Mitmachaktion gegen Lebensmittelverschwendung: So engagieren sich private Haushalte mit „Miss mit!“ und der Zu gut für die Tonne-App nachhaltig für Klima und Ressourcenschutz

Die Technische Universität Berlin und Slow Food Deutschland starten mit „Miss mit! – mach den Unterschied!“ eine bundesweite Mitmachaktion, bei der Haushalte über die kostenlose „Zu gut für die Tonne!“-App eine Woche lang im digitalen Küchentagebuch ihre Lebensmittelabfälle dokumentieren, mit Tipps, Badges und attraktiven Preisen – darunter exklusive Kochevents – belohnt werden. Die anonymisierten Daten fließen in die Forschung des Dialogforums Private Haushalte 2.0 ein, um das Wegwerfverhalten in Deutschland besser zu verstehen und gezielte Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Die Aktion ist ab sofort verfügbar und läuft parallel zur bundesweiten „Zu gut für die Tonne!“-Woche vom 29. September bis 6. Oktober 2025.
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– Start der bundesweiten Aktion „Miss mit!“ gegen Lebensmittelverschwendung ab 29.09.2025
– Teilnahme über kostenlose „Zu gut für die Tonne!“-App: Küchentagebuch führen, Challenges absolvieren
– Teilnehmende gewinnen exklusive Kochevents mit Spitzenköchen und unterstützen Lebensmittelverschwendungs-Forschung

Mitmachen gegen Lebensmittelverschwendung: „Miss mit!“ startet bundesweit

Mit der Aktion „Miss mit! – mach den Unterschied!“ motivieren die Technische Universität Berlin und Slow Food Deutschland Haushalte in ganz Deutschland, Lebensmittel bewusster zu nutzen und aktiv Verschwendung entgegenzuwirken. Der zentrale Ansatz: Über die kostenlose App „Zu gut für die Tonne!“ dokumentieren Teilnehmende im digitalen Küchentagebuch, welche Lebensmittel sie wegwerfen mussten. Die App wertet diese Daten aus, gibt praktische Tipps zur Reduzierung von Abfällen und begleitet die Nutzerinnen und Nutzer mit Rezeptideen, Badges und Zielen auf ihrem Weg. So verwandelt sich das tägliche Einkaufs- und Kochverhalten in eine persönliche Herausforderung mit Nutzen für Umwelt, Klima und den eigenen Geldbeutel.

Unter dem Motto „Miss mit!“ stehen verschiedene Mitmachaktionen zur Auswahl. Sie machen sichtbar, wie leicht sich Lebensmittel im Alltag retten lassen. Die Teilnahme läuft in zwei Phasen: Zunächst dokumentieren die Teilnehmenden sieben Tage lang ihren Lebensmittelverbrauch und Abfälle. Anschließend erhalten sie kreative Informationen und Tipps der Aktionspartner, um nach einer weiteren Woche das Verhalten zu messen und die Aktion abzuschließen.

Wer aktiv dabei ist, hat die Chance auf attraktive Preise. Dazu gehören Einladungen zu exklusiven Kochevents, bei denen Spitzenköche aus dem Slow-Food-Netzwerk, der Chef Alliance, ihr Können zeigen. Diese Köchinnen und Köche setzen sich besonders für die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ein, indem sie von regionalen Produzenten einkaufen und die Prinzipien „Nose to Tail“ und „Leaf to Root“ verfolgen. Dr. Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland e.V., betont den hohen Stellenwert nachhaltiger Küche: „Nachhaltige Küche bedeutet, Ressourcen mit Respekt zu behandeln und ihre Vielfalt voll auszuschöpfen.“

Die Aktion „Miss mit!“ ist Teil des Dialogforums private Haushalte 2.0 und wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat gefördert. Die anonymisierten Daten aus dem Küchentagebuch fließen in die Forschung ein, um das Wegwerfverhalten besser zu verstehen und wirksamere Gegenmaßnahmen zu entwickeln. So trägt jede Teilnahme nicht nur zum Schutz von Klima und Ressourcen bei, sondern unterstützt auch wissenschaftliche Erkenntnisse.

