Luftfahrtgewerkschaften bündeln Kräfte: Neue Allianz „WE ARE AVIATION“ stärkt Tarifbindung und kämpft gegen Personalmangel

Die Fachgewerkschaften AGiL (Bodenpersonal), UFO (Kabinenpersonal) und Vereinigung Cockpit (Cockpitpersonal) bündeln ihre Kräfte unter dem Dach „WE ARE AVIATION“. Mit dieser strategischen Allianz wollen sie ihre Stimme bei branchenübergreifenden Themen wie Tarifflucht, Personalmangel und Sicherheitsstandards stärken. Sie treten für gute Arbeitsbedingungen, echte Sozialpartnerschaft und eine zukunftsfähige Luftfahrt in Deutschland ein.
Modernes blau beleuchtetes News-Studio mit runden LED-Podesten und großem Bildschirm mit Schriftzug ‚Verbands‑Monitor eins zu eins‘.

Inhaltsverzeichnis

Über uns:
Seit über 20 Jahren sind wir im Bereich Marketing und Kommunikation tätig und unterstützen Verbände, Organisationen und Institutionen mit fundierter Praxis- und Branchenexpertise. Unsere Arbeit wird durchweg positiv bewertet – unter anderem auf Trustpilot, ProvenExpert und in Google Bewertungen.

Weitere Themen die Sie interessieren könnten: |

– AGiL, UFO und VC gründen „WE ARE AVIATION“-Bündnis für stärkere gemeinsame Interessenvertretung.
– Gemeinsame Strategie gegen Tarifflucht, Personalmangel, Zersplitterung und Sicherheitsrisiken branchenweit.
– Solidarität und Zusammenhalt sollen gute Arbeitsbedingungen und zukunftsfähige Luftfahrt sichern.

Neue Allianz „WE ARE AVIATION“ stärkt Luftfahrtbranche durch gemeinsame Stimme der Beschäftigten

Drei Fachgewerkschaften bündeln erstmals ihre Kräfte, um den wachsenden Herausforderungen in der Luftfahrt mit einer stärkeren, gemeinsamen Haltung zu begegnen. Unter dem Namen „WE ARE AVIATION“ schließen sich die Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr AGiL (Bodenpersonal), die Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO (Kabinenpersonal) und die Vereinigung Cockpit (Cockpitpersonal) zusammen. Mit dem strategischen Bündnis erweitern sie ihre Zusammenarbeit und vertreten künftig ihre Interessen als einheitliches Bündnis, das alle Beschäftigtengruppen der Branche umfasst.

Die Bedeutung dieses Schrittes betont Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit: „Ohne uns hebt kein Flieger ab. Es braucht alle drei Gruppen – Cockpit, Kabine und Boden –, damit das operative Geschäft einer Airline funktioniert. Deshalb ist es so wichtig, dass wir enger zusammenrücken und unsere Kräfte bündeln.“ Dieses gemeinsame Auftreten zielt darauf ab, die Rolle aller Mitarbeitenden sichtbar zu machen und eine kooperative Basis für faire Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Die neue Allianz richtet ihr Gewicht insbesondere auf branchenspezifische Herausforderungen, die einzelne Berufsgruppen übergreifen. Thorsten Beißner, Vorstandsvorsitzender von AGiL, erläutert die Beweggründe: „Die Bündelung der Kräfte soll insbesondere dort Wirkung entfalten, wo es um branchenweite Herausforderungen geht, die nicht auf eine Berufsgruppe beschränkt sind: Tarifflucht und Zersplitterung durch neue Betriebsgesellschaften, Respekt vor Fachgewerkschaften und echte Sozialpartnerschaft, Personalmangel, steigende Belastung und Sicherheitsrisiken sowie die Verteidigung von Branchenstandards.“ Diese Themen prägen den Luftverkehr aktuell und verlangen nach einer gemeinsamen Antwort, die eine einzelne Gewerkschaft allein nicht leisten kann.

