– Der BUND warnt vor neuen fossilen Gasabhängigkeiten als Sicherheitsrisiko für Europa.
– Experten fordern Energiesouveränität durch Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeinsparung.
– Langfristige LNG-Verträge mit den USA werden als klimaschädlich und strategisch riskant kritisiert.
BUND warnt vor Sicherheitsrisiko durch erneute Gasabhängigkeit auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Kurz vor Beginn der 62. Münchner Sicherheitskonferenz erfolgt eine deutliche Warnung des BUND vor den zunehmend sicherheitspolitischen Risiken, die mit einer erneuten Abhängigkeit von fossilen Energien verbunden sind. Olaf Bandt, Vorsitzender des Deutschen Umweltverbands*, betont, dass die langfristige Bindung an klimaschädliches Erdgas Europas außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit erheblich schwächt. Zudem weist er auf die Gefahr hin, dass Gas zu einem strategischen Risiko wird, statt ein Übergangs-Brennstoff zu sein. Die kritische Bedeutung einer schnellen Energiewende, des Ausbaus erneuerbarer Energien, Elektrifizierung und Energieeinsparung unterstreicht er als zentrale Sicherheitsfragen Europas.
Zitat: „Die Sicherheit in Europa wird durch neue Abhängigkeiten bei fossilen Energieimporten gefährdet. Gerade die langfristige Bindung an klimaschädliche Erdgaslieferungen schwächt Europas außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit. Das erhöht die Verwundbarkeit durch ökonomischen Druck und geopolitische Erpressbarkeit. Gas ist ein strategisches Risiko und kein neutraler ‚Brückenbrennstoff‘ auf dem Weg aus der fossilen Abhängigkeit. Echte Sicherheit entsteht durch den schnellen Ausstieg aus fossilen Energien, den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren, Elektrifizierung und Energieeinsparung. Energiesouveränität und die Bekämpfung der Klimakrise sind zentrale Aufgaben der europäischen Sicherheitsagenda.“
Der Sicherheitsexperte der Universität der Bundeswehr München, Frank Sauer*, hebt die Verbindung zwischen Klima und Sicherheit hervor. Er verweist auf die „Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung“, die den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Umweltveränderungen und sicherheitspolitischen Herausforderungen aufzeigt. Die Erfahrung, dass Putin Deutschland ohne Schwierigkeiten den Gashahn zudrehen konnte, verdeutliche die Bedeutung, künftig auf Energiesouveränität und Resilienz zu setzen, anstatt auf die Gefahr erneuter Abhängigkeiten.
Zitat: „Die Nationale Interdisziplinäre Klimarisiko-Einschätzung hat gezeigt: Klima und Sicherheit hängen unmittelbar zusammen. Dass Putin Deutschland einfach den Gashahn zudrehen konnte, muss uns eine Lehre sein. Statt neuer fossiler Abhängigkeiten, die erneut als Waffe eingesetzt werden können, müssen Energiesouveränität und Resilienz unsere Ziele sein.“
Raena Garcia, LNG-Expertin bei Friends of the Earth US*, fordert europäische Entscheidungsträger auf, keine langfristigen Gasverträge mit US-Unternehmen abzuschließen. Sie warnt vor den Folgen, die aus der Agenda der Trump-Regierung resultierten, die „Energiedominanz“ anstrebe und wissenschaftsfeindlich sei. Europa solle sich nicht zu unnötig hohen Abhängigkeiten zwingen lassen, die nur zu höheren Treibhausgasemissionen und steigenden Stromkosten führen und die Klimaziele gefährden.
Zitat: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Donald Trump den Planeten für die Profite der großen Gas und Ölkonzerne opfert. Die Agenda der Trump-Regierung ist Energiedominanz. Sie ist wissenschaftsfeindlich und missachtet das Völkerrecht und die Menschenrechte. Europa darf sich nicht zu kostspieligen langfristigen LNG-Verträgen zwingen lassen, die sich nur in höheren Treibhausgasemissionen und ausufernden Stromrechnungen für die US-Verbraucher*innen niederschlagen würden.“
Hintergrund der Kritik ist die Versorgung Europas, die auf wenige Länder konzentriert ist. Ein großer Teil des über Pipelines gelieferten Erdgases stammt aus Norwegen. Die Mehrheit der europäischen LNG-Importe kommen aus den USA*. Langfristige Verträge sicherten zwar kurzfristig die Versorgung, erhöhten jedoch die politischen Risiken und schränkten die europäische Autonomie ein. Die Abhängigkeit könne nur durch einen nachhaltigen Ausstieg aus fossilem Gas, den Ausbau erneuerbarer Energien, lokale Energieproduktion durch Bürgerenergiegruppen sowie widerstandsfähige, regionale Energiesysteme verringert werden.
