26 Aufrufe

Lufthansa kündigt Freistellungsvereinbarung: Pilotenverband warnt vor Gefahr für die Flugsicherheit

Die internationale Pilotenvereinigung IFALPA hat sich direkt an Lufthansa-CEO Carsten Spohr gewandt. Anlass ist die sofortige Kündigung einer seit 2018 bestehenden Vereinbarung, die Piloten für sicherheitsrelevante Arbeit freistellt. Die Vereinigung Cockpit warnt, dass dadurch die Arbeit in Bereichen wie Flugermüdung und Luftraumsicherheit beeinträchtigt wird.

Inhaltsverzeichnis

Beitrag teilen

Cockpit mit Pilot, Flugzeug am Terminal, Kapitänshut und Headset auf Schreibtisch, Flugzeug startet in Nebel, Kontrollturm im Hintergrund.
Verbandsbüro jetzt bei Google bevorzugen Damit unsere Vereins- und Verbandsnachrichten häufiger in Ihrer persönlichen Google-Übersicht erscheinen.
Jetzt bevorzugte Quelle festlegen

Das Wichtigste in Kürze

  • Lufthansa kündigt Freistellungsvereinbarung für Piloten, was die Mitarbeit in sicherheitsrelevanten Gremien gefährdet.
  • Vereinigung Cockpit und IFALPA warnen vor negativen Folgen für Flugsicherheit und Sicherheitsmanagementsysteme.
  • Über 100 Lufthansa-Piloten engagieren sich in Flight-Safety-Arbeitsgruppen, deren Arbeit durch die Kündigung beeinträchtigt wird.
  • Unverbindliche Kulanzregelungen ersetzen keine rechtlich abgesicherte Freistellung, was die Verlässlichkeit mindert.
  • Der Konflikt betrifft nicht nur Tariffragen, sondern auch die organisatorische Absicherung sicherheitsrelevanter Expertise.

– Lufthansa kündigte überraschend die Freistellungsvereinbarung mit der Pilotenvereinigung Cockpit.
– Internationale Pilotenvertretung IFALPA kritisiert dies als Gefährdung der sicherheitsrelevanten Arbeit.
– Die Vereinigung Cockpit engagiert sich mit über 100 Piloten für die Verbesserung der Flugsicherheit.

Vereinigung Cockpit kritisiert Lufthansa wegen Kündigung von Freistellungen

Die Vereinigung Cockpit wirft der Lufthansa vor, mit der Kündigung einer seit 2018 bestehenden Freistellungsvereinbarung nicht nur einen Konflikt mit der Gewerkschaft zu verschärfen, sondern auch die Arbeit in der Flugsicherheit zu beeinträchtigen. Zusätzliche Unterstützung erhält der Verband von der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA, die sich direkt an Lufthansa-Chef Carsten Spohr gewandt hat.

Aus Sicht der Pilotenvertretung geht der Streit damit deutlich über tarifpolitische Fragen hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Arbeit von Pilotinnen und Piloten in sicherheitsrelevanten Gremien organisatorisch abgesichert wird.

Dazu passt auch Vereinigung Cockpit attackiert Lufthansa-Vorstand und empfiehlt Entlastungsverweigerung auf Hauptversammlung.

Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, begrüßte die internationale Unterstützung und kritisierte das Vorgehen des Konzerns deutlich. „Wir danken Ron Hay und der internationalen Pilotengemeinschaft für ihre Unterstützung“, erklärt Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit. „Es ist bestürzend, dass eine international gelebte Praxis – nämlich das Engagement von Pilotinnen und Piloten für die Flugsicherheit – von Lufthansa einseitig aufgekündigt wird.“

Flugsicherheit im Zentrum der Kritik

Nach Darstellung der Vereinigung Cockpit betrifft die Kündigung der Freistellungsvereinbarung nicht nur klassische Gewerkschaftsarbeit. Der Verband sieht vor allem die Mitarbeit in Bereichen der Flight Safety gefährdet. Pinheiro formuliert dazu einen besonders scharfen Vorwurf: „Mit der Kündigung nimmt Lufthansa bewusst in Kauf, dass die Arbeit im Bereich Flight Safety in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei engagieren sich in diesem Bereich mehr als sechsmal so viele Pilotinnen und Piloten von Lufthansa wie in der Tarifarbeit. In ihrem haltlosen Vorgehen gegen die VC, trifft die Lufthansa also insbesondere maßgeblich die Anstrengungen des Verbandes für die Luft- und Flugsicherheit.”

Die Vereinigung Cockpit verweist darauf, dass es international üblich sei, dass Airlines die Arbeit von Berufsverbänden im Bereich Flugsicherheit unterstützen. Nach Verbandsdarstellung handelt es sich dabei um ein gemeinsames Interesse von Beschäftigten, Unternehmen und Passagieren. Mit ihrem Vorgehen stelle sich die Lufthansa gegen ein weltweit etabliertes Verständnis dieser Zusammenarbeit.

Doppelrolle der Vereinigung Cockpit

Für den Verband liegt ein wesentlicher Punkt des Konflikts in seiner besonderen Rolle. Die Vereinigung Cockpit wurde 1969 als Berufsverband gegründet und ist seit 1999 auch Tarifpartner. Sie vertritt damit nicht nur arbeits- und tarifpolitische Interessen, sondern versteht sich zugleich als fachliche Stimme des Cockpitpersonals in Sicherheitsfragen.

