Klimaschutzprogramm 2026: Waldumbau zwischen Förder-Booster und Finanzierungsstreit

Das Bundeskabinett hat ein Klimaschutzprogramm verabschiedet, das auch den Waldumbau vorantreiben soll. Der Verband der Waldeigentümer (AGDW) begrüßt zwar grundsätzlich die geplanten Förderimpulse, fordert jedoch Nachbesserungen. Kritik gibt es insbesondere an der finanziellen Ausstattung bestehender Programme und an Zielvorgaben, die aus Sicht des Verbands unter den Bedingungen des Klimawandels kaum erreichbar sind.
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– Das Bundeskabinett verabschiedete ein Klimaschutzprogramm mit Impulsen für Waldumbau und Klimaanpassung.
– Der Waldeigentümerverband AGDW begrüßt Förderpläne, sieht aber Nachbesserungsbedarf bei konkreten Zielsetzungen.
– Kritik gibt es an der Förderung unrealistischer Ziele wie der Extensivierung alter Laubwälder.

Klimaschutzprogramm: Streit um den Waldumbau

Mit dem vom Bundeskabinett verabschiedeten Klimaschutzprogramm will die Bundesregierung auch beim Waldumbau und bei der Anpassung an die Klimakrise neue Akzente setzen. Der Verband AGDW – Die Waldeigentümer begrüßt daran mehrere Förderansätze, mahnt aber zugleich deutliche Korrekturen bei Zielsetzung und Ausgestaltung einzelner Maßnahmen an. Damit ist die Linie des Verbands klar: Zustimmung zur Richtung, Kritik an Teilen der Umsetzung.

Im Kern geht es um die Frage, wie Deutschlands Wälder widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und andere Folgen des Klimawandels werden können. Die AGDW setzt dabei auf eine aktive Nutzung und Pflege der Wälder. AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter formuliert es so: „Leitbild für die Ausrichtung der waldpolitischen Maßnahmen im KSP muss die Stabilisierung und Klimaanpassung unserer Wälder im Klimawandel durch nachhaltige Waldbewirtschaftung sein“. Aus Sicht des Verbands schafft gerade diese Bewirtschaftung klimaresiliente, leistungsfähige Waldökosysteme und sichert zugleich die Bereitstellung des Rohstoffs Holz. Genau dieser Maßstab sei im Klimaschutzprogramm jedoch nicht durchgängig erkennbar.

Wo der Verband konkrete Chancen sieht

Positiv bewertet die AGDW vor allem die geplante Intensivierung der Förderung des Waldumbaus, die im Programm als „Waldumbau-Booster“ angelegt ist. Der Verband verbindet damit die Erwartung, dass die Waldpflege stärker vorankommt. Bitter sagt dazu: „Wer den Waldumbau vorantreiben will, muss den Bedarf der Waldbesitzenden kennen und die entsprechenden finanziellen Voraussetzungen schaffen“.

Auch weitere Bausteine stoßen auf Zustimmung. Dazu zählen die vorgesehene Förderung der Standortkartierung im Privat- und Kommunalwald sowie Klimaanpassungspläne im Kleinprivatwald. Gerade dort sieht die AGDW bisher nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten. „Gerade im Kleinprivatwald schlummert noch viel Potenzial für den klimagerechten Waldumbau. Es ist daher richtig, Anreize für eine verstärkte Klimaanpassung auch im Kleinprivatwald zu setzen. Dies muss mit einer verstärkten Holzmobilisierung einhergehen, die über die Substitutionseffekte gleichfalls dem Klimaschutz zugutekommt“, so Bitter.

Diese Forderungen treffen auf einen Förderrahmen, der bereits vor dem neuen Klimaschutzprogramm erhebliche Mittel bereitstellte. Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe standen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz, kurz GAK, im Jahr 2024 1,04 Milliarden Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Zusammen mit der Kofinanzierung der Länder waren es etwa 1,71 Milliarden Euro für Maßnahmen zur naturnahen Waldbewirtschaftung und zur Bewältigung von Extremwetterfolgen im Wald. Das zeigt, dass der Waldumbau nicht bei null beginnt, sondern auf bestehenden Förderinstrumenten aufsetzt.

Hinzu kam mit Stand 27.12.2024 eine neue Förderrichtlinie: Das Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement PLUS“ wurde zusätzlich zum bestehenden KWM etabliert, um den Waldumbau zu stabilen Laubmischwäldern voranzutreiben. Aus journalistischer Sicht ist das wichtig, weil sich daran ablesen lässt, dass die Förderpolitik bereits vor dem jetzigen Kabinettsbeschluss in Richtung Klimaanpassung und Umbau bestehender Waldbestände erweitert wurde.