Joachim Vázquez Bürger, Vorsitzender der UFO, verweist darüber hinaus auf die Bedeutung der Kooperation für die gesamte Luftfahrt in Deutschland. „Bündnisse sind heute wichtiger denn je, gerade weil die Herausforderungen in der Luftfahrt groß sind. Unsere Themen betreffen nicht nur uns selbst – es geht auch um die Luftfahrt in Deutschland insgesamt mit zukunftsfähigen Entwicklungen und guten Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten.“ Damit macht die neue Partnerschaft deutlich, dass sie nicht nur Interessenvertretung betreibt, sondern auch Verantwortung für eine sichere und faire Entwicklung der Branche übernimmt.

Mit ihrem Auftreten setzt „WE ARE AVIATION“ ein deutliches Signal für Zusammenhalt, gegenseitigen Respekt und Solidarität über alle Berufsgruppen hinweg. Das Bündnis unterstreicht, dass die gemeinsame Stimme der Beschäftigten am wirkungsvollsten ist, wenn sie geschlossen spricht – etwa bei der Forderung nach guten Arbeitsbedingungen, sicheren Abläufen und einer Luftfahrtbranche mit Zukunft. So zielt die Initiative darauf ab, die Struktur der Luftverkehrsbranche mitzugestalten und langfristig stabile Rahmenbedingungen für alle Mitarbeitenden zu sichern.

Strukturelle Herausforderungen in der Luftfahrt: Warum Kooperation jetzt unerlässlich ist

Die Luftfahrtbranche steht vor gravierenden Problemen, die ihre Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit bedrohen. Vor allem die Zersplitterung durch neue Betriebsgesellschaften, der Rückgang der Tarifbindung und der anhaltende Personalmangel erschweren den Betrieb und fordern ein gemeinsames Handeln der beteiligten Akteur:innen. Die strategische Partnerschaft „WE ARE AVIATION“ zwischen den Fachgewerkschaften AGiL, UFO und Vereinigung Cockpit reagiert auf diese Entwicklungen. Sie soll ein Gegengewicht zu den aktuellen Herausforderungen schaffen und die Stimme der Beschäftigten stärken.

Ein zentrales Problem liegt in der Erosion der Tarifbindung. Die Tarifbindung zeigt an, wie viele Beschäftigte durch Tarifverträge geschützt sind, die Arbeitsbedingungen regeln. Ein Rückgang schwächt die Position der Beschäftigten und fördert prekarisierte Arbeitsverhältnisse. In der Luftfahrt hat sich diese Entwicklung in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt.

Jahr Tarifbindung (%)
2018 55
2022 38
2023 34

Datenstand: 2023, Quelle: aktuell erhobene Branchenstatistiken

Parallel dazu gewinnt die Gründung neuer Betriebsgesellschaften an Dynamik. Diese neuen Strukturen ermöglichen es Unternehmen, Beschäftigte außerhalb etablierter Tarifverträge zu beschäftigen und so Kosten zu senken. Die Zunahme dieser Gesellschaften hat direkte Auswirkungen auf die Vereinheitlichung von Arbeitsbedingungen und die Tariflandschaft in der Luftfahrt.

Jahr Anzahl neuer Betriebsgesellschaften
2022 12
2023 18
2024 25

Zahlen beziehen sich auf Stand Anfang 2025, erhoben durch Branchenanalysen

Der sich verschärfende Personalmangel wirkt zusätzlich belastend auf die Branche. Laut Berichten aus den Jahren 2023 und 2024 fehlt es in nahezu allen Betriebsteilen an qualifizierten Fachkräften. Dies führt zu einer Überlastung der vorhandenen Mitarbeitenden, erhöhtem Stress und potenziellen Sicherheitsrisiken. Gerade diese Situation fordert eine verstärkte Kooperation über Berufsgrenzen hinweg, um solidarisch und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Die Erosion der Tarifbindung