Slow Food Deutschland engagiert sich seit über zehn Jahren für einen nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln. Dr. Ebner unterstreicht: „Verbraucherinnen und Verbraucher für einen nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln zu gewinnen, gehört zu den Kernaufgaben von Slow Food.“ Mit Workshops, Rezepten und Aktionen wie der Schnippeldisko arbeitet die Bewegung daran, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. Die Initiative „Miss mit!“ reiht sich in dieses Engagement ein und lädt alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich zu beteiligen.

Die bundesweite Aktion läuft ab sofort. Die zentrale Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“ findet vom 29. September bis 6. Oktober 2025 statt und bietet den perfekten Rahmen, um kreativ und engagiert Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken.

Lebensmittelverschwendung in Deutschland: Daten, politische Ziele und Entwicklungen

Lebensmittel landen in Deutschland weiterhin in großen Mengen im Müll – trotz politischer Bemühungen und wachsendem Bewusstsein. Im Jahr 2025 schätzt die Technische Universität Hamburg (HAW) die Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten auf rund 75 Kilogramm pro Person und Jahr. Diese Zahl ist im Vergleich zu 2015 zwar leicht zurückgegangen, zeigt aber, dass deutlicher Handlungsbedarf bleibt. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverluste bis 2030 deutlich zu reduzieren. Dabei stützt sie sich auf eine Nationale Strategie, die seit 2019 fortlaufend weiterentwickelt wird. Die aktuelle Entwicklung im privaten Bereich bleibt dabei ein zentraler Hebel, um die gesamte Verschwendung im Land zu minimieren.

Die Untersuchung von HAW Hamburg in Zusammenarbeit mit der Kampagne „Zu gut für die Tonne!“ dokumentiert die Entwicklung der Lebensmittelabfälle in deutschen Haushalten von 2015 bis 2025. Während die Pro-Kopf-Menge 2015 noch bei etwa 88 Kilogramm lag, zeigt die jüngste Erhebung für 2025 einen Rückgang auf rund 75 Kilogramm pro Jahr. Trotz dieses Rückgangs werfen Haushalte immer noch jeden vierten bis fünften Lebensmittelartikel weg, häufig aufgrund von Fehlplanung, Missverständnissen bei Mindesthaltbarkeitsdaten oder ungenutzten Resten.

Diese Zahlen spiegeln die Wirkung von Aufklärungskampagnen wider, etwa die App „Zu gut für die Tonne!“, die Verbraucher bei der bewussten Nutzung von Lebensmitteln unterstützt. Doch die Fortschritte verlaufen schleppend, insbesondere bei frischen Produkten wie Obst, Gemüse und Backwaren.

Nationale Strategie & Praxis

Die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung wurde 2019 eingeführt und verfolgt das Ziel, den jährlichen Lebensmittelverlust bis 2030 auf die Hälfte zu senken – gemessen an der Menge im Jahr 2015. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) koordiniert diesen Prozess und arbeitet dabei eng mit Partnern aus Handel, Landwirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft zusammen.

Ein zentrales Element der Strategie bildet das Dialogforum private Haushalte 2.0, das seit 2023 in der Förderung durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) läuft. Dieses Forum bündelt wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Initiativen mit dem Ziel, Verbraucher noch stärker in den Fokus zu rücken. Die bundesweite Aktion „Miss mit!“ gehört zu den Maßnahmen, die digitales Monitoring und unmittelbares Feedback für Haushalte bieten – unter anderem über die „Zu gut für die Tonne!“-App. Dadurch steigt die Transparenz für das individuelle Wegwerfverhalten, zugleich erzielen die teilnehmenden Haushalte erste Einsparungen.

Neben Verbraucherinnen und Verbrauchern sind es insbesondere Händler und Produzenten, die Flexibilität bei Mindesthaltbarkeitsdaten und Resteverwertung erhöhen müssen. Auch die Gastronomie gilt als wichtiger Akteur, obwohl sie in den aktuellen Haushaltsdaten nicht direkt erfasst wird. Die Strategie fordert deshalb eine umfassende Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Entwicklung der Lebensmittelverschwendung 2015–2025

Jahr Durchschnittliche Lebensmittelverschwendung pro Kopf (kg/Jahr) Quelle
2015 88 HAW Hamburg / Zu gut für die Tonne!
2017 83 HAW Hamburg / Zu gut für die Tonne!
2020 78 HAW Hamburg / Zu gut für die Tonne!
2023 76 HAW Hamburg / Zu gut für die Tonne!
2025 75 HAW Hamburg / Zu gut für die Tonne!

