Maschinenbau in der Krise: IG Metall warnt vor Jobabbau, US-Zöllen und Investitionsstau

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steckt in einer anhaltenden Krise. Die IG Metall warnt vor zu geringen Investitionen, einer angespannten Auftragslage und drohendem Stellenabbau. Zusätzlichen Druck erzeugen die US-Zölle, die laut der Gewerkschaft Produktionsverlagerungen begünstigen. Als Lösung fordert die IG Metall einen staatlich moderierten Zukunftsdialog für die Schlüsselbranche.
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* Die IG Metall warnt vor anhaltender Stagnation im deutschen Maschinen- und Anlagenbau.
* Fehlende Investitionen und US-Zölle gefährden Beschäftigung und Standort.
* Die Gewerkschaft fordert einen Zukunftsdialog unter Leitung des Wirtschaftsministeriums.

Maschinenbau unter Druck: Jobs, Zölle, Investitionen

Der Maschinen- und Anlagenbau kommt nach Einschätzung der IG Metall weiter nicht aus seiner Schwächephase heraus. Anlass ist der in Frankfurt am Main vorgestellte Trendmelder 2026, für den die Gewerkschaft Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus der Branche befragt hat. Das Bild, das die Umfrage zeichnet, ist aus Sicht der IG Metall klar: zu geringe Investitionen, eine angespannte Auftragslage, zusätzliche Belastungen durch US-Zölle und wachsender Druck auf die Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert deshalb mehr politische Unterstützung und schlägt einen staatlich moderierten Zukunftsdialog für die Branche vor.

Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, warnt: „Die Maschinen- und Anlageindustrie ist der Treiber für den industriellen Wandel in Deutschland und der Welt. Die Branche stellt die Maschinen für digitalisierte und klimafreundliche Produktionsprozesse her. Wenn es dort stockt, stockt auch der Fortschritt in der restlichen Industrie.“

Kerner dringt zudem auf einen Kurswechsel in den Unternehmen: „Die Unternehmen müssen die Weichen jetzt neu Richtung Zukunft stellen, damit die Branche wieder Fahrt aufnimmt und international wieder wettbewerbsfähiger wird. Es gilt jetzt, antizyklisch zu investieren, um die Krise hinter sich zu lassen.“ Mit Blick auf den Handel mit den USA ergänzt er: „Die Politik muss die US-Zölle wieder in Angriff nehmen. Denn sie gefährden ganz akut die Produktion in Deutschland.“

Warum die Branche wirtschaftlich feststeckt

Die Warnungen der IG Metall treffen auf eine Branche, die auch in externen Kennzahlen seit Längerem schwach wirkt. Nach Angaben des Fachmagazins Produktion ging die reale Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau 2025 um rund 5 Prozent zurück; für 2026 wurde dort, Stand Herbst 2025, lediglich ein Anstieg von etwa 1 Prozent erwartet. Das spricht eher für eine zaghafte Stabilisierung als für einen kräftigen Aufschwung.

Auch im Außenhandel zeigt sich der Druck. Laut Angaben, über die n-tv unter Berufung auf Branchendaten berichtete, sanken die Ausfuhren des deutschen Maschinenbaus 2025 um 1,8 Prozent gegenüber 2024, preisbereinigt sogar um 3,3 Prozent. Zusätzlich fällt der Blick auf die Geschäftserwartungen verhalten aus: Nach einer Erhebung von PwC erwarteten Maschinenbauer für 2026 ein Umsatzminus von 2,8 Prozent gegenüber 2025; Stand dieser Prognose ist der 16. Dezember 2025.

Dass leichte Produktionszuwächse und gleichzeitig sinkende Umsatzerwartungen nebeneinanderstehen, ist kein Widerspruch. Es handelt sich um unterschiedliche Messgrößen: einmal um die reale Produktion, einmal um die Umsatzperspektive der Unternehmen. Zusammen ergibt sich jedoch ein ähnliches Bild: Die Branche bewegt sich zwischen Stagnation und nur schwacher Erholung.

Beschäftigte spüren die Krise in den Betrieben

Für viele Belegschaften ist die Lage längst keine abstrakte Konjunkturfrage mehr. Nach Angaben aus dem Trendmelder rechnet ein Drittel der Befragten damit, dass die Beschäftigtenzahlen innerhalb des nächsten Jahres sinken. In 129 der befragten Betriebe wurde für über 13.200 Personen ein Arbeitsplatzverlust angekündigt.