Nach Angaben des Verbands bringen sich mehr als 100 aktive Pilotinnen und Piloten in 12 Arbeitsgruppen sowie zahlreichen Taskforces ein. Sie arbeiten in nationalen, europäischen und internationalen Gremien mit und stehen im Austausch mit Wissenschaft, Fachverbänden und Behörden. Thematisch reicht dieses Engagement von Fatigue Risk Management über Luftraumsicherheit und Risikobewertung an Flughäfen bis zu Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion und der Ausbildungsstandards.

Gerade deshalb bewertet die Vereinigung Cockpit die Kündigung der Freistellungsvereinbarung als Eingriff mit potenziell weitreichenden Folgen. Wenn Freistellungen für diese Arbeit wegfallen oder unsicher werden, betrifft das aus Sicht des Verbands nicht nur die gewerkschaftliche Organisation, sondern auch den fachlichen Austausch über sicherheitsrelevante Prozesse.

IFALPA erhöht den Druck

Zusätzliche Bedeutung erhält der Fall durch das Einschreiten der IFALPA. Der internationale Dachverband wurde 1948 gegründet, sitzt in Montreal und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 160.000 Piloten in über 70 Ländern. Sein erklärtes Ziel ist die Förderung eines Höchstmaßes an Flugsicherheit weltweit.

Dass sich IFALPA-Präsident Ron Hay direkt an den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa gewandt hat, wertet die Vereinigung Cockpit als klares Signal. Der Konflikt wird damit aus Sicht des Verbands nicht nur national, sondern auch international als sicherheitsrelevante Entwicklung wahrgenommen.

Freistellungen bleiben aus Sicht des Verbands unsicher

Medienberichten zufolge sollen Freistellungsanträge, insbesondere für Arbeitsgruppen im Bereich Flight Safety, bis zum 1. Juli 2026 weiterhin wohlwollend behandelt werden. Nach Darstellung der Vereinigung Cockpit ändert das jedoch nichts am Kernproblem: Zwischen einer unverbindlichen, auf Kulanz basierenden Praxis und einer rechtlich abgesicherten Freistellungsregelung besteht aus Sicht des Verbands ein erheblicher Unterschied.

Gerade für die kontinuierliche Arbeit in sicherheitsrelevanten Gremien sei Verlässlichkeit entscheidend. Der Verband macht deutlich, dass Unsicherheit bei Freistellungen unmittelbare Auswirkungen auf die Mitarbeit und auf etablierte Strukturen des fachlichen Austauschs haben könne.

Breiteres berufs- und sicherheitspolitisches Selbstverständnis

Die Vereinigung Cockpit verweist zudem auf ihre Größe und ihren Anspruch, die Interessen des Cockpitpersonals über Tariffragen hinaus zu vertreten. Nach eigenen Angaben repräsentiert der Verband rund 9.600 Mitglieder bei sämtlichen deutschen Airlines. Der aktuelle Konflikt wird deshalb nicht als isolierter Einzelfall verstanden, sondern als Teil einer grundsätzlichen Frage zur Absicherung von sicherheitsbezogener Expertise durch aktive Pilotinnen und Piloten.

Für den Verband steht damit mehr auf dem Spiel als ein üblicher arbeitsrechtlicher Streit. Im Zentrum steht die Frage, wie belastbar die Strukturen sind, auf die sich Airlines und Berufsverbände bislang bei der Zusammenarbeit in der Luft- und Flugsicherheit verlassen haben.

Die folgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung der Vereinigung Cockpit.

Weiterführende Quellen:

Update: Warum das Thema wichtig bleibt

Der Streit um die Kündigung der Freistellungsvereinbarung wird im Beitrag als mehr als ein Tarif- oder Arbeitskonflikt eingeordnet. Im Fokus steht die Frage, wie die Mitarbeit von Pilotinnen und Piloten in sicherheitsrelevanten Gremien organisatorisch abgesichert bleibt – und damit auch, wie verlässlich das Sicherheitsmanagement über Fach- und Austauschstrukturen mit Expertise gespeist werden kann.

Betroffen sind damit vor allem die Flugsicherheitsarbeit selbst sowie die Fähigkeit von Pilotenvertretungen, in nationalen, europäischen und internationalen Gruppen kontinuierlich mitzuwirken. Für Unternehmen und Arbeitgeber wird deutlich, dass rechtlich verbindliche Regelungen und Planbarkeit für die Teilnahme an „Flight Safety“-Themen offenbar zentral sind, während für Beschäftigte Unsicherheit direkte Folgen für etablierte Abläufe haben kann.

Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten

Warum wird die Kündigung als sicherheitsrelevant beschrieben?
Der Beitrag stellt dar, dass Freistellungen für Mitarbeit in „Flight Safety“-Bereichen als wichtig für verlässlichen fachlichen Austausch angesehen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Kulanz und rechtlich abgesicherter Regelung?
Aus Sicht der Vereinigung Cockpit macht gerade diese Trennung den Kern des Problems aus: Eine unverbindliche Praxis sei weniger verlässlich als eine verbindliche Vereinbarung.

Welche Rolle spielt die Vereinigung Cockpit dabei?
Sie versteht sich laut Beitrag als Berufsverband und zugleich Tarifpartner und bringt sich mit mehr als 100 Piloten in zahlreiche Sicherheits- und Fachgremien ein.

Welche Auswirkungen könnte das auf die Teilnahme an Sicherheitsgremien haben?
Wenn Freistellungen unsicher werden, kann das nach Darstellung des Verbands die Mitarbeit und damit die Strukturen des fachlichen Austauschs beeinträchtigen. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.

Transparenzhinweis: Dieser Beitrag und die verwendeten Bilder können ganz oder teilweise mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet worden sein.
Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge