Leasing im Handwerk: Wie Betriebe nachhaltig investieren und warum der Investitionsstau bleibt

Größere Handwerksbetriebe finanzieren zunehmend nachhaltige Technik über Leasing, wie aktuelle Erhebungen zeigen. Dennoch bleibt die Investitionstätigkeit insgesamt deutlich hinter dem Bedarf zurück. Die Verbände fordern daher verlässlichere Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu sichern.
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– 30 Prozent größerer Handwerksbetriebe finanzieren nachhaltige Investitionen per Leasing.
– Investitionsstau wächst durch Fachkräftemangel, Bürokratie und unsichere Rahmenbedingungen.
– Verbände fordern bessere Bedingungen, um Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks zu sichern.

Leasing im Handwerk: Hilfe gegen den Investitionsstau

Auf dem Forum Mittelstand des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) in Berlin sind am 26. März 2026 neue Erhebungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) vorgestellt worden. Die zentrale Botschaft: 30 Prozent der größeren Handwerksbetriebe nutzen bei der Außenfinanzierung nachhaltiger Investitionen Leasing. Zugleich bleibt die Investitionstätigkeit im Handwerk laut Pressemitteilung deutlich hinter dem Bedarf zurück.

Damit rückt ein Spannungsfeld in den Fokus, das viele Betriebe betrifft: Einerseits wächst die Bedeutung von Leasing bei Investitionen in energie- und ressourcenschonende Technik, andererseits stockt die Modernisierung insgesamt. Der BDL sieht darin ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks und fordert bessere Rahmenbedingungen.

„Viele Handwerker kombinieren laufenden Cashflow mit Leasing und können so schneller investieren", erklärt Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des BDL. „Planbare Raten und eine liquiditätsschonende Finanzierung schaffen Spielraum für das operative Geschäft. Insbesondere bei neuen Technologien wie Elektrofahrzeugen nutzen Betriebe Leasing, weil sich Investitionsrisiken und Restwertfragen so besser kalkulieren lassen", führt sie aus.

Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH, fordert deshalb verlässlichere Bedingungen für Investitionen: „Handwerksbetriebe wollen in neue Fahrzeuge, moderne Maschinen, digitale Prozesse investieren. Aber sie brauchen dafür verlässliche Bedingungen: vor allem weniger Bürokratie und Dokumentationspflichten, weniger Abgaben sowie Förderprogramme, die praxistauglich sind. Staatliche Förderinstrumente müssen dabei alle Finanzierungsformen berücksichtigen, das schließt Leasing ein."

Warum Betriebe auf Leasing setzen

Der zunehmende Griff zum Leasing folgt einer klaren wirtschaftlichen Logik. Viele Handwerksbetriebe stehen unter Druck, ihre Produktivität zu steigern, unter anderem wegen des Fachkräftemangels. Moderne Maschinen, Fahrzeuge und digitale Anwendungen sollen Arbeitsabläufe effizienter machen und knappe personelle Ressourcen besser nutzbar machen.

Gleichzeitig sind hohe Einmalinvestitionen für viele mittelständische Betriebe eine Hürde. Wer auf genügend Eigenmittel wartet, verschiebt Modernisierung oft auf später. Leasing kann diesen Aufschub verkürzen, weil sich die Kosten über die Nutzungsdauer verteilen lassen. Für Betriebe, die investieren müssen, ohne ihre Liquidität auf einmal stark zu belasten, ist das ein praktikabler Weg der Außenfinanzierung.

Gerade bei neuer Technik spielt zudem Planungssicherheit eine Rolle. Wenn Anschaffungen teuer sind oder technologische Entwicklungen schnell voranschreiten, kann ein Modell mit planbaren Raten betriebliche Entscheidungen erleichtern. Im Handwerk betrifft das nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Maschinen und digitale Ausstattung.

Investitionsklima im Handwerk bleibt angespannt

Dass Leasing an Bedeutung gewinnt, bedeutet jedoch nicht, dass das Investitionsklima insgesamt robust wäre. Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt vielmehr ein verhaltenes Bild.

