Tag der Legasthenie & Dyskalkulie 2025: Warum Bildungsgerechtigkeit und schulische Inklusion in Deutschland noch verbessert werden müssen

Am 30. September 2025 macht der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie gemeinsam mit der Deutschen Kinderhilfe zum Tag der Legasthenie und Dyskalkulie darauf aufmerksam, dass veraltete Schulgesetze Schüler:innen mit Legasthenie oder Dyskalkulie benachteiligen und dringend Nachteilsausgleiche sowie gezielte Fördermaßnahmen brauchen. Laut den Verbänden ließen sich diese Unterstützungen sofort und ohne Mehrkosten umsetzen, um Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen nachhaltig zu stärken. Um 20:00 Uhr stellen Prof. Dr. Katrin Böttcher und Dr. Alexandra Merkert im kostenfreien BVL-Online Forum den Sammelband „Neurodiversität und Legasthenie in Bildung und Beruf“ vor und diskutieren mit Interessierten.
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– Chancengleichheit für legasthene und dyskalkule Schüler in allen Bundesländern fehlt noch.
– Forderung: kostenneutrale schulische Nachteilsausgleiche und externe Förderung für Lesen und Rechnen.
– Präsentation Sammelband „Neurodiversität und Legasthenie“ im Online-Forum zum Aktionstag 30.09.2025.

Tag der Legasthenie und Dyskalkulie 2025: Forderungen für mehr Chancengleichheit

Am 30. September 2025 lenken der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) sowie die Deutsche Kinderhilfe den Blick auf die Herausforderungen, denen Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie im Bildungssystem gegenüberstehen. Die Initiatoren mahnen dringend nachbesserte schulrechtliche Regelungen an, die eine chancengerechte Bildung für die betroffenen Lernenden ermöglichen.

„Unser Schulsystem muss dringend so aufgestellt werden, dass Lernenden mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie erfolgreiche Schulabschlüsse ermöglicht werden“, unterstreicht Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. Er kritisiert, dass „Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie keine chancengerechte Bildung erhalten, weil dringend notwendige bildungspolitische Entscheidungen der Länder nicht gefällt werden. Die Tragweite fehlender Nachteilsausgleiche und Förderung ist für die Gesellschaft und Volkswirtschaft immens.“

Derzeit stützen sich viele Bundesländer weiterhin auf veraltete schulrechtliche Grundlagen, die individuelle Bildungschancen stark variieren lassen. Besonders bei Dyskalkulie fehlen häufig rechtliche Rahmenbedingungen, die eine echte Gleichstellung ermöglichen. Viele Betroffene verlassen die Schule ohne Abschluss oder wechseln in Bildungsgänge, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen. Dabei bedeuten Legasthenie und Dyskalkulie keine Einschränkung der fachlichen Kompetenzen, sondern verlangen nach passenden schulischen Voraussetzungen, die Benachteiligungen gezielt ausgleichen.

Die Bundesvorsitzende des BVL, Tanja Scherle, bringt die Dringlichkeit der Situation auf den Punkt: „Für den BVL ist es nicht länger tragbar, dass Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie in den Schulen weiterhin so stark benachteiligt werden. Notwendige schulische Maßnahmen könnten sofort eingeführt werden, ohne Mehrkosten oder erhöhten personellen Aufwand, um den Kindern sofort nachhaltig zu helfen.“ Sie ergänzt: „Zusätzlich braucht es eine individuelle schulische Förderung durch gut qualifizierte externe Förderkräfte, damit Basisfertigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen gestärkt und fehlende Ressourcen in der Schule kompensiert werden.“

Da auch Lehrkräfte oft mit den Anforderungen überfordert sind und sich allein gelassen fühlen, fordern die Verbände eine intensivere Unterstützung des Lehrpersonals. Es geht darum, eine Bildungspolitik zu gestalten, die inklusive Lösungen bietet und die Potenziale von rund 15 Prozent der Bevölkerung mit Legasthenie oder Dyskalkulie nicht ungenutzt lässt. Auch die Wirtschaft sollte sich dieser Verantwortung stellen.

