– Lufthansa lehnt ein Schlichtungsangebot der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ab.
– Die Gewerkschaft kritisiert, dass Lufthansa auch abgeschlossene Tarifverträge neu verhandeln will.
– Die Ablehnung könnte laut Gewerkschaft die Tarifkonflikte weiter zuspitzen und Passagiere belasten.
Vereinigung Cockpit kritisiert Lufthansa nach Ablehnung eines Schlichtungsverfahrens
Die Vereinigung Cockpit (VC) wirft Lufthansa und Lufthansa Cargo vor, ein vorgeschlagenes Schlichtungsverfahren in den aktuellen Tarifkonflikten abgelehnt zu haben. Nach Darstellung der Pilotengewerkschaft fehlt damit ein wichtiger Schritt zur Deeskalation in einem Konflikt, der weit über die Verhandlungsräume hinaus Wirkung entfalten kann.
Aus Sicht der VC wäre die Schlichtung dazu geeignet gewesen, offene Differenzen strukturiert und lösungsorientiert zu klären. Die Gewerkschaft betont zugleich, dass sie weiterhin verhandlungsbereit bleibe und an einer fairen und nachhaltigen Einigung festhalte.
Dazu passt auch Streik bei Lufthansa: Piloten der gesamten Gruppe streiken für bessere Betriebsrente.
„Wir haben einen konstruktiven Vorschlag zur Schlichtung unterbreitet, der auch in der Öffentlichkeit positiv aufgenommen wurde. Umso mehr bedauern wir, dass dieses Angebot abgelehnt wurde“, sagt Andreas Pinheiro.
Streit um die Bedingungen der Schlichtung
Im Zentrum des Konflikts steht nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht nur die Ablehnung des Verfahrens selbst, sondern vor allem die Frage, unter welchen Bedingungen eine Schlichtung hätte stattfinden sollen. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Arbeitgeberseite das Verfahren an weitergehende Forderungen geknüpft habe.
Nach Darstellung der VC sollten nicht allein die aktuell offenen Tarifkonflikte Gegenstand der Schlichtung sein. Stattdessen habe die Arbeitgeberseite auch bereits abgeschlossene Tarifverträge mit teils langer Laufzeit einbeziehen wollen. Für die Gewerkschaft ist das ein grundlegender Unterschied: Während offene Konflikte noch verhandelt werden, stehen bestehende Verträge aus ihrer Sicht für Verlässlichkeit und bereits erzielte Vereinbarungen.
Die VC sieht darin einen Eingriff in bestehende Absprachen und warnt vor einem Vertrauensverlust in der Tarifpolitik. Andreas Pinheiro formuliert das so: „Das ist in etwa so, als würde bei der Novellierung einer Verordnung auch gleich das Grundgesetz zur Disposition gestellt“, so Pinheiro.
VC warnt vor weiterer Eskalation im Tarifkonflikt
Mit der gescheiterten Initiative verbindet die Gewerkschaft eine deutliche Warnung vor einer weiteren Zuspitzung. Aus Sicht der VC trägt die Ablehnung eines Schlichtungsangebots nicht zur Befriedung der Lage bei, sondern erhöht das Risiko eines verschärften Konfliktverlaufs.
„Wer ein solches Angebot ausschlägt und darüber hinaus auch keinerlei verhandlungsfähige Angebote macht, nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken“, so Pinheiro weiter.
Nach Auffassung der Gewerkschaft geht eine solche Entwicklung zulasten von Passagieren, Unternehmen und des laufenden Betriebs. Die Verantwortung dafür sieht die VC bei der Arbeitgeberseite.
Frühere Arbeitskämpfe prägen die Bedeutung des Konflikts
Dass der aktuelle Tarifstreit bei Lufthansa besonders aufmerksam verfolgt wird, hängt auch mit früheren Auseinandersetzungen zusammen. Arbeitskämpfe zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft haben den Konzern nach Darstellung der vorliegenden Informationen bereits in der Vergangenheit wiederholt belastet.
