Wenn draußen die Temperaturen steigen, wird ein Krankenhauszimmer schnell zur Belastungsprobe. Für Patientinnen und Patienten ist das unangenehm, für Beschäftigte kann es den Alltag zusätzlich erschweren – vor allem dort, wo sich Räume kaum oder gar nicht kühlen lassen.
Genau das zeigt eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): 59 Prozent der befragten Krankenhäuser können nach eigenen Angaben kein einziges Patientenzimmer kühlen. Bei den übrigen 41 Prozent sind im Durchschnitt nur 11 Prozent der Zimmer aktiv gekühlt. Die Erhebung wurde vom 10. bis 14. August 2026 durchgeführt und umfasst 458 Krankenhäuser.
Warum Hitze den Klinikalltag spürbar verschärft
Die Zahlen machen deutlich, dass es beim Hitzeschutz nicht nur um Komfort geht. Mehr als die Hälfte der befragten Krankenhäuser gab an, im Jahr 2026 während Hitzeperioden mehr Patientinnen und Patienten als sonst zu versorgen. In 72 Prozent dieser Häuser stieg das stationäre Aufkommen um bis zu 10 Prozent, in 28 Prozent sogar um 10 Prozent oder mehr.
Gleichzeitig meldeten 32 Prozent der Krankenhäuser während ausgeprägter Hitzeperioden einen erhöhten Krankenstand unter den Beschäftigten. Damit wächst der Druck an zwei Stellen zugleich: Wenn mehr Menschen Hilfe brauchen und zugleich weniger Personal zur Verfügung steht, geraten Abläufe schneller an ihre Grenzen.
Die DKG verweist darauf, dass Hitze für viele Krankenhauspatientinnen und -patienten lebensgefährlich sein kann, vor allem bei zusätzlichen Vorerkrankungen. Auch andere Hinweise passen zu diesem Bild: Der WDR berichtete im Juli 2026, dass in vielen Kliniken auf Normalstationen Klimaanlagen fehlen und auch Notaufnahmen teils nicht klimatisiert sind. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl hitzebedingter Sterbefälle bis Ende der 31. Kalenderwoche 2026 auf 12.500.
Die eigentliche Hürde heißt Finanzierung
Nach der Umfrage sehen 97 Prozent der Befragten fehlende finanzielle Mittel als Haupthindernis für besseren Hitzeschutz. Aus Sicht der DKG liegt das Problem vor allem darin, dass die Länder ihre Investitionskosten seit Jahrzehnten nicht vollständig tragen. In der Mitteilung ist von einer derzeit nur zu 60 Prozent gedeckten Investitionsfinanzierung für Bauten und technische Infrastruktur die Rede.
Hinzu kommen nach Angaben der Krankenhäuser bürokratischer Aufwand und wenig Flexibilität bei Fördermaßnahmen. Das ist für viele Häuser relevant, weil es nicht nur um einzelne Anschaffungen geht, sondern oft um bauliche und technische Nachrüstungen, die sich nicht kurzfristig umsetzen lassen.
Die Zahlen stehen außerdem in einem größeren Kontext: Im Deutschen Bundestag war 2025 bereits darauf hingewiesen worden, dass die Datenlage zum Hitzeschutz in Kliniken und Pflegeeinrichtungen unklar ist. Die neue Blitzumfrage schafft zwar mehr Überblick, ersetzt aber keine flächendeckende Bestandsaufnahme über alle Einrichtungen und Gebäudestände hinweg.
Welche Maßnahmen schon helfen – und wo sie an Grenzen stoßen
Ganz ohne Anpassungen reagieren die Häuser allerdings nicht. 77 Prozent setzen laut Umfrage standardmäßig auf Verschattung, etwa mit Rollläden, Jalousien oder Lamellenvorhängen. 42 Prozent nutzen Kompressionskältemaschinen als Standardklimaanlage, 40 Prozent nennen wärmedämmende Fenster. Weniger verbreitet sind Umluftkühler mit 24 Prozent sowie Dach- und Fassadenbegrünung mit 21 Prozent.
Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen den Bereichen eines Krankenhauses. Intensivstationen und OP-Bereiche sind in der Regel gekühlt, während Notaufnahmen, Diagnostik- und Funktionsbereiche sowie vor allem Personal- und Pausenräume deutlich seltener unter Kühlung stehen. Gerade dort, wo Beschäftigte längere Zeit arbeiten oder sich erholen sollen, bleibt die Ausstattung also oft lückenhaft.
Nach Angaben der Befragten haben vor allem vier Maßnahmenbündel den Hitzeschutz verbessert: Unterstützung für Patientinnen und Patienten, Unterstützung für Beschäftigte, interne Kommunikation und konkrete Maßnahmen zur Kühlung der Räume. Für den Sommer 2027 planen 59 Prozent investive Schritte, 43 Prozent personelle Maßnahmen und 43 Prozent Schulungsangebote. Das zeigt Bewegung – aber auch, dass viele Lösungen noch vorbereitet und finanziert werden müssen.
Viele Häuser sehen sich noch am Anfang
Die Selbsteinschätzung der Krankenhäuser fällt vorsichtig aus. Nur ein einziges Haus in der Stichprobe sieht sich beim Hitzeschutz als Vorreiter. 48 Prozent bezeichnen sich als Starter, die sich auf den Weg gemacht haben, 25 Prozent stehen nach eigener Einschätzung noch ganz am Anfang, 20 Prozent sehen sich als fortgeschrittene Umsetzer.
Damit wird klar: Der Hitzeschutz ist in vielen Kliniken noch kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein Prozess, der an Finanzierung, Technik und Organisation hängt. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das, dass Hitze im Krankenhaus auch künftig ein reales Risiko bleiben kann, solange Zimmer und Aufenthaltsbereiche nicht systematisch nachgerüstet werden.
Die DKG fordert deshalb, die Krankenhäuser bis zum Sommer 2027 so zu unterstützen, dass sie ihre Gebäude zügig mit Kühltechnik nachrüsten können. Ob der Zeitplan reicht, wird sich im Alltag zeigen – an heißen Tagen, in überfüllten Notaufnahmen und in Häusern, die mit knappen Mitteln den nächsten Sommer vorbereiten müssen.
Quellen
- DKI-Blitzumfrage „Hitzeschutz im Krankenhaus 2026“ (PDF)
- WDR: Hitzeschutz in Krankenhäusern
- Deutscher Bundestag (hib 399/2025): Datenlage zum Hitzeschutz in Kliniken und Pflegeeinrichtungen