– Koalitionsausschuss einigt sich auf Ausbau erneuerbarer Energien und Netzausbau
– Zehn Gigawatt neue steuerbare Kraftwerkskapazitäten sollen 2026 ausgeschrieben werden
– Betriebskostenförderung für wasserstofffähige Kraftwerke und Energieinfrastrukturfonds geplant
Koalitionsbeschluss: Energiepolitik auf Kurs, aber wichtige Fragen offen
Die Einigung des Koalitionsausschusses zur Energiepolitik markiert einen wichtigen Schritt für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, bewertet die Beschlüsse als "ein erfreuliches Signal für mehr Versorgungssicherheit"*. Die Bundesregierung erkenne die wachsende Stromnachfrage und fortschreitende Elektrifizierung an, was den beschlossenen Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Stärkung des Netzausbaus notwendig mache.
Originalzitate: Kerstin Andreae
Die BDEW-Chefin betont: "Die geplanten Ausschreibungen von insgesamt 10 Gigawatt (GW) neuer steuerbarer Kapazitäten im Jahr 2026 weisen in die richtige Richtung". Gleichzeitig mahnt sie: "Unverständlich bleibt, dass das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, das seit 2010 etwa 18 Gigawatt gesicherte Leistung mobilisiert hat, in den Beschlüssen keinerlei Rolle spielt". Für die weitere Entwicklung sei entscheidend, "dass die dafür notwendigen Regelungen bis 2027 tatsächlich verabschiedet sind und Planbarkeit schaffen"*.
Zentrale Zahlen und Forderungen (Stand: 14. November 2025)
Die beschlossenen Maßnahmen umfassen konkrete Kapazitätsziele:
- 10 Gigawatt neue steuerbare Kapazitäten durch Ausschreibungen im Jahr 2026
- Davon acht GW mit Mindestlaufzeit von zehn Stunden am Stück für Dunkelflauten
- 2 GW technologieoffene Ausschreibungen, die auch Batteriespeichern offenstehen
- Alle Gaskraftwerke müssen H2-ready sein
- Kapazitätsmarkt ab 2032 mit notwendigen Regelungen bis 2027
Trotz der positiven Signale bleiben aus Sicht des BDEW zentrale Fragen ungeklärt. Andreae stellt klar: "Insgesamt geht die Einigung in eine richtige Richtung. Damit sie aber Investitionen tatsächlich auslöst, müssen offene Fragen zügig geklärt und die europäische Notifizierung sichergestellt werden"*. Die fehlende Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung und ungeklärte Details zur regionalen Steuerung sowie zu Investitionssicherheiten zeigen, dass der energiepolitische Fahrplan noch Lücken aufweist.
Kraftwerksstrategie im Spannungsfeld zwischen Planung und Umsetzung
Die deutsche Kraftwerksstrategie bewegt sich im komplexen Dreieck aus energiepolitischen Zielen, technologischen Anforderungen und investitionsrechtlichen Rahmenbedingungen. Während die politischen Beschlüsse ambitionierte Kapazitätsziele vorgeben, zeigen sich in der Umsetzung erhebliche Hürden, die die zeitliche Planung infrage stellen.
Wie viele GWs werden geplant? (zeitliche Einordnung)
Die Kraftwerksstrategie sieht insgesamt 12,5 GW an neuer Kraftwerkskapazität vor – aufgeteilt in 5 GW H2-ready Neubaukraftwerke, Modernisierungen und 5 GW konventionelle Kapazitäten, ergänzt um 500 MW H2-Langzeitspeicher (Stand: Juli 2024). Die Ausschreibungen sollten ursprünglich Anfang 2025 starten, mit einem technologieoffenen Kapazitätsmarkt frühestens ab 2028 (Stand: August 2024).
Doch die Realität zeigt Verzögerungen: Noch im Oktober 2025 finden keine Kraftwerksausschreibungen statt, und die Einführung des Kapazitätsmarktes verzögert sich wegen der EU-Beihilfeprüfung (Stand: 10. Okt. 2025). Erste Ausschreibungen mit CfD-Elementen stehen zwar in Diskussion, doch zahlreiche Designfragen bleiben offen (Stand: Okt. 2025). Diese zeitliche Lücke zwischen Planung und Umsetzung unterstreicht die Dringlichkeit der von Branchenvertretern geforderten schnellen EU-Notifizierung.
