Kfz-Gewerbe Hessen: „Corona hat uns alles abverlangt“

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Kfz-Gewerbe Hessen: „Corona hat uns alles abverlangt“

Wiesbaden, 29. März 2021. Bittere Verluste bei neuen Pkw und Lkw, Pluszahlen bei gebrauchten Pkw und Lkw sowie im Motorrad-Geschäft und ein erneut negatives Werkstattgeschäft: das Autojahr 2020 mit den Corona-bedingten Betriebsschließungen habe den 4.315 Unternehmen des Automobilhandels und -service in Hessen „alles abverlangt„. Die monatelangen Schließungen der Autohäuser haben den Automobilhandel vor allem im Verkauf neuer Pkw hart getroffen. Im ersten Corona-Jahr 2020 brachen die Pkw-Neuzulassungen um 23,2 Prozent ein. 90.201 Neufahrzeuge wurden im Vergleich zum Vorjahr weniger verkauft. Dies allein war ein Verlust von 2,4 Milliarden Euro. Nach hohen Einbußen im Jahr 2019 verlor der Service erneut 8,3 Prozent und bilanzierte noch 1,9 Milliarden Euro.

Der Gesamtumsatz im Pkw-Markt mit dem Verkauf von neuen und gebrauchten Pkw und Lkw sowie dem Service büßte 6,8 Prozent auf 21.451,8 Millionen Euro ein. Die Unternehmen des Kfz-Gewerbes bilanzierten einen Anteil von 73,1 (Vorjahr: 70,8) Prozent auf 15.690,4 Millionen Euro. Die Umsatzrendite vor Steuer lag bei 1,2 (Vorjahr: 1,3) Prozent. Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Landesverbandes Hessen, sagte, diese gesamte Umsatzbilanz verschleiere die wahre Situation der mittelständischen Branche, denn der Lockdown gehe an die Substanz des Automobilhandels. Karpinski wörtlich:Die Stellflächen in und vor den Autohäusern laufen voll, sei es mit Leasing-Rückläufern, Vorführwagen oder im Jahr 2020 bestellten Lagerfahrzeugen, aber es kann kaum Ware abfließen. Mit den Lockerungsbeschlüssen der Bundesregierung vom 3. März sei die Branche nicht zufrieden. Es gebe keine Verhältnismäßigkeit. Karpinski sagte: „Das für die Branche unverzichtbare Frühjahrsgeschäft fällt bis mindestens 28. März aus. Nachholeffekte sind lediglich begrenzt möglich.“

Die mit anderen Branchen vergleichsweise moderaten Verluste in der Jahresumsatzbilanz seien auf Sondereffekte zurückzuführen, denn deutlich höhere durchschnittliche Preise für Neu- und Gebrauchtwagen und staatliche Subventionen für die Elektromobilität verdeckten die „automobile Realität“. Der Neuwagenmarkt habe 17,9 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro verloren, der Umsatz mit Gebrauchtwagen sei dagegen um 15,4 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro gestiegen. Der Automobilmarkt 2020 werde in die Geschichte mit den zweitniedrigsten Neuzulassungen seit 1990 eingehen. Einbußen im Service zeigten die „fehlende Mobilität im Corona-Jahr 2020“.

Im Jahresvergleich habe der Pkw-Markt in Hessen Verluste von 23,2 Prozent auf 298.552 Pkw Neuzulassungen hinnehmen müssen. 148.592 (Vorjahr: 236.886) Benziner und 85.469 (Vorjahr: 123.772) Diesel, 33.232 (Vorjahr: 9.139) elektrifizierte Neuwagen (BEV und PHEV) sowie 1.312 (Vorjahr: 1.379) gasbetriebene weise die Jahresbilanz aus. Die Statistik nach Segmenten zeige drastische Einbußen bei den Verbrennern von minus 126.597 Neuzulassungen und Gewinnen von 28.662 subventionierten Neuzulassungen von reinen batteriebetriebenen Neuwagen und Plug-in-Hybriden. Diese Zahlen spiegelten die Verwerfungen wider.

Die Corona-Monate März und April mit dem ersten Lockdown hätten für die Pkw-Neuzulassungen Einbußen von fast 50 Prozent gebracht. Allein der April sei mit 64 Prozent ins Minus gerutscht. Das erste Halbjahr 2020 habe zu Verlusten von 36,6 Prozent auf 128.049 (Vorjahr: 201.357) Neuzulassungen geführt, das zweite Halbjahr sei mit Rückgängen um 30,4 Prozent auf 130.503 (Vorjahr: 187.396) ähnlich schlecht verlaufen. Karpinski erinnerte daran, dass der hessische Pkw-Markt mit seinem hohen Anteil gewerblicher Zulassungen nicht in dem Maße von der reduzierten Mehrwertsteuer profitieren konnte wie andere Bundesländer mit einem höheren Privatkundenanteil.

Der durch die Innovationsprämie geförderte Markt der Elektromobilität habe vor allem Zweitwagen „gekauft“. Insgesamt habe Hessen einen Anteil von 10,2 Prozent an den Neuzulassungen. Von den 15.496 (Vorjahr: 4.885) E-Neuzulassungen seien im vergangenen Jahr 16,2 Prozent dem Segment Mini, 29,9 Prozent dem Segment Kleinwagen und 19,6 Prozent dem Segment Kompaktwagen zuzuordnen. 19,9 Prozent seien SUV.

