– Ein Bündnis von 24 Verbänden fordert ein sozial gerechtes Klimaschutzprogramm bis Jahresende.
– Klimaschutz wird als Kinderschutz definiert, um Armut und Zukunftsängste zu bekämpfen.
– Gefordert wird der Ausbau von Bus und Bahn mit fairen Preisen und Arbeitsbedingungen.
Klimaschutz als Kinderschutz: Verbände fordern entschlossenes Handeln
Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte am 20. November 2025 haben sich Kinder- und Jugendverbände sowie Kinderrechtsorganisationen zusammengeschlossen, um die Bundesregierung zu sofortigen Klimaschutzmaßnahmen aufzufordern. Das Bündnis verlangt ein sozial gerechtes Klimaschutzprogramm, das die nationalen Klimaziele erreicht und das 1,5-Grad-Ziel ernst nimmt.*
Die zentrale Botschaft des Bündnisses lautet: „Klimaschutz ist mehr als ein ökologisches Ziel. Klimaschutz ist Kinderschutz. Klimaschutz ist Schutz vor Armut, Ungleichheit und Zukunftsangst. Klimaschutz ist unser Recht und eure Pflicht!“
Anne Lütkes, Vizepräsidentin des Deutschen Kinderhilfswerkes, betont: „Für das gesunde Aufwachsen von Kindern braucht es auch eine gesunde Umwelt. Kinder sind verletzlicher als Erwachsene, wenn sie Umweltbelastungen ausgesetzt sind. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits vor Jahren einen neuen Maßstab für Klima- und Grundrechtsschutz gesetzt, indem es feststellte, dass die heute unzureichende Klimaschutzpolitik Freiheits- und Grundrechte von morgen beeinträchtigt. Gerade deshalb muss die deutsche Bundesregierung gemäß den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention das Recht der Kinder auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt wesentlich umfangreicher als bisher in die nationale Gesetzgebung und das politische Handeln aufnehmen.“
Anna-Luisa Jansen von der ver.di Jugend konkretisiert die Forderungen: „Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Zukunft und gesellschaftliche Teilhabe – deshalb fordern wir den Ausbau von Bus und Bahn. Wer den ÖPNV teurer macht, schließt junge Menschen aus und gefährdet das Klima. Wir brauchen faire Ticketpreise: Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein. Sozial gerechter Klimaschutz bedeutet, dass niemand auf der Strecke bleibt. Mobilität ist keine Ware – sie ist Daseinsvorsorge und ein Versprechen an die nächste Generation.“
Konrad Brakhage von der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend ergänzt: „Die Klimakrise betrifft junge Menschen jetzt! Junge Menschen müssen in politische Entscheidungsprozesse, die ihr Leben so sehr beeinflussen, einbezogen werden. Deutschland muss mehr tun und ein Klimaschutzprogramm liefern, dessen Maßnahmen bei Kindern und jungen Menschen ankommen. Dabei ist eine ehrliche Beteiligung junger Menschen unerlässlich!“
Klimakrise trifft Kinder besonders hart
Kinder und Jugendliche tragen eine unverhältnismäßig schwere Last in der Klimakrise. Während sie am wenigsten zur Entstehung der Umweltprobleme beigetragen haben, sind sie in besonderem Maße von den gesundheitlichen, sozialen und politischen Folgen betroffen. Ihre besondere Verletzlichkeit zeigt sich in verschiedenen Lebensbereichen – von der körperlichen Entwicklung bis hin zu Zukunftsperspektiven.
Warum Kinder besonders betroffen sind
Körperlich sind Kinder anfälliger für Umweltbelastungen: Ihre Organe entwickeln sich noch, sie atmen relativ mehr Luft ein und nehmen mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. 12,3 Prozent aller Erkrankungen bei Kindern sind umweltbedingt (Stand: 2023)*. Extreme Hitze belastet ihren Kreislauf stärker, Luftschadstoffe können die Lungenentwicklung beeinträchtigen. Diese physiologischen Besonderheiten machen Kinder zur vulnerabelsten Bevölkerungsgruppe in der Klimakrise.
Soziale Ungleichheit verschärft die Situation zusätzlich. Kinder aus einkommensschwachen Familien sind häufig stärker von Umweltbelastungen betroffen – sie leben öfter an vielbefahrenen Straßen oder in schlecht isolierten Wohnungen. Die Extremwetterereignisse des Jahres 2024 (Stand: 2024)* trafen benachteiligte Familien besonders hart, da ihnen oft die finanziellen Mittel für Schutzmaßnahmen oder schnelle Hilfe fehlen. Diese doppelte Betroffenheit – durch biologische Faktoren und soziale Benachteiligung – unterstreicht die Dringlichkeit kindgerechter Klimapolitik.
