Neue Studie von Maecenata
Die Maecenata Stiftung hat am 1. September 2026 den Auftakt ihrer Studienreihe „Nachgezählt: Die Finanzierung feministischer und gleichstellungsorientierter Zivilgesellschaft“ veröffentlicht. Die Autor*innen Siri Hummel, Laura Pfirter und Julian Kleeberg wollen damit ein Feld sichtbar machen, zu dem nach Angaben der Stiftung bislang „kaum systematische Daten“ vorliegen.
Es geht um Organisationen, die nach Angaben der Studie einen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter leisten, deren finanzielle Lage in Deutschland aber bisher nur unzureichend erfasst ist. Der erste Teil der Reihe legt dafür eine strukturierte Bestandsaufnahme vor und rekonstruiert, welche Akteur*innen in diesem Bereich aktiv sind und wie ihre Ressourcenausstattung aussieht.
Die Veröffentlichung setzt damit bei einer bekannten Datenlücke an und macht die Finanzierung dieses Teils der Zivilgesellschaft erstmals breiter vergleichbar.
Warum die offiziellen Zahlen nur einen Teil zeigen
Für diese Bestandsaufnahme stützen sich die Autor*innen auf drei Datenquellen: das Zuwendungsempfängerregister (ZER), eine Umfrage unter informellen Akteur*innen und eine Sonderauswertung des ZiviZ-Survey. Gerade diese Mischung soll sichtbar machen, was in den offiziellen Registern nicht ohne Weiteres auftaucht.
Im ZER finden sie, dass nur 0,6 Prozent der gelisteten zivilgesellschaftlichen Organisationen den steuerbegünstigten Zweck „Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ verfolgen. Eine ergänzende Schlagwortsuche identifiziert weitere einschlägige Organisationen; damit steigt der Anteil auf 1,2 Prozent. Im ZiviZ-Survey geben 0,7 Prozent der rund 12.800 befragten Organisationen an, Frauen und Mädchen als alleinige Zielgruppe zu haben.
Die Studie ordnet diese Zahlen ausdrücklich ein: Der Zweckekatalog der Abgabenordnung bilde das Feld „nur eingeschränkt ab“, weil viele Organisationen mit Gleichstellungsarbeit formal anderen Zwecken zugeordnet sind, etwa Jugendhilfe, Bildung oder Kunst und Kultur. Sichtbar wird damit nicht nur, wie klein der registrierte Anteil ist, sondern auch, wie leicht ein Teil der Arbeit in den üblichen Kategorien untergeht.
Kleine Budgets, wenig öffentliche Förderung
Bei der Finanzierung zeigt die Studie ein Feld, das nach Angaben der Autor*innen mit vergleichsweise kleinen Budgets arbeitet und seine Einnahmen weniger breit verteilt als andere zivilgesellschaftliche Bereiche. Wie es sich trägt, hängt dabei stark davon ab, ob eine Organisation formal organisiert ist oder eher informell arbeitet.
Formell organisierte Akteur*innen finanzieren sich vor allem über Mitgliedsbeiträge und private Spenden. Bei informellen Akteur*innen stammen die Mittel überwiegend von Privatpersonen und Unternehmen. In beiden Fällen spielen öffentliche Fördermittel nur eine vergleichsweise geringe Rolle.
Die Forschenden fordern bessere Daten
Aus der Studie ziehen die Autor*innen einen klaren Schluss: Rechtliche und rhetorische Bekenntnisse zur Geschlechtergerechtigkeit haben sich nach ihrer Darstellung bislang nicht in entsprechenden Fördersummen niedergeschlagen. Das Feld werde damit zwar öffentlich anerkannt, finanziell aber weiter nur unzureichend abgebildet.
Daraus leiten Siri Hummel, Laura Pfirter und Julian Kleeberg vor allem einen methodischen Auftrag ab. Sie plädieren für eine verbesserte Datengrundlage, damit die Finanzierung feministischer und gleichstellungsorientierter Zivilgesellschaft belastbarer erfasst werden kann. Weitere Teile der Studienreihe sollen folgen.
Quellen
- https://www.maecenata.eu/2026/09/01/die-finanzierung-feministischer-und-gleichstellungsorientierter-zivilgesellschaft/
- https://www.maecenata.eu/2026/09/01/die-finanzierung-feministischer-und-gleichstellungsorientierter-zivilgesellschaft/`