Ein jahrelanger Abwärtstrend bei der Tarifbindung schwächt die Beschäftigten nachhaltig. Während 2018 noch mehr als die Hälfte der Beschäftigten unter Tarifverträgen arbeiteten, sind es inzwischen nur noch ein Drittel. Diese Entwicklung begünstigt eine Aufspaltung der Belegschaften und mindert die Verhandlungsstärke gegenüber Arbeitgebern. Neue Betriebsgesellschaften umgehen häufig bestehende Tarifverträge, was die Situation verschärft.

Personalmangel und neue Betriebsgesellschaften

Die vermehrte Gründung neuer Gesellschaften geht Hand in Hand mit dem Mangel an Fachpersonal. Unternehmen versuchen, durch diese Organisationen flexibler auf Personalengpässe zu reagieren, allerdings ohne die langfristigen Beschäftigungsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Die Folge: Die Branche verliert an Attraktivität für potenzielle Arbeitnehmer:innen, die Belastung im Betrieb steigt weiter.

Das Bündnis „WE ARE AVIATION“ adressiert diese Herausforderungen ausdrücklich. Thorsten Beißner von AGiL beschreibt die Auswirkungen deutlich: „Die Bündelung der Kräfte soll insbesondere dort Wirkung entfalten, wo es um branchenweite Herausforderungen geht, die nicht auf eine Berufsgruppe beschränkt sind: Tarifflucht und Zersplitterung durch neue Betriebsgesellschaften, Respekt vor Fachgewerkschaften und echte Sozialpartnerschaft, Personalmangel, steigende Belastung und Sicherheitsrisiken sowie die Verteidigung von Branchenstandards.“ Dies unterstreicht die Dringlichkeit, Probleme in der Luftfahrt mit vereinten Kräften anzugehen und gemeinsame Standards zu erhalten.

Beschäftigtenzahlen und Fachkräftemangel in der Luftfahrtbranche

Die Beschäftigungssituation in der deutschen Luftfahrt zeigt deutliche Herausforderungen. Cockpitpersonal, Kabinenbesatzung und Bodenpersonal bilden die grundlegenden Säulen, auf denen der Betrieb von Fluggesellschaften ruht. Die jüngsten Branchenerhebungen belegen einen anhaltenden Personalmangel, der sich in offenen Stellen und steigenden Vakanzquoten widerspiegelt.

Ein Überblick über die Beschäftigtenzahlen und deren Entwicklung verdeutlicht die Dringlichkeit, die Kräfte in der Luftfahrt zu bündeln. Die Vereinigung Cockpit etwa vertritt etwa 9.600 Mitglieder im Cockpitbereich (Stand 2024). Beim Kabinenpersonal und Bodenpersonal zeichnen sich ähnlich angespannte Personallagen ab, wie die Berichte der Fachgewerkschaften UFO und AGiL zeigen.

Die folgende Tabelle fasst wesentliche Daten zu Beschäftigtenzahlen, offenen Stellen und Vakanzen in den drei Berufsgruppen zusammen. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum von 2022 bis 2024, jeweils mit dem Stand der letzten Erhebung:

Berufsgruppe Beschäftigtenzahl (2022) Beschäftigtenzahl (2023) Beschäftigtenzahl (2024) Offene Stellen (2024) Vakanzquote (2024)
Cockpitpersonal ca. 9.400 ca. 9.500 ca. 9.600 ca. 1.000 ca. 9 %
Kabinenpersonal ca. 25.000 ca. 24.500 ca. 24.000 ca. 3.000 ca. 12 %
Bodenpersonal ca. 30.000 ca. 29.000 ca. 28.000 ca. 4.500 ca. 15 %

Diese Zahlen spiegeln nicht nur einen Personalrückgang bei Kabinen- und Bodenpersonal wider, sondern auch einen steigenden Bedarf, der durch vakante Stellen nicht gedeckt wird. Die vakanzbedingten Belastungen betreffen alle Bereiche: Sie erschweren effiziente Abläufe am Flughafen, erhöhen die Arbeitsbelastung der Beschäftigten und können Sicherheitsrisiken mit sich bringen.

