– Über 95.000 Bürger fordern ein Ende grausamer Tiertransporte in Drittstaaten
– VIER PFOTEN übergab die Forderungen am 5. November 2025 in Berlin
– Tiertransporte verursachen enormes Leid durch Durst, Hunger und Stress
Über 95.000 Postkarten fordern Ende grausamer Tiertransporte
Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat am 5. November 2025 mehr als 95.000 von Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnete Postkarten an das Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben. Die Postkarten fordern ein Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten und von Transporten nicht abgesetzter Kälber. Die Übergabe erfolgte im Rahmen einer seit über zwei Jahren vor dem Ministerium stattfindenden Mahnwache des Tierschutznetzwerks Kräfte bündeln. Im Vorfeld der Aktion sprachen Vertreter des Netzwerks mit Staatssekretär Prof. Dr. Dr. Markus Schick.
„Die fast 100.000 unterschriebenen Postkarten zeigen mehr als eindrucksvoll, dass die Bevölkerung ein Ende der grausamen Tiertransporte erwartet. Auf diese Forderung sollten die Volksvertreterinnen und -vertreter im Bundeslandwirtschaftsministerium hören. Es reicht nicht, ständig nur auf eine EU-weite Regelung zu verweisen. Deutschland muss hier entschlossen vorangehen“, sagt Nadine Miesterek, Campaignerin bei VIER PFOTEN.*
Rechtliche Grundlagen für ein Verbot sind vorhanden: Ein offener Brief belegt, dass ein Verbot von Lebendtiertransporten in außereuropäische Drittländer nach nationalem und EU-Recht nicht nur möglich, sondern geboten ist (Stand: 5. November 2025). Besonders betroffen sind saugende Kälber – sie werden bereits im Alter von 28 Tagen auf Transporte mit einer Dauer von 20 Stunden geschickt, ohne ausreichende Versorgung (Stand: 5. November 2025).*
Einordnung: Politik, Recht und Debatte
Die politischen Bemühungen zur Regulierung von Lebendtiertransporten zeigen eine deutliche Entwicklung über die letzten Jahre. Nordrhein-Westfalen untersagte im Juli 2020 per Erlass alle Lebendtierexporte in Drittstaaten sowie Transporte nicht abgesetzter Kälber.* Diese Initiative markierte den Startpunkt für eine zunehmend intensivierte politische Auseinandersetzung mit dem Thema.
Politischer Fahrplan: Von Erlassen bis Bundesrat
Anfang 2025 brachte das Bundeslandwirtschaftsministerium in Brüssel ein Eckpunktepapier ein, das ein Verbot von Tiertransporten in Drittstaaten vorsieht, sofern dort keine verbindlichen Tierschutzstandards garantiert sind.* Parallel dazu kündigte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft an, die Ausfuhr lebender Tiere aus Deutschland nur noch unter strengen Bedingungen zu erlauben, einschließlich verbindlicher Tierschutzstandards und Verpflichtungen für Drittstaaten und Transitländer.*
Im Juni 2025 verschärfte der Deutsche Tierschutzbund seine Position und forderte wegen schwerer Tierschutzprobleme bei Transport und Schlachtung ein Exportverbot für Tiertransporte in Regionen wie Nahost, Nordafrika und Zentralasien.* Diese Forderung gipfelte am 11. Juli 2025 in einer gemeinsamen Initiative mit Nordrhein-Westfalen im Bundesrat für ein vollständiges Verbot von Langstreckentransporten in Drittstaaten aufgrund dokumentierter massiver Tierquälerei.*
Aktuelle Dokumentationen des Deutschen Tierschutzbundes zu Leid und Sterben auf Langstreckentransporten unterstreichen die Dringlichkeit dieser politischen Initiativen.* Der Bundesrat entscheidet am 26. September 2025 über strengere EU-Regeln und Exportverbote, wobei Nordrhein-Westfalen Ausfuhren nur bei Vorlage verbindlicher Tierschutzgarantien fordert.*
Rechtliche Einschätzung und Gutachten
Trotz dieser politischen Entwicklungen zeigt die aktuelle Situation im Oktober 2025, dass die Zahl der Tiertransporte in Drittstaaten über andere EU-Staaten kaum gesunken ist. Exportverbote werden national umgangen und Ausweichrouten genutzt.* Diese Praxis offenbart die Grenzen nationaler Alleingänge und unterstreicht die Notwendigkeit EU-weiter Lösungen.
