– DPtV plädiert zum Weltkindertag für differenzierte Sicht auf Social-Media-Konsum Minderjähriger
– Exzessiver Social-Media-Konsum fördert psychische Erkrankungen, moderater Konsum stärkt Wohlbefinden
– DPtV begrüßt Strategie „mentale Gesundheit“ und fordert Einbindung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen
Weltkindertag 2025: DPtV fordert mehr Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche
Anlässlich des Weltkindertags am 20. September 2025 macht die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) auf die Bedeutung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Im Fokus steht der Umgang mit Social Media, der nach Ansicht der DPtV differenzierter betrachtet werden muss. „Der Zusammenhang von Social Media und psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist vielfach belegt. Es fehlen aber Maßnahmen, die Kindern und Jugendlichen einen medienkompetenten, selbstbestimmten Umgang mit Social Media ermöglichen, ohne dabei den Kinder- und Jugendschutz aus dem Blick zu verlieren“, sagt Dr. Josepha Katzmann, Mitglied im Bundesvorstand der DPtV.
Die aktuelle Debatte konzentriert sich oft zu sehr auf Verbote und Altersgrenzen, doch diese allein reichen nicht aus. Die Psychotherapeutin erklärt: „Verbote allein helfen deshalb nicht. Entscheidend ist, die Ursachen psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen, wie Schulstress, belastete Familien, Armut oder Krisenerfahrungen anzugehen und gleichzeitig mehr präventive sowie therapeutische Angebote zu schaffen.“ In der Praxis zeigen sich zwei gegensätzliche Ursachen für problematischen Medienkonsum: Einerseits besteht eine pathologische Nutzung, die psychische Erkrankungen verursacht. Andererseits hängt übermäßige Smartphone-Nutzung oft mit bereits bestehenden psychischen Belastungen zusammen, etwa wenn Depressionen den Antrieb für andere Aktivitäten reduzieren: „In der kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Praxis begegnen uns neben Patient*innen, deren pathologischer Medienkonsum sie psychisch krank macht, ebenso Kinder und Jugendliche, die erst aufgrund ihrer psychischen Belastung übermäßig am Smartphone hängen.“
Die DPtV betont außerdem, dass eine niedrige bis moderate Nutzung von Social Media positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden haben kann. Der Umgang mit sozialen Netzwerken erfordert daher einen Balanceakt zwischen Schutz und Förderung von Selbstbestimmung und Medienkompetenz bei jungen Menschen. Die Organisation verweist auch auf den Artikel 17 der UN-Kinderrechtskonvention, der das Recht von Kindern auf Zugang zu Medien bei gleichzeitigem Schutz vor Gefährdungen regelt. „Das ist ein Balanceakt, aber wir sollten uns gesellschaftlich dazu verpflichten, uns diesem wichtigen Thema zu widmen, im Sinne der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, so Katzmann.
Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist mit der „Strategie mentale Gesundheit“ ein Schritt hin zu mehr Prävention und Früherkennung psychischer Belastungen vorgesehen. Die DPtV fordert, hier die Expertise der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen aktiv einzubinden, um wirksame Maßnahmen zu entwickeln. Insgesamt unterstreicht die Vereinigung, dass es nicht allein um das Regulieren von Mediennutzung geht, sondern vor allem um die Stärkung der Medienkompetenz und die Vorbeugung psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.
Chancen und Risiken: Wie Kinder heute mit Social Media aufwachsen
Social Media ist für viele Kinder und Jugendliche längst ein alltäglicher Begleiter, der ihre Kommunikation, Freizeitgestaltung und Informationsaufnahme prägt. Diese digitale Vernetzung bietet ihnen Chancen, aber auch Risiken – doch die Mediennutzung Heranwachsender lässt sich nicht einfach als gut oder schlecht bewerten. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Phänomen, das unterschiedliche Lebenswelten und Bedürfnisse berührt und deshalb differenziert betrachtet werden muss.
Die digitale Teilhabe eröffnet jungen Menschen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, zum Aufbau von sozialen Kontakten und zur Teilhabe an gesellschaftlichen Diskursen. Soziale Netzwerke können das Selbstbewusstsein stärken, wenn Kinder positive Rückmeldungen erhalten, und helfen, Interessen leichter zu entdecken oder Wissen zu sammeln. Insbesondere in Zeiten von räumlicher Distanz oder körperlichen Einschränkungen ermöglicht Social Media den Erhalt von Freundschaften und den Austausch über Grenzen hinweg. Allerdings sind diese Chancen eng mit Grenzen verbunden, die den Schutz von Kindern notwendig machen.
Mit Blick auf die Risiken steht häufig der Zusammenhang von exzessivem Social-Media-Konsum mit psychischen Belastungen im Fokus. Wissenschaftlich ist die Verbindung zwar nicht abschließend geklärt, doch zeigen psychotherapeutische Erfahrungen, dass manche Kinder und Jugendliche Social Media problematisch nutzen, während andere gerade aufgrund bestehender psychischer Probleme verstärkt digitale Medien verwenden. Deshalb reichen Verbote allein nicht aus – es braucht präventive Maßnahmen, um Ursachen psychischer Belastungen besser zu erkennen und zu behandeln. Dazu gehört auch der Ausbau von medienpädagogischen Initiativen, die Kindern und Eltern einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien vermitteln.