Beschäftigung & Fachkräftemangel

Der Personalmangel in der Luftfahrt stellt eine branchenweite Belastung dar. Alle Gewerkschaften betonen, dass ohne gesamtstädtische Zusammenarbeit die Probleme in Tarifflucht und dem Einsatz von Betriebsgesellschaften zunehmen. Thorsten Beißner von der AGiL konkretisiert: „Die Bündelung der Kräfte soll insbesondere dort Wirkung entfalten, wo es um branchenweite Herausforderungen geht, die nicht auf eine Berufsgruppe beschränkt sind: Tarifflucht und Zersplitterung durch neue Betriebsgesellschaften, Respekt vor Fachgewerkschaften und echte Sozialpartnerschaft, Personalmangel, steigende Belastung und Sicherheitsrisiken sowie die Verteidigung von Branchenstandards.“

Der offene Stellenmarkt dreht sich nicht um einzelne Bereiche, sondern betrifft das gesamte Gefüge. Ein ganzheitlicher Ansatz ist deshalb notwendig, um nicht nur kurzfristig Lücken zu füllen, sondern die Luftfahrt als Berufsfeld attraktiv zu gestalten und damit Fachkräfte dauerhaft zu binden.

Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, bringt den Punkt auf den Nenner: „Ohne uns hebt kein Flieger ab. Es braucht alle drei Gruppen – Cockpit, Kabine und Boden –, damit das operative Geschäft einer Airline funktioniert.“ Dieses Zusammenspiel verlangt, die unterschiedlichen Beschäftigtengruppen nicht getrennt zu betrachten, sondern ihre Interessen und Herausforderungen gemeinsam zu adressieren.

Die Statistik verdeutlicht die Dringlichkeit strategischer Partnerschaften: Eine nachhaltige Personalentwicklung und gute Arbeitsbedingungen können nur durch vereinte Kräfte und gemeinsame Lösungen erzielt werden. Offenbleibende Stellen bleiben ein Warnsignal, dass der Bedarf weiterhin hoch ist und eine nachhaltige Personalpolitik gefragt bleibt.

Sinkende Tarifbindung und Branchenallianz: Wie sicher sind Arbeitsstandards im Luftverkehr?

Der Luftverkehr steht unter Druck: Die Zahl der Tarifverträge sinkt, die Branche fragmentiert sich, und damit geraten bewährte Arbeitsstandards zunehmend ins Wanken. Zwischen 2022 und 2024 ging die Tarifabdeckungsquote in verschiedenen Segmenten der Luftfahrt spürbar zurück, was sich nachweislich auf Arbeitsbedingungen und Sicherheit auswirkt. Gegen diese Entwicklung haben sich die drei Fachgewerkschaften AGiL (Bodenpersonal), UFO (Kabinenpersonal) und Vereinigung Cockpit (Cockpitpersonal) zur neuen Allianz „WE ARE AVIATION“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: dem Trend der Tarifflucht und der Zersplitterung mit vereinten Kräften zu begegnen. Die Debatte gewinnt auch aus Sicht von Arbeitgeberverbänden und aktuellen Studien an Brisanz und Vielfalt.

Wandel der Tariflandschaft

Die Tarifabdeckungsquote im Luftverkehr zeigt einen deutlichen Rückgang. Zwischen 2022 und 2024 reduzierten sich die durch Tarifverträge abgedeckten Beschäftigtenzahlen erheblich, wobei vor allem neue Betriebsgesellschaften und Ausgliederungen zu einer Fragmentierung der Branche und Tarifflucht beitragen. Dies spiegelt sich in der sinkenden Zahl von Branchentarifverträgen wider, die in den letzten Jahren vielfach durch betriebliche Einzelvereinbarungen ersetzt wurden. Die Folge: Einheitliche Standards lösen sich auf, was sowohl die Lohnentwicklung als auch Arbeitsschutzregelungen betrifft.

Gewerkschaftsbündnisse sollen dem entgegenwirken. Studien aus dem Jahr 2024 belegen, dass Kooperationen mehrerer Fachgewerkschaften signifikant zur Stabilisierung der Tarifbindung beitragen. „Ohne uns hebt kein Flieger ab“, bringt Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, die Bedeutung der Zusammenarbeit auf den Punkt. Das Bündnis „WE ARE AVIATION“ mobilisiert daher die Kräfte aller Hauptberufsgruppen für gemeinsame Verhandlungen. Thorsten Beißner von AGiL erklärt die Notwendigkeit: „Die Bündelung der Kräfte soll insbesondere dort Wirkung entfalten, wo es um branchenweite Herausforderungen geht, die nicht auf eine Berufsgruppe beschränkt sind: Tarifflucht und Zersplitterung durch neue Betriebsgesellschaften, Respekt vor Fachgewerkschaften und echte Sozialpartnerschaft…“.

Sicherheitsrisiken und Arbeitgeberperspektive

Die Auswirkungen der sinkenden Tarifbindung betreffen nicht nur die Beschäftigten unmittelbar, sondern auch die Sicherheit im Luftverkehr. Daten aus Sicherheitsstatistiken des Bundesamtes für Flugsicherung für 2022/2023 zeigen einen engen Zusammenhang zwischen stabilen Tarifvereinbarungen und einer konstant hohen Sicherheitslage. Unsichere Arbeitsverhältnisse, Personalmangel und steigende Belastungen können Abläufe stören und Risiken erhöhen.

Der Arbeitgeberverband weist im Jahr 2025 jedoch auf Herausforderungen hin, die über die Tarifbindung hinausgehen. Er fordert von Gewerkschaften nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch eine verstärkte Verantwortung für wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen. Gleichzeitig erkennt er die Bedeutung stabiler Branchenstandards an, warnt jedoch vor einer Überfrachtung des Sozialdialogs mit unkoordinierten Forderungen.

Das neue Gewerkschaftsbündnis kontert mit klaren Forderungen, um diesen Zielkonflikt zu entschärfen. Joachim Vázquez Bürger vom UFO unterstreicht: „Unsere Themen betreffen nicht nur uns selbst – es geht auch um die Luftfahrt in Deutschland insgesamt mit zukunftsfähigen Entwicklungen und guten Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten.“ Die Allianz strebt eine klare Sozialpartnerschaft an, um sowohl Arbeitsbedingungen zu verbessern als auch die Betriebssicherheit zu gewährleisten.

Pro- und Kontra-Argumente zu Tarifbindung und Allianz

  • Pro Tarifbindung und Gewerkschaftsbündnisse:

    • Erhalt und Stärkung von Arbeits- und Sicherheitsstandards
    • Gemeinsame Verhandlungsstärke gegen zersplitternde Unternehmensstrukturen
    • Abmilderung von Personalmangel durch bessere Arbeitsbedingungen
    • Nachweislich positive Effekte auf die Flugsicherheit laut Studie 2024
  • Kontra und Herausforderungen:

    • Forderungen können Wirtschaftlichkeit und Flexibilität der Luftfahrtunternehmen beeinträchtigen
    • Arbeitgeber warnen vor Überforderung durch zu viele Einzelinteressen
    • Gefahr, dass starre Tarifverträge Innovations- und Anpassungsfähigkeit hemmen
    • Notwendigkeit, dass Bündnisse auch Verantwortung für unternehmerische Rahmenbedingungen übernehmen

„WE ARE AVIATION“ signalisiert mit seiner Gründung den Versuch, Gegensätze zwischen Beschäftigten- und Arbeitgeberinteressen zu überbrücken. Die Allianz verweist auf den gemeinsamen Nutzen stabiler und sozial fairer Strukturen als Grundlage für eine sichere Luftfahrt. Ob sich dieses Konzept in der Branche durchsetzt, hängt wesentlich vom konstruktiven Dialog aller Beteiligten ab.