Der zentrale Streitpunkt: Reichen Ziele und Mittel aus?

Der eigentliche Konflikt verläuft weniger entlang der Frage, ob Wälder klimafester werden sollen, sondern wie das praktisch finanziert und politisch priorisiert wird. Die AGDW verweist dabei auf das Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ als Warnsignal. Nach Angaben des Verbands ist die Nachfrage so hoch, dass ein Antragsstopp erlassen werden musste. Daraus leitet er die Forderung nach einer deutlich besseren Ausstattung ab. Bitter formuliert das zugespitzt: „Das KWM droht zum Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. Es ist vielmehr substanziell aufzustocken, um weiteren Waldbesitzenden eine Teilnahme zu ermöglichen“.

Daneben kritisiert die AGDW einzelne Förderansätze im Programm als fachlich wenig überzeugend. Das betrifft etwa die Förderung der Extensivierung alter Laubwälder. Der Verband hält diesen Weg für weniger zielorientiert, weil in alten Wäldern in aller Regel die CO2-Bindung reduziert ist. Auch bei der geplanten Förderung der Waldbewirtschaftung in Schutzgebieten erkennt die AGDW zwar grundsätzlich einen interessanten Ansatz, lehnt aber die enge Bindung an Wald-Lebensraumtypen der Natura-2000-Richtlinie im sogenannten LRT-Synergie-Modul ab. Die Begründung: Der „günstige Erhaltungszustand“ sei auf solchen Flächen angesichts von Klimawandel und Standortsdrift in vielen Fällen nicht erreichbar. Bitter bringt diese Kritik auf die Formel: „Mit finanziellen Anreizen für unrealistische Ziele werden leider nur Illusionen, aber keine aussichtsreichen Entwicklungen finanziert“.

Dahinter steht eine grundsätzliche politische Bruchlinie: Sollen Förderprogramme vor allem bestehende Schutzlogiken absichern, oder müssen sie stärker auf sich verändernde klimatische Bedingungen reagieren? Die AGDW plädiert klar für Letzteres.

Was das Klimaschutzprogramm insgesamt für den Wald vorsieht

Die Kritik des Verbands richtet sich allerdings nicht gegen die gesamte Stoßrichtung des Klimaschutzprogramms. Im größeren Rahmen verfolgt die Bundesregierung erkennbar das Ziel, Wälder widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums sieht das Klimaschutzprogramm 2026 23 Maßnahmen vor, um Wälder fit für die Klimakrise zu machen. Dazu gehören der Umbau von Monokulturen zu Mischwäldern und der Rückbau von Entwässerungsgräben. Für neue Maßnahmen sind insgesamt 8 Milliarden Euro in vier Jahren vorgesehen, Stand: 2026.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Die AGDW stellt die Richtung zu mehr Klimaanpassung und Waldumbau nicht grundsätzlich infrage. Ihr Widerspruch entzündet sich vielmehr an der Frage, welche Instrumente am wirksamsten sind, welche Ziele unter den Bedingungen des Klimawandels realistisch bleiben und ob bestehende Programme finanziell stark genug ausgestattet werden.

Warum die Debatte über den Waldumbau mehr ist als ein Fachthema

Die Auseinandersetzung reicht damit weit über die Forstpolitik hinaus. Waldumbau betrifft Klimaanpassung, Naturschutz, die Nutzung des Rohstoffs Holz und die Entwicklung ländlicher Räume zugleich. Genau deshalb prallen in der Debatte unterschiedliche Prioritäten aufeinander: Schutz und Nutzung, langfristige ökologische Ziele und kurzfristige praktische Umsetzbarkeit, politischer Anspruch und tatsächliche Förderrealität.

Der Blick auf die bisher bekannten Eckpunkte zeigt dabei eine klare Entwicklung: 2024 standen bereits erhebliche GAK-Mittel für naturnahe Waldbewirtschaftung und die Folgenbewältigung von Extremwetter zur Verfügung; mit Stand 27.12.2024 wurde das bestehende Fördersystem um „Klimaangepasstes Waldmanagement PLUS“ ergänzt; 2026 setzt die Bundesregierung mit dem Klimaschutzprogramm den politischen Rahmen für weitere Maßnahmen. Politischer Rückenwind für den Waldumbau ist also vorhanden.