Für 2023 meldete eine Sonderumfrage im Handwerk: Rund 38 Prozent der Handwerksbetriebe mit externer Finanzierung für nachhaltige Investitionen entschieden sich für Leasing. Dieser Wert ist allerdings nicht direkt mit den nun vorgestellten 30 Prozent gleichzusetzen. Die Erhebung für 2023 bezieht sich auf Handwerksbetriebe mit externer Finanzierung für nachhaltige Investitionen, während sich die aktuelle Angabe aus der Pressemitteilung auf größere Handwerksbetriebe mit mehr als zehn Beschäftigten und deren Außenfinanzierung solcher Investitionen bezieht.

Noch deutlicher wird die Zurückhaltung beim Blick auf die allgemeine Investitionsbereitschaft. Laut der Deutschen Handwerks Zeitung planten im Frühjahr 2024 nur 41,5 Prozent der Handwerksbetriebe Investitionen. Ebenfalls im Frühjahr 2024 beantragten nur 21 Prozent der Handwerksbetriebe in den letzten sechs Monaten ein Darlehen; 13,6 Prozent der Antragsteller erhielten eine Ablehnung.

Diese Daten ergänzen die aktuelle Meldung um eine wichtige Perspektive: Selbst wenn einzelne Finanzierungsinstrumente wie Leasing genutzt werden, bleibt die Investitionsneigung im Handwerk schwach. Kredite sind zudem für einen Teil der Betriebe keine einfache Lösung, sei es wegen Zurückhaltung bei der Antragstellung oder wegen Ablehnungen.

Nachhaltige Technik zwischen Eigenmitteln, Krediten und Leasing

Leasing ist damit ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein im Finanzierungsmix des Handwerks. Nach einer Auswertung aus dem Jahr 2023 investierte mehr als ein Fünftel der Handwerksbetriebe in den zwölf Monaten vor der Befragung in energie- und ressourcenschonende Maßnahmen. Finanziert wurden diese Vorhaben vorrangig aus Eigenmitteln; bei externer Finanzierung spielten Bankenfinanzierung, Förderprogramme oder Leasing eine Rolle.

Das zeigt: Nachhaltige Modernisierung ist im Handwerk angekommen, aber sie wird häufig zunächst aus eigener Kraft gestemmt. Externe Finanzierungswege gewinnen vor allem dort an Gewicht, wo Anschaffungskosten hoch sind oder Unsicherheiten über Nutzung, Technik und Wiederverkaufswert bestehen. In solchen Fällen kann Leasing für Betriebe eine Möglichkeit sein, Investitionen nicht weiter aufzuschieben.

Welche Rahmenbedingungen die Verbände fordern

Aus Sicht der Verbände reicht es deshalb nicht, auf die Verfügbarkeit einzelner Finanzierungsformen zu verweisen. Sie sehen die eigentlichen Bremsen an anderer Stelle: steigende Betriebskosten, langwierige Genehmigungsverfahren, unübersichtliche Förderprogramme und wirtschaftliche Unsicherheit. Gerade kleine und mittlere Betriebe reagieren darauf sensibel und verschieben Investitionen eher.

Die Forderung aus Berlin ist entsprechend klar: Weniger Bürokratie, geringere Belastungen und Förderprogramme, die in der Praxis funktionieren und unterschiedliche Finanzierungswege einbeziehen. Dahinter steht nicht nur die Frage, wie einzelne Betriebe neue Fahrzeuge, Maschinen oder digitale Prozesse finanzieren. Es geht auch darum, ob das Handwerk bei Produktivität, Digitalisierung und ressourcenschonender Technik Schritt halten kann.

Bleiben Investitionen aus, trifft das nach Einschätzung von BDL und ZDH nicht nur die einzelnen Unternehmen. Es kann auch die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks und des Mittelstands insgesamt schwächen – und damit weit über die Branche hinaus Wirkung entfalten. Ohne bessere Rahmenbedingungen, so die Warnung beider Verbände, wäre das nicht nur für die Unternehmen selbst ein Problem, sondern für die gesamte Volkswirtschaft.

