte Ambulantisierung – also die Verlagerung von Behandlungen aus Kliniken in niedergelassene Praxen oder sogar ins häusliche Umfeld – hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit moderner Medizintechnik ab. Schnellere Innovationszyklen würden Patienten früheren Zugang zu lebensverbessernden Technologien ermöglichen, während bürokratische Hürden genau diesen Fortschritt ausbremsen könnten.

Wirtschaftliche Folgen für KMU

Besonders kleine und mittlere Unternehmen stehen vor erheblichen Herausforderungen. Laut Recherchen aus dem Herbst 2025 treiben regulatorische Anforderungen und gestiegene Materialkosten die Preise in der Medizintechnik-Branche spürbar nach oben. Diese Kostentreiber wirken sich direkt auf die Lieferketten aus und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller.

Die Forderung nach einer Mehrwertsteuersenkung für Medizinprodukte, wie sie der BVMed im Oktober 2025 vertritt, würde zwar die finanzielle Belastung für Krankenhäuser und Patienten verringern, stellt den Staat jedoch vor fiskalische Herausforderungen. Gleichzeitig könnte eine Steuerentlastung die Ambulantisierung beschleunigen, da mehr Patienten sich moderne Behandlungsmethoden leisten könnten.

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Die wirtschaftliche Stabilität der Branche ist keine rein unternehmerische Frage – sie betrifft direkt die Versorgungssicherheit. Wenn mittelständische MedTech-Unternehmen unter den aktuellen Rahmenbedingungen leiden, droht langfristig eine Abwanderung von Know-how und Produktionskapazitäten ins Ausland. Dies hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität und Geschwindigkeit der medizinischen Versorgung in Deutschland.

Ausblick & nächste Schritte

Der MedTech-Dialog hat an Bedeutung gewonnen – nun stehen die konkreten Umsetzungsschritte im Fokus.

Zeitplan und Verfahrensschritte

Nach dem Auftakt im Bundesgesundheitsministerium arbeiten verschiedene Ressorts und Stakeholder in der Arbeitsgruppe 6 – Medizintechnik und Medizinprodukte – zusammen. Das Bundeskanzleramt koordiniert den gesamten Prozess, was die politische Bedeutung unterstreicht. Die Verbände BVMed, SPECTARIS, VDGH und ZVEI bringen ihre Expertise in Themen wie Bürokratieabbau, digitale Versorgungsangebote und Resilienz der medizinischen Versorgung ein.

Politische Balance: Innovation vs. Sicherheit

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken setzt klare Akzente für die weitere Ausrichtung. Sie betont die Notwendigkeit pragmatischerer Umsetzbarkeit der Regelungen und weniger bürokratischer Prozesse bei gleichzeitiger Balance zwischen Innovation und Patientensicherheit. Diese Position weist auf zentrale Konfliktfelder hin: Wie lassen sich schnellere Zulassungsverfahren mit hohen Prüf- und Sicherheitsanforderungen vereinbaren?

Als Knackpunkte für die politische Debatte gelten:

  • Bürokratieabbau und Deregulierung ohne Qualitätseinbußen
  • Die Integration des Data Act in die Medizintechnik-Landschaft
  • Förderbedingungen speziell für kleine und mittlere Unternehmen

Die Beobachtung lohnt sich bei den beteiligten Akteuren: Die Branchenverbände formulieren ihre Forderungen nach international wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen, während BMG und Bundeskanzleramt an der Schnittstelle zwischen Gesundheitspolitik und Wirtschaftsinteressen vermitteln. Der Erfolg des Strategieprozesses wird sich daran messen lassen, ob es gelingt, Deutschlands Position als führender Medizintechnik-Standort zu stärken und gleichzeitig eine hochwertige Gesundheitsversorgung zu sichern.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Branchenverbände BVMed, SPECTARIS, VDGH und ZVEI.

Weiterführende Quellen:

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8 Kommentare

  1. Die Forderungen klingen gut, aber ich frage mich: Wer wird wirklich davon profitieren? Ich hoffe sehr, dass es nicht nur große Firmen sind und dass kleine Unternehmen auch ihre Stimme finden können.

    1. …und was ist mit den Patienten? Die sollten im Mittelpunkt stehen! Wenn wir schnellere Verfahren haben wollen, müssen wir auch sicherstellen, dass alles gut getestet wird.

    2. …absolut richtig! Es wäre schade, wenn nur große Unternehmen profitieren würden und kleine Firmen untergehen müssen. Wir brauchen Vielfalt in der Branche!

  2. Es ist interessant zu sehen, wie viel Umsatz die Branche macht. Aber was passiert mit den kleinen Unternehmen? Werden sie durch diese Reformen unterstützt oder benachteiligt?

  3. Die Medizintechnik ist wirklich wichtig, aber der Abbau von Bürokratie kann doch nicht alles lösen. Was ist mit der Qualität der Produkte? Ich hoffe, dass wir nicht nur schneller, sondern auch sicherer werden.

    1. Ich stimme zu! Schnellere Zulassungen sind wichtig, aber ich mache mir Sorgen um die Sicherheit. Wie können wir sicherstellen, dass Innovationen nicht auf Kosten der Patientensicherheit gehen?

    2. Ja genau! Es sollte immer eine Balance zwischen Innovation und Sicherheit geben. Vielleicht könnten wir auch mehr öffentliche Diskussionen zu diesem Thema führen? Das wäre hilfreich.

  4. Ich finde die Idee mit den Bürokratieabbau gut, aber ist das wirklich genug? Wir sollten auch mehr über die Folgen für die Patienten nachdenken. Gibt es Studien zu den Auswirkungen von weniger Bürokratie auf die Patientensicherheit?

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