Der BUND, mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützerinnen, gilt als einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit mehr als fünf Jahrzehnten setzt sich der Verband für ökologische Landwirtschaft, Klimaschutz, Artenschutz sowie den Schutz von Wald und Wasser ein. Seine Arbeit basiert auf Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft, finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.
Zusätzliche Informationen zu den Risiken der Gasabhängigkeit sowie Argumente gegen fossiles Gas stehen in den Publikationen des BUND zur Verfügung.*
Europäische Gasversorgung 2025: Lieferströme, Risiken und politische Weichenstellungen
Die Versorgung Europas mit Erdgas bleibt im Jahr 2025 ein zentrales Thema für die Energiesicherheit. Zwar wurde die Abhängigkeit von russischem Gas nach dem Beginn des Ukraine-Krieges deutlich reduziert, doch die strategische Diversifizierung der Importe ist nur teilweise gelungen. Im Jahr 2025 wurden in die Europäische Union insgesamt 207 Milliarden Kubikmeter Gas importiert*. Davon kamen 89 Milliarden Kubikmeter aus Norwegen, 81 Milliarden Kubikmeter aus den USA und 37 Milliarden Kubikmeter aus Russland. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Europa seine Abhängigkeit zwar zwischen verschiedenen Ländern verschoben, aber nicht verringert hat. Die Gasimporte aus Norwegen sind weiterhin die größten Pipeline-Lieferungen, während die Mehrheit der liquefaktorisierten Gase (LNG) aus den USA stammt*.
In der ersten Hälfte des Jahres 2025 ist der Anteil der LNG-Importe aus den USA erheblich angestiegen: Laut Handelsblatt stieg dieser Anteil von 28 Prozent im Jahr 2021 auf 56 Prozent im ersten Halbjahr 2025*. Diese Verschiebung in der Lieferquelle trägt zwar zur Diversifikation bei, macht Europa aber gleichzeitig stark von den volatilen globalen Märkten abhängig. Die Konzentration auf wenige Lieferländer erhöht die geopolitische Verwundbarkeit. Die Versorgungslage ist durch politische Spannungen, Vertragssicherheiten und Marktpreisvolatilität geprägt. Langfristige Verträge bieten kurzfristige Versorgungssicherheit, bergen aber politische Risiken und konfliktträchtige Abhängigkeiten. Somit bleibt die europäische Gasversorgung strategisch empfindlich – eine Situation, die durch die Vielzahl der bestehenden Abhängigkeiten verschärft wird.
Die aktuelle Lage fordert eine klare politische Antwort. Experten wie BUND-Vorsitzender Olaf Bandt warnen vor den Sicherheitsrisiken fossiler Energieträger. Er betont, dass die langfristige Bindung an klimaschädliches Erdgas die außen- und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Europas schwäche. Laut Bundeswehr-Experte PD Dr. Frank Sauer zeigt die Klimarisiko-Einschätzung: „Klima und Sicherheit hängen unmittelbar zusammen. Dass Putin Deutschland einfach den Gashahn zudrehen konnte, muss uns eine Lehre sein.“ Die Forderung lautet, die Abhängigkeit durch den Ausbau erneuerbarer Energien, Elektrifizierung und mehr Energieeffizienz zu verringern. Für Europas Energiesouveränität sind diese Maßnahmen unabdingbar, um angesichts geopolitischer Unsicherheiten handlungsfähig zu bleiben.
Gleichzeitig mahnt die LNG-Expertin Raena Garcia von Friends of the Earth US, Europa dürfe keine neuen langfristigen Gasverträge mit US-Unternehmen abschließen. Sie warnt: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Donald Trump den Planeten für die Profite der großen Gas- und Ölkonzerne opfert.“ Langfristige LNG-Verträge mit den USA würden nur zu höheren Treibhausgasemissionen und steigenden Stromkosten führen. Diese Erkenntnisse untermauern, dass eine stärkere Diversifizierung lediglich die Abhängigkeit verschiebt, anstatt sie zu verringern.
