– Der Bankenverband prognostiziert für 2026 ein BIP-Wachstum von 1,0 Prozent in Deutschland und dem Euroraum.
– Die Inflation könnte auf etwa 2,5 Prozent steigen, getrieben durch hohe Energiepreise infolge des Nahost-Kriegs.
– Ein Risikoszenario sieht bei dauerhaft hohen Energiepreisen eine Inflation über 3 Prozent und nur 0,5 Prozent Wachstum.
Konjunktur 2026: Erholung mit Energie-Risiko
Der Bundesverband deutscher Banken hat am 23. März 2026 seine Frühjahrsprognose vorgelegt und sieht für Deutschland und den Euroraum eine wirtschaftliche Erholung im laufenden Jahr. Zugleich warnt der Verband vor einem zentralen Unsicherheitsfaktor: dem Krieg im Nahen Osten und den daraus resultierenden höheren Energiepreisen. Diese könnten den Preisauftrieb verstärken und den Aufschwung abbremsen.
„Das Potenzial für Wachstum ist da, doch je länger die Energiepreise auf einem sehr hohen Niveau verharren, desto stärker trübt sich der wirtschaftliche Ausblick ein“, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, laut Presseinformation vom 23. März 2026. Für 2026 prognostizieren die Chefvolkswirte der privaten Banken in Deutschland und im Euroraum jeweils ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,0 Prozent. Die Inflation dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 auf etwa zweieinhalb Prozent steigen, in Deutschland auf 2,6 Prozent und in der Währungsunion auf rund 2,5 Prozent.
Der Bankenverband verknüpft seine Prognose damit ausdrücklich mit der Entwicklung an den Energiemärkten. „Entscheidend ist, wie lange die Energiepreise hoch bleiben. Und das hängt davon ab, wie intensiv und wie lange der Krieg im Nahen Osten andauert“, so Herkenhoff. Die Frühjahrsprognose mit dem Titel „Konjunkturausblick der privaten Banken: Erholung in den Startlöchern – Risiken steigen jedoch deutlich“ wollten Ausschussvorsitzender Felix Hüfner und Herkenhoff am 23. März 2026 um 12 Uhr vorstellen.
Warum Energiepreise jetzt zum Konjunkturtest werden
Die eigentliche Botschaft der Prognose lautet damit nicht, dass eine Erholung grundsätzlich ausfällt. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie robust sie ist. Höhere Energiepreise würden nach Darstellung des Bankenverbandes gleich an mehreren Stellen wirken: Sie erhöhen die Lebenshaltungskosten, dämpfen damit den privaten Konsum und verteuern zugleich die Produktion in den Unternehmen.
Für 2026 arbeitet der Verband deshalb mit zwei Pfaden. Im Basisszenario der Presseinformation vom 23. März 2026 wird angenommen, dass die Energiepreise in den nächsten vier bis sechs Wochen zu sinken beginnen. Dann bliebe es bei der Erwartung eines Wirtschaftswachstums von 1,0 Prozent in Deutschland und im Euroraum.
Daneben haben die Chefvolkswirte ein Risikoszenario formuliert. Wenn die Energiepreise mehrere Monate auf einem sehr hohen Niveau verharren, könnte die Inflationsrate in Deutschland und im Euroraum im Jahresdurchschnitt 2026 auf über 3 Prozent steigen. Das Wirtschaftswachstum würde dann in Deutschland wie in der Eurozone nur etwa ein halbes Prozent erreichen. Der Unterschied zwischen beiden Szenarien zeigt: Entscheidend ist aus Sicht des Verbands weniger der kurzfristige Ausschlag als die Dauer des Preisschocks.
Was aktuelle Daten zur Inflation und Energie zeigen
Die Warnung des Bankenverbandes beschreibt allerdings vor allem ein mögliches Risiko für die kommenden Monate, nicht den bereits eingetretenen Normalzustand. Darauf weisen aktuelle amtliche Daten hin.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Inflationsrate in Deutschland im Februar 2026 bei +1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, der für europäische Vergleiche genutzt wird, erreichte +2,0 Prozent. Gleichzeitig waren Energieprodukte günstiger als ein Jahr zuvor: Sie verbilligten sich im Februar 2026 um -1,9 Prozent. Für Haushaltsenergie meldete Destatis sogar ein Minus von -3,5 Prozent, darunter Erdgas mit -4,4 Prozent und Strom mit -4,1 Prozent.
Diese Daten widersprechen der Frühjahrsprognose nicht, sie setzen lediglich einen anderen Zeitpunkt. Während Destatis die bereits gemessene Preisentwicklung für Februar 2026 abbildet, richtet sich der Blick des Bankenverbandes auf das, was bei länger anhaltend hohen Energiepreisen im weiteren Jahresverlauf passieren könnte.
Wie andere Institute auf das Jahr 2026 blicken
Auch andere Institute rechnen für 2026 mit Wachstum in Deutschland, wenn auch in unterschiedlicher Höhe. Das zeigt, dass der Bankenverband mit seiner Frühjahrsprognose innerhalb eines breiteren Prognosekorridors liegt.
Das ifo Institut ging in seiner Mitteilung vom 11. Dezember 2025 für Deutschland von einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent im Jahr 2026 aus. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung prognostizierte am 17. Dezember 2025 ein Wachstum von 1,2 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer erwartete zum Jahresbeginn 2026 ein schwaches Wachstum von etwa 1 Prozent, das nach ihrer Einschätzung vor allem durch Statistik- und Kalendereffekte geprägt sei.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Einschätzung des Bankenverbandes vom 23. März 2026 weder als Ausreißer nach oben noch nach unten. Der Unterschied liegt weniger in der Grundrichtung als in der starken Betonung des Energierisikos.