Systemanforderungen, Reservebedarf und regionale Verteilung
Der Bedarf an Kapazitätsreserve liegt bei 5.361 MW (Stand: 2024)*, was die systemische Bedeutung zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten unterstreicht. Acht der geplanten steuerbaren Kapazitäten sollen mindestens zehn Stunden am Stück Strom erzeugen können – eine essentielle Voraussetzung zur Überbrückung von Dunkelflauten.
Die regionale Steuerung der Kraftwerksstandorte gilt als wichtiger Beitrag zur Systemsicherheit, doch ihre konkrete Ausgestaltung bleibt ungeklärt. Für die Betriebskosten wasserstofffähiger Kraftwerke sind rund 350 Millionen Euro für 2026 vorgesehen (Stand: Okt. 2025). Parallel dazu wird über einen großen Energieinfrastrukturfonds mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro diskutiert (Stand: Nov. 2025), der die finanziellen Rahmenbedingungen für die Energiewende maßgeblich prägen könnte.
Die Diskrepanz zwischen den politischen Zielvorgaben und den praktischen Umsetzungshemmnissen – insbesondere bei der EU-Beihilfeprüfung – bestimmt aktuell die Dynamik der Kraftwerksstrategie und stellt die angestrebte Investitionssicherheit infrage.
Zahlen und Zeitpläne der Kraftwerksstrategie
Die deutsche Kraftwerksstrategie umfasst ein komplexes Geflecht aus geplanten Kapazitäten, Förderinstrumenten und zeitlichen Meilensteinen. Diese kompakte Übersicht fasst die wichtigsten recherchierten Fakten mit ihren Quellen und Stichtagen zusammen.
| Jahr | Maßnahme | Volumen | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|
| 2024 | Festgestellter Bedarf an Kapazitätsreserve | 5.361 MW* | Next Kraftwerke (2024) |
| Juli 2024 | Regierungsplanung neue Kraftwerkskapazität und H2-Langzeitspeicher | 12,5 GW (5 GW H2-ready Neubau, 2 GW H2-ready Modernisierungen, 5 GW konventionell) + 500 MW H2-Langzeitspeicher* | Erneuerbare Energien Hamburg (Juli 2024) |
| Aug. 2024 | Geplanter Start erster Ausschreibungen; technologieoffener Kapazitätsmarkt | Anfang 2025 (5 GW Neubau + 2 GW Modernisierungen); frühestens ab 2028* | EnBW (Aug. 2024) |
| 2025 | Erste zentrale Ausschreibungen mit CfD-Elementen | Design- und Vergütungsdetails offen; erste Ausschreibungen erfolgen ab 2025* | BBH Blog (Okt. 2025) |
| 2025 | Tatsächliche Verzögerung: Keine Kraftwerksausschreibungen; EU-Beihilfeprüfung | Einführung des Kapazitätsmarktes verzögert sich; im Jahr 2025 finden keine Ausschreibungen statt* | Energate Podcast (10. Okt. 2025) |
| 2026 | Vorgesehene Betriebskostenförderung für H2-ready-Kraftwerke | rund 350 Mio. Euro* | Handelsblatt (Okt. 2025) |
| Nov. 2025 | Geplantes Volumen des Energieinfrastrukturfonds | 500 Milliarden Euro* | BBH Blog (Nov. 2025) |
Was die Einigung für Versorgungssicherheit und Investoren bedeutet
Die politische Einigung zur Kraftwerksstrategie markiert einen wichtigen Schritt, doch ihre tatsächliche Wirkung entfaltet sich erst durch konkrete Umsetzung. Entscheidend für Versorgungssicherheit und Investorenvertrauen wird sein, wie offene Fragen geklärt und regulatorische Hürden überwunden werden. Bereits jetzt zeichnen sich Verzögerungen ab: 2025 wird es keine Kraftwerksausschreibungen mehr geben.*
Investitionssicherheit: was jetzt wichtig ist
Investoren benötigen klare Rahmenbedingungen, bevor sie Milliardenbeträge in neue Kraftwerkskapazitäten lenken. Die Ankündigung erster zentraler Ausschreibungen mit CfD-Elementen ab 2025 wurde nicht bestätigt. Ohne detaillierte Ausgestaltung der Contracts for Difference und belastbare Regelungen zur Wasserstoffverfügbarkeit bleiben finanzielle Risiken für potenzielle Kraftwerksbetreiber bestehen.