Wie n-tv im November 2016 berichtete, hatte die Vereinigung Cockpit seit April 2014 insgesamt 13 Streiks bei Lufthansa organisiert. Auch wirtschaftlich waren frühere Eskalationen erheblich: Der Spiegel berichtete im historischen Konfliktzusammenhang von rund 200 Millionen Euro Schaden durch 10 Streiks seit April.
Für die VC unterstreicht dieser Hintergrund, wie bedeutsam funktionierende Verfahren zur Konfliktlösung im Luftverkehr sind. Wenn Tarifauseinandersetzungen im Luftverkehr nicht entschärft werden, können die Folgen aus Sicht der Gewerkschaft erheblich sein.
Verhandlungsbereitschaft bleibt bestehen
Trotz der gescheiterten Schlichtungsinitiative hält die Gewerkschaft nach eigenen Angaben an ihrer Gesprächsbereitschaft fest. Andreas Pinheiro erklärt: „Unser Ziel ist und bleibt jeweils eine faire und nachhaltige Einigung in den Tarifkonflikten im Interesse unserer Mitglieder und des Unternehmens“, so Pinheiro.
Wie sich die Lage nun weiterentwickelt, bleibt offen. Klar ist aus Sicht der Vereinigung Cockpit jedoch, dass eine tragfähige Lösung nur über ernsthafte Verhandlungen und ein faires Verfahren erreicht werden kann. Die Organisation vertritt nach eigenen Angaben die berufs- und tarifpolitischen Interessen von rund 9.600 Mitgliedern und sieht in der aktuellen Entwicklung ein Signal, das nicht nur für den Lufthansa-Konzern, sondern auch für viele Reisende von Bedeutung ist.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung der Vereinigung Cockpit.
Weiterführende Quellen:
- „Seit April 2014 hat die Vereinigung Cockpit 13 Streiks bei der Lufthansa veranstaltet (Stand: November 2016).“ – Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Cockpit-ruft-zu-Streik-bei-Lufthansa-auf-article19086641.html
- „Der Schaden für die Lufthansa durch 10 Streiks der Piloten seit April (Jahr ungenannt) summiert sich auf rund 200 Millionen Euro (Kontext ca. 2015).“ – Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vereinigung-cockpit-lehnt-schlichtungsvorschlag-der-lufthansa-ab-a-1007709.html
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Tarifkonflikte bei großen Luftfahrtunternehmen wirken weit über Verhandlungstermine hinaus. Laut Vereinigung Cockpit gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Streiks und wirtschaftliche Schäden – deshalb wird die Frage nach geeigneten Konfliktlösungsverfahren auch zum Thema für einen stabilen Betriebsablauf.
Für betroffene Reisende, Unternehmen und den laufenden Betrieb ist entscheidend, ob es gelingt, Differenzen geordnet zu klären statt weiter zu eskalieren. Auch für die Tarifpartner und die Öffentlichkeit zeigt sich: Vertrauen in die Verlässlichkeit von Absprachen kann leiden, wenn nach Darstellung der VC abgeschlossene Tarifverträge in neue Verfahren einbezogen werden sollen.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum war die Schlichtung aus Sicht der Vereinigung Cockpit so wichtig?
Die VC sieht in der Schlichtung einen Schritt zur Deeskalation, um offene Differenzen strukturiert zu klären.
Worin liegt der Kernstreit um die Bedingungen der Schlichtung?
Die VC kritisiert, dass die Schlichtung nach Arbeitgebervorstellungen auch bereits abgeschlossene Tarifverträge betreffen sollte.
Welche Folgen befürchtet die VC bei einer weiteren Eskalation?
Laut VC könnte sich der Konflikt weiter zuspitzen und das zulasten von Passagieren, Unternehmen und dem laufenden Betrieb gehen.
Bleibt die Gewerkschaft verhandlungsbereit?
Ja. Die VC betont, dass sie weiterhin an fairen und nachhaltigen Einigungen in den Tarifkonflikten festhalten will.
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