Die chronologische Abfolge der politischen Maßnahmen verdeutlicht einen wachsenden Handlungsdruck, der von Landesebene über nationale Initiativen bis hin zur europäischen Ebene reicht. Während erste Schritte auf Landesebene bereits 2020 erfolgten, hat sich die politische Dynamik 2025 deutlich beschleunigt, was sich in konkreten Gesetzesinitiativen und Bundesratsentscheidungen niederschlägt.
Wichtigste Fakten & Dokumentationen
Die Forderung nach Exportverboten für Lebendtiertransporte stützt sich auf politische Entwicklungen und dokumentierte Missstände*.
- Juli 2020: Nordrhein-Westfalen untersagt per Erlass alle Lebendtierexporte in Drittstaaten sowie Transporte nicht abgesetzter Kälber* — Stand: Juli 2020
- Februar 2025: Das Bundeslandwirtschaftsministerium bringt ein Eckpunktepapier in Brüssel ein, das ein Verbot von Tiertransporten in Drittstaaten vorsieht* — Stand: Februar 2025
- Februar 2025: Das BMEL plant, die Ausfuhr lebender Tiere aus Deutschland nur noch unter strengen Bedingungen zu erlauben* — Stand: Februar 2025
- Juni/Juli 2025: Der Deutsche Tierschutzbund dokumentiert massives Tierleid und fordert Exportverbote* — Stände: Juni/Juli 2025
- 26. September 2025: Der Bundesrat behandelt strengere EU-Regeln und Exportverbote* — Stand: 26.09.2025
Auswirkungen für Tiere, Wirtschaft und Politik
Ein nationales Exportverbot für Lebendtiertransporte in Drittstaaten würde rechtlich klare Grenzen setzen – doch die praktischen Auswirkungen sind komplex. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte bereits im Februar 2025 Eckpunkte vorgelegt, die einen solchen Schritt vorbereiten sollten (Quelle: BMEL-Eckpunkte, Stand: Februar 2025)*. Aus Tierschutzperspektive wäre ein Verbot ein entscheidender Fortschritt, da es Tiere vor den besonders qualvollen Bedingungen außerhalb der EU schützen würde. Für Landwirt:innen und Transportunternehmen bedeutete ein Exportstopp dagegen erhebliche wirtschaftliche Anpassungen, da traditionelle Handelswege wegbrechen würden.
Was ein Exportverbot praktisch bedeutet
Die rechtliche Möglichkeit für ein nationales Verbot besteht – dies wird in diversen Diskursen erörtert*. Praktisch würde ein deutscher Alleingang jedoch zu Verlagerungseffekten führen: Tiere würden vermehrt über Nachbarländer exportiert, wie Beobachtungen nahelegen*. Diese Umgehungsrouten unterlaufen nicht nur den intendierten Tierschutz, sondern verlagern das Problem lediglich in andere EU-Staaten. Für deutsche Landwirt:innen bliebe die Wettbewerbssituation verzerrt, während das Tierleid auf anderen Wegen fortgesetzt würde.
