– Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert Klimaschutz als Ziel im Krankenhausfinanzierungsgesetz
– Krankenhäuser verbrauchen viel Energie und verursachen bis zu 6,7 Prozent der Treibhausgase
– Klimaschutzfonds soll Investitionen in Umbau und Kühltechnik für Krankenhäuser ermöglichen
Klimaschutz im Krankenhaus: DKG fordert gesetzliche Verankerung und Investitionsfonds
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat mit einem Positionspapier konkrete Forderungen zum Klimaschutz im Krankenhausbereich vorgelegt. Der Verband erkennt dabei die besondere Rolle der Kliniken als Energie-Großverbraucher an und betont gleichzeitig deren Potenzial für wirksamen Klimaschutz. Zentrale Forderungen sind die Verankerung von Klimaschutz als vorrangiges Ziel im Krankenhausfinanzierungsgesetz sowie die Einrichtung eines speziellen Klimaschutzfonds für notwendige Investitionen.
Die Dimensionen verdeutlichen die Dringlichkeit: Rund 1,5 Milliarden Euro gibt der Krankenhaussektor pro Jahr für seinen Energiebedarf aus (Stand: 07.11.2025, Pressemitteilung DKG). Hinter diesen Zahlen steht ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Die 1.874 Krankenhäuser in Deutschland versorgen jährlich 17 Millionen stationäre Patienten und rund 23 Millionen ambulante Behandlungsfälle mit 1,4 Millionen Mitarbeitenden (Stand: 2023 für Mitarbeiterzahl) und erwirtschaften 141 Milliarden Euro Jahresumsatz (Stand: 07.11.2025)*.
„Ein einziges Krankenhausbett verbraucht im Durchschnitt so viel Energie wie vier Einfamilienhäuser. Der hohe Bedarf an Wärme, Licht und Energie für die zahlreichen Geräte der hochmodernen Medizin machen Krankenhäuser zu Großverbrauchern. Rund 1,5 Milliarden Euro gibt der Krankenhaussektor pro Jahr für seinen Energiebedarf aus. Einsparungen bei Energie und Treibhausgasemissionen im Krankenhausbereich werden daher einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leisten können und zugleich langfristig Kosten im Gesundheitssystem reduzieren. Notwendig dafür sind aber Investitionen. Die Bundesländer sind über die vergangenen Jahrzehnte kaum ihrer Pflicht nach vollständiger Investitionskostenfinanzierung für die Krankenhäuser nachgekommen. Auch auf anderen Wegen hatten die Kliniken keine Möglichkeit, klimaschutzgerechte Investitionen zu finanzieren. Vielerorts arbeiten veraltete Heizkessel, oder es geht Energie durch schlecht gedämmte Fassaden verloren. An einem Klimaschutzfonds für Krankenhausinvestitionen führt daher kein Weg vorbei“
„Die Raumtemperatur beeinflusst den Heilprozess, überhitzte Krankenzimmer im Sommer sind also nicht nur ein Komfortproblem. Mit bisherigen Mitteln wie Verschattung, Ventilatoren und Kühlakkus können Krankenhäuser den neuen Herausforderungen nicht mehr begegnen. Gebäudehüllen zu ertüchtigen und moderne Kühltechnik einzubauen, die den Treibhausgasausstoß nicht weiter erhöht, sondern erneuerbare Energien wie Photovoltaik nutzt, sind notwendige Voraussetzungen für sichere Bedingungen den Krankenhäusern. Denn wir können unseren Beschäftigten dauerhaft keine überhitzten Arbeitsplätze zumuten. Hitzefrei ist für sie keine Option. Sie müssen an sieben Tagen in der Woche und 365 Tagen im Jahr für ihre Patientinnen und Patienten da sein – verschobene Behandlungen oder hitzebedingte Betriebseinschränkungen sind daher keine verlässliche Lösung“
Erprobte Wege zu mehr Klimaschutz in Kliniken
Die Potenziale für Energieeinsparungen im Krankenhaussektor sind nicht nur theoretisch berechenbar – sie wurden in bundesweiten Projekten bereits praktisch umgesetzt und gemessen. Zwei Initiativen zeigen den Weg auf: Das Projekt KLIK (Klimamanager für Kliniken) von 2014 bis 2017 und sein Nachfolger KLIK green von 2019 bis 2022.
Ergebnisse der KLIK-Projekte
Im ersten Projektzeitraum setzten 50 Kliniken insgesamt 338 Effizienzmaßnahmen um, die zu einer CO₂-Reduktion von 34.513 Tonnen führten*. Diese Ergebnisse demonstrierten erstmals flächendeckend, dass gezieltes Klimamanagement in Krankenhäusern messbare Erfolge bringt.
Das Nachfolgeprojekt KLIK green skalierte diesen Ansatz deutlich: Rund 250 Kliniken beteiligten sich und planten über 1.600 Maßnahmen. Das ambitionierte Ziel: Innerhalb von drei Jahren sollten 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden werden.
