– Bundeskabinett verabschiedet GVSG, SoVD kritisiert unzureichende ambulante Versorgungsstruktur.
– Ausgeschlossene Primärversorgungszentren gefährden Versorgung sozial benachteiligter Regionen.
– Gestärkte psychotherapeutische Versorgung mit eigener Kinder- und Jugendtherapeuten-Gruppe verbessert Zugang.
Kritik am Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz: SoVD fordert Nachbesserungen für ambulante Versorgung
Am 22.05.2024 verabschiedete das Bundeskabinett in Berlin das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG), das bundesweit Auswirkungen auf die ambulante Gesundheitsversorgung haben soll. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) übt scharfe Kritik am Gesetzentwurf und warnt, dass das Gesetz „ohne eine verbesserte ambulante Versorgungsstruktur seinem Namen kaum gerecht wird“*. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Ausschluss der sogenannten Primärversorgungszentren, die nach Einschätzung des SoVD eine zentrale Rolle bei der Stärkung der ambulanten Versorgung spielen könnten. Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier erklärt: „Diese Zentren hätten eine wichtige Stärkung der ambulanten Versorgung bedeutet“* und plädiert dafür, sie im weiteren Gesetzgebungsprozess zu berücksichtigen.
Für die Versorgung in besonders sozial benachteiligten Regionen und Stadtteilen hebt Engelmeier die Bedeutung koordinierter Strukturen hervor. Dabei könnten Gesundheitskioske eine hilfreiche Ergänzung sein, sofern sie „sich in bestehende Strukturen einfügen, um unnötige Doppelstrukturen zu vermeiden“*. Zur Finanzierung dieser Angebote betont sie: „Soweit Gesundheitskioske unabhängig vom Versicherungsstatus und auch vermehrt zur sozialen Situation beraten, muss sich das auch bei der Finanzierung widerspiegeln. Ein zu hoher Kostenanteil der Beitragszahlenden wäre hier nicht gerechtfertigt. Hier müssten die Kommunen einspringen, denn Sozialarbeit sei ihre Verantwortung“*.
Angesichts des demografischen Wandels fordert der SoVD eine besondere Stärkung der hausärztlichen Versorgung. Außerdem äußert Engelmeier Kritik an vorgesehenen jährlichen Pauschalen für chronisch kranke Patienten, die „dazu führen könnten, dass gerade besonders betreuungsintensive Patienten schlechter versorgt werden“*. Positiv bewertet sie hingegen die „Etablierung einer gesonderten Ärztegruppe für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, die den Zugang zur Therapie für junge Menschen deutlich verbessern könnte“*. Dies reiche jedoch nicht aus: Die psychotherapeutische Versorgung müsse insgesamt so ausgebaut werden, „dass Prävention und Therapie ohne lange Wartezeiten möglich sein müssen“*.
Insgesamt sieht Engelmeier erheblichen Verbesserungsbedarf bei der ambulanten Versorgung und den finanziellen Regelungen des GVSG. Sie appelliert an das Parlament: „Diesen Gesetzentwurf nachzujustieren und damit wirklichen Fortschritt im Gesundheitswesen zu erzielen“*.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Herausforderungen der ambulanten Versorgung
Die ambulante Versorgung steht heute vor komplexen Herausforderungen, die weit über die unmittelbare medizinische Behandlung hinausgehen. Gesellschaftliche Veränderungen prägen den Bedarf und die Struktur der Gesundheitsversorgung maßgeblich. So führt die demografische Entwicklung zu einer steigenden Zahl älterer Menschen mit chronischen Erkrankungen, die verstärkt auf gut erreichbare und koordinierte ambulante Angebote angewiesen sind. Gleichzeitig verschärft sich das sogenannte Stadt-Land-Gefälle: In ländlichen Regionen wird es immer schwieriger, eine flächendeckende und fachärztliche Versorgung sicherzustellen. Hinzu kommen eine wachsende psychische Belastung in der Bevölkerung und dadurch ein steigender Bedarf an psychotherapeutischer Betreuung, der das bestehende Versorgungsnetz zunehmend belastet.
Diese Entwicklungen setzen den ambulanten Sektor unter erheblichen Druck und erfordern neue Antworten im Gesundheitssystem. Das Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der sozialen Sicherung (GVSG) ist ein wichtiger Schritt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Dabei rücken insbesondere Primärversorgungszentren und Gesundheitskioske in den Fokus – Modelle, die eine bessere Koordination, niedrigschwelligen Zugang und interdisziplinäre Zusammenarbeit möglich machen.
Warum ambulante Versorgung immer wichtiger wird
Die ambulante Versorgung gewinnt an Bedeutung, weil sie die Grundlage für eine frühzeitige Diagnose, kontinuierliche Begleitung und Vermeidung von Krankenhausaufenthalten bildet. Der demografische Wandel steigert dabei die Nachfrage vor allem im Bereich der Pflege und der Behandlung chronischer Erkrankungen. Gleichzeitig sind psychotherapeutische Angebote zunehmend gefragt, da psychische Störungen häufiger werden und die Versorgung oft fragmentiert ist. Das Stadt-Land-Gefälle verschärft die Lage zusätzlich: Ländliche Gebiete leiden unter Fachkräftemangel und eingeschränktem Praxisangebot, während städtische Räume vermehrt mit Überlastung der Einrichtungen kämpfen.
Primärversorgungszentren als Lösung?
Primärversorgungszentren und Gesundheitskioske bieten hier ein großes Potenzial. Sie bündeln verschiedene Gesundheitsberufe unter einem Dach, um eine umfassende, patientenzentrierte Versorgung zu gewährleisten. Dabei können sie
- den Zugang zur Gesundheitsversorgung erleichtern,
- Wartezeiten verkürzen,
- die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken und
- Versorgungsangebote besser auf lokale Bedürfnisse zuschneiden.
Diese Zentren benötigen aber auch abgestimmte Finanzierungsmodelle, damit sie dauerhaft bestehen und entwickeln können. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle bei der psychotherapeutischen Versorgung, indem sie niedrigschwellige und wohnortnahe Angebote ergänzen.
Das Zusammenspiel von gesellschaftlichen Trends, den neuen Versorgungsmodellen und einer sinnvollen Finanzierung wird entscheidend sein, um den immer komplexeren Anforderungen im ambulanten Gesundheitswesen gerecht zu werden.
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Dieses Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz hat zwei große Lücken
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