Auf dem Weg zur Schule sind Kinder oft dort besonders gefährdet, wo sie eigentlich selbstständig unterwegs sein sollen: an engen Straßen, unübersichtlichen Kreuzungen und im dichten Autoverkehr. Genau an diesem Punkt setzt die Kidical Mass an. Vom 12. bis 27. September 2026 fahren bundesweit Kinder und Familien in mehr als 18 Städten mit, auch rund um den Weltkindertag am 20. September.
Die Aktionen sollen zeigen, dass Radfahren für Kinder nur dann selbstverständlich sein kann, wenn die Wege dafür sicher genug sind. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) verbindet die Demos mit Forderungen an Kommunen und Verkehrspolitik.
Warum die Kidical Mass mehr ist als eine Fahrraddemo
Der ADFC will mit den Aktionen auf typische Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen. ADFC-Bundesgeschäftsführerin Caroline Lodemann sagte:
„zu schnelle Autos, zu unübersichtliche Kreuzungen und fehlende Radwege verunsichern viele Kinder“
Der Verband fordert deshalb geschützte Radwege, sichere Kreuzungen, Schulstraßen und Tempo 30 innerorts.
Getragen werden die bundesweiten Aktionen von einem Bündnis aus ADFC, VCD, Campact, Changing Cities und zahlreichen lokalen Initiativen. Dass mehrere Organisationen beteiligt sind, macht deutlich, dass es nicht um einzelne Fahrten geht, sondern um eine breitere Debatte über kindgerechte Mobilität im Alltag.
Die Unfallzahlen liefern den eigentlichen Anlass
Wie groß das Risiko ist, zeigen die aktuellen Zahlen von Destatis. Demnach verunglückten 2025 rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Von den verunglückten 6- bis 14-Jährigen waren 39 Prozent mit dem Fahrrad unterwegs.
Besonders viele Kinder werden laut Statistik von Montag bis Freitag zwischen 7 und 8 Uhr verletzt oder getötet. Das ist die typische Schulwegzeit. Einen Beleg für einzelne Ursachen liefert die Statistik nicht, sie zeigt aber, warum sichere Wege und übersichtliche Kreuzungen im Alltag so wichtig sind.
Wie junge Menschen selbst zu Wort kommen sollen
Neben den Demos läuft beim ADFC-Fahrradklima-Test erstmals eine eigene Jugendbefragung für 10- bis 20-Jährige. Sie findet vom 1. September bis 30. November 2026 statt, die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2027 veröffentlicht werden.
Die Teilnehmenden sollen bewerten, wie fahrradfreundlich ihr Ort aus ihrer Sicht ist. Für Kommunen liefert das Hinweise auf Schwachstellen. Für Schulen, Eltern und ehrenamtlich Engagierte ist vor allem relevant, dass hier Rückmeldungen derer sichtbar werden, die Schulwege und Freizeitrouten täglich nutzen.
Lokale Aktionen mit unterschiedlichem Zuschnitt
Am Weltkindertag finden Kidical-Mass-Aktionen unter anderem in Hamburg, Bamberg, Bremen, Dresden, Erfurt, Fulda, Mannheim und Rüsselsheim statt. Die Abläufe unterscheiden sich je nach Ort: In Mannheim startet die Aktion um 15:30 Uhr am Wasserturm und endet an der Parkschale Spinelli, in Rüsselsheim geht es von der Goetheschule zur Jugendverkehrsschule. Beide Aktionen werden polizeilich begleitet.
Gerade daran wird sichtbar, dass die Kampagne vor Ort sehr unterschiedlich umgesetzt wird. Entscheidend ist am Ende nicht nur, wie viele Städte mitmachen, sondern ob aus der Aufmerksamkeit auch konkrete Verbesserungen im Straßenraum folgen.
Jetzt entscheidet die Umsetzung vor Ort
Die bundesweiten Kidical-Mass-Aktionen laufen noch bis zum 27. September 2026. Ob die Forderungen nach geschützten Radwegen, sicheren Kreuzungen, Schulstraßen und Tempo 30 innerorts mehr bleiben als ein Signal, hängt davon ab, ob Kommunen und politische Verantwortliche daraus konkrete Maßnahmen machen.
Für Kinder und Familien ist die Botschaft klar: Radfahren soll nicht nur möglich sein, sondern sicher. Ob sich daran im Alltag etwas ändert, zeigt sich nicht an einem Aktionstag, sondern auf dem täglichen Weg zur Schule.
Quellen
- ADFC-Fahrradklima-Test für Jugendliche: eigene Jugendbefragung vom 1. September bis 30. November 2026
- Destatis: Unfallbilanz zu Kindern im Straßenverkehr
- Kidical Mass Mannheim am 20. September 2026
- Kidical Mass Rüsselsheim am 20. September 2026





