KI im Krankenhaus: VLK und Marburger Bund fordern Entbürokratisierung und Personalbemessung

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Beim Deutschen Krankenhaustag fordern VLK und Marburger Bund eine KI-Infrastruktur, die Ärzte entlastet statt zusätzlich belastet. Zugleich müsse die Personalbemessung realistisch abbilden, was Ärzte tatsächlich leisten, und die hohe Bürokratielast dringend reduziert werden. Nur so könne mehr Zeit für die Patientenversorgung gewonnen werden.

Inhaltsverzeichnis

– 48. Deutscher Krankenhaustag vom 17. bis 20. November 2025
– Gemeinsames Forum von VLK und MB diskutiert KI, Personalbemessung und Entbürokratisierung
– KI kann medizinische Versorgung revolutionieren und administrative Arbeiten reduzieren

KI, Personalbemessung und Entbürokratisierung: Zentrale Themen beim Deutschen Krankenhaustag

Beim 48. Deutschen Krankenhaustag vom 17. bis 20. November 2025 eröffneten der Verband leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK) und der Marburger Bund (MB) mit einem gemeinsamen Forum die Diskussion zu den drängendsten Herausforderungen im Krankenhausalltag. Die Veranstaltung verdeutlichte, wie sehr sich die Anforderungen an medizinisches Personal in den letzten Jahren gewandelt haben.

Im Fokus standen drei zentrale Themenbereiche: der Umgang mit Künstlicher Intelligenz, die Entwicklung eines realistischen Personalbemessungsinstruments und die dringend notwendige Entbürokratisierung. PD Dr. Michael Weber, Präsident des VLK, betonte zur KI: „Künstliche Intelligenz kann ein wesentlicher Gamechanger sein. Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Kontrolle braucht es – und wie viel Erleichterung bringt KI tatsächlich?“

PD Dr. med. Peter Bobbert, Internist und Vorstandsmitglied des Marburger Bundes, unterstrich die transformative Kraft der Technologie: „Die Wahrscheinlichkeit, dass KI die Medizin revolutioniert und ärztliche Tätigkeit disruptiv verändert, ist hoch.“ Zugleich warnte er vor starren Denkmustern: „Wer glaubt, dass ärztliche Tätigkeit alternativlos ist, wird auf fatale Weise scheitern.“ Die professionelle Rolle der Ärzteschaft bleibe jedoch unverzichtbar: „Ärztinnen und Ärzte sind der Garant dafür, dass technologischer Fortschritt in der Medizin nicht kommerziellen Interessen, sondern der gesundheitlichen Versorgung der Menschen dient.“

Florian Schwieker, Chief Partnership Officer beim Healthtech-Unternehmen Corti, forderte praxistaugliche Lösungen: „Deutsche Kliniken brauchen keine zusätzliche IT-Last, sondern eine KI-Infrastruktur, die administrative Arbeiten reduziert, klinische Sicherheit stärkt und vom ersten Tag an datenschutzkonform ist.“ Moderne Systeme könnten dies „durch die nahtlose Integration in bestehende Strukturen wie KIS, RIS oder PACS und durch seit Jahren bewährte Plattformen leisten, die dem Klinikpersonal Zeit zurückgeben, statt zusätzliche Aufgaben zu schaffen“, so Schwieker.

Die Diskussion verknüpfte die technologische Entwicklung eng mit den Themen Personalbemessung und Bürokratieabbau. PD Dr. Weber betonte: „Personalbemessung und Bürokratieabbau müssen zusammen gedacht werden.“ Seine klare Forderung: „Wir können uns keine zusätzliche Bürokratie ohne medizinischen Nutzen leisten, sonst verlieren wir die ärztliche Arbeitskraft für die Versorgung.“

Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, forderte einen grundlegenden Wandel: „Mit Recht wird Mut zu Veränderungen gefordert. Diesen Mut brauchen wir jetzt dringend mit einem Reset der hohen Bürokratielast. Hände weg vom Schreibtisch- hin zur Patientenversorgung. Das wünschen sich die Patienten genauso wie Pflegende und Ärzte. Der Titel ‚Menschen machen Medizin‘ trifft es genau.“

