Bauernverband erhöht Druck vor EU-Rede: Klare Taten für die Landwirtschaft gefordert – Kritik an EU-Politik wächst

Der Bayerische Bauernverband fordert vor der morgigen EU-Rede von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen konkrete Taten statt weiterer Worthülsen und warnt, dass aktuelle Gesetzesvorhaben – von Naturschutz- und Überwachungspflichten bis hin zu Handels- und Öko-Regelungen – die bäuerlichen Familienbetriebe zusätzlich unter Druck setzen. Kritisiert wird zudem, dass der EU-Haushalt insgesamt wächst, während in der Gemeinsamen Agrarpolitik an allen Ecken gespart wird. Die Bauern erwarten eine kämpferische und ambitionierte Rede, die die systemrelevante Rolle von Land- und Forstwirtschaft für Ernährungssicherheit, ländliche Wertschöpfung und die gesamte Volkswirtschaft endlich anerkennt und spürbare Verbesserungen anstößt.
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– BBV fordert von EU-Kommissionspräsidentin konkrete Entlastungen statt nur Worte für Europas Landwirtschaft.
– Kritisiert unrealistische Naturwiederherstellungs-, Bodenüberwachungs- und Entwaldungsverordnungen als bürokratische Belastung.
– BBV verurteilt MFR-Pläne: CAP-Kürzungen trotz wachsendem EU-Gesamtbudget inakzeptabel.

Bayerischer Bauernverband fordert klare Taten von der EU-Kommission

Kurz vor der Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Lage der Europäischen Union macht der Bayerische Bauernverband (BBV) seine Erwartungen deutlich: Nicht nur Worte, sondern endlich konkrete Maßnahmen für die Landwirtschaft sind gefordert. Die bäuerlichen Familienbetriebe in Europa stehen unter erheblichem Druck. Dabei sieht der Verband einige aktuelle Gesetzesvorhaben aus Brüssel als zusätzliche Belastung und fordert Nachbesserungen.

Der BBV kritisiert vor allem folgende Vorschläge der EU-Kommission:

  • Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur belastet landwirtschaftliche Betriebe mit unrealistischen Vorgaben, die in der Praxis kaum umzusetzen sind.
  • Die geplanten Boden- und Forstüberwachungsgesetze führen zu zusätzlicher Bürokratie durch umfangreiche Daten- und Kontrollpflichten, die der Verband als unnötig einstuft.
  • Die Entwaldungsverordnung stellt deutsche Landwirtschaft unter den Generalverdacht, wie Abholzungen im Ausland zu wirken, ohne die konkreten Bedingungen hierzulande ausreichend zu berücksichtigen.
  • Der Agrarteil des geplanten Mercosur-Abkommens erlaubt Importe, die unter den europäischen Prozessstandards liegen – ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe.
  • Vorschläge zur Marktordnung (GMO) greifen in die Vertragsfreiheit ein, indem sie die Gestaltung von Lieferverträgen einschränken.
  • Vorgaben im EU-Öko-Recht zur Weidehaltung könnten gerade in Bayern viele Landwirte vom Ökolandbau abbringen, weil sie praktische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringen.

Der BBV stellt zudem das geplante EU-Budget kritisch infrage. Zwar wachse der Gesamtetat, doch bei den Kernaufgaben der Union wie der Gemeinsamen Agrarpolitik werde gekürzt. Dazu heißt es: „Es kann nicht sein, dass der EU-Haushalt insgesamt wächst, während bei den Kernaufgaben der Union – insbesondere der Gemeinsamen Agrarpolitik – der Rotstift angesetzt wird. Das können und werden wir nicht akzeptieren.“

Mit Blick auf die Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft fordert der Verband die EU-Kommission auf, nun konkrete Verbesserungen umzusetzen. Die Branche sei systemrelevant, nicht nur für die Ernährungssicherheit, sondern auch für die Wertschöpfung im ländlichen Raum und als Grundlage der gesamten europäischen Wirtschaft. „Jetzt gilt es anzupacken. Land- und Forstwirtschaft sind systemrelevant – und zwar nicht nur für Ernährungssicherheit, Wertschöpfung im ländlichen Raum, sondern als Grundlage für die gesamte europäischen Wirtschaft. Wenn die bisherigen Ankündigungen und Versprechungen ernst gemeint waren, müssen Präsidentin von der Leyen und die zuständigen Kommissare nun liefern. Ich erwarte eine ambitionierte und kämpferische Rede der Kommissionspräsidentin, die unserer Branche gerecht wird und die Weichen für spürbare Verbesserungen stellt.“

Die Stellungnahme des Bayerischen Bauernverbands gibt einen klaren Ausblick darauf, welche konkreten Forderungen aus Sicht der Landwirtschaft in Europa in den kommenden Monaten umgesetzt werden müssen, um die Branche nachhaltig zu stärken.

