Klimawandel im Wald: Streit um nicht-heimische Baumarten und unterstützte Migration

Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik empfiehlt, beim klimaresilienten Waldumbau stärker auf alternative Baumarten zu setzen. Die AGDW – Die Waldeigentümer fordert daraufhin mehr Spielraum bei der Baumartenwahl, da sich das Spektrum geeigneter heimischer Arten durch den Klimawandel zunehmend verengt. Der Verband sieht ordnungs- und förderrechtliche Hürden als Hindernis für eine notwendige Anpassung.
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– Unterstützte Migration von Baumarten soll Wälder besser an den Klimawandel anpassen.
– Heimische Baumarten wie Buche reichen laut Experten für klimaresiliente Wälder nicht aus.
– Rechtliche Hürden für alternative Baumarten müssen überprüft und abgebaut werden.

Klimawandel im Wald: Streit um neue Baumarten

Deutschlands Wälder stehen unter Anpassungsdruck – und damit wächst auch der Streit darüber, welche Baumarten künftig gepflanzt werden sollen. Auslöser der aktuellen Debatte ist eine am 24. März vorgelegte Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Darin wird die sogenannte unterstützte Migration als wichtige Option für die Klimaanpassung der Wälder bewertet. Gemeint ist, das Baumartenspektrum im klimaresilienten Waldumbau gezielt zu erweitern – auch durch geeignete alternative Baumarten und Herkünfte.

Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer leitet daraus eine klare politische Forderung ab. „Der Klimawandel verändert die Standortsbedingungen in rasantem Tempo. Damit der Waldumbau Schritt halten kann, brauchen Waldeigentümer deutlich mehr Spielraum bei der Baumartenwahl“, erklärt AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter. Der Beirat hält laut Stellungnahme die Suche nach besser klimaangepassten Alternativbaumarten und Herkünften einschließlich ihrer Einbringung für eine wichtige Möglichkeit, die Resilienz der Wälder zu erhöhen. Unterstützte Migration solle Teil eines Gesamtkonzepts sein, vorrangig über Mischbestände. Einen pauschalen Ausschluss nicht-heimischer Baumarten sieht der Beirat demnach nicht als zielführend an. Zugleich verweist er auf die Notwendigkeit dauerhafter Förderinstrumente, weil der Einsatz alternativer Baumarten und Herkünfte höhere Kosten verursachen kann.

Warum der Druck auf den Waldumbau wächst

Die Debatte ist nicht nur forstpolitisch, sondern auch praktisch begründet. Der Waldumbau reagiert längst nicht mehr allein auf künftige Klimarisiken, sondern auf bereits sichtbare Schäden. Laut Pressemitteilung sind nicht nur Nadelholzbestände betroffen. Zunehmend geraten auch von Buche und Eiche geprägte Laubbestände vielerorts durch Trockenheit, Dürre und Schädlingsbefall unter Druck.

Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigen auch aktuelle Waldindikatoren. Nach Angaben des Deutschen Forstvereins stieg der Kohlenstoffvorrat im Wald von 2,18 Mrd. Tonnen im Jahr 2012 auf 2,2 Mrd. Tonnen im Jahr 2022. Zugleich hätten die Dürrejahre ab 2018 einen stärkeren Zuwachs verhindert. Das unterstreicht, dass sich Stabilität und Belastung im Wald derzeit parallel entwickeln können. Ebenfalls bis 2022 erhöhte sich der Anteil an Totholz auf fast 30 m³ pro Hektar. Das gilt als Hinweis auf wachsende Schäden durch Klimaeinflüsse und Schädlinge.

Hinzu kommt, dass große Teile der Waldfläche von vergleichsweise wenigen Baumarten geprägt sind. Laut Deutschem Forstverein hat die Kiefer inzwischen die Fichte als häufigste Baumart abgelöst; zusammen mit Buche und Eiche dominieren diese vier Arten 72 % der Waldfläche in Deutschland. Diese Konzentration verdeutlicht, warum die Frage nach einem breiteren Artenspektrum an Gewicht gewinnt: Wenn sich Standortbedingungen schneller verändern, geraten Wälder mit begrenzter Vielfalt leichter unter Anpassungsdruck.

Unterstützte Migration: Lösung mit Chancen und Risiken

Unterstützte Migration bedeutet vereinfacht, geeignete Baumarten oder Herkünfte gezielt in Regionen einzubringen, in denen sich das Klima schneller verändert, als sich Wälder auf natürlichem Weg anpassen können. In der Praxis geht es also nicht um einen beliebigen Austausch heimischer Arten, sondern um eine gesteuerte Ergänzung des Baumartenspektrums im Waldumbau.