Sie verwies auf konkrete Probleme: „Wir erleben seit Jahren einen schleichenden, mittlerweile fast permanenten Bürokratieaufbau und eine zunehmende Arbeitsverdichtung. Deshalb brauchen wir ein ärztliches Personalbemessungsinstrument. Über 105 Aufgaben, die nicht direkt am Patienten sind – teils durch gesetzliche Vorgaben wie Hygienebeauftragte – haben wir detektiert.“

„Eine Personalbemessung kann keine One-size-fits-all-Lösung sein“, so Johna weiter. Selbst bauliche Rahmenbedingungen beeinflussten die benötigten Zeiten je nach Abteilung und Krankenhaus. Praktische Erkenntnisse zeigten, dass bereits die Platzierung von Geräten erhebliche Zeitersparnis bringen könne: „In manchen Häusern hat man festgestellt, dass lange Wege zu bestimmten Geräten enorm viel Zeit kosten. Wird ein weiteres Gerät in der Nähe der Abteilung platziert, spart das so viel Arbeitszeit ein, dass es sich sofort auszahlt.“

  • Veranstaltungshinweis: Der 48. Deutsche Krankenhaustag fand vom 17. bis 20. November 2025 statt und bot eine wichtige Plattform für den berufsgruppenübergreifenden Austausch.

Die Diskussionen machten deutlich: Die Zukunft der Krankenhausversorgung hängt maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, technologische Innovationen mit einer Entlastung des Personals zu verbinden und bürokratische Hürden abzubauen.

KI in Kliniken: Stand, Nutzen und technische Hürden

Künstliche Intelligenz hält Einzug in deutsche Krankenhäuser, doch die Verbreitung bleibt bisher begrenzt. Aktuell setzen 28 Prozent der deutschen Krankenhäuser KI-Systeme ein (Stand: 2024)*.

Wie verbreitet ist KI in Kliniken?

Die relativ niedrige Verbreitungsquote deutet auf eine Übergangsphase hin.

Zeitersparnis und Praxistauglichkeit von KI-Systemen

Dort, wo KI bereits im Einsatz ist, dokumentiert eine Pilotstudie aus dem Jahr 2024 eine durchschnittliche Zeitersparnis von 45 Minuten pro Schicht (Klinikum Stuttgart)* durch den Einsatz KI-gestützter Systeme bei Dokumentation und Diagnoseunterstützung.

Allerdings stehen den potenziellen Vorteilen praktische Hürden gegenüber:

  • Die Integration in bestehende Kliniksysteme erweist sich oft als komplex
  • Datenschutzanforderungen erfordern spezielle Lösungen
  • Zusätzliche IT-Last könnte den eigentlichen Entlastungseffekt schmälern

Genau hier setzt die Forderung nach praxistauglicher Infrastruktur an, wie sie in der Diskussion um KI in Krankenhäusern betont wird: Kliniken brauchen Lösungen, die administrative Arbeiten tatsächlich reduzieren und sich nahtlos in bestehende Strukturen integrieren lassen, ohne zusätzliche Belastungen zu schaffen.

Bürokratie und Personal: Zeitbudget, Belastung und Messung

Die Diskussion um Bürokratieabbau und Personalbemessung im Krankenhaus zeigt zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits binden administrative Aufgaben wertvolle Arbeitszeit, andererseits fehlen bislang Instrumente, die den tatsächlichen Personalbedarf realistisch abbilden. Aktuelle Zahlen belegen das Ausmaß der Belastung.

Wie viel Zeit nehmen Bürokratieaufgaben? (Stand: 2024)

Administrative Tätigkeiten beanspruchen fast ein Drittel der Arbeitszeit im medizinischen Bereich. Konkret entfallen 32 Prozent der Arbeitszeit auf administrative Tätigkeiten (Stand: 2024, laut Ärzteblatt)*. Diese Zahl unterstreicht, warum Entbürokratisierung so dringend gefordert wird – jede Stunde, die mit Dokumentation und Verwaltung verbracht wird, fehlt bei der Patientenversorgung.