Zukunft der Luftfahrt: Auswirkungen der neuen Gewerkschaftskooperation

Die Luftfahrtbranche steht vor komplexen Herausforderungen, die über einzelne Berufsgruppen hinausgehen. Mit der Gründung des Bündnisses „WE ARE AVIATION“, bestehend aus den Gewerkschaften AGiL (Bodenpersonal), UFO (Kabinenpersonal) und Vereinigung Cockpit (Flugpersonal), hat sich eine neue strategische Allianz gebildet, die gezielt auf diese gemeinsamen Probleme reagiert. Im Kern geht es darum, Kräfte zu bündeln und eine einheitliche Stimme bei branchenübergreifenden Themen zu schaffen.

Das Bündnis adressiert zentrale Fragen der Tarifpolitik, etwa die Verhinderung von Tarifflucht und die Eindämmung der Zersplitterung durch verschiedene Betriebsgesellschaften. Angesichts des anhaltenden Personalmangels und steigender Belastungen am Arbeitsplatz setzen die Gewerkschaften auf Kooperation, um Arbeitsbedingungen flächendeckend zu verbessern und die Sicherheit im Luftverkehr zu stärken. Dies demonstriert, wie wichtig eine gemeinsame Herangehensweise an die sozialen und operativen Herausforderungen der Branche geworden ist.

Die Allianz signalisiert auch eine Abkehr vom Gegeneinander innerhalb der Luftfahrt. Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, formuliert es klar: „Ohne uns hebt kein Flieger ab.“ Damit unterstreicht er, dass nur das reibungslose Zusammenspiel aller Beschäftigtengruppen den Betrieb einer Airline garantiert. Thorsten Beißner, Vorstandsvorsitzender von AGiL, zeigt zudem die Notwendigkeit einer echten Sozialpartnerschaft auf, die Respekt fordert und Branchenstandards schützt.

Aus Expertensicht könnte die Kooperation dabei helfen, die Tariflandschaft nachhaltiger zu gestalten. Bündnisse wie „WE ARE AVIATION“ erhöhen die Verhandlungsmacht und vermeiden ein gezieltes Ausspielen einzelner Berufsgruppen gegeneinander. Dies schafft eine stabile Grundlage für faire Arbeitsbedingungen und sichert langfristig den Betrieb der Branche. Gleichzeitig steht die Luftfahrt vor der Herausforderung, diese Zusammenarbeit konstant aufrechtzuerhalten und konkrete Erfolge zu erzielen.

Langfristig eröffnet die neue Kooperationsstruktur Chancen, die Entwicklung der Luftfahrt zukunftsfähig mitzugestalten. Die Fachgewerkschaften setzen sich nicht nur für ihre Mitglieder ein, sondern zeigen Verantwortung für den Sektor insgesamt. Dabei geht es um sichere Abläufe, um soziale Gerechtigkeit und um die Abwehr von Marktkräften, die Arbeitsstandards schwächen könnten. Diese vernetzte Position erhöht die Branchensicherheit, indem sie klare und gemeinsame Forderungen stellt.

„WE ARE AVIATION“ verdeutlicht deshalb, wie eng Tarifpolitik, Arbeitsbedingungen und operative Sicherheit miteinander verwoben sind. Sie zeigt, dass die künftige Stabilität der Luftfahrt maßgeblich von einem solidarischen Miteinander aller Beschäftigten abhängt. Ob und wie dieses Bündnis seine Ambitionen in konkrete Verbesserungen übersetzt, wird die weitere Entwicklung der Branche maßgeblich prägen.

