Landwirtschaft steht heute unter mehreren Erwartungen zugleich: Betriebe sollen wirtschaftlich arbeiten, Tiere besser schützen und Emissionen senken. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Agrartechnik an. Eine Auszeichnung für Reiner Brunsch macht nun deutlich, wie wichtig dieses Feld geworden ist.
Prof. Dr. habil. Reiner Brunsch hat am 18. Juni die Max-Eyth-Gedenkmünze erhalten. Überreicht wurde sie von Dr. Markus Demmel, dem Vorsitzenden des VDI-Fachbereichs Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik. Nach Angaben des Verbands würdigt die Auszeichnung besondere Verdienste in der Agrartechnikbranche.
Was die Max-Eyth-Gedenkmünze auszeichnet
Die Gedenkmünze ist keine neue Ehrung. Sie wurde bereits 1950 von der Max-Eyth-Gesellschaft für Agrartechnik gestiftet und 1995 mit dem Zusammenschluss zur VDI-Gesellschaft Agrartechnik in eine VDI-Ehrung überführt. Ausgezeichnet werden damit herausragende Einzelleistungen, die für die agrartechnische Entwicklung historisch bedeutsam sind.
Für Leser außerhalb der Fachwelt klingt das zunächst nach einer rein wissenschaftlichen Anerkennung. Tatsächlich verweist die Ehrung aber auf Fragen, die den Alltag in der Landwirtschaft längst prägen. Denn Agrartechnik beeinflusst, wie sich Ertrag, Tierwohl, Umweltbelastung und technische Umsetzbarkeit miteinander verbinden lassen.
Die Auszeichnung für Brunsch steht deshalb auch für einen Wandel in der Branche. Gefragt sind nicht mehr nur leistungsfähige Systeme, sondern Lösungen, die im Betrieb funktionieren und zugleich Emissionen, Umweltwirkungen und Tierschutz stärker berücksichtigen.
Forschung zwischen Hochschule, Institut und Praxis
Brunsch war Wissenschaftler, Hochschullehrer und langjähriger Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Agrartechnik in Potsdam-Bornim. Nach ergänzenden Angaben aus der Recherche ist er seit 2023 offiziell im Ruhestand, arbeitet aber weiterhin wissenschaftlich am Standort. Mehr als 25 Jahre war er dort tätig.
Seine Arbeitsschwerpunkte lagen unter anderem bei Tierhaltung, Emissionsminderung, Umweltwirkungen und Tierwohl. Die Mitteilung hebt hervor, dass diese Arbeiten national und international Maßstäbe gesetzt hätten. Gemeint ist damit Forschung, die sich mit Fragen beschäftigt, die im Stallalltag, bei der Anlagenplanung und bei der Bewertung landwirtschaftlicher Verfahren eine Rolle spielen.
Nach den vorliegenden Recherchehinweisen gehörten auch Digitalisierung, Industrie 4.0 und zirkuläre Bioökonomie zu seinem wissenschaftlichen Umfeld. Die Bioökonomie beschreibt dabei die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und biologischer Reststoffe, um Stoffkreisläufe in der Landwirtschaft besser zu schließen. Solche Ansätze gelten als wichtig, weil sie Nebenprodukte nicht nur als Abfall betrachten, sondern als Teil eines Kreislaufs.
Die Ehrung würdigt damit nicht nur eine einzelne Person, sondern auch einen Forschungsansatz, der Wissenschaft und landwirtschaftliche Praxis miteinander verbinden soll. Für Betriebe ist genau das entscheidend: Neue Technik nützt nur dann, wenn sie sich im Alltag einsetzen lässt und zu den Abläufen auf dem Hof passt.
Warum die Themen über die Fachwelt hinaus relevant sind
Die Themen, für die Brunsch ausgezeichnet wurde, zeigen auch, woran sich Agrartechnik heute messen lassen muss. Wirtschaftlichkeit bleibt wichtig, reicht aber allein nicht mehr aus. Hinzu kommen Fragen nach dem Umgang mit Tieren, nach Umweltbelastungen und nach dem Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz.
Für Betriebe bedeutet das oft zunächst mehr Anforderungen an Planung, Dokumentation und technische Ausstattung. Ob neue Verfahren tatsächlich entlasten, hängt davon ab, wie gut sie in bestehende Abläufe passen und welche Investitionen dafür nötig sind. Gerade kleinere Höfe und Organisationen dürften solche Umstellungen besonders deutlich spüren.
Auch für Verbände und Fachorganisationen ist das Thema relevant. Sie müssen die Interessen von Praxis, Forschung und Politik häufig gleichzeitig im Blick behalten. Die Ehrung für Brunsch zeigt, dass die Debatte über Agrartechnik inzwischen eng mit der Frage verbunden ist, wie Landwirtschaft künftig verantwortbar, effizient und nachvollziehbar organisiert werden kann.
Ein Preis mit Blick auf die Zukunft der Branche
Die Max-Eyth-Gedenkmünze setzt damit ein Signal in eine Branche im Wandel. Ausgezeichnet wird nicht einfach technische Leistung, sondern ein langjähriger Beitrag zu einer Agrartechnik, die sich an den Bedingungen moderner Landwirtschaft messen lassen muss.
Für die Fachwelt ist das eine Anerkennung der bisherigen Arbeit. Für den Rest der Branche bleibt vor allem die Frage, wie sich die genannten Ziele im Alltag umsetzen lassen. Genau daran wird sich zeigen, welche Lösungen auf Dauer tragen.
Quellen
- VDI: Geschichte der Max-Eyth-Gesellschaft Agrartechnik
- Leibniz-Magazin: Der Landwirtschaftsforscher
- ATB Potsdam: Prof. Reiner Brunsch is retiring after more than 25 years at the ATB
- ATB Potsdam: VDI-Statusreport Industrie 4.0 – Technologien in der Landwirtschaft
- ATB Potsdam: Promoting the circular bioeconomy in agrifood systems