Die wichtigsten Projektergebnisse im Überblick:
- KLIK (2014–2017): 50 Kliniken, 338 Maßnahmen, 34.513 Tonnen CO₂-Reduktion
- KLIK green (2019–2022): 250 Kliniken, über 1.600 Maßnahmen, Ziel: 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalente
Praxisfall: Universitätsklinikum Dresden
Konkrete Einspareffekte zeigen sich auch im Klinikalltag. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden implementierte eine vergleichsweise simple Maßnahme mit beachtlicher Wirkung: Durch das Abschalten der Raumluftanlagen außerhalb der OP-Zeiten spart die Klinik etwa 1.000 kWh pro Operationssaal und Jahr*. Hochgerechnet auf 40 Operationssäle summiert sich diese Einsparung zu einem signifikanten Beitrag zur Energieeffizienz – ohne Einschränkungen für die Patientensicherheit.
Diese praktischen Erfahrungen belegen: Die technischen Möglichkeiten für Energieeinsparungen in Krankenhäusern sind vorhanden und wirksam. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die aktuellen Diskussionen über systematische Klimaschutzinvestitionen im Gesundheitswesen.
Finanzierungsbedarf und Umsetzungshürden
Deutsche Krankenhäuser stehen vor einem finanziellen Dilemma beim Klimaschutz: Während der Bedarf an technischen Modernisierungen groß ist, fehlen häufig die notwendigen Mittel für die Umsetzung. Eine Befragung von 263 Kliniken (Stand: 2022)* zeigt Finanzierungsprobleme, die viele Klimaschutzvorhaben bereits in der Planungsphase stoppen.
Die Hürden lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:
- Veraltete Technik: Viele Krankenhäuser arbeiten mit ineffizienten Anlagen, deren Erneuerung hohe Investitionen erfordert
- Fehlende Finanzierungsquellen: Ohne spezielle Fördertöpfe bleiben notwendige Modernisierungen auf der Strecke
- Bürokratische Hürden: Komplexe Antragsverfahren verzögern oder verhindern die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen
Diese strukturellen Probleme führen dazu, dass selbst klar identifizierte Einsparpotenziale ungenutzt bleiben. Die Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts macht deutlich, dass ohne gezielte Finanzierungsinstrumente die Klimaschutzziele im Krankenhaussektor kaum erreicht werden können.
Auswirkungen im Alltag und kurzfristige Hebel
Klimaschutz im Krankenhaus beginnt nicht erst mit großen Bauprojekten, sondern zeigt bereits durch einfache operative Anpassungen messbare Erfolge. Zwei Bereiche bieten besonders schnelle und wirksame Ansatzpunkte: der technische Betrieb der Gebäude und das Mobilitätsverhalten der Beschäftigten.
Betriebliche Maßnahmen
Bereits die Optimierung bestehender Abläufe kann erhebliche Energieeinsparungen bewirken. Ein konkretes Beispiel liefert das Universitätsklinikum Dresden: Durch das Abschalten der Raumluftanlagen in Operationssälen außerhalb der Nutzungszeiten spart die Klinik pro Saal und Jahr etwa 1.000 Kilowattstunden ein (Stand: 2022)*. Hochgerechnet auf 40 Säle summiert sich dieses Potenzial zu einer signifikanten Entlastung für Energiebudget und CO₂-Bilanz. Solche Maßnahmen erfordern keine aufwendige Technik, sondern vor allem eine konsequente Umsetzung im Klinikalltag.
Verkehr & Mobilität
Der Weg zur Arbeit bietet ein weiteres großes Handlungsfeld. Klimaschutz im Krankenhaus gelingt nur im Team. Jede einzelne Entscheidung für energiesparendes Verhalten oder eine umweltfreundliche Anreise trägt unmittelbar zum Gesamterfolg bei.
Klimaschutz im Krankenhaus: Wege zu messbaren Erfolgen
Die bisherigen Projekte und Studien zeigen deutlich: Klimaschutz im Krankenhausbereich erfordert ein Zusammenspiel aus politischen Rahmenbedingungen, operativen Maßnahmen vor Ort und langfristigen Finanzierungsstrategien. Die Erfahrungen aus KLIK (2014–2017) und dessen Nachfolgeprojekt KLIK green (2019–2022) belegen, dass systematische Energieeffizienzmaßnahmen in Kliniken messbare Erfolge bringen können*. Die chronologische Entwicklung dieser Projekte verdeutlicht, wie sich Ansätze von ersten Energieeinsparungen hin zu umfassenden Klimaschutzkonzepten weiterentwickelt haben.