Die Konsequenzen für Kliniken sind deutlich spürbar:

  • Verlust wertvoller Zeit für die eigentliche Patientenversorgung
  • Steigende Belastung des Personals durch Doppelbelastung
  • Wirtschaftliche Einbußen durch ineffiziente Prozesse

PPR 2.0 und offene Fragen zur Wirksamkeit

Als Antwort auf diese Herausforderungen steht die Einführung der Pflegepersonalbemessung (PPR 2.0) ab 2025 an (Stand: 2024, laut InEK)*. Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) führt eine Pilotbewertung durch, um das Instrument zu optimieren. Doch kritische Stimmen bleiben: Wird PPR 2.0 tatsächlich den realen Personalbedarf abbilden können?

Die Skepsis ist berechtigt, denn die Komplexität klinischer Abläufe lässt sich nur schwer in standardisierten Modellen einfangen. PD Dr. Michael Weber, Präsident des VLK, bringt es auf den Punkt: "Personalbemessung und Bürokratieabbau müssen zusammen gedacht werden. Wir können uns keine zusätzliche Bürokratie ohne medizinischen Nutzen leisten, sonst verlieren wir die ärztliche Arbeitskraft für die Versorgung."

Jahr Kennzahl Wert Quelle/Stand
2024 Anteil Arbeitszeit für administrative Tätigkeiten 32 % Ärzteblatt* (Stand: 2024)
2024 KI-Einsatz in Kliniken 28 % Wissenschaftsrat* (Stand: 2024)
2024 Zeitersparnis durch KI-Systeme 45 Minuten/Schicht Klinikum Stuttgart* (Stand: 2024)
2025 Einführung PPR 2.0 (Maßnahme) InEK* (Stand: 2024)

Die Tabelle zeigt: Während technologische Lösungen wie KI bereits messbare Entlastung bringen (45 Minuten pro Schicht), bleibt die Personalbemessung eine Herausforderung. Dr. Susanne Johna vom Marburger Bundes betont: "Wir wollen und müssen den realen ärztlichen Personalbedarf bemessen. Dabei ist klar: Eine Personalbemessung kann keine One-size-fits-all-Lösung sein."

Letztlich geht es um mehr als nur Zahlen: Es braucht ein System, das die tatsächliche Arbeitsbelastung erfasst und gleichzeitig Spielraum für individuelle Lösungen lässt – ohne zusätzliche bürokratische Hürden zu schaffen.

KI im Krankenhaus: Zwischen Hoffnungsträger und Herausforderung

Die Einführung Künstlicher Intelligenz in deutschen Kliniken bewegt sich im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und praktischer Umsetzbarkeit. Während KI-Systeme wie die von Corti angebotene Plattform administrative Arbeiten reduzieren und klinische Sicherheit stärken sollen, bleiben grundlegende Fragen nach Kontrolle und Integration in bestehende Strukturen offen. Die Debatte auf dem Deutschen Krankenhaustag 2025 zeigte zwei konträre Positionen: Einerseits wird KI als "Gamechanger" betrachtet, der die Medizin revolutionieren könnte. Andererseits warnen Experten vor disruptiven Veränderungen ärztlicher Tätigkeit und betonen die notwendige professionelle Steuerung des technologischen Fortschritts.

Was bedeutet das für Patienten und Beschäftigte?

Für Patientinnen und Patienten verspricht KI eine präzisere Diagnostik und effizientere Behandlungsabläufe. Die nahtlose Integration in bestehende Systeme wie KIS, RIS oder PACS soll Fehler reduzieren und Behandlungsergebnisse verbessern. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich die Arzt-Patienten-Beziehung verändert, wenn technische Systeme stärker in den Behandlungsprozess eingreifen.

Für das medizinische Personal birgt KI sowohl Entlastungspotential als auch neue Anforderungen. Die Automatisierung administrativer Aufgaben könnte Zeit für die eigentliche Patientenversorgung freisetzen. Allerdings erfordert die Arbeit mit KI-Systemen neue Kompetenzen und könnte etablierte Arbeitsabläufe grundlegend verändern.

Konkrete Schritte: Integration, Messung, Vertrauen

Die erfolgreiche Implementierung von KI in Krankenhäusern erfordert einen durchdachten Ansatz, der technologische Möglichkeiten mit den realen Bedürfnissen der Versorgung verbindet. Drei Handlungsfelder erscheinen besonders relevant:

  • Praxistaugliche Lösungen priorisieren: Kliniken sollten KI-Systeme auswählen, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lassen und vom ersten Tag an datenschutzkonform arbeiten. Dies vermeidet zusätzliche IT-Last und gewährleistet sofortige Nutzbarkeit.