Kurz zusammengefasst zeigen die Zahlen für 2025: Die Gasimporte in die EU erreichten insgesamt 207 Milliarden Kubikmeter, wobei Norwegen, die USA und Russland die wichtigsten Lieferländer bleiben. Die Verlagerung der Abhängigkeit auf US-amerikanisches LNG erhöht die Anfälligkeit für globale Preisschwankungen und geopolitische Spannungen. Durch klugen Politikansatz, Ausbau nachhaltiger Energiequellen und regionaler Versorgungssysteme kann die Europäische Union ihre Versorgungssicherheit verbessern und gleichzeitig ihre Klima- und Sicherheitsziele wahren.
Globale Gasimporte 2025: Europa ist strategisch verwundbar
Im Jahr 2025 hat sich die Abhängigkeit Europas von Gasimporten aus wenigen Ländern mit Blick auf die strategische Versorgungssicherheit erneut deutlich gezeigt. Laut aktuellen Daten beliefen sich die Gasimporte in die Europäische Union auf folgende Werte: Norwegen lieferte 89 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³), die USA 81 Mrd. m³, während Russland mit 37 Mrd. m³* deutlich weniger beisteuerte. Im Vergleich dazu lag der russische Anteil 2021 noch bei 151 Mrd. m³*, was eine signifikante Reduktion darstellt.
Auf den US-amerikanischen Gasexporten wächst der Einfluss: Der Anteil an den EU-LNG-Importen stieg von 28 % im Jahr 2021* auf 56 % im ersten Halbjahr 2025*. Damit verschiebt sich die Abhängigkeit innerhalb Europas deutlich in Richtung Nordamerika.
Die Europäische Kommission plant zudem den vollständigen Ausstieg aus russischem Pipeline-Gas bis Ende September 2027*. Dieser Plan ist Teil der Strategie, die Energiesicherheit zu erhöhen und die Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen zu stärken. Im Sommer 2025 verpflichtete sich die EU zudem, fossile Energieimporte aus den USA im Wert von 750 Milliarden US-Dollar bis 2028 zu erhöhen* – eine Entwicklung, die die langfristige Abhängigkeit vom US-amerikanischen Flüssiggas weiter vorantreibt.
Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Energiesysteme: Wege zu mehr Sicherheit und Unabhängigkeit
Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, insbesondere Erdgas, birgt erhebliche gesellschaftliche und sicherheitspolitische Risiken. Preise auf den globalen Gasmärkten unterliegen Schwankungen, die zu Unsicherheiten für Verbraucher*innen und Wirtschaft führen, während die Konzentration der Lieferländer die europäische Energieversorgung anfällig macht. Ein plötzlicher Lieferstopp, etwa durch politische Konflikte oder geopolitische Erpressung, würde die Versorgungssicherheit erheblich gefährden. Zugleich stehen kurzfristige Versorgungssicherheit und die Erreichung von Klima- sowie Sicherheitszielen oft im Konflikt. Staaten riskieren, sich durch langjährige Importverträge in Abhängigkeiten zu begeben, die schwer zu durchbrechen sind. Dieses Zusammenspiel zeigt: Die Gefahr einer erneuten Verwundbarkeit durch fossile Energien bleibt bestehen, wenngleich die Strategien verschiedener Länder in Teilen bereits auf Diversifizierung setzen.
Für die Gesellschaft bedeutet dies vor allem, dass eine nachhaltige und resilientere Energieversorgung essenziell ist. Verbraucher*innen könnten künftig von stärkeren Preisschwankungen betroffen sein, was Einkommensungleichheiten verschärft. Politisch gilt es, die Grundlagen für eine energieträgerübergreifende Unabhängigkeit zu schaffen. Dabei spielen Maßnahmen wie die Dezentralisierung der Energieerzeugung eine zentrale Rolle. Zudem kann die Förderung der Elektrifizierung und Energieeffizienz den Verbrauch nachhaltiger gestalten. Gleichzeitig stehen Staaten vor der Herausforderung, langfristige fossile Importverträge zu vermeiden, die zwar kurzfristig Versorgungssicherheit gewähren, aber langfristige Risiken bergen. Insgesamt zeigt sich: Mehr Unabhängigkeit erfordert eine klare Kursänderung hin zu erneuerbaren Energien und einer politischen Strategie, die Sicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Stabilität in Einklang bringt.