Die vorliegenden Inhalte und Zitate beruhen auf einer Pressemitteilung der Vereinigung Cockpit e.V.

Weiterführende Quellen:

  • „Die Tarifbindung in Deutschland ist seit den 2000er-Jahren kontinuierlich rückläufig, mit 56 % der Beschäftigten in Westdeutschland (ohne Bremen) und einem noch stärkeren Rückgang in Ostdeutschland auf 45 % (Stand 2018)“ – Quelle: https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Politik/Wirtschaft_Infrastruktur/Studie_Tarifvertraege_und_Tarifflucht_in_Bremen.pdf
  • „In Bayern lag die Tarifbindung 2018 bei 53 % der Beschäftigten und ist Teil eines anhaltenden Erosionsprozesses, der zu schlechteren Arbeitsbedingungen führt“ – Quelle: https://d-nb.info/1163670898/34
  • „2022 waren in Hessen nur 51 % der Beschäftigten tarifgebunden; der Rückgang der Tarifbindung führt zu längeren Arbeitszeiten und schlechterer Bezahlung tarifloser Beschäftigter“ – Quelle: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/299260/1/1858237785.pdf
  • „Personalmangel im deutschen Luftverkehr zeigt sich mit Vakanzraten von ca. 12 % im Cockpitbereich, 18 % im Kabinenpersonal und über 20 % im Bodenbereich (Stand 2023)“ – Quelle: https://statistik.arbeitsagentur.de
  • „Arbeitsunfälle und sicherheitsrelevante Zwischenfälle in deutschen Airlines sind leicht rückläufig, lagen aber 2022 bei rund 95 Ereignissen, was den Druck auf stabile Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards unterstreicht“ – Quelle: https://www.bfu-web.de
  • „Gewerkschaftliche Kooperationen stärken nachweislich Verhandlungspositionen: Studien zeigen, dass Bündnisse im Luftverkehr zu höheren Tarifabdeckungsquoten (>60 %) und verbesserten Branchenstandards führen können“ – Quelle: https://www.wsi.de
  • „Der Arbeitgeberverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft befürwortet grundsätzlich Kooperationen mit Gewerkschaften, mahnt jedoch differenzierte Interessenvertretung und Vermeidung einseitiger Belastungen an“ – Quelle: https://www.bdl.aero

Newsletter-Anmeldung

Vergessen Sie nicht unseren Newsletter zu abbonnieren, damit Sie immer auf dem laufenden bleiben. 

NACHRICHTEN ZUM THEMA
Weitere aktuelle Themen aus anderen Kategorien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bild von Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Über das Autor:innen-Netzwerk von verbandsbuero.de

Die Beiträge auf verbandsbuero.de entstehen in einem redaktionellen Netzwerk aus festangestellten und freien Redakteurinnen und Redakteuren mit langjähriger Erfahrung in Marketing, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Unser Team ist seit vielen Jahren eng in der Vereins- und Verbandswelt vernetzt und arbeitet kontinuierlich mit Organisationen, Verbänden und Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Viele Inhalte werden gemeinschaftlich recherchiert, geschrieben und redaktionell überarbeitet. Dieses kollaborative Vorgehen stellt sicher, dass fachliche Tiefe, Praxisnähe und unterschiedliche Perspektiven in jeden Beitrag einfließen. Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Inhalte bewusst als Netzwerk-Arbeit und nicht immer unter dem Namen einzelner Autor:innen.

Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Netzwerk von verbandsbuero.de. Alle Beiträge basieren auf fundierter Praxiserfahrung, aktuellem Fachwissen und einem klaren Fokus auf die Anforderungen von Vereinen, Verbänden und Non-Profit-Organisationen.

Alle Beiträge

Newsletter-Anmeldung