Dabei trifft der Abbau laut IG Metall zunehmend die Kernbelegschaft, denn Leiharbeit und befristete Beschäftigungen seien in den vergangenen Jahren bereits weitgehend beendet worden. Parallel greifen Unternehmen verstärkt zu Instrumenten, mit denen Krisen überbrückt werden sollen: Ein Viertel der Betriebe plant laut Befragung Kurzarbeit oder befindet sich bereits in Kurzarbeit, in einem Drittel der Betriebe werden aktuell Arbeitszeitkonten abgebaut.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Auszubildenden nach Angaben der IG Metall auf einem stagnierenden Niveau verharrt. Gerade in einer Branche, die auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen ist, verschärft das die Sorgen um die künftige Entwicklung. Kerner formuliert die Forderung der Gewerkschaft so: „Vor diesem Hintergrund fordern wir ein klares Bekenntnis der Arbeitgeber zum Industrie- und Produktionsstandort Deutschland und eine nachhaltige und qualifizierte Personalplanung sowie Weiterbildungsangebote für alle Beschäftigten, insbesondere in diesen Krisenzeiten.“

Investitionen, Ausbildung und Standortfrage

Im Zentrum der Kritik der IG Metall steht die Investitionsschwäche. In der Befragung bewertete nur ein Viertel der Befragten die aktuellen Investitionen in den Unternehmen als gut oder sehr gut. Die Hälfte erklärte, dass das Unternehmen bei der bisherigen Höhe der Investitionen bleibt. Aus Sicht der Gewerkschaft verharrt die Branche damit auf einem kritischen Niveau.

Das wiegt im Maschinen- und Anlagenbau besonders schwer, weil er eine Schlüsselfunktion für andere Industriezweige hat. Wer Maschinen für automatisierte, digitalisierte und klimafreundliche Produktion liefert, prägt auch das Tempo des industriellen Umbaus in anderen Branchen. Bleiben Investitionen in diesem Kernsektor aus, wirkt sich das daher über die Branche hinaus aus.

Wie tief die Schwäche in einzelnen Segmenten reicht, zeigt ein Blick auf die Werkzeugmaschinenindustrie. Nach Angaben aus ihrer Jahrespressekonferenz 2026 sank deren Produktion 2025 um 8 Prozent gegenüber 2024. Das gilt als Hinweis darauf, wie stark gerade investitionsnahe Teilbereiche unter der Zurückhaltung vieler Kunden leiden.

US-Zölle verschärfen den Druck

Zur ohnehin schwachen Lage kommt der handelspolitische Druck aus den USA. Im Trendmelder bewertet nur etwa ein Drittel der Befragten die Höhe der Auftragseingänge als gut, 16 Prozent gehen von sinkenden Aufträgen aus. 43 Prozent der Befragten sagen, dass US-Zölle ihren Unternehmen schaden.

Die Bedeutung des US-Marktes für den deutschen Maschinenbau ist groß. Die IG Metall verweist darauf, dass die USA das wichtigste Exportland der Branche sind und bereits 45 Prozent der Betriebe Produktionsstandorte in den Vereinigten Staaten haben. Nach Angaben von Germany Trade & Invest sanken deutsche Maschinenlieferungen in die USA 2025 um 8 Prozent auf rund 25 Milliarden Euro; Stand dieser Angabe ist Februar 2026. Das sind die Lieferungen in den US-Markt. Davon zu unterscheiden sind die gesamten Ausfuhren des deutschen Maschinenbaus, die laut den oben genannten Branchendaten 2025 ebenfalls rückläufig waren.

Aus Sicht der Gewerkschaft verschärfen die Zölle den Druck zu Produktionsverlagerungen. 15 befragte Betriebe setzen laut Trendmelder bereits eine Verlagerung von Produktion in die USA als Reaktion auf die Zollerhöhungen um. Weitere 15 Betriebe haben konkrete Planungen begonnen, und in 8 Prozent der befragten Betriebe wird darüber zumindest diskutiert.

Die IG Metall plädiert deshalb für stärkere Local-Content-Maßnahmen. Das ist eine gewerkschaftliche Position, keine beschlossene politische Linie. Ihr Ziel: Unternehmen, die vom europäischen Binnenmarkt profitieren wollen, sollen stärker an Produktion vor Ort gebunden werden.

Was die IG Metall jetzt fordert

Als politische Antwort schlägt die IG Metall einen „Zukunftsdialog Maschinen- und Anlagenbau“ unter Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vor. Grundlage ist ein gemeinsam mit Betriebsrätinnen und Betriebsräten entwickeltes Positionspapier. In diesem Format sollen Vertreterinnen und Vertreter der IG Metall, der Unternehmen, der Wissenschaft und der Politik gemeinsame Strategien erarbeiten, um Innovation, gute und sichere Arbeit sowie eine nachhaltigere Standortentwicklung zu stärken.