Landwirtschaft am Scheideweg: Warum jetzt entscheidende Weichen gestellt werden müssen

Die europäische Landwirtschaft steht aktuell unter einem enormen Entscheidungsdruck. Vielerorts sind die Betriebe mit vielfältigen Anforderungen konfrontiert, die wirtschaftliche Erfolge, ökologische Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbinden müssen. Diese Herausforderung entsteht vor allem durch die laufenden politischen Debatten auf europäischer Ebene, die nachhaltige Umweltauflagen mit der Sicherstellung der Versorgungssicherheit und der Förderung ländlicher Wirtschaftskraft in Einklang bringen wollen. Doch wie viel Regulierung kann die Landwirtschaft tatsächlich vertragen, ohne dass die Betriebe an ihre Grenzen stoßen?

Die Verantwortung, die auf der Agrarpolitik lastet, ist immens: Landwirtschaft sichert nicht nur die Nahrungsmittelversorgung, sondern prägt das Leben in ländlichen Regionen, erhält Arbeitsplätze und trägt zur Wertschöpfung bei. Gleichzeitig steht sie im Fokus, wenn es um den Schutz von Natur, Boden, Klima und Biodiversität geht. Das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und Umweltauflagen ist deshalb groß. Gerade die Frage, wie sich Bürokratie und Kontrollmechanismen gestalten sollten, beschäftigte in den letzten Monaten viele Bauernfamilien und Verbände. Denn zusätzliche Bürokratie bedeutet oft Mehraufwand, mehr Kosten und weniger Zeit für die eigentliche Arbeit.

Die wichtigsten Aufgabenfelder, mit denen die Landwirtschaft heute umgehen muss, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung
  • Optimierung der Erzeugung zur Sicherung der Lebensmittelversorgung
  • Anpassung an und Mitwirkung bei Klima- und Umweltschutzmaßnahmen
  • Bewältigung von Marktanforderungen und Handelsabkommen
  • Integration technischer Neuerungen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit

Aktuelle politische Diskussionen zeigen exemplarisch, wie komplex die Lage ist. Während Umweltschützer strengere Regeln für Boden- und Gewässerschutz fordern, fürchten Landwirte und ihre Verbände eine Überfrachtung mit Kontrollauflagen, die weniger der Effektivität als vielmehr der Dokumentation dienen. Ein Debattenbeispiel sind etwa die Vorschläge im Naturwiederherstellungsgesetz oder Regelungen zur Bodenüberwachung, die nach Ansicht vieler Bauern unrealistische Standards setzen und die Betriebe mit zusätzlicher Bürokratie belasten.

Zudem wird die Forderung nach einer Balance zwischen Umwelt- und Wirtschaftsinteressen in Europa von zahlreichen Seiten an die Agrarpolitik herangetragen. Wirtschaftsvertreter warnen vor Wettbewerbsnachteilen durch zu restriktive Vorgaben, insbesondere vor dem Hintergrund internationaler Handelsabkommen, bei denen Importe oft unter niedrigeren Standards erfolgen. Gleichzeitig wächst der Druck aus der Gesellschaft, den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft zu verringern und Biodiversitätsverluste zu stoppen. Dies führt nicht selten zu Zielkonflikten: Eine ökologische Bewirtschaftung erfordert teilweise Einschränkungen in der Betriebsführung, die sich wirtschaftlich nachteilig auswirken können.

Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Themen reicht weit über die Felder und Ställe hinaus. Öffentlichkeit und Politik erkennen zunehmend, dass Landwirtschaft wesentlichen Anteil an der Gestaltung klimafitter und naturnaher Landschaften hat – sie ist deshalb Teilsystem einer nachhaltigen Entwicklung, deren Erfolg langfristig von klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen abhängt. Die anstehenden Entscheidungen in Brüssel könnten den Kurs für die kommenden Jahre vorgeben und damit grundlegenden Einfluss darauf nehmen, wie produktiv, ökologisch verträglich und wettbewerbsfähig die europäische Landwirtschaft bleibt.

In den politischen Verhandlungen kristallisieren sich mehrere zentrale Interessenslagen heraus: Einerseits möchten Landwirte verlässliche Perspektiven mit weniger Bürokratie und stärkerer finanzieller Unterstützung. Andererseits fordert die Gesellschaft ambitionierte Umweltziele und Transparenz. Die EU-Kommission steht vor der Herausforderung, diese unterschiedlichen Erwartungen zu moderieren und Lösungen zu entwickeln, die die Landwirtschaft zukunftsfähig machen und zugleich ökologische Erfordernisse ernst nehmen.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese Balance gestaltet. Die europäische Agrarpolitik muss auf Entscheidungen setzen, die fachlichen Realitäten und gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Landwirtschaft weiterhin ihren unverzichtbaren Beitrag zur Ernährungssicherung, zum Erhalt ländlicher Räume und zum Schutz natürlicher Ressourcen leistet – trotz der wachsenden Herausforderungen durch Klimawandel, Umweltbelastungen und globale Märkte.

Die Informationen und Zitate in diesem Beitrag basieren auf einer Pressemitteilung des Bayerischen Bauernverbands.

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