– Der deutsche Einzelhandel verliert 2026 laut HDE-Prognose netto 4900 Geschäfte.
– Dies setzt den Trend fort, nach einem Minus von 4500 Geschäften im Vorjahr.
– Der Verband warnt vor dramatischen Folgen für die Innenstädte durch den anhaltenden Rückgang.
Innenstädte unter Druck: 4900 Läden weniger
Im Vorjahr verzeichnete der Handelsverband Deutschland (HDE) ein Minus bei der Zahl der Geschäfte von 4500. Im laufenden Jahr 2026 werden 4900 Geschäfte in Deutschland verloren gehen. Das zeigt eine aktuelle Prognose des HDE. Bei dieser Zahl sind die Neueröffnungen in der Branche bereits gegengerechnet.
Im Vorfeld des Handelsimmobilienkongresses in Berlin warnt HDE-Präsident Alexander von Preen vor einer „Gewöhnung an den jährlichen Aderlass“ und vor den dramatischen Folgen für viele Innenstädte. Die neue Prognose macht damit nicht nur die Lage des stationären Handels sichtbar, sondern auch den wachsenden Druck auf die Zentren vieler Städte und Gemeinden.
Was hinter dem Druck auf den Handel steckt
Die Prognose trifft auf ein ohnehin angespanntes Umfeld. Laut Statistischem Bundesamt sank der Umsatz der Einzelhandelsunternehmen im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 kalender- und saisonbereinigt real um 0,9 Prozent. Besonders schwach fiel der Jahresauftakt im Nicht-Lebensmittelhandel aus: Dort lag das reale Umsatzminus im Januar 2026 gegenüber dem Vormonat bei 1,7 Prozent, wie aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 2. März 2026 hervorgeht.
Diese Daten erklären nicht jede einzelne Schließung, sie liefern aber einen wichtigen Hinweis auf die schwierige Lage vieler Händlerinnen und Händler. Wenn die Nachfrage schwächelt, trifft das vor allem Segmente, die stark von spontanen Käufen, Laufkundschaft und einer belebten Innenstadt abhängen.
Gleichzeitig wächst ein Bereich weiter, der seit Jahren als Konkurrenz zum klassischen Laden gilt. Im Internet- und Versandhandel stieg der Umsatz im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 real um 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag das reale Plus bei 2,1 Prozent, ebenfalls nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 2. März 2026. Damit zeigt sich ein gegenläufiger Trend: Während stationäre Formate unter Druck stehen, bleibt der Onlinehandel auf Wachstumskurs.
Warum Innenstädte besonders betroffen sind
Die Folgen reichen weit über den Handel selbst hinaus. Wenn weniger Geschäfte in Innenstädten präsent sind, verändert sich das Stadtbild. Schaufenster verschwinden, Wege werden unattraktiver, und ganze Einkaufsstraßen können an Frequenz verlieren. Was zunächst wie ein Problem einzelner Branchen wirkt, kann sich damit auf den Alltag vieler Menschen auswirken.
Innenstädte leben nicht nur vom Verkauf, sondern auch von Bewegung, Aufenthaltsqualität und der Mischung unterschiedlicher Nutzungen. Wo Läden schließen, kann das die Zahl der Besucherinnen und Besucher spürbar beeinflussen. Weniger Laufkundschaft dürfte wiederum andere Geschäfte zusätzlich belasten. So macht die Warnung des HDE sichtbar, warum Ladenverluste für Kommunen und Stadtgesellschaften mehr sind als eine Branchenmeldung.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann das vor Ort ganz konkret werden: kürzere Einkaufsstraßen, weniger Auswahl, längere Wege und ein anderes Nutzungserlebnis im Zentrum. Gerade deshalb wird an der Entwicklung des Einzelhandels oft auch der Zustand einer Innenstadt abgelesen.