  • Transparente Wirkungsmessung etablieren: Der tatsächliche Nutzen von KI-Anwendungen sollte regelmäßig überprüft werden. Dabei geht es nicht nur um technische Parameter, sondern vor allem um den konkreten Beitrag zur Entlastung des Personals und zur Verbesserung der Patientenversorgung.

  • Vertrauensbildung institutionalisieren: Sowohl bei den Beschäftigten als auch bei Patientinnen und Patienten muss Vertrauen in die neuen Technologien aufgebaut werden. Dies gelingt durch frühe Einbindung, transparente Entscheidungsprozesse und klare Kompetenzzuordnungen zwischen menschlicher Expertise und algorithmischer Unterstützung.

Die Entwicklung hin zu einer KI-gestützten Medizin wird die Krankenhauslandschaft nachhaltig verändern. Entscheidend wird sein, die Technologie so zu gestalten, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt – sowohl bei der Behandlung als auch bei der Arbeitsorganisation.

Die nachfolgenden Inhalte stammen aus einer Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG).

Weiterführende Quellen:

  • „Im Jahr 2024 berichteten 28 Prozent der deutschen Krankenhäuser über den Einsatz von KI-Lösungen zur Unterstützung klinischer Prozesse, insbesondere in der Bildgebung und Diagnostik.“ – Quelle: https://www.wissenschaftsrat.de/publikationen/pdf/2024-04.pdf
  • „Eine repräsentative Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern durchschnittlich 32 Prozent ihrer Arbeitszeit für administrative und bürokratische Tätigkeiten aufwenden.“ – Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/215521
  • „KI-gestützte Systeme zur Dokumentation und Diagnose in deutschen Krankenhäusern sparen laut einer Pilotstudie aus dem Jahr 2024 durchschnittlich 45 Minuten pro Schicht an Arbeitszeit.“ – Quelle: https://www.klinikum-stuttgart.de
  • „Die Einführung der neuen Pflegepersonalbemessung (PPR 2.0) ab 2025 wird in einer Pilotstudie des InEK als erster Schritt zur Verbesserung der Personalsituation bewertet, allerdings fehlen bisher belastbare Daten zu den tatsächlichen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.“ – Quelle: https://www.inek.de

8 Antworten

  1. ‚Menschen machen Medizin‘ – ich liebe diesen Titel! Es zeigt doch genau, wie wichtig der menschliche Kontakt ist. Was denkt ihr über den Einfluss von KI auf diese Beziehungen?

    1. ‚Menschen machen Medizin‘ klingt gut! Aber ich mache mir Sorgen darüber, ob KI nicht mehr zwischen Arzt und Patient stehen könnte.

  2. Ich finde den Ansatz zur Personalbemessung interessant. Aber wie können wir sicherstellen, dass genug Personal da ist? Oft fühlt man sich unter Druck gesetzt und hat kaum Zeit für die Patienten.

    1. Das ist echt ein Problem! Ich denke, die Kommunikation zwischen den Abteilungen könnte helfen. Wenn jeder weiß, was zu tun ist und sich gegenseitig unterstützt, wäre das schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Ich finde es wichtig, dass wir über den Bürokratieabbau sprechen. In meinem Krankenhaus gibt es so viele unnötige Formulare! Das nimmt viel Zeit weg von der Patientenversorgung. Hat jemand Ideen, wie man das verbessern könnte?

    1. Das stimmt total! Vielleicht sollten wir mehr über digitale Lösungen nachdenken? Weniger Papierkram wäre wirklich eine Erleichterung für alle im Krankenhaus.

  4. Ich finde das Thema KI in den Krankenhäusern sehr spannend. Was sind denn die genauen Vorteile, die die KI bieten kann? Ich habe gehört, dass es auch Bedenken gibt wegen Datenschutz. Wie wird damit umgegangen?

    1. Ja, das mit dem Datenschutz ist ein großes Thema! Aber ich denke, wenn alles gut durchdacht ist und die Technologie gut integriert wird, kann es echt helfen. Gibt es Beispiele, wo das schon klappt?

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