Konflikte im Verein – die können wir lösen!

Beitrag von

Jochen Lorenz

Mediator und Konfliktcoach
Konflikte im Verein – die können wir lösen! Mediation
Lesedauer: 3 Minuten
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Inhaltsübersicht

Die Motivation, Mitglied in einem Verein zu werden, kann der Wunsch sein, den eigenen Lieblingssport zu treiben, gemeinsam zu singen, Musik zu machen, eine Initiative zu unterstützen oder an der Umsetzung sinnvoller Prinzipien mitzuwirken.

Die Mitglieder genießen dabei in den meisten Fällen das Erlebnis von Gemeinsamkeit, wie in jeder Gemeinschaft kommt es jedoch auch im Verein immer wieder mal zu Konflikten. Nun ist die Frage, wie man am besten mit solchen aufkeimenden oder auch schon heftigen Unstimmigkeiten umgeht.

Vielfältige Konfliktursachen

Konflikte im Verein – die können wir lösen!

In Vereinen gibt es unter den Mitgliedern verschiedene Gruppen, die sich zum Teil überschneiden: die Führungsstruktur besteht immer aus einem mehrköpfigen Vorstand, eventuell einem beratenden Beirat sowie Mitgliedern, die besondere Funktionen  übernommen haben wie z.B. die Kassenführung, Kassenprüfung oder Protokollführung.

Die größte Gruppe besteht aus den einfachen Mitgliedern, vielleicht unterstützen auch noch Ehrenamtliche und Angestellte. Aus dieser Mischung ergibt sich oft ein sehr unterschiedliches Engagement für die vielfältigen Aufgaben und eine unterschiedliche innere Verbundenheit mit dem Verein.

Natürlich kommt es in jedem Verein hin und wieder zu Diskussionen über die Ziele und vor allem über die Wege, wie diese Ziele verfolgt werden sollen. Soweit ist das alles ja sehr gut und erwünscht, denn das hält den Verein lebendig, lässt ihn sich entwickeln und verändern. Allerdings gibt es auch Situationen, wo die unterschiedlichen Meinungen nicht mehr fruchtbar diskutiert werden können, sich Unzufriedenheit breit macht, Gruppenbildungen entstehen, Entscheidungen der Vereinsführung infrage gestellt werden, Machtkämpfe ausgetragen und Gräben aufgerissen werden.

Vor allem bei ideellen Vereinszielen wie z.B. Naturschutz, Kunstförderung, etc. kommt es häufig irgendwann zur Frage, ob die Ziele oder die Wege dorthin noch dem entsprechen, was sich das einzelne Mitglied darunter vorstellt.

Immer wieder wird auch die Kompetenz von Vorständen infrage gestellt, sei es nun fachlich oder in der persönlichen Zusammenarbeit. Es gibt Vorstände, die diese Funktion schon viele Jahre ausüben und vielleicht andere Mitglieder, die hier mehr Wechselmöglichkeit sehen möchten. All diese Aspekte sollten geklärt werden.

Höchste Zeit für neue Lösungswege

Konflikte im Verein – die können wir lösen!

Wenn man an die Lösung solcher Konflikte denkt, geht es in jedem Fall darum, zwischen den Beteiligten wieder Verständnis und Toleranz füreinander herzustellen. Dabei sollten – genau wie im Leben außerhalb des Vereins – zunächst Gespräche zwischen den Beteiligten geführt werden, eventuell gemeinsam mit möglichst neutralen Helfern.

Sollte dies nicht gelingen, wird es Zeit, über eine Mediation nachzudenken, sich also Hilfe von professionellen Konfliktvermittlern zu holen.  Da diese Möglichkeit zwar inzwischen immer bekannter wird, aber dennoch noch nicht überall angekommen ist, wird häufig eine weitere Eskalation in Kauf genommen. Die Gefahr besteht dann, dass die Probleme größere Kreise im Verein ziehen und zunächst unbeteiligte Mitglieder sich einseitig solidarisieren.

Auch haben solche Konflikte auch heftige Auswirkungen in das Umfeld des Vereins, z.B. dessen Kunden oder Spendern. Manchmal wird die Lösung  im Nachgeben, in der Resignation gesucht, was jedoch Spuren hinterlässt und die Entwicklung im Verein hemmt. Oder es geht um die Durchsetzung der Meinungen mit entsprechenden Machtkämpfen, was aber die Situation nie tatsächlich löst, allerhöchstens die Eskalation zeitlich noch etwas hinausschiebt und es am Ende sogar zur Spaltung im Verein kommen kann.

Wie funktioniert eine solche Mediation?

Bei einer Mediation versucht eine Mediatorin oder ein Mediator, in einem gemeinsamen Gespräch mit den Beteiligten herauszufinden, wo die Ursachen und Hintergründe der Konflikte liegen und was alle brauchen, damit es wieder reibungslos laufen kann. Zuvor müssen jedoch einige Punkte geklärt werden: wer ist beteiligt bzw. wer sollte Gesprächsteilnehmer sein, worum geht es vordergründig und ist Mediation die richtige Methode?

In der Mediation muss dann geklärt werden, ob es sich dabei vor allem um ein eher zwischenmenschliches Problem handelt, ob also einfach zwei oder mehrere Mitglieder sich auf der rein persönlichen Ebene nicht mehr verstehen oder ob der Konflikt ausgelöst bzw. befeuert wird durch andere Aspekte des Vereins, z.B. durch die Vereinsstruktur, die Aufgaben und Funktionen von einzelnen Mitgliedern und Gremien.

Manchmal stellt sich heraus, dass Konflikte bei der gegebenen Vereinsstruktur oder bestimmten Satzungsteilen geradezu vorprogrammiert sind. Wenn dies geklärt ist, werden die Beteiligten mit der Unterstützung der Mediatorin bzw. des Mediators die für sie und den Verein passenden Lösungen suchen und konstruktiv diskutieren.

Am Ende werden solche konkreten Maßnahmen miteinander vereinbart, die für alle Beteiligten passen und für eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit im Verein sorgen sollen. Hierbei geht es nie um mehrheitliche Abstimmung, sondern immer um Verständnis und Einigkeit, denn nur dann können die Maßnahmen im Verein auch gemeinsam umgesetzt und langfristig durchgetragen werden.

Jochen Lorenz, Mediator und Konfliktcoach. www.konflikteloesen.de

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