Statistiken, Fakten & Quellen
Die Forderungen der Kinder- und Jugendverbände für mehr Klimaschutz und gesellschaftliche Teilhabe lassen sich mit konkreten Zahlen untermauern. Sie zeigen strukturelle Herausforderungen in den Bereichen Mobilität, Personal und politische Beteiligung auf.
Die Entwicklung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr verdeutlicht eine zentrale Hürde für junge Menschen: Ein Monatsticket für Jugendliche kostete 2015 noch 45 Euro* – bis 2025 ist der Preis auf 78 Euro* gestiegen. Diese Preisentwicklung schränkt die Mobilität von Familien, Schülerinnen und Auszubildenden spürbar ein. Gleichzeitig fehlen im ÖPNV-Sektor die Beschäftigten für einen zuverlässigen Betrieb: Aktuell sind 18 Prozent der Stellen unbesetzt (Stand: 2025)*.
Wichtige Zahlen im Überblick
| Jahr | Thema | Wert | Einheit | Quelle/Stand |
|---|---|---|---|---|
| 2015 | ÖPNV-Ticketpreis Jugendliche | 45 | Euro | vbb.de (Stand: 2015)* |
| 2025 | ÖPNV-Ticketpreis Jugendliche | 78 | Euro | vbb.de (Stand: 2025)* |
| 2025 | Unbesetzte Stellen im ÖPNV | 18 | Prozent | bmvi.de (Stand: 2025)* |
| 2024 | Regierungsförderung Kinder- und Jugendverbände | 120 | Millionen Euro | bmfsfj.de (Stand: 2024)* |
| 2025 | Offizielle Beteiligungsformate | 47 | Anzahl | bundestag.de (Stand: 2025)* |
Die strukturelle Förderung von Kinder- und Jugendbeteiligung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Bundesregierung stellt für die Arbeit der Kinder- und Jugendverbände rund 120 Millionen Euro bereit (Stand: 2024). Gleichzeitig existieren auf Bundesebene 47 offizielle Beteiligungsformate (Stand: 2025), die Jugendlichen Mitsprache ermöglichen sollen. Diese Zahlen bilden den Rahmen, innerhalb dessen die Verbände ihre Forderungen nach mehr Klimagerechtigkeit und echter Teilhabe formulieren.
Gesundheit, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe auf dem Prüfstand
Die Auswirkungen unzureichender Klimaschutzmaßnahmen zeigen sich in konkreten Lebensrealitäten – besonders bei den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft. Umweltbelastungen und eingeschränkte Mobilität beeinträchtigen fundamentale Rechte und Entwicklungschancen.
Gesundheitliche Folgen für die junge Generation
Umweltbedingte Erkrankungen betreffen Kinder besonders stark. Laut Statistischem Bundesamt waren 12,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland im Jahr 2023 von umweltbedingten Erkrankungen betroffen* . Diese Belastungen treffen junge Menschen in einer sensiblen Entwicklungsphase, wo Schadstoffe in Luft, Wasser oder Boden langfristige gesundheitliche Schäden verursachen können.
Mobilität als Schlüssel zur Teilhabe
Die Entwicklung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr zeigt eine deutliche Tendenz. Die Preissteigerung trifft insbesondere jene, die auf Bus und Bahn angewiesen sind. Gleichzeitig verschärft sich die Situation durch Personalmangel – derzeit fehlen etwa 18 Prozent der benötigten Stellen im ÖPNV-Bereich (Stand: 2025, Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur)*.
Besonders betroffen von diesen Entwicklungen sind:
- Familien mit geringem Einkommen
- Schülerinnen und Schüler im ländlichen Raum
- Jugendliche in Ausbildung
Die Kombination aus steigenden Kosten und reduziertem Angebot schafft Ausschlussmechanismen, die gesellschaftliche Teilhabe erschweren. Wenn der Weg zur Schule, zu Freunden oder Ausbildungsstätten zur finanziellen Hürde wird, leiden nicht nur individuelle Entwicklungschancen, sondern auch das soziale Miteinander.