Konfliktlinien: Tierschutz vs. Handel
Die Debatte offenbart grundlegende Interessenskonflikte. Tierschutzorganisationen argumentieren, Deutschland müsse trotz möglicher wirtschaftlicher Nachteile vorangehen – allein schon wegen seiner politischen Vorbildfunktion. Die Landwirtschafts- und Transportbranche verweist dagegen auf existenzielle Folgen für Betriebe und fordert EU-weite Lösungen, um Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Das Bundesministerium steht damit vor der Herausforderung, Tierschutzansprüche mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang zu bringen, während gleichzeitig die Gefahr von Verlagerungseffekten die Wirksamkeit nationaler Maßnahmen relativiert.
Ausblick: Nächste Schritte und Streitpunkte
Die Debatte um Tiertransporte steht an einem entscheidenden Punkt. In den kommenden Monaten werden mehrere politische Weichenstellungen die Zukunft des Tierschutzes bei Transporten maßgeblich beeinflussen. Wer die Entwicklung verfolgen möchte, sollte drei zentrale Prozesse im Blick behalten.
Worauf achten: Termine & Entscheidungen
Am 26. September 2025* entscheidet der Bundesrat über strengere EU-Regeln und Exportverbote. Diese Sitzung markiert einen wichtigen Meilenstein, da die Länderkammer hier Position zu den europäischen Tierschutzstandards bezieht. Parallel dazu arbeitet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an eigenen Regelungen. Bereits im Februar 2025* legte das Ministerium Eckpunkte vor, die nun konkretisiert werden müssen.
Die öffentliche Meinung spielt bei diesen Entscheidungen eine tragende Rolle. Kampagnen und Petitionen zeigen Wirkung: Sie setzen das Thema auf die politische Agenda und signalisieren den Entscheidungsträgern, dass breite Teile der Bevölkerung Veränderungen erwarten. Dieser Druck kann Ministerien dazu bewegen, ihre Positionen zu überdenken und konkrete Maßnahmen voranzutreiben.
Wer kann was durchsetzen?
Die Kompetenzen sind klar verteilt: Während der Bundesrat über EU-weite Regelungen mitentscheidet, hat das BMEL die Möglichkeit, nationale Alleingänge zu wagen. Die bisherige Argumentation, man könne nur auf europäischer Ebene handeln, wird von Jurist:innen und Tierschutzorganisationen regelmäßig widerlegt. Deutschland besitzt durchaus Spielraum für strengere nationale Standards.
Für eine wirksame Veränderung müssen beide Ebenen zusammenwirken. Die Bundesregierung kann durch klare Vorgaben im nationalen Recht vorangehen, während der Bundesrat die europäische Harmonierung vorantreibt. Letztlich entscheidet der politische Wille, ob die dokumentierten Missstände tatsächlich beendet werden.
Behalten Sie im Auge:
- Die Bundesratsentscheidung am 26. September 2025
- Die konkrete Ausgestaltung der BMEL-Eckpunkte
- Die Reaktion der Politik auf anhaltende öffentliche Forderungen
Diese drei Indikatoren werden zeigen, ob sich der Tierschutz bei Tiertransporten tatsächlich verbessert oder ob weitere Jahre des Stillstands folgen.
Die folgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.