Die Forderung des BDEW nach einem „belastbaren Gesetzentwurf“ spiegelt diese Dringlichkeit wider. Die beihilferechtliche Notifizierung bei der EU-Kommission stellt hierbei eine kritische Hürde dar – erst ihre positive Entscheidung schafft die notwendige Rechtssicherheit für langfristige Investitionen. Parallel muss die Ausstattung des neuen Energieinfrastrukturfonds mit staatlichen Garantien konkretisiert werden, um die Finanzierung der Energiewende abzusichern.
Was Bürgerinnen und Bürger spüren könnten
Für Verbraucher wird die Umsetzung der Kraftwerksstrategie mittelbar spürbar werden. Gelingt der rechtzeitige Zubau neuer Gaskraftwerke und Erneuerbarer-Energien-Kapazitäten, trägt dies zur Stabilisierung der Stromversorgung bei – besonders in Zeiten mit wenig Wind und Sonne. Scheitert die Umsetzung hingegen an verzögerten Genehmigungen oder ungeklärten Förderdetails, könnte dies langfristig die Strompreisentwicklung beeinflussen und Versorgungsrisiken erhöhen.
Besonders beobachtenswert bleibt die Behandlung der Kraft-Wärme-Kopplung. Deren Ausklammerung aus den aktuellen Beschlüssen könnte dezentrale Versorgungslösungen vernachlässigen, die sowohl Strom- als auch Wärmesicherheit in urbanen Räumen gewährleisten.
Für die kommenden Monate sollten Interessierte drei Signale im Blick behalten: die Vorlage eines Gesetzentwurfs mit beihilferechtlicher Klarheit. Die Veröffentlichung detaillierter Ausschreibungsdesigns für CfD-Instrumente sowie konkrete Entscheidungen zur Ausstattung des Energieinfrastrukturfonds wurden bislang nicht bestätigt. Diese Weichenstellungen werden bestimmen, ob die beschlossene Strategie tatsächlich Investitionen auslöst und die Energiewende praktisch voranbringt.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate basieren auf einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW).
Weiterführende Quellen:
- „Im Winter 2023/2024 betrug der festgestellte Bedarf an Kapazitätsreserve 5.361 MW; für den Winter 2024/2025 wurde ein ähnlicher Wert prognostiziert (Stand: 2024).“ – Quelle: https://www.next-kraftwerke.de/wissen/kapazitatsmarkt
- „Die Bundesregierung plant im Rahmen der Kraftwerksstrategie insgesamt 12,5 GW an neuer Kraftwerkskapazität (davon 5 GW H2-ready Neubaukraftwerke, 2 GW H2-ready Modernisierungen, 5 GW konventionell) und zusätzliche 500 MW H2-Langzeitspeicher (Stand: Juli 2024).“ – Quelle: https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/blog/details/kraftwerksstrategie-und-kapazit%C3%A4tsmechanismus.html
- „Die Ausschreibungen der Kraftwerksstrategie erfolgen in zwei Phasen: Anfang 2025 Start mit 5 GW H2-ready-Neukraftwerken und 2 GW Modernisierungen, weitere Schritte folgen. Frühestens ab 2028 soll ein technologieoffener Kapazitätsmarkt eingeführt werden (Stand: August 2024).“ – Quelle: https://www.enbw.com/unternehmen/themen/kohleausstieg/kraftwerksstrategie.html
- „Staatliche Beihilfen für neue Gaskraftwerke werden zukünftig als Investitionsanreize gewährt, geplantes Ausschreibungsvolumen 8 bis 10 GW mit Inbetriebnahme bis spätestens 2031 (Stand: Juli 2024, Einigung Koalitionsausschuss).“ – Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/zur-starkung-der-wirtschaft-koalition-beschliesst-vergunstigten-strom-fur-industrie-und-weniger-steuern-auf-fluge-14835896.html