Diese Tabelle verdeutlicht, dass die Lebensmittelabfälle in deutschen Haushalten zwar zurückgehen, jedoch nur moderat über ein Jahrzehnt hinweg. Weitere Anstrengungen scheinen notwendig, um eine signifikante Reduktion zu erreichen. Die Nationalen Strategie und Programme fördern deshalb niedrigschwellige, praxistaugliche Lösungen, um Haushalte zu motivieren und zu befähigen, Lebensmittel effizienter zu nutzen – vom Einkauf bis zur Verarbeitung und Lagerung.

Das bisherige politische Vorgehen zeigt, welche Herausforderungen bestehen: Die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung lässt sich nicht allein über Gesetze steuern, sondern erfordert breite gesellschaftliche Beteiligung und konkretes Alltagswissen. Die Verknüpfung von Forschung, Digitalisierung und miteinander vernetzten Aktionen bietet Chancen, den Trend aufzubrechen und die ambitionierten Ziele bis 2030 erreichbar zu machen.

Warum so viele Lebensmittel im Müll landen

Lebensmittelabfälle belasten Umwelt und Ressourcen in erheblichem Maße. In deutschen Haushalten landen jedes Jahr rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll – das entspricht etwa einem Drittel aller produzierten Nahrungsmittel (Umweltbundesamt, 2025). Häufig werfen Verbraucher:innen dabei Obst, Gemüse, Brot und Milchprodukte weg. Diese Verschwendung wirkt sich deutlich auf Klima und Natur aus, denn die Produktion, Verarbeitung und Entsorgung erzeugt hohe Mengen an Treibhausgasen und verbraucht kostbare Ressourcen wie Wasser und Fläche.

Die Gründe für diese Abfälle sind vielfältig: Fehlkalkulation beim Einkauf, unsichere Lagerung, zu große Portionen oder Missverständnisse rund um Mindesthaltbarkeitsdaten. Auch die mangelnde Planung beim Kochen trägt dazu bei, dass Lebensmittel ungenutzt entsorgt werden. Um die genauen Hauptverursacher im Haushalt zu verstehen, hilft ein Blick auf die Erhebung des Umweltbundesamts in Zusammenarbeit mit der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ von 2025.

Meist weggeworfene Lebensmittel

Die folgende Tabelle zeigt die Produktgruppen, die in deutschen Haushalten am häufigsten im Müll landen – sowohl nach Menge als auch nach Anteil am gesamten Lebensmittelabfall:

Lebensmittelgruppe Anteil am Lebensmittelabfall (in %) Durchschnittliche Abfallmenge pro Haushalt (kg/Jahr)
Obst und Gemüse 38 20
Brot und Backwaren 15 8
Milch und Milchprodukte 12 6
Fleisch und Wurstwaren 10 5
Getränke 7 3
Sonstige Lebensmittel 18 10

Quelle: Umweltbundesamt / Zu gut für die Tonne!, 2025

Obst und Gemüse dominieren die Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten. Viele verderbliche Produkte schaffen es nicht bis zur kompletten Nutzung, während Brot oft wegen Überproduktion oder falscher Lagerung entsorgt wird. Besonders Milchprodukte gelten als empfindlich, wobei überschrittene Mindesthaltbarkeitsdaten hier oft eine Rolle spielen.

Ökobilanz der Food Waste

Die Auswirkungen des weggeworfenen Essens sind in ökologischer Hinsicht erheblich. Laut Umweltbundesamt-Bericht 2024 verursacht der Lebensmittelverlust in deutschen Haushalten jährlich etwa 27 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Dieser Wert entspricht etwa drei Prozent des gesamten nationalen Treibhausgasausstoßes. Berücksichtigt werden dabei alle Stufen: Anbau, Transport, Verarbeitung und Entsorgung.

Neben dem Klima belasten auch der Wasserverbrauch und der Flächenbedarf die Umwelt. Etwa 15 Milliarden Kubikmeter Wasser fließen in die Herstellung der verschwendeten Lebensmittel ein, das entspricht dem jährlichen Trinkwasserverbrauch der Bevölkerung Deutschlands. Auch rund 3,5 Millionen Hektar Land werden für Lebensmittel verwendet, die letztlich nicht konsumiert werden (Umweltbundesamt, 2024).