Weiterführende Quellen:
- „Juli 2020: Nordrhein-Westfalen untersagt per Erlass alle Lebendtierexporte in Drittstaaten sowie Transporte nicht abgesetzter Kälber; zuvor hatten Hessen, Schleswig-Holstein und Bayern ähnliche Erlasse verabschiedet.“ – Quelle: https://www.provieh.de/unsere-arbeit/kampagnen/stoppt-lebendtierexporte/
- „Februar 2025: Das Bundeslandwirtschaftsministerium brachte in Brüssel ein Eckpunktepapier ein, das ein Verbot von Tiertransporten in Drittstaaten vorsieht, sofern dort keine verbindlichen Tierschutzstandards garantiert sind.“ – Quelle: https://www.verbandsbuero.de/tiertransporte-in-drittstaaten-tieraerztetag-fordert-verbot/
- „Juni 2025: Der Deutsche Tierschutzbund fordert wegen schwerer Tierschutzprobleme bei Transport und Schlachtung ein Exportverbot für Tiertransporte in Regionen wie Nahost, Nordafrika und Zentralasien.“ – Quelle: https://www.verbandsbuero.de/tiertransporte-in-drittstaaten-tieraerztetag-fordert-verbot/
- „11.07.2025: Der Deutsche Tierschutzbund sowie NRW fordern im Bundesrat ein vollständiges Verbot von Langstreckentransporten in Drittstaaten aufgrund dokumentierter massiver Tierquälerei wie hitzebedingtem Verenden und Durst.“ – Quelle: https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/deutscher-tierschutzbund-fordert-ende-von-langstreckentransporten/
- „26. September 2025: Der Bundesrat entscheidet über strengere EU-Regeln und Exportverbote; NRW fordert, dass Ausfuhren in Drittstaaten nur bei Vorlage verbindlicher Tierschutzgarantien erlaubt sind.“ – Quelle: https://www.verbandsbuero.de/tierschutz-bei-tiertransporten-bundesrat-entscheidet-am-26-september-2025-ueber-strengere-eu-regeln-und-exportverbote/
- „Februar 2025: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft will die Ausfuhr lebender Tiere aus Deutschland nur noch unter strengen Bedingungen erlauben, einschließlich verbindlicher Tierschutzstandards und Verpflichtungen für Drittstaaten und Transitländer.“ – Quelle: https://www.dnr.de/aktuelles-termine/aktuelles/strengere-regeln-fuer-tiertransporte-eu-drittlaender
- „Juli 2025: Der Deutsche Tierschutzbund dokumentiert regelmäßig massives Leid und Sterben von Tieren auf Langstreckentransporten in Drittstaaten, insbesondere bei Verzögerungen an Außengrenzen.“ – Quelle: https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/deutscher-tierschutzbund-fordert-ende-von-langstreckentransporten/
- „Stand Oktober 2025: Die Zahl der Tiertransporte in Drittstaaten über andere EU-Staaten ist kaum gesunken, da Exportverbote national umgangen und Ausweichrouten genutzt werden.“ – Quelle: https://www.verbandsbuero.de/tiertransporte-in-drittstaaten-tieraerztetag-fordert-verbot/
8 Antworten
. Die Unterschriftenaktion von VIER PFOTEN zeigt doch deutlich, dass viele Menschen hinter dieser Idee stehen. Wie können wir den Druck weiter erhöhen? Ich denke an soziale Medien als Plattform!
Das klingt nach einer super Idee! Wenn wir mehr Leute erreichen könnten, würde das bestimmt helfen. Ich schlage vor eine Online-Kampagne zu starten!
Gute Vorschläge! Lasst uns auch über lokale Veranstaltungen nachdenken oder sogar Petitionen in unseren Städten starten!
Es ist wirklich traurig zu hören, wie viel Leid Tiere durch Transporte ertragen müssen. Wir müssen gemeinsam handeln und den Druck aufrechterhalten! Gibt es Möglichkeiten für uns alle mitzumachen?
Die Tatsache, dass Kälber so früh transportiert werden, ist einfach erschreckend! Ich frage mich, ob die Menschen in der Politik die Auswirkungen wirklich verstehen. Was denkt ihr über mögliche Lösungen?
Das ist ein wichtiger Punkt, Qeberhardt! Ich glaube nicht, dass alle Politiker die Dimension des Problems kennen. Vielleicht sollten wir mehr aufklären und Informationen verbreiten.
Ich finde es gut, dass so viele Menschen gegen Tiertransporte sind. Aber warum dauert das alles so lange? Wir sollten mehr Druck auf die Politiker ausüben! Was denkt ihr, können wir was anderes tun?
Ich stimme zu, Awolff! Es ist frustrierend zu sehen, dass trotz der vielen Petitionen nichts passiert. Vielleicht könnten wir auch lokale Aktionen starten oder mehr Aufklärung betreiben?