Alarmierende BVR-Studie: Immer mehr junge Menschen sparen zu wenig für die Altersvorsorge – Experten fordern Riesterrente-Reform

Eine aktuelle Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt, dass viele Deutsche – vor allem junge Menschen und Kleinsparer – ihre Sparziele für die Altersvorsorge um mehr als die Hälfte verfehlen. Rund 20 Prozent legen gar nichts zurück, obwohl durchschnittlich 166 Euro pro Monat nötig wären, und jeder zweite 20- bis 29-Jährige erreicht nicht einmal die Hälfte seines Bedarfs. BVR-Präsidentin Marija Kolak warnt, dass diese Lücke die finanzielle Zukunft der Bürger gefährdet, und fordert die Bundesregierung auf, die Riester-Rente noch in diesem Jahr zu reformieren.
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– BVR-Studie: Jeder zweite junge Erwachsene und Kleinsparer verfehlt seine Sparziele um ≥50%.
– Kolak fordert Riesterrentenreform 2024 mit weniger Bürokratie sowie höheren Zuschüssen für Familien.
– 20 % der Befragten sparen gar nichts, obwohl sie im Mittel 166 Euro monatlich benötigten.

Warnsignal Zukunftsvorsorge: Junge Menschen und Kleinsparer geraten ins Hintertreffen

In Deutschland rückt die Zukunftsvorsorge immer stärker in den Fokus – und das nicht ohne Grund. Eine aktuelle Studie des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zeigt deutlich: Die Bundesbürger haben eine hohe Bereitschaft zur Zukunftsvorsorge, aber zu vielen fehlen die Mittel. Besonders betroffen sind junge Menschen und Kleinsparer, von denen jeder zweite seine Sparziele um mindestens 50 Prozent verfehlt – und das trotz sparsamem Lebensstil. In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wirkt sich dieser Missstand besonders alarmierend auf die Altersvorsorge aus.

Marija Kolak, Präsidentin des BVR, bringt die Lage auf den Punkt: „Mit Blick auf die Altersvorsorge ist das fatal“. Sie fordert deshalb mit Nachdruck: „Die Bundesregierung sollte die seit Langem überfällige Reform der Riesterrente noch dieses Jahr umsetzen“. Die Fokusgruppe von 2023 empfiehlt für die private Altersvorsorge unter anderem Entbürokratisierung, Förderung für alle Erwerbstätigen, renditestärkere Geldanlagen sowie höhere Fördersätze, insbesondere für junge Menschen und Eltern.

Die Studie liefert eindringliche Zahlen, die das Ausmaß der Sparlücke verdeutlichen: Rund 20 Prozent legen monatlich nichts zurück, obwohl sie einen Bedarf von 166 Euro sehen. Zehn Prozent sparen bis zu 49 Euro, obwohl im Schnitt 141 Euro notwendig wären – das sind rund 80 Prozent zu wenig. Durchschnittssparer, die zwischen 100 und 249 Euro monatlich zurücklegen, verfehlen ihr Sparziel meist um 25 Prozent. Dabei variiert die Lage stark nach Altersgruppen: Während Seniorensparer ab 70 ihr Ziel um etwa 10 Prozent verfehlen, erreichen junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren nur etwa die Hälfte ihres Sparzieles.

Insgesamt befragte Kantar im Auftrag des BVR 2.413 Bundesbürger zwischen Januar und Februar 2024. Die Daten belegen: „Diese Daten sind alarmierende Indikatoren dafür, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um die finanzielle Zukunft der Bürger sicherzustellen“. Weitere Informationen, inklusive Pressegrafik und vollständiger Studie, sind online verfügbar.

Warum Deutschland bei der Vorsorge auf eine Bewährungsprobe zusteuert

In Deutschland steht die private Vorsorge vor erheblichen Herausforderungen, deren Ursachen tief in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen verwurzelt sind. Besonders junge Menschen und Geringverdiener haben Schwierigkeiten, frühzeitig Vermögenswerte aufzubauen. Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt, steigende Lebenshaltungskosten und die Belastungen des sozialen Sicherungssystems wirken sich negativ auf das Sparverhalten aus. Trotz hoher Bedeutung der Altersvorsorge gelingt es vielen nicht, ausreichend vorzusorgen – dies stellt die Wirksamkeit bestehender Modelle und geplante Reformen vor eine harte Probe.

Was verhindert das Sparen in jungen Jahren?

Warum fällt es gerade jungen Menschen so schwer, mit dem Sparen zu beginnen? Hauptgrund sind die zunehmenden Lebenshaltungskosten, die gerade bei Mieten, Energie und Konsumgütern stark steigen. Parallel dazu nimmt die Erwerbssituation vielfach eine unsichere Gestalt an: Befristete Verträge und Teilzeitbeschäftigungen dominieren vor allem unter Berufseinsteigern. Diese Faktoren führen zu einer prekären finanziellen Grundsituation, die kaum Spielraum für gezielte Vorsorge zulässt.

Gleichzeitig steht das soziale Sicherungssystem unter hohem Druck. Die Aussicht auf ausreichende staatliche Leistungen im Alter erscheint unsicher, und doch bleibt der finanzielle Druck im Jetzt. Das führt zu einem Spannungsfeld, in dem die junge Generation zwischen dem Bedürfnis nach sofortiger finanzieller Absicherung und dem langfristigen Sparen für das Alter hin- und hergerissen ist.

Chancen und Risiken geplanter Reformen

Welche Lösungsansätze und Reformansätze werden aktuell diskutiert, und welche Hürden stehen einer nachhaltigen Stärkung der privaten Vorsorge noch im Weg? Aktuelle Herausforderungen und Ansätze sind beispielsweise:

  • Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Sparanlagen für Geringverdiener
  • Fehlende Anreize zur Altersvorsorge für Beschäftigte in prekären Jobs
  • Notwendigkeit höherer finanzieller Förderung und transparenter Informationen
  • Internationale Vergleiche zeigen, dass Länder mit stärkerer staatlicher Unterstützung und Bildung im Finanzbereich höhere Vorsorgequoten aufweisen
  • Geplante Reformen zielen auf eine bessere Balance zwischen sozialer Absicherung und privater Vorsorge ab

In Ländern mit vergleichbaren demografischen Herausforderungen zeigt sich, dass eine Kombination aus verbesserter finanzieller Bildung, flexibleren Sparmöglichkeiten und gezielten staatlichen Förderungen positiv wirkt. Für Deutschland bedeutet dies, dass politische und gesellschaftliche Veränderungen unabdingbar sind, um junge Menschen und Geringverdiener zu entlasten und ihre Bereitschaft zur Vorsorge zu erhöhen.

Die demografische Entwicklung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verlangen eine strategische Neuausrichtung, die nicht nur die individuellen Sparanstrengungen fördert, sondern auch das soziale Sicherungssystem zukunftsfähig gestaltet. Nur so kann Deutschland die private Vorsorge stärken und auf die Bewährungsprobe vorbereiten, die vor allem die kommenden Jahrzehnte prägen wird.


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BVR-Studie: Sparlücke steigt wieder an – Kolak: Bundesregierung sollte Riesterrente …

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