Die Gewerkschaft kündigt an, dafür auf den VDMA und das Wirtschaftsministerium zuzugehen und den Dialog anzustoßen. Der Vorschlag ist damit zunächst ein politischer Vorstoß, kein bereits gestartetes Format. Offen bleibt, ob und wann ein solches Bündnis zustande kommt und welche Maßnahmen es am Ende tragen würde.

Klar ist aus Sicht der IG Metall aber schon jetzt, worum es gehen müsste: mehr Investitionen, eine verlässlichere Ausbildung und Personalplanung, die Sicherung des Produktionsstandorts Deutschland und ein Umgang mit US-Zöllen, der weiteren Verlagerungsdruck begrenzt. Der Trendmelder, den die IG Metall seit 2017 jährlich im Frühjahr erhebt, stützt sich in diesem Jahr auf die Angaben aus mehr als 560 Betrieben und wurde um Fragen zu den Auswirkungen der US-Zölle ergänzt. Das zugehörige Positionspapier hat die Gewerkschaft veröffentlicht.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung der IG Metall.

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10 Kommentare

  1. Positiv find ich das die IG Metall den Dialog fordert, das ist konstruktiv. Trotzdem fehlt mir konkretes: welche summen, welche zeitpläne, welche sektoren zuerst? Ohne klare road map bleibt das vage. Bitte mehr transparenz und beteiligung, siehe /initiative/zukunftsdialog fuer vorschlaege.

    1. Als betroffene arbeiterin kann ich sagen kurzarbeit ist belastend, familie leidet, aber kein plan hilft nicht. Solidarität wichtig, aber auch präzise forderungen, wie weiterbildungsangebote und kurzfr. hilfen, gern diskutieren hier oder in /arbeit/kurzarbeit wer hat erfahrungen mit umschulung?

    2. Konstruktiver vorschlag: bund investiert in forschung und infrastruktur damit privat wieder investiert, public-private kooperationen schaffen langfrist jobs. Wer bezahlt das? Steuermittel oder kredit, diskutiert bitte alternativen, infos zu förderungen stehen auf /finanzierung/foerderung vielleicht hilfreich.

  2. Politik muss handeln, aber welche instrumente sind sinnvoll? Steuererleichterungen, investitionsbonus oder public procurement mit lokalcontent? Wenn ministerium moderiert, wirds vielleicht besser, doch wie verhindert man nur symbolpolitik? Schaue auch /politik/wirtschaftsministerium fuer kontakte und dokumente.

    1. Die idee von lokalcontent klingt gut, aber aufgepasst das kann handelbarrieren schaffen. Lieber mix aus förderung und regeln, plus weiterbildung für mitarbeiter. IGMetall positionspapier kann konkreter sein, hat jemand link zu /igmetall/positionspapier oder kennt beispielprojekte?

  3. Werkzeugmaschinerie sank stark, das warnsignal ist klar, produktion und export leiden, und das beeinflusst ganze industrie. Wage frage: wie realistisch ist ein comeback ohne groß öffentliche investitionen? Mehr daten und fallstudien währen hilfreich, zB link zu /branchen/werkzeugmaschinen fuer hintergrund infos.

  4. Kurzarbeit und abbau von arbeitszeitkonten trifft leute direkt, das macht angst. Ausbildung stagniert auch, wer will noch fachkräfte werden wenn perspektiven unsicher sind? Würde mehr förderung für lehrlinge brauchen, vielleicht steueranreiz oder bildungsprämien, vgl. /ausbildung fuer ideen, was meint ihr dazu?

    1. Stimme zu Lindner, firmen sparen an ausbildung obwohl das langfristig schadet. US-zölle machen export schwer, verlagern produktion ins ausland. Hat jemand daten ob lokal-content massnahmen wirklich helfen, evtl. in /handel/usa-zoll stehen zahlen, oder gibts bessere vorschläge von betriebsräten?

  5. IGMetall bringt wichtiges thema, aber ich versteh das teil weils so vage klingt. Maschinenbau hat probleeme mit US-Zölle und fehl investitionen, und die jobs sind bedroht, ja. Wer zahlt denn die antizyklische investitionen, staat oder firmen? Siehe auch /wirtschaft/maschinenbau-investitionen fuer mehr info.

    1. Guter punkt Marko, ich fühl mit den kollegen dort, kurzarbeit is hart. Der Zukunftsdialog klinget nett aber wann startet der und wer sitzt dran? Gibt es terminpläne oder draft papier auf /politik/zukunftsdialog das man anschauen kann, oder bleibt das nur rederei?

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