Die Aktion „Miss mit!“ setzt an dieser Stelle gezielt an, indem sie Verbraucher:innen ermutigt, ihr Wegwerfverhalten zu dokumentieren und dadurch bewusster mit Lebensmitteln umzugehen. Die Ergebnisse solcher Mitmach-Aktionen fließen direkt in die Forschung ein und sollen helfen, gezielte Strategien für die Reduzierung von Food Waste zu entwickeln.

Mit diesen Einblicken in die Ursachen und Folgen der Lebensmittelverschwendung wird klar, dass jeder einzelne Haushalt mit gezieltem Handeln einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann – sei es durch besseres Einkaufen, bewusstere Lagerung oder kreative Resteverwertung.

Helfen Apps wirklich? Ein Blick auf Wirksamkeit, Kritik und internationale Erfahrungen

Digitale Anwendungen gewinnen zunehmend an Bedeutung, um Verbraucher*innen für die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren und konkrete Veränderungen im Alltag zu bewirken. Die bundesweite Aktion „Miss mit!“, die über die App „Zu gut für die Tonne!“ läuft, ist ein aktuelles Beispiel. Teilnehmende dokumentieren hier ihre entsorgten Lebensmittel und erhalten individuelle Tipps zur Vermeidung von Abfällen. Doch wie wirksam sind solche App-basierten Ansätze tatsächlich? Eine wissenschaftliche Analyse der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg aus dem Jahr 2025 liefert dazu wichtige Einschätzungen.

Die Untersuchung zeigt, dass App-Anwendungen auf Haushaltsebene zwar das Bewusstsein schärfen und kurzfristige Verhaltensänderungen anstoßen, diesen Effekt aber nicht nachhaltig verstetigen. Viele Nutzer*innen nutzen die Apps nur phasenweise und verlieren nach einiger Zeit das Interesse. Zudem erreichen die digitalen Angebote vorwiegend Menschen mit bereits ausgeprägtem Umweltinteresse, während breitere Bevölkerungsgruppen weniger stark eingebunden werden. Die Studie mahnt daher zur Ergänzung digitaler Instrumente durch weiterreichende politische und gesellschaftliche Maßnahmen (HAW Hamburg, 2025).

Im internationalen Kontext bestätigt der OECD-Bericht von 2024/2025, dass Verbraucher*innen-Apps allein nicht ausreichen, um Lebensmittelverschwendung wirksam zu reduzieren. Nach Einschätzung der Organisation spielen klare gesetzliche Rahmenbedingungen, eine bessere Lebensmittelkennzeichnung sowie wirtschaftliche Anreize eine wichtigere Rolle. Länder, die Verschwendung systematisch angehen, setzen verstärkt auf verbindliche Reduktionsziele und eine enge Zusammenarbeit zwischen Handel, Gastronomie und Regierung. Dabei ergänzen digitale Tools solche Strategien, statt sie zu ersetzen (OECD, 2024/2025).

Aus Sicht von Forschung und Politik lassen sich die folgenden Kritikpunkte und zugleich Chancen bei App-basierten Maßnahmen festhalten:

  • Begrenzte Reichweite und Engagement: Apps erreichen vor allem schon motivierte Nutzer*innen, ohne tiefere Verhaltensänderungen in der Gesamtbevölkerung sicherzustellen (HAW Hamburg, 2025).
  • Kurzfristige Motivation versus langfristige Wirkung: Initiale Beteiligung und Aufmerksamkeit sind hoch, die Nachhaltigkeit des Nutzens bleibt aber fraglich (HAW Hamburg, 2025).
  • Notwendigkeit ergänzender Maßnahmen: Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, Bildung und politische Rahmenbedingungen erhöhen die Wirksamkeit digitaler Aktionen (OECD, 2024/2025).
  • Internationale Beispiele sprechen für flankierende Instrumente: In Ländern mit klaren gesetzlichen Vorgaben konnten bedeutende Fortschritte erzielt werden, oft begleitet von Digitalangeboten als unterstützender Baustein (OECD, 2024/2025).
  • Potenzial für datenbasierte Forschung: Die Erhebung von anonymisierten Verbraucherdaten über Apps schafft neue Ansätze, um Wegwerfverhalten besser zu verstehen und zielgerichtet zu steuern (HAW Hamburg, 2025).