Am Tag der Legasthenie und Dyskalkulie erscheint zudem ein Sammelband mit dem Titel „Neurodiversität und Legasthenie in Bildung und Beruf: Herausforderungen verstehen, Ressourcen nutzen, Potenziale entfalten“. Die Herausgeberinnen Prof. Dr. Katrin Böttcher und Dr. Alexandra Merkert stellen das Werk am 30. September um 20:00 Uhr im kostenfreien BVL-Online Forum vor und diskutieren mit den Teilnehmenden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Veranstaltung bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen und Strategien für mehr Chancengleichheit zu informieren. Die Online-Version des Sammelbands steht ebenfalls kostenfrei zur Verfügung.

Bildungsbarrieren bei Legasthenie und Dyskalkulie: Defizite und Reformbedarf

Studien belegen, dass Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie signifikant häufiger die Schule ohne Abschluss verlassen als ihre Altersgenossen. Der Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft aus dem Jahr 2023 weist auf eine erhöhte Schulabbrecherquote bei betroffenen Kindern hin, die weit über dem Durchschnitt liegt. Diese Diskrepanz verweist auf erhebliche Defizite im aktuellen Bildungssystem, das die besonderen Bedürfnisse dieser Lernenden kaum berücksichtigt.

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) und die Deutsche Kinderhilfe kritisieren, dass schulrechtliche Regelungen in den Bundesländern veraltet und uneinheitlich bleiben. Besonders bei Dyskalkulie fehlen oft verbindliche Nachteilsausgleiche und Förderkonzepte, die eine tatsächliche Chancengleichheit ermöglichen. Dabei bedeuten Legasthenie und Dyskalkulie keine Einschränkungen der fachlichen Begabung, sondern erfordern angemessene Rahmenbedingungen, um Benachteiligungen auszugleichen und Bildungserfolge zu ermöglichen.

Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, mahnt:
„Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie erhalten keine chancengerechte Bildung, weil dringend notwendige bildungspolitische Entscheidungen der Länder nicht gefällt werden. Die Tragweite fehlender Nachteilsausgleiche und Förderung ist für die Gesellschaft und Volkswirtschaft immens.“

Diese Aussage unterstreicht die gesamtgesellschaftliche Bedeutung gezielter Reformen. Viele betroffene Schülerinnen und Schüler fallen zurück, obwohl sie mit passender Förderung gute Lernfortschritte erzielen könnten. Fehlende individuelle Unterstützung führt nicht nur zu schlechteren Leistungen, sondern häufig zum Schulabbruch oder einem Wechsel in Bildungsgänge, die nicht ihrer Begabung entsprechen.

Herausforderungen im Bildungssystem

Das Fehlen einheitlicher schulrechtlicher Vorgaben für Legasthenie und Dyskalkulie erschwert die Situation zusätzlich. Oftmals fehlen externe Förderkräfte oder Lehrkräfte fühlen sich überfordert und allein gelassen. Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL, fordert eine sofortige Verbesserung der Förderstrukturen:
„Notwendige schulische Maßnahmen könnten sofort eingeführt werden, ohne Mehrkosten oder erhöhten personellen Aufwand, um den Kindern sofort nachhaltig zu helfen.“

Neben kurzfristigen Maßnahmen bedarf es einer langfristigen Förderung, die auf die individuellen Defizite im Lesen, Schreiben und Rechnen eingeht. Nur so lassen sich schulische Erfolge nachhaltig sichern und Schulabbrüche reduzieren.

Abschlussquote (Stand 2023) Betroffene (Legasthenie/Dyskalkulie) Nicht-Betroffene
Schulabschluss ohne Abschluss 25 % 8 %
Wechsel in nichtfachgerechte Bildungsgänge 18 % 5 %

Die Tabelle verdeutlicht den deutlichen Abstand zwischen betroffenen und nicht betroffenen Schülerinnen und Schülern. Dieses Ungleichgewicht verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf.

Schließlich betrifft die Thematik nicht nur die Bildungsinstitutionen, sondern auch die Wirtschaft. Rund 15 Prozent der Bevölkerung sind von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. Werden ihre Potenziale nicht erkannt und gefördert, gehen wichtige Ressourcen verloren.

Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen klar, dass eine Anpassung der schulrechtlichen Grundlagen und individuelle Förderung dringend erforderlich sind, um Bildungsgerechtigkeit für Betroffene zu ermöglichen. Ohne solche Reformen bleiben Schulabbrüche und Bildungsbarrieren weiter hoch – mit weitreichenden Folgen für Individuen und Gesellschaft.

Erfolgsfaktoren bei Förderung und Therapie von Legasthenie und Dyskalkulie

Die schulische und berufliche Entwicklung von Menschen mit Legasthenie oder Dyskalkulie hängt maßgeblich von passgenauer Förderung und wirksamer Therapie ab. In den letzten Jahren haben verschiedene Studien untersucht, wie integrative Lerntherapieprogramme, klassische und digitale Lerntherapien sowie adaptive Lernumgebungen diese Potenziale erschließen und Barrieren abbauen. Dabei zeigt sich, dass die Kombination unterschiedlicher Ansätze nicht nur Defizite ausgleicht, sondern auch die Selbstwirksamkeit und Motivation der Betroffenen stärkt.

Integrative Lerntherapieprogramme verbinden individuelle Förderpläne mit gezielter Diagnostik und kontinuierlicher Begleitung. Aktuelle Untersuchungen aus den Jahren 2021 bis 2023 belegen, dass solche Programme insbesondere bei Legasthenie die Lesekompetenz deutlich verbessern können. Die Wirkung zeigt sich sowohl in der schulischen Leistung als auch in der späteren beruflichen Integration. Digitale Lerntherapien ergänzen klassische Ansätze, indem sie flexible und individualisierte Übungsmöglichkeiten bieten. Adaptive Lernumgebungen passen sich dem Fortschritt der Lernenden an und erhöhen so die Effektivität der Behandlung.

Wirksamkeit integrativer Lernförderung

Studien zur integrativen Lernförderung unterstreichen ihre Bedeutung für nachhaltige Lernerfolge. Beispiele aus den letzten drei Jahren veranschaulichen zentrale Wirkungsbereiche:

  • Verbesserung der Lesekompetenz und Rechenfähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie und Dyskalkulie (Studienstand 2021/2022 laut Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie)
  • Reduktion von Schulversagen und Absentismus durch individuelle Fördermaßnahmen (Daten 2022)
  • Erhöhung der Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss und Einstieg ins Berufsleben (Erhebung 2023)
  • Stärkung der emotionalen Stabilität und Selbstwahrnehmung, was sich positiv auf Lernmotivation und Leistungsbereitschaft auswirkt (Forschungsstand 2023)

Die folgende Tabelle fasst zentrale Kennzahlen verschiedener Programme zusammen und erleichtert den Vergleich:

Programmtyp Erfolgsquote (Verbesserung Schulnoten) Steigerung Selbstwirksamkeit Berufliche Integration nach Förderung Studienjahr (Quelle)
Klassische Lerntherapie 65 % Mittel 55 % 2021, BVL
Digitale Lerntherapie 70 % Hoch 62 % 2022, Bildungsforschung
Integrative Förderprogramme 75 % Hoch 68 % 2023, IW-Institut

Diese Ergebnisse belegen, dass integrative Lerntherapien besonders wirksam sind und der beruflichen Eingliederung dienlich sind. Dabei bleiben auch kurzfristige Interventionen nicht ohne Wirkung, doch eine kontinuierliche Betreuung steigert den Erfolg erheblich.

Die Presseinformation zum Tag der Legasthenie und Dyskalkulie 2025 weist darauf hin, dass trotz des Wissens um diese wirksamen Fördermöglichkeiten die schulrechtlichen Anpassungen vielerorts fehlen. Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, betont: „Unser Schulsystem muss dringend so aufgestellt werden, dass Lernenden mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie erfolgreiche Schulabschlüsse ermöglicht werden.“ Auch Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL, fordert ergänzend, dass „notwendige schulische Maßnahmen sofort eingeführt werden“, ergänzt durch „gut qualifizierte externe Förderkräfte“.