Welche Fragen sich jetzt für Politik und Städte stellen
Die Warnung vor einer schleichenden Gewöhnung an den jährlichen Rückgang lenkt den Blick auf die nächsten Entscheidungen. Für Städte und Gemeinden stellt sich die Frage, wie sie ihre Zentren in einer Phase des Strukturwandels stabil halten können. Für Eigentümer von Handelsimmobilien geht es darum, wie Flächen künftig genutzt werden. Und für den Handel selbst wird entscheidend sein, wie sich stationäre Angebote in einem Umfeld behaupten lassen, in dem Nachfrage und Vertriebskanäle auseinanderlaufen.
Lesenswert ist außerdem Tarifrunde Einzelhandel: HDE kritisiert ver.di-Forderungen als unverhältnismäßig und warnt vor Jobverlusten.
Klar ist schon jetzt: Der Druck auf die Innenstädte wird nicht allein durch den Handel beantwortet werden können. Gefragt sind Konzepte, die Immobilien, Stadtentwicklung, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität zusammendenken. Die neue HDE-Prognose ist deshalb nicht nur eine Zahl für die Branche, sondern ein Signal an Kommunen, Eigentümer, Händler und Kundschaft gleichermaßen. Wie sichtbar der Wandel in den Zentren wird, dürfte davon abhängen, wie schnell aus der Warnung konkrete Antworten werden.
Die nachfolgenden Angaben und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Der Umsatz der Einzelhandelsunternehmen sank im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 kalender- und saisonbereinigt real um 0,9 % (vorläufig, Stand: 2. März 2026).“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_070_45212.html
- „Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln sank der Umsatz im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 real um 1,7 % und nominal um 1,0 % (vorläufig, Stand: 2. März 2026).“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_070_45212.html
- „Im Internet- und Versandhandel stieg der Umsatz im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 real um 2,5 % und nominal um 3,5 %; zum Vorjahr real +2,1 % (vorläufig, Stand: 2. März 2026).“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_070_45212.html
Update: Warum das Thema wichtig bleibt
Der Rückgang um 4.900 Geschäfte im Jahr 2026 ist mehr als eine Statistik für den stationären Handel. Er fällt in eine Phase schwächerer Umsätze im Einzelhandel und trifft auf einen gleichzeitig wachsenden Online- und Versandhandel. Damit verstärkt sich der Strukturwandel sichtbar in den Zentren vieler Städte.
Für Betroffene wird vor allem relevant, wie Städte und Gemeinden ihre Innenstädte in dieser Entwicklung stabil halten. Auch Immobilien-Eigentümer sowie Händler stehen vor der Frage, welche Flächen- und Angebotskonzepte künftig funktionieren, wenn Laufkundschaft und Nachfrage sich verlagern. Der HDE warnt ausdrücklich vor einer „Gewöhnung“ an den jährlichen Aderlass – das macht die Dringlichkeit für Entscheidungen vor Ort deutlich.
Was Leserinnen und Leser jetzt wissen sollten
Warum nimmt die Zahl der Geschäfte ab, obwohl Neueröffnungen gegengerechnet sind?
Die Prognose berücksichtigt bereits Neueröffnungen, daher deutet der Netto-Rückgang auf anhaltende Schließungen hin.
Wieso trifft der Druck Innenstädte besonders hart?
Innenstädte hängen nicht nur am Verkauf, sondern auch an Frequenz, Aufenthaltsqualität und Mischung. Weniger Läden kann Wege und Attraktivität spürbar verändern.
Was bedeutet der Trend für Kundinnen und Kunden vor Ort?
Möglich sind kürzere Einkaufsstraßen, weniger Auswahl, längere Wege und ein anderes Nutzungserlebnis im Zentrum.
Welche konkreten Themen müssen Politik und Kommunen jetzt adressieren?
Gefragt sind Konzepte, die Immobilien, Stadtentwicklung, Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität zusammendenken. Eine passende Anlaufstelle können Fachstellen, Beratungsstellen oder zuständige Behörden sein.








