Lufthansa kündigt Freistellungsvereinbarung: Pilotenverband warnt vor Gefahr für die Flugsicherheit

Die internationale Pilotenvereinigung IFALPA hat sich direkt an Lufthansa-CEO Carsten Spohr gewandt. Anlass ist die sofortige Kündigung einer seit 2018 bestehenden Vereinbarung, die Piloten für sicherheitsrelevante Arbeit freistellt. Die Vereinigung Cockpit warnt, dass dadurch die Arbeit in Bereichen wie Flugermüdung und Luftraumsicherheit beeinträchtigt wird.
Lufthansa kündigt Freistellungsvereinbarung: Pilotenverband warnt vor Gefahr für die Flugsicherheit

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– Lufthansa kündigte überraschend die Freistellungsvereinbarung mit der Pilotenvereinigung Cockpit.
– Internationale Pilotenvertretung IFALPA kritisiert dies als Gefährdung der sicherheitsrelevanten Arbeit.
– Die Vereinigung Cockpit engagiert sich mit über 100 Piloten für die Verbesserung der Flugsicherheit.

Vereinigung Cockpit kritisiert Lufthansa wegen Kündigung von Freistellungen

Die Vereinigung Cockpit wirft der Lufthansa vor, mit der Kündigung einer seit 2018 bestehenden Freistellungsvereinbarung nicht nur einen Konflikt mit der Gewerkschaft zu verschärfen, sondern auch die Arbeit in der Flugsicherheit zu beeinträchtigen. Zusätzliche Unterstützung erhält der Verband von der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA, die sich direkt an Lufthansa-Chef Carsten Spohr gewandt hat.

Aus Sicht der Pilotenvertretung geht der Streit damit deutlich über tarifpolitische Fragen hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Arbeit von Pilotinnen und Piloten in sicherheitsrelevanten Gremien organisatorisch abgesichert wird.

Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, begrüßte die internationale Unterstützung und kritisierte das Vorgehen des Konzerns deutlich. „Wir danken Ron Hay und der internationalen Pilotengemeinschaft für ihre Unterstützung“, erklärt Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit. „Es ist bestürzend, dass eine international gelebte Praxis – nämlich das Engagement von Pilotinnen und Piloten für die Flugsicherheit – von Lufthansa einseitig aufgekündigt wird.“

Flugsicherheit im Zentrum der Kritik

Nach Darstellung der Vereinigung Cockpit betrifft die Kündigung der Freistellungsvereinbarung nicht nur klassische Gewerkschaftsarbeit. Der Verband sieht vor allem die Mitarbeit in Bereichen der Flight Safety gefährdet. Pinheiro formuliert dazu einen besonders scharfen Vorwurf: „Mit der Kündigung nimmt Lufthansa bewusst in Kauf, dass die Arbeit im Bereich Flight Safety in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei engagieren sich in diesem Bereich mehr als sechsmal so viele Pilotinnen und Piloten von Lufthansa wie in der Tarifarbeit. In ihrem haltlosen Vorgehen gegen die VC, trifft die Lufthansa also insbesondere maßgeblich die Anstrengungen des Verbandes für die Luft- und Flugsicherheit.”

Die Vereinigung Cockpit verweist darauf, dass es international üblich sei, dass Airlines die Arbeit von Berufsverbänden im Bereich Flugsicherheit unterstützen. Nach Verbandsdarstellung handelt es sich dabei um ein gemeinsames Interesse von Beschäftigten, Unternehmen und Passagieren. Mit ihrem Vorgehen stelle sich die Lufthansa gegen ein weltweit etabliertes Verständnis dieser Zusammenarbeit.

Doppelrolle der Vereinigung Cockpit

Für den Verband liegt ein wesentlicher Punkt des Konflikts in seiner besonderen Rolle. Die Vereinigung Cockpit wurde 1969 als Berufsverband gegründet und ist seit 1999 auch Tarifpartner. Sie vertritt damit nicht nur arbeits- und tarifpolitische Interessen, sondern versteht sich zugleich als fachliche Stimme des Cockpitpersonals in Sicherheitsfragen.

Nach Angaben des Verbands bringen sich mehr als 100 aktive Pilotinnen und Piloten in 12 Arbeitsgruppen sowie zahlreichen Taskforces ein. Sie arbeiten in nationalen, europäischen und internationalen Gremien mit und stehen im Austausch mit Wissenschaft, Fachverbänden und Behörden. Thematisch reicht dieses Engagement von Fatigue Risk Management über Luftraumsicherheit und Risikobewertung an Flughäfen bis zu Fragen der Mensch-Maschine-Interaktion und der Ausbildungsstandards.

Gerade deshalb bewertet die Vereinigung Cockpit die Kündigung der Freistellungsvereinbarung als Eingriff mit potenziell weitreichenden Folgen. Wenn Freistellungen für diese Arbeit wegfallen oder unsicher werden, betrifft das aus Sicht des Verbands nicht nur die gewerkschaftliche Organisation, sondern auch den fachlichen Austausch über sicherheitsrelevante Prozesse.

IFALPA erhöht den Druck

Zusätzliche Bedeutung erhält der Fall durch das Einschreiten der IFALPA. Der internationale Dachverband wurde 1948 gegründet, sitzt in Montreal und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 160.000 Piloten in über 70 Ländern. Sein erklärtes Ziel ist die Förderung eines Höchstmaßes an Flugsicherheit weltweit.

