205 gesichtete Titel, 20 ausgewählte Romane: Die erste Auswahlrunde im Rennen um den Deutschen Buchpreis 2026 ist damit geschafft. Die Longlist entscheidet noch nicht über den Sieg, zeigt aber, welche Bücher die Jury aus einer großen Zahl von Neuerscheinungen herausgefiltert hat. Für Leser ist das ein erster Hinweis darauf, welche Themen und Formen im Literaturjahr besonders präsent sind.
Veröffentlicht wurde die Auswahl am 11. August 2026. Der nächste wichtige Termin folgt am 8. September 2026 mit der Shortlist aus sechs Romanen. Erst daraus geht später der oder die Preisträger*in hervor.
Wer den Preis vergibt und warum die Auswahl mehr ist als ein Ranking
Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main.
Für den literarischen Betrieb ist die Longlist mehr als eine bloße Titelliste. Sie lenkt Aufmerksamkeit auf Bücher, die sonst in der Vielzahl der Herbst- und Frühjahrsneuerscheinungen leicht untergehen könnten. Zugleich zeigt sie, welche Stoffe, Erzählformen und Perspektiven die Jury für relevant hält.
Zur Jury 2026 gehören neben Jurysprecherin Cornelia Geißler von der Berliner Zeitung auch Theresa Donner, Jan Ehlert, Maha El Hissy, Emily Grunert, Stefanie Kreuzer und Adam Soboczynski. Das Preisgeld liegt bei 25.000 Euro für den oder die Preisträger*in und bei 2.500 Euro für die fünf Finalist*innen.
Diese 20 Romane stehen auf der Longlist
Die Longlist ist in alphabetischer Reihenfolge genannt und damit keine Rangfolge. Die 20 nominierten Romane sind:
- Shida Bazyar: Die Lücken (Verlag Kiepenheuer & Witsch, September 2026)
- Helene Bukowski: Wer möchte nicht im Leben bleiben (claassen Verlag, Februar 2026)
- Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter (Carl Hanser Verlag, Mai 2026)
- Muri Darida: King Cobra (dtv, März 2026)
- Alisha Gamisch: Parasiti (Verlag Voland & Quist, März 2026)
- Franziska Gänsler: Orca (Kein & Aber, August 2026)
- Tomer Gardi: Liefern (Tropen Verlag, Februar 2026)
- Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle (S. Fischer Verlag, August 2026)
- Elias Hirschl: Schleifen (Paul Zsolnay Verlag, Januar 2026)
- Svenja Leiber: Nelka (Suhrkamp Verlag, Februar 2026)
- Leh-Wei Liao: Glaszeit (Luchterhand Literaturverlag, August 2026)
- Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens (Verlag Galiani Berlin, Februar 2026)
- Giuliano Musio: Aus anderem Holz (Luftschacht Verlag, September 2026)
- Yade Yasemin Önder: Anti Müller (park x ullstein, Februar 2026)
- Lukas Rietzschel: Sanditz (dtv, März 2026)
- Ingo Schulze: Das Wasser im August (S. Fischer Verlag, August 2026)
- Heinz Strunk: Memories of Heidelberg (Rowohlt Verlag, Juli 2026)
- Karosh Taha: Gulistan (DuMont Buchverlag, August 2026)
- Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen (Aufbau Verlage, März 2026)
- Dana Vowinckel: Anton und Alma (Suhrkamp Verlag, September 2026)
Die Mischung aus etablierten Namen und weniger bekannten Autorinnen und Autoren zeigt, wie breit das Feld in diesem Jahr aufgestellt ist. Wer den Preis verfolgt, bekommt damit früh einen Überblick über Titel, die im Herbst und darüber hinaus noch häufiger diskutiert werden dürften.
Welche Literatur die Jury 2026 sichtbar machen will
Jurysprecherin Cornelia Geißler beschreibt die Auswahl als Blick auf Gegenwartsliteratur, der vom Vergangenen ausgeht. Sie ordnet die 20 Romane als sehr unterschiedliche Antworten auf eine Zeit der Verunsicherung ein.
„Das Vergangene ergründen, um Gegenwart zu verstehen – das findet sich in unserer Auswahl der Romane des Jahres 2026 auf ganz unterschiedliche Weisen.“
Geißler nennt fragmentarische Formen, große Erzählungen über lange Zeiträume und biografische Mehrsprachigkeit als auffällige Merkmale der Longlist. Die Jury beschreibt die Bücher außerdem als stilbewusst, teils innovativ und mitunter auch mit Witz. Das sind ausdrücklich Wertungen der Jury, keine objektiv messbaren Kriterien.
Aus der Mitteilung geht zudem hervor, dass die Jury in den Texten verletzte Figuren und Aufbrüche in eine andere Zukunft erkennt. Für Leser heißt das vor allem: Die Longlist versammelt offenbar Romane, die sich mit Erinnerung, Identität und Unsicherheit beschäftigen – allerdings in sehr unterschiedlichen literarischen Formen.
Wie Leser die nominierten Bücher jetzt entdecken können
In Kürze soll das Taschenbuch Deutscher Buchpreis 2026: Die Nominierten deutschlandweit in vielen Buchhandlungen kostenlos erhältlich sein. Es enthält Leseproben aller Bücher sowie Informationen zu den Autorinnen und Autoren. Die Leseproben entstehen in Kooperation mit AZ Druck und Datentechnik in Kempten.
Zusätzlich stellen unter dem Hashtag #buchpreisbloggen in den kommenden Wochen 20 Literaturblogger*innen jeweils einen nominierten Titel vor. Die Rezensionen werden auf www.deutscher-buchpreis.de/news gesammelt und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Wer sich ein eigenes Bild machen will, bekommt damit mehrere niedrigschwellige Zugänge zu den nominierten Romanen.
Ob diese Formate tatsächlich neue Leser erreichen, wird sich erst zeigen. Klar ist aber: Die Longlist endet nicht bei der Juryauswahl, sondern wird in den kommenden Wochen auch öffentlich weiter begleitet.
Jetzt entscheidet die nächste Auswahlrunde
Für die 20 nominierten Romane beginnt nun die entscheidende Zwischenphase. Am 8. September 2026 veröffentlicht die Jury die Shortlist mit sechs Büchern. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autor*innen, wer den Deutschen Buchpreis erhält.
Die Preisverleihung findet am 5. Oktober 2026 im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen. Damit bleibt die Longlist ein wichtiger Zwischenstand – die eigentliche Entscheidung steht aber noch aus.
Quellen
- Pressemitteilung zur Longlist des Deutschen Buchpreises 2026 (PDF)
- Offizielle Website des Deutschen Buchpreises