Was Verbraucher und Unternehmen davon spüren könnten
Für private Haushalte wäre ein längerer Anstieg der Energiepreise vor allem deshalb relevant, weil mehr Geld für Heizung, Strom oder Kraftstoffe gebunden würde. Dann bliebe potenziell weniger Spielraum für andere Ausgaben, was die Konsumlaune dämpfen könnte. Für Unternehmen würde sich derselbe Preisdruck in höheren Produktionskosten niederschlagen.
Wie nah das Thema am Alltag liegt, zeigen aktuelle Angaben zu den Strompreisen. Nach Daten des Vergleichsportals Verivox lag der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland im Januar 2026 bei 31,64 Cent je Kilowattstunde. Das Unternehmen Wechselpilot nannte zu Beginn des Jahres 2026 dagegen eine Erwartung für 2026 von 35 bis 38 Cent je Kilowattstunde, nachdem der durchschnittliche Haushaltsstrompreis im Jahr 2025 bei etwa 40 Cent je Kilowattstunde gelegen habe. Die Werte sind dabei nicht direkt deckungsgleich: Verivox beschreibt einen gemessenen Durchschnittswert für Januar 2026, Wechselpilot eine Erwartung für das Gesamtjahr 2026.
Gerade diese Unterschiede machen deutlich, wie stark Energiepreise von Zeitpunkt, Messmethode und Marktentwicklung abhängen. Umso sensibler reagiert auch der Konjunkturausblick auf neue Preisschübe.
Der politische Auftrag hinter der Prognose
Der Bankenverband verbindet seine Frühjahrsprognose nicht nur mit einer Risikowarnung, sondern auch mit einem politischen Appell. „Gerade angesichts der ungewissen Aussichten ist es umso wichtiger, dass die Koalition in den kommenden Monaten alle Hebel in Bewegung setzt, um die strukturelle Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft zu beheben. Bis zum Sommer muss die wahlkampffreie Zeit für echte Reformen genutzt werden“, appelliert der Chef des Bankenverbandes an die Politik.
Das ist eine klare Interessenposition des Verbands. Neben den kurzfristigen Risiken durch höhere Energiepreise spricht er damit auch längerfristige strukturelle Wachstumsprobleme an. Die Konjunkturprognose selbst wird nach Verbandsangaben halbjährlich erstellt und basiert auf einer Umfrage unter 14 Chefvolkswirten privater Banken.
Die Pressemitteilung enthält darüber hinaus eine Prognoseübersicht mit weiteren Kennziffern. Für Deutschland nennt der Bankenverband für 2026 unter anderem Verbraucherpreise von 2,6 Prozent, 2,94 Millionen Arbeitslose und eine Sparquote der privaten Haushalte von 10,5 Prozent. Für den Euroraum werden für 2026 neben dem BIP-Wachstum von 1,0 Prozent auch eine Kerninflation von 2,2 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent genannt.
Damit bleibt der Ausblick für 2026 zweigeteilt: Das Basisszenario setzt auf eine Erholung, das Risikoszenario auf eine spürbare Eintrübung durch anhaltend hohe Energiepreise. Welche Entwicklung sich durchsetzt, dürfte wesentlich davon abhängen, ob sich die Energiemärkte in den kommenden Wochen beruhigen oder ob der Preisdruck länger anhält.
Dieser Beitrag enthält Informationen und Zitate, die einer Pressemitteilung des Bundesverbands deutscher Banken e. V. entnommen sind.
Weiterführende Quellen:
- „Die Inflationsrate (VPI) in Deutschland betrug im Februar 2026 +1,9 % zum Vorjahresmonat; der harmonisierte VPI lag bei +2,0 % (Stand: Februar 2026).“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_079_611.html
- „Die Preise für Energieprodukte in Deutschland sind im Februar 2026 um -1,9 % gegenüber Februar 2025 gesunken, Haushaltsenergie sank um -3,5 % (Erdgas -4,4 %, Strom -4,1 %) (Stand: Februar 2026).“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_079_611.html
- „Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) prognostiziert für Deutschland 2026 ein BIP-Wachstum von 1,2 % und eine Arbeitslosenquote von 6,3 % (Stand: 17.12.2025).“ – Quelle: https://www.imk-boeckler.de/de/pressemitteilungen-15992-imk-prognostiziert-1-2-prozent-wirtschaftswachstum-fuer-2026-73893.htm
- „Das ifo Institut prognostiziert für Deutschland 2026 ein BIP-Wachstum von 1,3 % (Stand: 11.12.2025).“ – Quelle: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-12-11/ifo-institut-sieht-wachstum-2026
- „Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland lag im Januar 2026 bei 31,64 Cent/kWh (Stand: Anfang 2026).“ – Quelle: https://www.verivox.de/strom/strompreisentwicklung/
- „Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland wird für 2026 mit 35–38 Cent/kWh erwartet, nach etwa 40 Cent/kWh im Jahr 2025; Netzentgelte sinken um 15 % durch einen 6,5 Mrd. Euro Zuschuss (Stand: Anfang 2026).“ – Quelle: https://www.wechselpilot.com/ratgeber/strompreisentwicklung/
- „Die DIHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026 erwartet ein schwaches Wachstum in Deutschland von etwa 1 %, hauptsächlich bedingt durch Statistik- und Kalendereffekte (Stand: Anfang 2026).“ – Quelle: https://www.dihk.de/de/newsroom/konjunkturumfrage-jahresbeginn-2026-167022