Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht in der Kletterhalle oft aus, damit aus einer Routinebewegung ein Unfall wird. Die Kletterhallen-Unfallstatistik 2025 des Deutschen Alpenvereins zeigt, dass viele Vorfälle nicht auf außergewöhnliche Situationen zurückgehen, sondern auf wiederkehrende Basisfehler.
Für Kletternde, Vereine und Hallenbetreiber ist das besonders relevant, weil die Auswertung genau dort ansetzt, wo der Betrieb im Alltag anfällig ist: bei Mattenstürzen, bei der Sicherung und bei Routinen, die schnell zur Selbstverständlichkeit werden.
Was die DAV-Auswertung tatsächlich zeigt
Der Deutsche Alpenverein hat die Kletterhallen-Unfallstatistik 2025 veröffentlicht. In die Auswertung gingen 341 Meldungen ein; 252 Fälle wurden in der Kernauswertung berücksichtigt, weil ein Rettungsdienst beteiligt war oder mindestens eine mittelschwere Verletzung vorlag.
Damit handelt es sich um eine Sicherheitsauswertung und nicht um eine allgemeine Statistik über alle Kletterhallen oder alle sportlichen Aktivitäten. Die Zahlen zeigen Muster und Schwachstellen, ersetzen aber keine vollständige Risikoanalyse des gesamten Hallenbetriebs. Ein Vorjahresvergleich wird in der vorliegenden Mitteilung nicht genannt.
Beim Bouldern endet der Fehler oft auf der Matte
Bouldern ist Klettern in geringer Höhe ohne Seil, abgesichert durch Matten am Boden. Gerade dort zeigt die Statistik ein klares Muster: Von 174 relevanten Boulderunfällen waren 155 Mattenstürze.
Nach Angaben des DAV liegt der Ansatz für mehr Sicherheit deshalb vor allem bei den grundlegenden Abläufen. Genannt werden das Abklettern statt Abspringen, das Trainieren von Fallen und Landen, das Spotten durch andere Personen sowie eine passende Gestaltung von Routen und Top-Out-Bereichen.
Für den Alltag in Vereinen und Klettergruppen heißt das: Nicht nur die Schwierigkeit einer Route zählt, sondern auch, wie der Bereich darunter organisiert ist. Ob solche Routinen im Einzelfall greifen, hängt davon ab, ob sie regelmäßig eingeübt und konsequent angewendet werden.
Seilklettern: Die Sicherung bleibt die kritische Stelle
Auch beim Seilklettern entstehen viele Unfälle nicht in der eigentlichen Kletterbewegung, sondern in der Sicherungssituation. Die Statistik nennt 36 Bodenstürze beim Seilklettern, darunter 15 Unfälle beim Ablassen und fünf Unfälle an Selbstsicherungsautomaten.
Ein Selbstsicherungsautomat ist ein Gerät, das Kletternde ohne Sicherungspartner nach oben absichert. Gerade bei dieser Technik verweist der Bericht auf die Bedeutung von Einweisung, Partnercheck und Selbstcheck. Solche Routinen sollen verhindern, dass Bedienfehler oder Missverständnisse zu einem Sturz führen.
Die Auswertung macht damit deutlich, dass Erfahrung allein kein Schutz ist. Auch geübte Kletternde bleiben auf klare Abläufe angewiesen, vor allem dort, wo viele Menschen mit unterschiedlichem Kenntnisstand dieselben Anlagen nutzen.
Was das für Hallen und Vereine praktisch bedeutet
Für Hallen und Vereine ist die Statistik vor allem ein Hinweis darauf, wo Prävention im Alltag ansetzen sollte. Entscheidend sind nicht nur persönliche Fähigkeiten, sondern auch verständliche Einweisungen, sichtbare Regeln und verlässliche Abläufe an den Stationen, an denen Fehler besonders leicht passieren.
Im Vereinsbetrieb dürfte das besonders dort relevant sein, wo Ehrenamtliche Gruppen mit wechselnden Erfahrungsstufen betreuen. Dann reicht es nicht, auf Eigenverantwortung zu setzen. Sicherheitsroutinen müssen so vermittelt werden, dass sie auch unter Zeitdruck und in belebten Hallen funktionieren.
Offen bleibt allerdings, wie breit die Empfehlungen in der Praxis umgesetzt werden. Die Statistik zeigt, wo sich Probleme häufen, sagt aber nicht, in welchen Hallen oder Gruppen die bestehenden Routinen bereits zuverlässig greifen.
Die Statistik liefert Hinweise, die Umsetzung entscheidet
Die zentrale Botschaft der Auswertung ist nüchtern: Viele schwere Folgen entstehen an Stellen, die im Sportbetrieb oft als selbstverständlich gelten. Genau dort setzt der Alpenverein mit seinen Hinweisen an.
Für Kletternde, Ehrenamtliche und Verantwortliche in Vereinen bedeutet das vor allem, bekannte Abläufe nicht nur einmal zu besprechen, sondern immer wieder zu überprüfen. Im Alltag kann gerade diese Wiederholung den Unterschied machen.