Die vorliegenden Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen e. V.

Weiterführende Quellen:

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9 Kommentare

  1. Nette zusammenfassung, sachlich aber es fehlen konkrete zahlenspiele und beispiele aus dem alltag. 30 prozent bei größeren betrieb ist ein start, aber die allgemeine investitionsbereitschaft bleibt niedrig wegen bürokratie, schlecht planbarkeit und kosten. Wie kann die politik das ändern ohne neue belastungen? Linktipp: /politik/rahmenbedingungen und /themen/modernisierung

    1. Ich stimme zu, es fehlt praxisnähe. Viele handwerker investierern lieber aus eigenmitteln wenn möglich, weil förderprogramme schwer erreichbar sind. Leasing kann helfen, aber nur wenn förderung und steuerliche regler klar sind. Wer hat erfahrung mit förderprogramm kombi leasing+kredit? siehe /case-studies/foerder-kombi

    2. Kurz und neutral: Leasing ist hilfreich für ressourcenschonende technik und e-mobilität, schafft planbarkeit. Aber ohne bessere rahmenbedingungen und weniger bürokratie bleibt modernisierung stocken. Kann man politische forderungen unterstützen? Wo unterschreiben? evtl info auf /politik/mitmachen und /news/leasing-handwerk

  2. Danke für die info. Ich find es vernünftig das viele größere betrieb Leasing nutzen, planbare raten schaffen luft für das tagesgeschäft. Trotzdem bleibt bürokratie ein hinderungsgrund und förderprogramme oft unübersichtlich. Könnte jemand kurz erklären wie leasing und bankkredit kombiniert werden kann,und ob es steuerlich vorteil gib? Mehr links: /service/steuer-tipps /news/leasing-handwerk

    1. Ich bin kein experte, aber bei uns im betrieb hat leasing geholfen weil wir nicht auf eigenkapital warte mußten. Jedoch war die dokumentation uffwendig und die förderanträge schwer zu verstehn. Wurde auch von bank abgelehnt einmahl. Gibt tipps wo man einfache erklärungen find? vlt /faq/leasing-erklaert

    2. Neutraler punkt: Leasing erleichtert anschaffungen, vorallem elektrofahrzeuge und neue maschinen. Aber die laufzeit und restwert rechnung sind kompliziert, und kleine betriebe habn angst vor versteckte kosten. Wäre gut wenn förderprogramme einfacher und praxistauglich sind,und wenn staatliche förderung leasing explizit mitdenkt, z.b. auf /ratgeber/foerderprogramme

  3. Der text macht klar das nachhaltigkeit im handwerk kommt, aber oft aus eigenmitteln finanziert wird. Leasing wird genannt als lösung, trotzdem bleiben investitionsstau und unsichere rahmenbedingung. Gibt es praxisnahe förderprogramme die leasing berücksichtigen? Würd gern mehr praxisbeispiele sehn, vlt auf /case-studies/nachhaltiges-handwerk oder /ratgeber/foerderprogramme

  4. Guter beitrag, sachlich. Ich seh das Problem mit Fachkräftemangel und digitalisierung klar, und Leasing hilft da bei maschinen und eAutos. Aber oft sind die raten zu hoch wenn unerwartet kosten kommen, und bankkredite werden abgelehnt. Was sagen die verbände konkreter zu steuerlichen anreizen? siehe auch /themen/fachkraeftemangel und /service/finanzierung-tipps

  5. Interessant artikel, ich find Leasing klingt gut für handwerkliche investitionen weil man nicht alles aufeinmal zahlen muß. Aber die frage bleibt wer trägt das restwert-risiko und wie sind die bedingungen bei kleinen betrieb? Bürokratie und förderprogramme sind schwer zu durchblicken. Mehr infos auf /news/leasing-handwerk oder /ratgeber/foerderprogramme wärn hilfreich, kann jemand erklärn?

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