Gesellschaftlich und politisch entsteht zunehmend ein Bewusstsein dafür, dass der Schutz Minderjähriger bei gleichzeitigem Zugang zu digitalen Medien gewährleistet sein muss. Die aktuelle Diskussion um Altersgrenzen für Social-Media-Plattformen und Smartphone-Verbote an Schulen spiegelt den Versuch wider, junge Nutzer vor negativen Einflüssen zu bewahren, ohne sie von einer wichtigen Kommunikationswelt auszuschließen. Dabei gewinnt die geplante „Strategie mentale Gesundheit“ der Bundesregierung an Bedeutung, da sie Prävention und Früherkennung psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen stärken soll – Experten aus dem Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sollen dabei eine wichtige Rolle spielen.
Positive Aspekte digitaler Teilhabe
- Förderung von sozialem Austausch und Gemeinschaftserleben
- Zugang zu Bildung, Wissensquellen und aktuellen Informationen
- Entwicklung von Medienkompetenz und digitaler Selbstständigkeit
- Möglichkeit, eigene Interessen und kreative Projekte zu zeigen
Grenzen und Verantwortung: Was Politik und Gesellschaft tun können
- Entwicklung und Umsetzung klarer Altersgrenzen für soziale Netzwerke
- Ausbau präventiver und therapeutischer Angebote für psychische Gesundheit
- Förderung von medienpädagogischen Programmen in Bildungseinrichtungen
- Einbeziehung von Fachleuten aus Psychotherapie und Kinderrechten in politische Strategien
- Unterstützung von Familien durch Beratungs- und Unterstützungsangebote
Der rechtliche Rahmen für den Umgang mit Social Media ist insbesondere durch Artikel 17 der UN-Kinderrechtskonvention vorgegeben. Dieser garantiert Kindern den Zugang zu Massenmedien bei gleichzeitigem Schutz vor Gefährdungen. Der Balanceakt zwischen Zugang und Schutz lässt sich nur als gesellschaftliche Aufgabe lösen, bei der Familien, Bildungseinrichtungen, Fachkräfte und Politik zusammenwirken.
Für Familien bedeutet das, ihre Kinder mit Vertrauen zu begleiten, über Risiken zu sprechen und gemeinsam medienkompetentes Verhalten zu fördern. Für Bildung und Gesellschaft gilt, diese Fähigkeiten systematisch und frühzeitig zu vermitteln, dabei aber nicht auf Verbote zu setzen, sondern auf mündigen Umgang. Nur so kann Social Media als Teil der Lebenswelt junger Menschen genutzt werden, ohne dabei die psychische Gesundheit oder die persönliche Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.
Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV).
11 Kommentare
Ich habe bemerkt,dass viele Kinder über Social Media kommunizieren aber oft nicht richtig wissen wie sie sich verhalten sollen.Ich hoffe,dass es in Zukunft mehr Schulprogramme dazu gibt.Wie seht ihr die Rolle der Schulen dabei?
Schulen sollten unbedingt mehr tun! Es wäre toll,wenn sie regelmäßig Workshops anbieten könnten.Ich finde auch,dass es wichtig ist,dass Lehrer gut geschult werden.
Das stimmt auf jeden Fall! Eltern sollten auch in diesen Prozess eingebunden werden.Vielleicht könnte man sogar ein Programm entwickeln,in dem Schüler Eltern informieren?
„Balanceakt“ – ein passender Begriff für das Verhältnis von Nutzung und Risiken bei Social Media! Der Artikel spricht viele gute Punkte an. Was denkt ihr über den Einfluss von Schulstress auf die Mediennutzung? Ist das nicht ein großes Problem?
„Selbstbestimmung und Medienkompetenz“ sind definitiv Schlüsselbegriffe hier. Ich finde es spannend, wie sich der digitale Raum entwickelt. Glaubt ihr, dass wir irgendwann klare Regeln brauchen werden? Oder reicht das aktuelle System aus?
„Klare Regeln“ klingt gut! Aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich helfen wird oder ob die Jugendlichen dann einfach Wege finden werden, diese zu umgehen.
Das Thema ist wirklich relevant! Ich sehe viele Jugendliche, die extrem viel Zeit online verbringen. Die DPtV spricht wichtige Aspekte an. Wie können wir als Gesellschaft mehr für die Medienbildung tun? Ein Vorschlag wäre vielleicht mehr Aufklärungskampagnen.
Aufklärungskampagnen wären sicher hilfreich! Aber ich denke auch, dass der Austausch zwischen Eltern und Kindern enorm wichtig ist. Was haltet ihr von Elternabenden zu diesem Thema in Schulen?
Elternabende sind eine gute Idee! Vielleicht sollte es auch spezielle Programme für Jugendliche geben, um das Bewusstsein für ihre Online-Präsenz zu schärfen? Es gibt so viele Möglichkeiten!
Ich finde es sehr wichtig, dass wir über die Medienkompetenz von Kindern sprechen. Die DPtV hat gute Punkte angesprochen, wie wichtig ein ausgewogener Umgang mit Social Media ist. Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor, um Kinder besser zu schützen?
Ich stimme zu, dass eine Balance zwischen Schutz und Förderung wichtig ist. Vielleicht könnten Schulen mehr Workshops anbieten, um Kinder aufzuklären? Ich denke auch, dass Eltern mehr eingebunden werden sollten.