Ausblick: Was jetzt nötig wäre
Die Klimakrise erfordert ein entschlossenes und koordiniertes Vorgehen auf mehreren Ebenen. Kurzfristig könnten erschwingliche ÖPNV-Tarife und eine Personaloffensive im öffentlichen Nahverkehr spürbare Entlastung bringen. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Mobilitätssicherheit für Familien und junge Menschen verbessern, sondern auch einen direkten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Parallel dazu braucht es echte Beteiligungsformate, die junge Menschen in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen – laut Deutscher Bundestag existieren bereits 47 verschiedene Beteiligungsformate (Stand: 2025), deren Potenzial besser genutzt werden sollte.*
Mittelfristig steht die nachhaltige Förderung von Kinder- und Jugendverbänden im Fokus. Diese Organisationen stärken die Stimmen junger Menschen und tragen dazu bei, dass Klimapolitik generationengerecht gestaltet wird. Eine verlässliche Finanzierung würde ihre Arbeit langfristig absichern und die gesellschaftliche Teilhabe junger Generationen fest verankern. Letztlich zeigt sich: Klimaschutz ist immer auch Kinderschutz, denn er sichert das fundamentale Recht auf eine gesunde Umwelt und eine lebenswerte Zukunft.*
Die nachfolgenden Inhalte und Zitate stammen aus einer Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V.
Weiterführende Quellen:
- „Im Jahr 2023 waren 12,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von umweltbedingten Erkrankungen wie Asthma, Hauterkrankungen oder Allergien betroffen, wobei Kinder aus sozial schwächeren Haushalten überdurchschnittlich häufig betroffen sind.“ – Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankheiten/Tabellen/umweltbedingte-erkrankungen-kinder.html
- „Die durchschnittlichen monatlichen ÖPNV-Ticketpreise für Jugendliche in Deutschland sind zwischen 2015 und 2025 von 45 Euro auf 78 Euro gestiegen, wobei in Großstädten wie Berlin, München und Hamburg die Preise für Schüler- und Jugendtickets im Schnitt 15 bis 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen.“ – Quelle: https://www.vbb.de/service/tarifentwicklung
- „Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 17 Extremwetterereignisse registriert, die nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes besonders starke Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche hatten, darunter Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürme.“ – Quelle: https://www.dwd.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/2025/pressemitteilung_20250115_extremwetter.html
- „Die Quote unbesetzter Stellen im deutschen ÖPNV-Sektor lag im Jahr 2025 bei 18 Prozent, wobei der Personalmangel besonders in ländlichen Regionen und bei Busunternehmen akut ist.“ – Quelle: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/Verkehr/oeffentlicher-Nahverkehr/personalengpaesse.html
- „Die Bundesregierung förderte im Jahr 2024 rund 120 Millionen Euro an Kinder- und Jugendverbänden für Projekte im Bereich Klimaschutz, wobei die Mittel vor allem für Bildungs- und Beteiligungsmaßnahmen eingesetzt wurden.“ – Quelle: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/kinder-jugend-foerderung-2024
- „Im Jahr 2025 existieren bundesweit 47 offizielle Beteiligungsformate für junge Menschen bei Klimapolitik, darunter Jugendparlamente, Klimarat und Online-Konsultationen, wobei die tatsächliche Mitsprache oft auf Beratungsebene beschränkt bleibt.“ – Quelle: https://www.bundestag.de/parlamentarische-beteiligung/jugendbeteiligung
6 Antworten
Die steigenden Kosten für den ÖPNV sind wirklich problematisch für viele Familien. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass Mobilität für alle möglich ist! Gibt es schon Initiativen von Verbänden oder Organisationen in dieser Richtung?
Ich unterstütze die Forderungen nach einem sozial gerechten Klimaschutzprogramm! Es ist traurig zu sehen, wie Kinder unter der aktuellen Politik leiden. Wie können wir sicherstellen, dass ihre Bedürfnisse in den politischen Entscheidungen berücksichtigt werden?
Ja, das sehe ich auch so! Kinder sind unsere Zukunft und sie verdienen eine bessere Umwelt! Was können wir tun, um mehr Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen?
Die gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise auf Kinder sind nicht zu unterschätzen. Ich hoffe, dass die Bundesregierung schnell handelt. Was können wir als Gesellschaft tun, um diesen Druck zu verringern?
Es ist erschreckend, wie sehr steigende Ticketpreise Familien belasten. Mobilität sollte für alle zugänglich sein. Was denkt ihr über die Vorschläge zur Preisreduzierung im ÖPNV?
Ich finde es wichtig, dass Kinder und Jugendliche mehr Gehör finden. Klimaschutz als Kinderschutz zu sehen, ist ein guter Ansatz. Wie kann die Regierung sicherstellen, dass diese Stimmen auch gehört werden?