Eine Befragung deutscher Krankenhäuser aus dem Jahr 2022 unterstreicht die Dringlichkeit kombinierter Ansätze: Viele Kliniken sehen sich zwar in der Verantwortung für Klimaschutz, scheitern jedoch an der Finanzierung notwendiger Maßnahmen*. Vor diesem Hintergrund erscheinen kombinierte Förderinstrumente sinnvoll, die sowohl in Gebäudetechnik und energetische Sanierung investieren als auch Mobilitätskonzepte und Klimaanpassungsmaßnahmen unterstützen.
Künftig wird es entscheidend sein, Messbarkeit und Finanzierung stärker zu verzahnen. Die untersuchten Projekte demonstrieren, dass transparente Monitoring-Systeme nicht nur Einsparerfolge dokumentieren, sondern auch als Grundlage für zielgerichtete Förderentscheidungen dienen können. Ein Krankenhaus-Klimaschutzfonds könnte hier ansetzen, indem er Anreize für investive Maßnahmen schafft, deren Wirksamkeit durch standardisierte Erfassung überprüfbar ist. So ließen sich langfristig sowohl Klimaziele erreichen als auch Betriebskosten senken – eine doppelte Entlastung für Kliniken und Gesundheitssystem.
Die nachfolgenden Informationen und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).
Weiterführende Quellen:
- „Das Projekt KLIK (2014-2017) erzielte eine CO₂-Reduktion von 34.513 Tonnen durch 338 Effizienzmaßnahmen in 50 deutschen Kliniken mit Fokus auf Lüftung, Kühlung, Heizung, Beleuchtung und Nutzerverhalten.“ – Quelle: https://www.klimaschutz.de/de/foerderung-der-nki/projekte/klik-klimamanager-fuer-kliniken
- „Im Projekt KLIK green (2019-2022) wurden in rund 250 Kliniken über 1.600 Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz umgesetzt, mit dem Ziel, 100.000 Tonnen CO₂-Äquivalente innerhalb von drei Jahren zu vermeiden.“ – Quelle: https://www.klik-krankenhaus.de/presse-veroeffentlichungen/pressemitteilungen
- „Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden spart durch das Abschalten der Raumluftanlagen außerhalb der OP-Zeiten in 40 Operationssälen jährlich etwa 1.000 kWh pro Saal (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Gesundheit/Abschlussberichte/A1_ReKlimaMed_Abschlussbericht_final_barrierefrei.pdf
- „Eine Befragung von 263 Kliniken im Jahr 2022 zeigt, dass großer Bedarf bei der Erneuerung von Technik, Wärmerückgewinnung und Ausbau erneuerbarer Energien besteht, jedoch Finanzierungsquellen für klimaschutzgerechte Investitionen fehlen.“ – Quelle: https://www.dki.de/forschungsprojekt/klimaschutz-in-deutschen-krankenhaeusern-status-quo-massnahmen-und-investitionskosten
- „Laut Wuppertal-Institut reduziert bereits eine 1%ige Verminderung der Pkw-Anfahrtsquote bei Krankenhausbeschäftigten in NRW den CO₂-Ausstoß um ca. 3.400 Tonnen pro Jahr; Fahrradnutzung anstelle Auto spart 1.360 Tonnen CO₂ (Stand: 2022).“ – Quelle: https://www.klimaschutz-im-krankenhaus.de
8 Antworten
‚Ein Krankenhausbett verbraucht so viel Energie wie vier Einfamilienhäuser‘ – das sollte uns wirklich nachdenklich stimmen! Was denkt ihr über den Einsatz von erneuerbaren Energien in den Kliniken? Wäre das nicht eine Lösung?
‚Erneuerbare Energien‘ sind definitiv der Weg der Zukunft! Aber wie realistisch ist es, das schnell umzusetzen? Gibt es da schon Beispiele für erfolgreiche Umsetzungen?
Klimaschutz im Krankenhaus ist wirklich notwendig! Ich habe gehört, dass einige Kliniken schon gute Fortschritte gemacht haben. Wie können wir diese Maßnahmen schneller verbreiten? Gibt es dafür schon Pläne?
Das wäre wirklich super! Vielleicht sollten mehr Kliniken an Projekten wie KLIK teilnehmen. Das zeigt doch, dass es funktioniert und gut für alle ist!
‚KLIK‘ klingt interessant! Ich hoffe nur, dass viele Kliniken bereit sind mitzumachen und nicht aus finanziellen Gründen zögern.
Ich finde die Idee, Klimaschutz in den Krankenhäusern zu fördern, sehr wichtig. Aber was ist mit der Finanzierung? Woher kommen die Mittel? Ohne Geld wird das nichts. Vielleicht könnte man Fördermittel besser verteilen.
Ich stimme zu, Gerhard! Das Thema Geld ist echt entscheidend. Wenn man nichts investiert, wird sich auch nichts verändern. Hast du eine Idee, wie man das angehen könnte?
Ja, die Finanzierung ist ein großes Problem! Ich denke auch, dass die Politiker hier mehr Verantwortung übernehmen sollten. Was haltet ihr von einer Steuer auf CO₂-Emissionen im Gesundheitswesen?