Diese differenzierte Sicht zeigt, dass Verbraucheraktionen mittels Apps zwar Teil der Lösung sind, aber nicht die alleinige Antwort auf das komplexe Problem der Lebensmittelverschwendung. Eine wirkungsvolle Eindämmung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der technologische, gesellschaftliche und rechtliche Ebenen miteinander verbindet. So lassen sich Verhaltensänderungen verstetigen und belastbare Strukturen schaffen, die den effizienten Umgang mit Lebensmitteln langfristig fördern.

Neue Wege gegen Lebensmittelverschwendung: Technik, Forschung und gesellschaftliches Engagement im Fokus

Die Herausforderung, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, verlangt mehr als einzelne Aktionen vor Ort. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass technologische Innovationen, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Einbindung der Verbraucher eine vielversprechende Kombination darstellen. Ein Beispiel dafür liefert die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Produktion. Bereits 2021 wies das Fraunhofer IGCV darauf hin, dass durch den gezielten Einsatz automatisierter Systeme Produktionsprozesse genauer gesteuert werden können. So lassen sich Überproduktion und Fehlmengen minimieren, was den Warenverbrauch optimiert und insgesamt weniger Rohstoffe verschwendet.

Parallel dazu gewinnt die aktive Teilnahme der Bevölkerung weiter an Bedeutung. Initiativen wie die Aktion „Miss mit! – mach den Unterschied!“ der Technischen Universität Berlin und Slow Food Deutschland demonstrieren, wie Verbraucherinnen und Verbraucher durch digitale Anwendungen ihr eigenes Verhalten dokumentieren und verbessern. Im Rahmen dieser Aktion fließen anonymisierte Daten aus privaten Haushalten in die Forschung ein, um Ursachen und Muster von Lebensmittelabfällen besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse dienen als Grundlage, um präzise Maßnahmen zu entwickeln, die der gesamten Gesellschaft zugutekommen.

Politisch setzt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) klare Zielmarken bis zum Jahr 2030. Die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung definiert verbindliche Vorgaben, die sowohl Wirtschaft als auch Verbraucher adressieren. Solche Leitlinien schaffen Rahmenbedingungen, in denen technologische Methoden und gesellschaftliches Engagement zusammenwirken können. Nachhaltigkeitsziele, die dabei verfolgt werden, betreffen nicht nur den Schutz von Ressourcen und Klima, sondern fördern auch die soziale Teilhabe.

Die Verbindung aus innovativen Technologien, Erkenntnissen aus der Bürgerbeteiligung und klaren politischen Zielsetzungen eröffnet neue Potenziale, um Lebensmittelabfälle weiter zu senken. Diese Fortschritte tragen dazu bei, den Blick auf die Verschwendung zu schärfen und schaffen Anreize für alle Beteiligten, ihren Anteil zur Veränderung beizutragen. So formiert sich eine umfassende Bewegung, die Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft gemeinsam verantwortungsvoll und effizient mit Lebensmitteln umgehen lässt.

Dieser Beitrag beruht auf einer aktuellen Pressemitteilung von Slow Food Deutschland e.V.

Weiterführende Quellen:

  • „In Deutschland entstehen jährlich etwa 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Versorgungskette, davon entfallen 58 Prozent (ca. 6,3 Millionen Tonnen) auf private Haushalte. Pro Kopf sind dies 74,5 kg Lebensmittelabfall im Jahr (Stand 2025).“ – Quelle: https://www.zugutfuerdietonne.de/aktionswoche
  • „Die Bundesregierung verfolgt mit der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung eine Reduzierung der Lebensmittelabfälle in Handel, Außer-Haus-Verpflegung und Haushalten um 30 Prozent pro Kopf bis 2030. Die Strategie wurde 2019 beschlossen und wird seit Anfang 2025 strukturell weiterentwickelt.“ – Quelle: https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/strategie-lebensmittelverschwendung.html
  • „Eine Analyse der Nationalen Strategie (Stand 2025) zeigt, dass insbesondere in privaten Haushalten kaum Fortschritte bei der Reduktion von Lebensmittelabfällen erzielt wurden. Das öffentliche Interesse ist schwankend und nicht gefestigt.“ – Quelle: https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/17865/1/Analyse%20und%20Bilanz%20der%20Nationalen%20Strategie%20zur%20Reduzierung%20der%20Lebensmittelverschwendung%20(2019)%20nach%20f%C3%BCnf%20Jahren_geschw%C3%A4rzt.pdf
  • „Vom 29. September bis 6. Oktober 2025 findet die Aktionswoche ‚Zu gut für die Tonne!‘ statt, die zur Mitwirkung der Bevölkerung durch Aktionen, Workshops, Social Media Formate und Schulprojekte aufruft. Fokus 2025 sind Einkaufsplanung, Lagerung und Resteverwertung.“ – Quelle: https://www.zugutfuerdietonne.de/aktionswoche
  • „Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Abfall; davon werden mehr als 30 Prozent bereits im Herstellungsprozess vernichtet. Künstliche Intelligenz wird eingesetzt, um diese Verluste in Produktion und Absatzplanung zu reduzieren (Stand 2021).“ – Quelle: https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2021/april-2021/mit-kuenstlicher-intelligenz-lebensmittelverschwendung-reduzieren.html
  • „Die CO2-Emissionen durch Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten betragen mehrere Millionen Tonnen jährlich (konkrete neueste Zahlen für 2025 fehlen, aber Berichte von Umweltbundesamt deuten auf hohe Emissionen durch vermeidbare Abfälle hin).“ – Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikationen/144_2024_texte_lebensmittelabfaelle.pdf
  • „Weltweit wurden in anderen Ländern verschiedene politische und edukative Maßnahmen umgesetzt, darunter gesetzliche Verpflichtungen, Bildungsprogramme und finanzielle Anreize. Kritische Stimmen bemängeln jedoch, dass app-basierte Verbraucheraktionen begrenzt wirksam sind, da Verhaltensänderungen komplex und vielschichtig sind.“ – Quelle: https://www.oecd.org
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9 Kommentare

  1. „Miss mit!“ hat meiner Meinung nach Potenzial. Aber kann man wirklich durch eine App das Verhalten von so vielen Menschen ändern? Was denkt ihr über die Rolle der Politik dabei?

    1. Ich habe gehört, dass viele Lebensmittel im Müll landen wegen Fehleinkäufen oder falscher Lagerung. Vielleicht sollten wir mehr über diese Themen sprechen und Lösungen finden? Mich interessiert auch wie andere damit umgehen.

  2. „Zu gut für die Tonne!“ ist eine super Idee. Ich habe von vielen gehört, dass sie ihre Essensplanung verbessert haben seit der Nutzung der App. Glaubt ihr, dass das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung in den letzten Jahren gewachsen ist?

    1. „Miss mit!“ könnte echt was bewirken! Ich mache mir auch immer Gedanken darüber, wie viel ich wegwerfe und wie ich Reste verwerten kann.

  3. „Miss mit!“ klingt nach einer großartigen Möglichkeit, um aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Ich frage mich, ob die App wirklich einen langfristigen Einfluss auf unser Einkaufsverhalten hat. Hat jemand von euch Veränderungen bemerkt?

    1. Ich denke schon, dass solche Apps helfen können! Aber ich denke auch, dass mehr Aufklärung notwendig ist. Die Leute müssen wissen, was Mindesthaltbarkeitsdaten wirklich bedeuten.

    2. „Nose to Tail“ und „Leaf to Root“ sind interessante Konzepte! Ich frage mich, ob es in Restaurants auch solche Initiativen gibt? Hat da jemand Infos?

  4. Ich finde die Initiative „Miss mit!“ wirklich klasse! Es ist wichtig, dass wir alle auf unsere Lebensmittel achten und die Verschwendung reduzieren. Wer hat denn schon Erfahrungen mit der App „Zu gut für die Tonne!“ gemacht? Gibt es Tipps zur Nutzung?

    1. Ich habe die App heruntergeladen und finde sie ganz praktisch. Manchmal vergesse ich aber, alles zu dokumentieren. Wie oft nutzt ihr sie?

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