Offen bleibt, ob dieser Rückenwind in der Praxis ausreicht. Entscheidend wird sein, ob Förderprogramme ausreichend ausgestattet werden und ob die Ziele des Waldumbaus an die klimatische Realität angepasst sind. Genau an diesem Punkt dürfte der Streit zwischen Bundesregierung und Waldeigentümern weitergehen.

Die hier veröffentlichten Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW – Die Waldeigentümer).

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11 Kommentare

  1. Der Waldumbau braucht Praxisnähe. AGDW betont Holzmobilisierung, das ist relevant. Aber Förderrichtlinien sind kompliziert und oft zu eng an Natura2000 gebunden, das hemmt Flexibilität. Wie kann man bürokratie abbauen ohne Schutz zu opfern? Mehr info: /foerderung/klimaangepasstes-waldmanagement /themen/waldpolitik

    1. Ich stimme teils zu, die GAK Mittel waren schon vorher da aber reicht nicht. Die Frage ist ob KWM aufgestockt wird oder neue Programme nötig sind. Wer entscheidet über Priorität, Bundesministerium oder Länder? Link: /foerderung/gak /politik/finanzierung

    2. Neutral betrachtet, müsste mehr in Standortkartierung investiert werden damit Maßnahmen zielgerichtet sind. Kleinprivatwald hat Potential aber braucht Beratung und Geld. Gibt es geplante Beratungsangebote? Schau /beratung/standortkartierung und /projekte/kleinprivatwald Die Förderrichtlinie PLUS könnte helfen, aber büroo kratie mindern wäre wichtig

  2. Ich bin zwiegespalten: Die 23 Maßnahmen klingen umfangreich, 8 Milliarden read like viel, aber Verteilung unklar. Wieviel kommt bei Kleinprivatwald an? AGDW fordert mehr Ausstattung, das leuchtet ein. Könnte man Prioritätenlisten veröffentlichen? Siehe /politik/klimaschutzprogramm /transparenz

  3. Neutral betrachtet sind die Förderprogramme wichtig, aber die Politik muss realistisch sein. Stabilisierung durch nachhaltige Waldbewirtschaftung klingt gut, doch die Biodiversität darf nicht verlorengehen. Wie wird die Balance zwischen Schutz und Nutzung gefunden, wer macht die Abwägung? Mehr: /themen/naturschutz /politik/klimaschutzprogramm

    1. Interessant das Ökonomen oft Holz als Rohstoff betonen, aber Holzsubstitution ist nicht automatisch klimaschutz. Wer rechnet die Substitutionseffekte richtig? Die GAK Zahlen sind gut zu kennen, doch Transparenz fehlt manchmal. Schau hier: /foerderung/gak /analysen/substitution Bitte kommentieren.

    2. Die Kritik an Extensivierung ist nachvollziehbar, in alten Laubwäldern ist Kohlenstoffspeicher teils vermindert. Aber manchen Schutzmaßnahmen brauch Zeit und sind lokal sinnvoll. Gibt es Beispiele für erfolgreiche Waldumbau-Projekte? Link: /projekte/waldumbau-erfolge Ich hoffe auf bessere Förderung und klare Zielsetzung.

  4. Die Zahlen zur GAK und 8Milliarden sind beeindruckend, trotzdem fehlt mir klarheit wie die Mittel verteilt werden. Extensivierung alte Laubwälder klingt widersprüchlich zum Ziel CO2-speicher. Kann jemand erklären die praktische Auswirkungen? Links: /foerderung/gak /themen/klimaanpassung Danke

    1. Ich sehe auch das Problem mit KWM Antragsstopp, vielleicht muss das Programm aufgestockt werden. Frage: wird Klimaangepasstes Waldmanagement PLUS genug flexibel sein für Standortsdrift? Guckt euch die Förderrichtlinie: /foerderung/klimaangepasstes-waldmanagement Die AGDW hat recht das viele waldbesitzer hilfe brauchen, besonders kleinflächen.

  5. Das Klimaschutzprogramm klingt logisch aber wer kontrolliert das geld? AGDW meint viel ändern, KWM ist beliebt doch antrag stopp sagt schon das was, die Förderung für Laubmischwälder wirkt seltsam. Wie soll das in Kleinprivatwald praktisch laufen, wer hilft konkret? Mehr info: /themen/waldumbau /foerderung/gak

    1. Ich find es gut das über Waldumbau geredet wird, aber die zielsetzung ist zu unklar. AGDW sagt stabilisierung nötig, aber wer macht die Standortkartierung im Dorf? Gibt es Leitfaden? Siehe /politik/klimaschutzprogramm und /projekte/klimaanpassung, bitte antworten.

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