In der aktuellen Debatte spielen dabei sowohl bereits etablierte als auch mögliche neue Arten eine Rolle. Die AGDW nennt Douglasie, Roteiche und Esskastanie als in Deutschland etablierte alternative Arten. Forschungen und Praxisversuche beschäftigen sich darüber hinaus mit weiteren klimaresilienten Baumarten und Herkünften. Langzeitbeobachtungen in Brandenburg über 120 Jahre deuten laut einer Auswertung der Landesforst darauf hin, dass nichtheimische Baumarten eine vergleichbare Wachstumsreaktion wie heimische Arten gegenüber Klimaveränderungen zeigen. Solche Ergebnisse sprechen für eine differenzierte Neubewertung ihrer Rolle in klimaangepassten Wäldern.

Gleichzeitig ist die Sache ökologisch umstritten. Die Organisation PrimaKlima weist darauf hin, dass die ökologische Verträglichkeit vieler nicht-heimischer Baumarten noch nicht ausreichend untersucht sei. Zugleich zeigt der Blick in bestehende Standards, dass die Debatte nicht bei null beginnt: So erlaubt der Wald-Klimastandard auf Projektflächen einen begrenzten Anteil nicht-heimischer Baumarten. Auch aus naturschutzfachlicher Sicht gibt es Vorbehalte: In naturnahen und FFH-geschützten Wäldern können höhere Anteile eingeführter Arten nach Einschätzung des Bundesamts für Naturschutz die Bewertung von Struktur und Funktion beeinträchtigen. Die Konfliktlinie verläuft deshalb nicht schlicht zwischen Fortschritt und Verhinderung, sondern zwischen Anpassungsnotwendigkeit und Vorsorgeprinzip.

Vor diesem Hintergrund verschärft sich auch die Auseinandersetzung um das bestehende Regelwerk. „Sowohl der Nutzung etablierter alternativer Baumarten als auch der unterstützten Migration stehen allerdings ordnungs- und teilweise auch förderrechtliche Vorgaben im Weg, die konsequent überprüft und abgebaut werden müssen“, mahnt der AGDW-Präsident.

Was Klimaprojektionen für heimische Baumarten bedeuten

Besonders brisant wird die Debatte durch die Projektionen, auf die sich die AGDW mit Verweis auf die Stellungnahme des Beirats stützt. Bitter formuliert dazu: „Ausgehend von allgemein anerkannten Klima-Szenarien wird sich der Flächenanteil der Buchen- und Buchenmischbestände an der potenziell natürlichen Vegetation von 74 auf 8 Prozent reduzieren. Dies zeigt, dass sowohl die Fläche als auch das Spektrum heimischer Baumarten in Folge des Klimawandels zunehmend eingeengt werden. Deutlich wird damit auch, dass die historisch gewachsenen Lebensraumtypen, die nach dem bisherigen Ansatz der EU-Wiederherstellungsverordnung prioritär wiederhergestellt werden sollen, auf vielen Flächen verloren gehen. Die WBW-Stellungnahme macht klar, dass allein heimische Baumarten für den klimaresilienten Waldumbau nicht ausreichen. Vielmehr benötigen wir je nach Region und Standort auch klimaresiliente Alternativ-Baumarten aus anderen europäischen und außer-europäischen Ländern“.

Die Aussage ist weitreichend, verlangt aber auch eine genaue Einordnung. Sie beschreibt Klimaprojektionen zur potenziell natürlichen Vegetation – also zur Frage, welche Waldgesellschaften unter veränderten Bedingungen langfristig als standortgerecht gelten könnten. Sie bedeutet nicht, dass bestehende Buchenwälder kurzfristig flächendeckend zusammenbrechen. Politisch ist die Passage dennoch heikel, weil sie den Zielkonflikt zwischen Naturnähe, Wiederherstellung historischer Lebensraumtypen und aktiver Klimaanpassung offenlegt. Genau an dieser Stelle berührt die Walddebatte auch die europäische Wiederherstellungspolitik.

Welche politischen Fragen jetzt offen sind

Damit verschiebt sich die Diskussion von der Fachfrage zur politischen Entscheidung. Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer sieht sich durch die Stellungnahme in seiner Einschätzung bestätigt und fordert konkrete Konsequenzen. Im Kern geht es um zwei Hebel: um verlässliche Förderung und um die Überprüfung von Vorgaben im Forst- und Naturschutzrecht.

Die Förderfrage ist zentral, weil der Umbau hin zu klimaresilienten Mischbeständen mit alternativen Baumarten höhere Kosten verursachen kann. Der Wissenschaftliche Beirat betont deshalb dauerhafte Förderinstrumente. Zugleich dürfte die Auseinandersetzung darüber weitergehen, wie weit staatliche Regeln bei der Baumartenwahl reichen sollen – vor allem dort, wo Klimaanpassung auf Schutzgebietsziele und naturschutzfachliche Grenzen trifft.

Fest steht: Die Wälder müssen sich an veränderte Bedingungen anpassen. Offen ist, wie breit der Spielraum dabei ausfällt. Die eigentliche politische Streitfrage lautet damit nicht mehr, ob Waldumbau nötig ist, sondern wie weit der Staat bei Artenwahl, Förderung und Naturschutzabwägung gehen will.

Die vorliegenden Informationen und Zitate entstammen einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer).

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