- „Für Betriebskosten von wasserstofffähigen Kraftwerken sind laut Bundeshaushalt 2025 rund 350 Mio. Euro für das Folgejahr 2026 vorgesehen (Stand: Oktober 2025).“ – Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-ministerien-loten-beim-heizungsgesetz-kompromisse-aus/100174173.html
- „Die Bundesregierung will einen zentralen Kapazitätsmarkt mit lokaler Komponente etablieren, der gezielt Kraftwerke, Speicher und flexible Nachfrage honoriert; rund zwei Drittel der neuen Kapazitäten sollen im netztechnischen Süden entstehen (Stand: August 2024).“ – Quelle: https://www.transnetbw.de/de/unternehmen/politik-und-regulierung/strommarkt-und-flexibilitaeten/zentraler-kapazitaetsmarkt
- „2025 wird es keine Kraftwerksausschreibungen mehr geben, auch die Einführung des Kapazitätsmarktes verzögert sich aufgrund der EU-Beihilfeprüfung und Abstimmungsbedarf mit Brüssel (Stand: 10. Oktober 2025).“ – Quelle: https://irgendwas-mit-energie-energate.podigee.io/184-news-update-vom-10-oktober-2025-kraftwerksstrategie-spate-einsichten-im-bundeswirtschaftsministerium
- „Erste zentrale Ausschreibungen mit CfD-Elementen für H2-ready-Gaskraftwerke erfolgen ab 2025, Details zum Design und zur Vergütung sind bis Oktober 2025 noch offen (Stand: Oktober 2025).“ – Quelle: https://www.bbh-blog.de/alle-themen/emissionshandel/kraftwerksstrategie-bundesregierung-veroefflicht-neue-eckpunkte/
- „Im Koalitionsvertrag 2025 ist vorgesehen, einen 500 Milliarden Euro umfassenden Energieinfrastrukturfonds einzurichten, um private Investitionen zu hebeln und Risiken durch Bundesbeteiligungen zu verringern (Stand: November 2025).“ – Quelle: https://www.bbh-blog.de/allgemein/koalitionsvertrag-2025-neue-impulse-fuer-die-finanzierung-der-energiewende/
8 Antworten
‚Investitionssicherheit‘ ist ein großes Thema hier! Ich hoffe wirklich, dass es klare Rahmenbedingungen gibt und keine langen Verzögerungen mehr kommen. Wie seht ihr das? Was müssen wir tun?
Die geplanten Investitionen in H2-ready Kraftwerke sind beeindruckend! Ich frage mich jedoch, wie diese Technologien letztendlich den Markt beeinflussen werden. Gibt es Studien zu den langfristigen Auswirkungen?
‚Studien‘ klingt gut! Aber wer stellt sicher, dass diese Technologien tatsächlich funktionieren und nicht nur auf dem Papier existieren? Gibt es da schon Fortschritte?
Die geplanten 10 GW sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit der Kraft-Wärme-Kopplung? Das ist doch wichtig für die Energieversorgung! Ich hoffe, das wird nicht ignoriert.
Ja genau, Heinrich! Ich denke auch, dass die Kraft-Wärme-Kopplung mehr Aufmerksamkeit braucht. Wie können wir als Bürger darauf Einfluss nehmen?
Ich finde es spannend zu sehen, wie sich das entwickelt. Aber ich mache mir Sorgen um die Kosten für die Verbraucher. Wird der Strompreis steigen? Hat jemand dazu Informationen?
Tolle Ansätze, aber ich bin skeptisch. Der Ausbau muss jetzt wirklich schnell gehen! Welche Maßnahmen sind geplant, um sicherzustellen, dass alles reibungslos läuft? Gibt es dazu schon konkrete Pläne?
Ich finde es gut, dass die Koalition den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreibt. Aber ich frage mich, wie die Umsetzung tatsächlich aussehen wird und ob wir nicht wieder auf Verzögerungen stoßen werden. Was denkt ihr?