– Das Bundeskabinett beschließt eine teilweise Rücknahme der Luftverkehrsteuererhöhung von 2024.
– Der neue Steuersatz von 13,03 Euro bleibt jedoch 55 Cent über dem Niveau von 2024 und enttäuscht die Branche.
– Staatliche Belastungen für Flüge in Deutschland sind etwa doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt.
Kabinett senkt Luftverkehrsteuer – Flughäfen begrüßen den Schritt, halten ihn aber für unzureichend
Das Bundeskabinett hat am 1. April 2026 in Berlin die Absenkung der Luftverkehrsteuer beschlossen. Sie soll zum 1. Juli 2026 wirksam werden und korrigiert damit die Steuererhöhung aus dem Jahr 2024. Der Flughafenverband ADV wertet die Entscheidung zwar als wichtiges Signal für den Luftverkehrsstandort Deutschland, kritisiert aber, dass die Entlastung aus seiner Sicht hinter den politischen Ankündigungen zurückbleibt.
Im Mittelpunkt der Kritik steht der neue Steuersatz: Nach Angaben der ADV liegt der nun beschlossene Wert bei 13,03 Euro und damit 55 Cent über dem tatsächlichen Steuersatz des Jahres 2024 von 12,48 Euro. Aus Sicht des Verbands weicht die Bundesregierung damit von der Ankündigung aus dem November des vergangenen Jahres ab. Damals war im Beschluss des Koalitionsausschusses eine vollständige Rücknahme der letzten Steuererhöhung angekündigt worden.
ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel formuliert die Enttäuschung deutlich: „Die heute vom Bundeskabinett beschlossene Korrektur bei der Luftverkehrsteuer war überfällig, bleibt aber hinter unseren Erwartungen zurück, weil die Absenkung niedriger ausfällt als zugesagt. Der neu festgesetzte Steuersatz von 13,03 EUR liegt um 55 Cent höher als der tatsächliche Steuersatz aus dem Jahr 2024 (12,48 EUR). Im Beschluss des Koalitionsausschusses von November letzten Jahres war die komplette Rücknahme der letzten Erhöhung der Luftverkehrsteuer angekündigt worden. Dies enttäuscht gerade Airlines, die aus dem Ausland einen deutschen Flughafen anfliegen wollen. Bereits in Aussicht gestellte Streckenaufnahmen bleiben aus bzw. werden jetzt nochmal auf den Prüfstand gestellt. Bislang ist man davon ausgegangen, dass die Bundesregierung entschlossen die Wettbewerbsfähigkeit des Hochkostenstandortes Deutschland verbessern möchte. Mit der niedrigeren Absenkung der Luftverkehrsteuer droht die Bundesregierung Vertrauen zu verspielen – zum Schaden von Wirtschaft und Touristik, wo Reisende auf mehr Strecken und Flugziele an deutschen Flughäfen hoffen. Wir setzen unsere Hoffnungen auf das parlamentarische Verfahren. Im Bundestag muss das Gesetz zur Absenkung der Luftverkehrsteuer mit den tatsächlichen Steuersätzen des Jahres 2024 verabschiedet werden.“
Dazu passt auch Bundeswehr-Camps und Freizeiten: Teilnahme laut Bundesregierung freiwillig.
Warum die Branche weiter Druck macht
Hinter der Reaktion des Flughafenverbands steht eine grundsätzliche Standortdebatte. Die ADV argumentiert, dass Deutschland auch nach der Teilabsenkung ein Hochkostenstandort bleibt. Nach Verbandsangaben wird ein Flugzeug, das von einem deutschen Flughafen abhebt, durchschnittlich mit 4.531 Euro an staatlichen Kosten belastet. Für einen Flug innerhalb Europas liegen die regulativen Belastungen im europäischen Ausland laut ADV im Schnitt bei 2.326 Euro.