Zu den Handlungsoptionen gehören vor allem drei zentrale Maßnahmen. Erneuerbare Energien müssen massiv ausgebaut werden, um die Versorgung breiter und dezentraler zu gestalten – Bürger*innenenergieprojekte tragen hier maßgeblich zur Demokratisierung der Energieproduktion bei. Zudem ist die Elektrifizierung bestehender Sektoren sowie die Steigerung der Energieeffizienz notwendig, um den Verbrauch zu senken und die Systeme widerstandsfähiger zu machen. Schließlich sollte auf langfristige fossile Importverträge verzichtet werden, um flexibel auf dynamische Marktbedingungen reagieren und nachhaltige Strategien verfolgen zu können. Diese Maßnahmen schaffen eine Basis für eine souveräne, sichere und klimafreundliche Energiezukunft.
Der politische Diskurs wird sich auch 2025 weiter intensiv mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen. Die Münchner Sicherheitskonferenz gilt dabei als bedeutender Rahmen, um Sicherheitsrisiken durch fossile Energieabhängigkeiten neu zu bewerten. Die zentrale Frage bleibt: Welche Strategien gewährleisten die Versorgungssicherheit, ohne die nationalen und europäischen Klimaziele zu gefährden? Die Debatte wird ein entscheidender Impuls für die zukünftige Energie- und Sicherheitspolitik sein, bei der das Ziel im Mittelpunkt steht, eine nachhaltige Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu erreichen.
Diese Meldung enthält Informationen und Stellungnahmen, die in einer Pressemitteilung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bereitgestellt wurden.
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2025 betrugen die Gasimporte in die EU: Norwegen 89 Mrd. m³, USA 81 Mrd. m³, Russland 37 Mrd. m³ (2021: Russland 151 Mrd. m³).“ – Quelle: https://taz.de/Energieversorgung-in-Europa/!6146931/
- „Der US-Anteil an den EU-LNG-Importen stieg von 28 % im Jahr 2021 auf 56 % im ersten Halbjahr 2025.“ – Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/international/energieversorgung-wie-sich-europa-durch-us-gaslieferungen-erpressbar-macht/100192931.html
- „Die Europäische Kommission verpflichtete sich im Sommer 2025 zu fossilen Energieimporten aus den USA im Wert von 750 Mrd. USD bis 2028.“ – Quelle: https://www.campact.de/blog/2025/10/fluessiggas-energieimporte-usa-angriff-auf-die-energie-souveranitat/
- „Die EU plant den vollständigen Ausstieg aus russischem Pipeline-Gas bis Ende September 2027.“ – Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/eu-staaten-besiegeln-ausstieg-aus-russischem-erdgas-bis-ende-100.html
13 Kommentare
Die Zahlen zeigen es deutlich: Europa muss diversifizieren! Die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern ist ein Risiko für unsere Sicherheit.
Ja genau, aber was können wir konkret tun? Der Ausstieg aus fossilem Gas sollte Priorität haben!
Raena Garcia spricht einen wichtigen Punkt an; die langfristigen Gasverträge sind problematisch! Was könnten die Alternativen sein? Manchmal habe ich das Gefühl, wir stecken im Teufelskreis.
Ich bin mir auch unsicher, ob LNG wirklich der richtige Weg ist. Gibt es nicht bessere Ansätze?
Energiewende muss schneller gehen! Sonst verlieren wir Zeit und Möglichkeiten.
Ich denke, die Verbindung zwischen Klima und Sicherheit ist nicht zu ignorieren. Es ist bedenklich, dass Putin so einfach den Gashahn zudrehen konnte.
Das stimmt! Wir müssen unbedingt unabhängiger werden, sonst sind wir verwundbar.
Olaf Bandt hat recht, wenn er sagt, dass neue Abhängigkeiten gefährlich sind. Langfristige Verträge mit den USA erscheinen mir auch sehr riskant. Wie können wir das vermeiden?
Wir müssen mehr auf lokale Energieproduktion setzen! Bürgerenergieprojekte könnten hier eine Lösung sein.
Das klingt nach einer guten Idee! Aber gibt es genug Unterstützung für solche Projekte?
Ich finde die Warnungen des BUND wirklich wichtig! Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen könnte uns teuer zu stehen kommen. Was denkt ihr über die Rolle der erneuerbaren Energien in dieser Diskussion?
Die erneuerbaren Energien sind tatsächlich der Schlüssel! Wir sollten mehr in Wind- und Solarenergie investieren, um unsere Abhängigkeiten zu verringern.
Das sehe ich genauso! Aber wie schnell können wir diese Veränderungen wirklich umsetzen?