Dass sich IFALPA-Präsident Ron Hay direkt an den Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa gewandt hat, wertet die Vereinigung Cockpit als klares Signal. Der Konflikt wird damit aus Sicht des Verbands nicht nur national, sondern auch international als sicherheitsrelevante Entwicklung wahrgenommen.

Freistellungen bleiben aus Sicht des Verbands unsicher

Medienberichten zufolge sollen Freistellungsanträge, insbesondere für Arbeitsgruppen im Bereich Flight Safety, bis zum 1. Juli 2026 weiterhin wohlwollend behandelt werden. Nach Darstellung der Vereinigung Cockpit ändert das jedoch nichts am Kernproblem: Zwischen einer unverbindlichen, auf Kulanz basierenden Praxis und einer rechtlich abgesicherten Freistellungsregelung besteht aus Sicht des Verbands ein erheblicher Unterschied.

Gerade für die kontinuierliche Arbeit in sicherheitsrelevanten Gremien sei Verlässlichkeit entscheidend. Der Verband macht deutlich, dass Unsicherheit bei Freistellungen unmittelbare Auswirkungen auf die Mitarbeit und auf etablierte Strukturen des fachlichen Austauschs haben könne.

Breiteres berufs- und sicherheitspolitisches Selbstverständnis

Die Vereinigung Cockpit verweist zudem auf ihre Größe und ihren Anspruch, die Interessen des Cockpitpersonals über Tariffragen hinaus zu vertreten. Nach eigenen Angaben repräsentiert der Verband rund 9.600 Mitglieder bei sämtlichen deutschen Airlines. Der aktuelle Konflikt wird deshalb nicht als isolierter Einzelfall verstanden, sondern als Teil einer grundsätzlichen Frage zur Absicherung von sicherheitsbezogener Expertise durch aktive Pilotinnen und Piloten.

Für den Verband steht damit mehr auf dem Spiel als ein üblicher arbeitsrechtlicher Streit. Im Zentrum steht die Frage, wie belastbar die Strukturen sind, auf die sich Airlines und Berufsverbände bislang bei der Zusammenarbeit in der Luft- und Flugsicherheit verlassen haben.

Die folgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung der Vereinigung Cockpit.

Weiterführende Quellen:

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8 Kommentare

  1. Ich bleib neutral: wichtig ist, das Flugsicherheit oberste Prio hat. Wenn Lufthansa jetzt anders handelt, muss transparent gezeigt werd en wie die Arbeit in sicherheitsgremien weiter gewährleistet ist. IFALPA und VC warnen, das darf man nicht einfach ignorieren, siehe auch /analysen/ifalpa-vc

  2. Kurz und sachlich, die Kündigung der Freistellungs vereinbar ung sieht aus wie ein Risiko für die Kontinuität in Flight Safety arbeiten. Die Vereinigung Cockpit nennt viele Arbeitsgruppen, wenn die fehlen gibt das sicher probleme beim Risikobewertung an Flughäfen. Bitte mehr hintergrundartikel auf /sicherheit/flight-safety

  3. Ganz sachlich: es ist ein problem wenn Freistellungs vereinbar ung wegfällt weil das den fachlichen austausch zu Fatigue Risk Management und Mensch Maschine Interaktion schwächt. Lufthansa sollte das transparenter erklären, und es wär gut wenn mehr info auf /politik/flugsicherheit zu finden ist

    1. Ich seh das ähnlich, IFALPA stellt ja einen internationalen standard dar und die Kritik an der Kündigung klingt nicht nur tariflich. Gibt es denn vorbeugende massnahmen damit Flight Safety nicht leidet, und gibt es vergleiche mit anderen Airlines? Mehr dazu auf /vergleich/airlines-safety

    2. Neutral gemeint: man sollte auf die Fakten schau en, das BAG Urteil zu Freistellungsklauseln spielt da wohl auch rein. Aber praxis ist wichtig, die Piloten bringen knowhow in Gremien, das ist nicht nur Gewerkschafts kram sondern echte Sicherheits arbeit, siehe auch /recht/freistellung-bag

  4. Neutral gesehn, finde ich es richtig das man auf Sicherheit achtet, trotzdem wirkt die Kündigung der Freistellungsvereinbar ung sehr abrupt. IFALPA und Ron Hay warnen ja auch, was sagt Carsten Spohr dazu und wie steht das im Kontext von ICAO und EASA regeln? Link: /news/ifalpa-brief

    1. Ich frag mich auch oft, wie das organisatorisch laufen soll wenn Piloten weniger zeit für Taskforces haben. Die VC spricht von mehr als 100 pilot en in 12 arbeitsgruppen, das klingt wichtig für Flugsicherheit, aber wer bezahlt das und wie ist das rechtlich abgesichert siehe auch /interner-bericht/freistellung

  5. Das liest sich wichtig und macht mir sorgen, aber ich kapier net alles von der Freistellungsvereinbar ung und wie das die Flugsicherheit berührt. Wenn Lufthansa und Vereinigung Cockpit da so streiten, wer passt dann auf Flight Safety auf? Mehr hintergrund wär gut z.B. /sicherheit/vereinigung-cockpit

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