Der Verband leitet daraus einen Wettbewerbsnachteil für deutsche Standorte ab. Aus seiner Sicht erschweren hohe staatliche Steuern und Gebühren die Ansiedlung von Flugzeugen und den Aufbau neuer Verbindungen. Gerade im Luftverkehr, in dem Airlines ihre Kapazitäten zwischen Ländern und Flughäfen vergleichen, können Kostenunterschiede bei Streckenentscheidungen eine wichtige Rolle spielen.
Wie stark einzelne Fluggesellschaften auf die Rahmenbedingungen reagieren, zeigt ein Beispiel aus der Recherche: Nach Angaben des Branchenportals Global Agents erklärte Ryanair mit Stand 2025, 24 Flugstrecken von neun deutschen Flughäfen wegen der Steuererhöhung von 2024 zu streichen. Das ist keine Gesamtbilanz für den gesamten Markt, verdeutlicht aber die wirtschaftliche Logik hinter der Kritik der Branche: Wenn die Kosten steigen, geraten einzelne Strecken und Stationierungen schneller unter Druck.
Was die Steuersenkung politisch und fiskalisch bedeutet
Die Entscheidung des Kabinetts ist nicht nur ein Signal an Flughäfen und Airlines, sondern auch eine haushaltspolitische Weichenstellung. Laut Global Agents rechnet der Staat durch die Senkung der Luftverkehrsteuer mit voraussichtlichen Mindereinnahmen von 350 Millionen Euro pro Jahr; dieser Effekt sei bereits in den Haushaltsplänen für 2026 berücksichtigt worden.
Damit zeigt sich das zentrale politische Spannungsfeld: Eine niedrigere Luftverkehrsteuer soll die Branche entlasten, kostet den Staat aber Einnahmen. Zugleich ist Deutschland mit Luftverkehrsabgaben in Europa kein Einzelfall. Laut derselben Recherche erhoben die Niederlande im Jahr 2024 mit 29,05 Euro pro Person die höchsten Steuern unter vielen EU-Ländern mit vergleichbaren Abgaben. Der europäische Vergleich spricht also nicht gegen jede Form von Luftverkehrsbesteuerung, verweist aber darauf, dass Höhe und Ausgestaltung der Abgaben von Land zu Land deutlich variieren.
Welche Folgen Flughäfen, Wirtschaft und Reisende erwarten
Aus Sicht der ADV reicht die Debatte deshalb über die Interessen der Branche hinaus. Der Verband verknüpft die Steuerfrage mit der Erreichbarkeit von Regionen, mit Direktverbindungen und mit wirtschaftlicher Entwicklung. Wenn Airlines Verbindungen prüfen oder streichen, kann das nach dieser Argumentation nicht nur Flughäfen treffen, sondern auch Unternehmen, touristische Ziele und Reisende, die auf ein breites Streckennetz angewiesen sind.
Beisel betont diesen Zusammenhang so: „Leistungsfähige Flughäfen – egal ob groß oder kleiner – sichern die internationale Anbindung der deutschen Wirtschaft und sind ein zentraler Faktor für Wachstum und Wohlstand. Eine Verbesserung an Konnektivität von deutschen Flughäfen hätte unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftsstandort. Wenn staatliche Abgaben reduziert werden, profitiert nicht nur die Luftverkehrsbranche, sondern Wirtschaft, Touristik und die lahmende Konjunktur“.
In der Pressemitteilung verweist die ADV zudem auf aus ihrer Sicht bereits sichtbare Folgen der hohen Belastungen: deutsche Flughafenstandorte kämpften um jede Airline-Stationierung und um jede neue Strecke. Die staatlichen Abgaben und regulatorischen Belastungen trügen maßgeblich dazu bei, dass es in Deutschland ein ausgedünntes Streckennetz, weniger Direktverbindungen und zunehmende Risiken für Wertschöpfung und Beschäftigung gebe.
Ob und in welchem Umfang die nun beschlossene Steuersenkung tatsächlich zu mehr Verbindungen führt, bleibt offen. Klar ist aber: Für Reisende und Regionen hängt an der Auseinandersetzung um Abgaben auch die Frage, wie dicht das Netz an Direktflügen und internationalen Anbindungen künftig sein wird.
Wie es nun weitergeht
Mit dem Kabinettsbeschluss ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Die ADV betrachtet die Entscheidung ausdrücklich als Zwischenstation und richtet den Blick nun auf den Bundestag. Dort, so die Forderung des Verbands, solle die Absenkung doch noch auf das Niveau der tatsächlichen Steuersätze des Jahres 2024 angepasst werden.
Darüber hinaus verlangt die ADV weitere Entlastungen, etwa bei Flugsicherungs- oder Luftsicherheitsgebühren. Der nun beschlossene Schritt sei zwar notwendig und richtig, für eine Trendwende und eine grundlegende Stärkung des Standorts Deutschland aber aus Sicht des Verbands noch nicht ausreichend.
Die vorliegenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Flughafenverbands ADV – Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.
Weiterführende Quellen:
- „Ryanair erklärte, 24 Flugstrecken von neun deutschen Flughäfen zu streichen aufgrund der Steuererhöhung 2024.“ – Quelle: https://global-agents.de/neuigkeiten/fluge-von-und-nach-deutschland-konnten-ab-juli-2026-gunstiger-werden
- „Die Senkung der Luftverkehrssteuer kostet die Regierung voraussichtlich 350 Millionen Euro jährliche Steuereinnahmen, was in den Haushaltsplänen 2026 berücksichtigt wurde.“ – Quelle: https://global-agents.de/neuigkeiten/fluge-von-und-nach-deutschland-konnten-ab-juli-2026-gunstiger-werden
- „Die Niederlande erheben mit 29,05 Euro pro Person im Jahr 2024 die höchsten Steuern unter vielen EU-Ländern mit ähnlichen Abgaben.“ – Quelle: https://global-agents.de/neuigkeiten/fluge-von-und-nach-deutschland-konnten-ab-juli-2026-gunstiger-werden
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Die Luftverkehrsteuer ist weit mehr als eine einzelne Haushaltsposition. Sie wirkt direkt auf die Standortbedingungen im Luftverkehr und damit auf die Frage, ob Deutschland im europäischen Vergleich Anschluss für Wirtschaft, Touristik und Reisende halten kann. Auch im Beitrag wird klar: Nach der Teilkorrektur bleibt Deutschland laut ADV ein Hochkostenstandort, weil staatliche Kosten pro Abflug deutlich höher ausfallen als im europäischen Durchschnitt.
Für Flughäfen, Airlines und die regionale Wirtschaft entscheidet sich daran, wie tragfähig neue Verbindungen sind oder ob Strecken gestrichen werden. Gleichzeitig hängt für Reisende und Unternehmen viel von der politischen Nachsteuerung ab: Die ADV fordert, dass das Gesetz im Bundestag noch an die tatsächlichen Steuersätze von 2024 angepasst und weitere Gebühren-Entlastungen geprüft werden.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Bleibt die Steuerentlastung nach dem Kabinettsbeschluss wirklich hinter den Erwartungen zurück?
Ja. Der neue Steuersatz liegt laut ADV 55 Cent über dem tatsächlichen Wert von 2024.
Warum ist die Höhe der Abgaben für Streckenentscheidungen so entscheidend?
Weil Airlines Verbindungen nach Kosten prüfen. Wenn Abgaben steigen, können einzelne Strecken schneller unter Druck geraten.
Welche Rolle spielt der Bundestag im weiteren Verfahren?
Die Entscheidung ist noch nicht abgeschlossen. Die ADV will, dass das Gesetz mit den tatsächlichen Steuersätzen von 2024 verabschiedet wird.
Kann die Steuersenkung auch indirekt Wirtschaft und Touristik beeinflussen?
Ja. Der Beitrag verknüpft bessere Konnektivität mit positiven Effekten für Wirtschaft und Touristik – und betont gleichzeitig das Risiko für ein ausgedünntes Streckennetz.