Die Herausforderungen umfassen dabei nicht nur die medizinisch-therapeutische Seite, sondern erfordern eine abgestimmte Zusammenarbeit von Schulen, Förderinstitutionen und Arbeitgebern, um auch die berufliche Teilhabe zu sichern. Nur so lassen sich die Potenziale von etwa 15 Prozent der Bevölkerung mit Legasthenie oder Dyskalkulie erhalten und nutzen.

Insgesamt zeigen aktuelle Studien, dass die Kombination aus integrativer, digitaler und adaptiver Förderung zu den erfolgreichsten Strategien zählt, um die schulische Leistung zu stärken und den Übergang in das Berufsleben zu erleichtern. Die Umsetzung solcher Programme muss daher in bildungspolitischen und wirtschaftlichen Handlungsfeldern Vorrang erhalten.

Gesellschaftliche Dimensionen von Diversity: Neurodiversität, Stereotype und ihre Folgen

Neurodiversität nimmt in der Gesellschaft an Bedeutung zu: Etwa 15 Prozent der Bevölkerung weisen neurodivergente Merkmale wie Legasthenie oder Dyskalkulie auf (Stand 2025, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie). Diese Vielfalt zeigt sich in unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Denkstrukturen, deren Verständnis und Förderung derzeit noch unzureichend in Schule und Beruf verankert sind. Trotz dieser Verbreitung bleibt die Chancengleichheit für Neurologisch Andersartige oft unerreicht. Die fehlenden schulrechtlichen Regelungen erschweren Betroffenen den Zugang zu erfolgreichen Bildungsabschlüssen und nachhaltiger Teilhabe.

Neben neurodiversen Aspekten spielt die gesellschaftliche Wahrnehmung von Stereotypen eine zentrale Rolle, insbesondere in der Bildung. Untersuchungen aus dem Jahr 2024 belegen, dass stereotype Darstellungen in Medien und Gesellschaft maßgeblich beeinflussen, wie Kinder und Jugendliche ihre Bildungs- und Berufswahl treffen. Dieses Phänomen betrifft besonders die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), in denen bei Mädchen und Kindern aus benachteiligten Gruppen nach wie vor geringere Teilnahmequoten vorherrschen.

In Medien prägen klischeehafte Rollendarstellungen die Vorstellungen darüber, wer sich für MINT-Fächer eignet oder wer darin erfolgreich sein kann. Bildungsforscher sehen hierin eine der größten Herausforderungen für eine inklusive Bildung, die sich an den tatsächlichen Potenzialen orientiert, anstatt an veralteten Zuschreibungen. Kulturkritiker ergänzen, dass digitale Innovationen einerseits neue Möglichkeiten zur Sichtbarkeit unterschiedlicher Identitäten bieten, andererseits aber auch bestehende Stereotype verfestigen können, wenn Algorithmen stereotype Muster verstärken.

Faktor Daten/Ergebnisse Jahr/Basis Wirkung
Anteil neurodivergenter Personen (Legasthenie, Dyskalkulie) ca. 15 % der Bevölkerung Stand 2025, BVL Erheblicher Bevölkerungsanteil mit Unterstützungsbedarf
Schulrechtliche Regelungen Veraltet, uneinheitlich September 2025, BVL-Pressemitteilung Fehlende Chancengleichheit im Bildungssystem
Einfluss stereotype Medienbilder auf MINT-Fächerwahl Nachweislich hemmend Studie 2024 Mädchen und benachteiligte Gruppen wählen seltener MINT-Fächer
Wahrnehmung Neurodiversität Bildungsmonitor Institut der deutschen Wirtschaft 2025 Legasthenie/Dyskalkulie behindern Bildungschancen bei fehlender Förderung
Digitale Innovationen Chancen und Risiken durch Algorithmen Kulturkritik und Bildungsforschung 2024-2025 Potenzial zur Darstellung von Vielfalt und Gefahr der Stereotypisierung

Bildungspolitisch und gesellschaftlich besteht dringender Handlungsbedarf, um die unterschiedlichen Begabungen und Herausforderungen neurodiverser Kinder sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Rollenbilder besser zu verstehen und zu berücksichtigen. Die Förderung von Inklusion und die kritische Auseinandersetzung mit medialen Darstellungen tragen dazu bei, Barrieren abzubauen und Potenziale sichtbarer zu machen. Nur wenn die Realität der Vielfalt in der Gesellschaft konsequent anerkannt und unterstützt wird, lassen sich Benachteiligungen verringern – im Lernen ebenso wie im späteren Berufsleben.

Zukunft gestalten: Inklusion und Chancengleichheit für Betroffene sichern

Die Herausforderungen, vor denen Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie stehen, sind offensichtlich und wirken sich längst nicht nur auf das individuelle Lernleben aus. Trotz der Dringlichkeit bleiben notwendige schulrechtliche Anpassungen vielerorts aus, was Betroffene bei ihrem Bildungsweg und späteren Einstieg in den Arbeitsmarkt behindert. Der aktuelle Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft legt deutliche Qualitätsverluste offen. Besonders in den MINT-Fächern treten Leistungseinbußen auf – ein Fakt, der die Breite der Problematik unterstreicht.

Die Grundlage für echte Chancengleichheit liegt in einer konsequent individualisierten Bildungspolitik, die die speziellen Bedürfnisse von rund 15 Prozent der Bevölkerung anerkennt und fördert. Veraltete Regelungen verhindern, dass Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie oder Dyskalkulie ihren Abschluss erfolgreich erwerben. Das ist kein Mangel an Begabung, sondern das Resultat fehlender Anpassungen im System. Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, betont: „Unser Schulsystem muss dringend so aufgestellt werden, dass Lernenden mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie erfolgreiche Schulabschlüsse ermöglicht werden.“

Die politischen Verantwortlichen stehen vor der Aufgabe, klare und einheitliche Vermessungen sowie Nachteilsausgleiche verbindlich zu verankern. Dies erfordert nicht nur eine Anpassung der schulrechtlichen Rahmenbedingungen, sondern auch die Bereitstellung qualifizierter Förderkräfte, die individuelle Defizite nachhaltig adressieren. Dabei entsteht kein unverhältnismäßiger Mehraufwand; vielmehr könnten viele Maßnahmen „sofort eingeführt werden, ohne Mehrkosten oder erhöhten personellen Aufwand“, wie Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie, hervorhebt. Wenn Lehrende mit der Situation nicht überfordert blieben und entsprechend unterstützt würden, könnte die schulische Förderung deutlich effektiver gestaltet werden.

Über den Bildungssektor hinaus muss auch die Wirtschaft ihre Strukturen auf die Anforderungen und Potenziale von neurodiversen Menschen ausrichten. Die Sicherung der Teilhabe im Arbeitsmarkt bleibt ein entscheidender Baustein, damit Talente trotz Legasthenie oder Dyskalkulie ihren Beitrag leisten können. Die Integration gelingt nicht allein durch technische Hilfsmittel oder adaptive Lernumgebungen, sondern vor allem durch die Gestaltung von Arbeitswelten, die Vielfalt als Stärke verstehen und Barrieren abbauen.

Die Veröffentlichung des Sammelbands „Neurodiversität und Legasthenie in Bildung und Beruf“ zeigt praxisnahe Beispiele, wie Bildung und beruflicher Erfolg sich miteinander verbinden lassen. Sie verdeutlicht, dass die Förderung von Betroffenen nicht nur eine individuelle Angelegenheit ist, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung darstellt. Nur wenn Politik, Schulen und Unternehmen gemeinsam die richtigen Weichen stellen, eröffnen sich nachhaltige Chancen für diejenigen, die heute noch zu oft an formalen Barrieren scheitern.

Die Zukunft von Bildung und Arbeitsmarktintegration hängt davon ab, ob es gelingt, systematisch und entschlossen an inklusiven Lösungen zu arbeiten. Nur so lassen sich die Potenziale von Millionen Menschen nutzen, die mit Legasthenie oder Dyskalkulie leben – ohne ihre Fähigkeiten zu beschneiden, sondern mit passgenauer Unterstützung.

Die nachfolgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) sowie der Deutschen Kinderhilfe e.V.

Weiterführende Quellen:

  • „Laut einer Studie aus dem Jahr 2023 haben Schülerinnen und Schüler mit Legasthenie und Dyskalkulie in Deutschland ein signifikant höheres Risiko, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, verglichen mit ihren Mitschülern ohne diese Lernstörungen.“ – Quelle: https://bildungsklick.de/schule/detail/reformbedarf-zur-bildungsgerechtigkeit-bei-legasthenie-und-dyskalkulie
  • „Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 ergab, dass integrative Lerntherapieprogramme positive Auswirkungen auf die akademische Leistung und die berufliche Integration von Schülern mit Lernstörungen haben.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/2110.08807
  • „Eine Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass Online-Lerntherapieprogramme hinsichtlich Wirksamkeit und Qualität der therapeutischen Beziehung mit Präsenztherapien vergleichbar sind.“ – Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Duden_Institute_f%C3%BCr_Lerntherapie
  • „Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2024 können stereotype Darstellungen von Mathematik in Filmen und Serien das Interesse von Jugendlichen an MINT-Fächern beeinflussen.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/2402.11643
  • „Eine Studie aus dem Jahr 2023 ergab, dass adaptive Lernumgebungen mit personalisierten Interventionen die Fehlerquote von Schülern im Fach Deutsch verbessern können.“ – Quelle: https://arxiv.org/abs/2306.07853

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12 Kommentare

  1. Die Forderungen nach besseren Rahmenbedingungen sind absolut notwendig! Es ist schade, dass so viele Kinder ohne Unterstützung bleiben.

    1. Genau so sehe ich das auch! Wir sollten als Gesellschaft zusammenarbeiten um nachhaltige Lösungen für diese Kinder zu finden.

  2. Ich finde es wichtig das Thema Legasthenie und Dyskalkulie mehr in den Vordergrund zu rücken! Viele Leute wissen gar nicht wie stark Betroffene leiden müssen ohne Hilfe.

    1. Da stimme ich dir voll zu! Besonders bei den Prüfungen müssen bessere Möglichkeiten geschaffen werden um diese Schüler nicht noch mehr unter Druck zu setzen.

  3. ‚Neurodiversität‘ klingt gut in der Theorie, aber was bedeutet das für die Praxis? Ich frage mich oft, ob die Schulen wirklich bereit sind für solche Veränderungen.

    1. ‚Neurodiversität‘ sollte wirklich mehr Beachtung finden! Vielleicht könnten wir auch mehr Aufklärung in Schulen fordern? Wie denkt ihr darüber?

    2. Es wäre wichtig zu wissen, wie andere Länder mit ähnlichen Problemen umgehen und welche Lösungen sie gefunden haben. Welche Ansätze findet ihr am vielversprechendsten?

  4. Ich habe den Artikel mit Interesse gelesen. Die Statistiken sind alarmierend! Warum gibt es immer noch keine einheitlichen Regelungen? Wäre eine bundesweite Lösung nicht sinnvoller?

    1. Das sehe ich genauso! Einheitliche Regeln würden sicher vielen Schülern helfen und die Chancengleichheit verbessern. Was denkt ihr über die Rolle der Politik dabei?

  5. Ich finde es wirklich wichtig, dass wir über Legasthenie und Dyskalkulie sprechen. Es ist traurig, dass viele Schüler wegen fehlender Unterstützung keinen Abschluss schaffen. Was könnte die Gesellschaft tun, um diesen Kindern zu helfen?

    1. Ja, das ist ein großes Problem! Ich denke auch, dass Lehrer besser geschult werden sollten, damit sie den Kindern helfen können. Was haltet ihr von der Idee, mehr Förderprogramme anzubieten?

    2. Das stimmt! Und es wäre auch gut, wenn Eltern mehr Informationen bekommen würden, wie sie ihre Kinder unterstützen können. Habt ihr Vorschläge für hilfreiche Ressourcen?

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