Zu den wenigen Konstanten des Autojahres 2020 gehöre in Hessen der Gebrauchtwagenmarkt. In der Jahresbilanz weise man für den Fachhandel 372.025 (Vorjahr: 367.049) Besitzumschreibungen und damit rund 5.000 Autos im Jahresvergleich mehr aus. Der Privatmarkt habe drei Prozentpunkte eingebüßt und nun noch 30 Prozent Anteil, während der Handel um drei Prozent auf 70 Prozent Marktanteil zugelegt hätte.

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Mit 7,8 Milliarden Euro Umsatz zähle der Markt mit gebrauchten Pkw zu den „starken Posten in unserer Bilanz“. Der Fachhandel habe 6,3 Milliarden Euro umgesetzt, der Verkauf privat/privat habe 1,6 Milliarden Euro generiert. Dabei seien in allen Teilmärkten die durchschnittlichen Preise spürbar gestiegen. Im Markenhandel um 12,4 Prozent auf 18.570 Euro, im reinen Gebrauchtwagenhandel um 33,9 Prozent auf 13.310 Euro und im Privatmarkt um 12,5 Prozent auf 9.470 Euro.

Gründe des Anstiegs im durchschnittlichen Preis seien vor allem der Kauf junger und „sehr junger“ Gebrauchtwagen. Im Fahrzeugalter bis 12 Monate seien 12,1 Prozent der Besitzumschreibungen umgeschrieben worden. Dies seien rund 65.000 Jungwagen gewesen. Die Nachfrage sei allerdings höher als das Angebot gewesen, denn vor allem die Vermieter hätten nach den ersten beiden Corona-Monaten März und April dem Markt geringeren Volumina an jungen Gebrauchten überlassen.

Auf der Haben-Seite der Jahresbilanz stehe auch das Geschäft mit Motorrädern und -rollern. Starke Pluszahlen seien nicht nur dem Boom in der 125er Klasse geschuldet. Das Interesse an dem geänderten Zugang der Fahrerlaubnis zum Führen eines Leichtkraftrades mit nicht mehr als 125 ccm und 11 kW sei im zweiten Halbjahr sehr groß gewesen. Insgesamt habe es in Hessen ein Plus von 30,8 Prozent auf 16.801 Neuzulassungen gegeben. Die Besitzumschreibungen der motorisierten Zweiräder kletterten, wie Karpinski mitteilte, um elf Prozent auf 37.922 Fahrzeuge.

Den anhaltenden Debatten um die Verkehrs- und Mobilitätswende zum Trotz habe das Automobil in der Pandemie gewonnen. 25 Prozent der Fahrzeughalter, das seien in Hessen etwa 760.000 Pkw-Halter, hätten das eigene Auto mehr genutzt als vor Corona-Zeiten.

Mit 7,0 (Vorjahr: 7,1) Milliarden Euro sei die Summe stabil geblieben, die hessische Neu- und Gebrauchtwagenkäufer im vergangenen Jahr für „eine neue oder gebrauchte individuelle Mobilität“ investiert hätte, obgleich der sogenannte Vorbesitz kleinere Erlöse als im Autojahr 2019 gebracht habe.

Beim Kauf eines Neuwagens seien nämlich durch den bisherigen Wagen 7.990 (Vorjahr: 8.050) Euro erlöst worden. Für „den alten Gebrauchten“, sagte Karpinski, habe es 4.370 (Vorjahr: 4.210) Euro gegeben, sodass im vergangenen Jahr für einen Neuwagen 28.350 Euro und für einen Gebrauchtwagen 10.380 Euro „draufbezahlt“ werden mussten.

Der Nutzfahrzeugmarkt in Hessen verzeichnete im Dezember mit 2.204 Neuzulassungen ein Plus von 24,4 Prozent. Laut Michael Kraft, Vizepräsident des Kfz-Landesverbandes Hessen, seien die Neuzulassungen im Gesamtjahr 2020 allerdings um 13,2 Prozent auf 46.451 Einheiten zurückgegangen. Dabei sei bei leichten Nutzfahrzeugen bis 6 Tonnen das Minus geringer, während die Rückgänge bei schweren Nutzfahrzeugen deutlich höher gewesen seien.

Der Markt für gebrauchte Nutzfahrzeuge hingegen habe Zuwächse von 4,1 Prozent auf 53.931 Fahrzeuge bilanziert. Das Plus resultiere aus Steigerungen in der zweiten Jahreshälfte, während in den Monaten der Schließung im März und April mit 3.644 (Vorjahr: 4.629) Einheiten Einbußen von 21,3 Prozent verkraftet werden mussten.

Beim Thema Nutzfahrzeuge verwies Kraft auf das bereits geltende nationale Flottenerneuerungsprogramm für schwere Lkw. Mit dem neuen Förderprogramm solle der Kauf von Lkw der Abgasstufe Euro VI mit bis zu 15.000 Euro bezuschusst werden. Dazu zählten auch Gas-Fahrzeuge. Das Programm erfasse auch den Erwerb elektro- oder wasserstoffbetriebener Nutzfahrzeuge. Voraussetzung sei die Verschrottung eines konventionellen, dieselbetriebenen Nutzfahrzeugs der Abgasstufen Euro 0 bis Euro V/EEV. Jedes neue geförderte Fahrzeug muss der Darstellung Krafts zufolge außerdem mit einem Abbiegeassistenzsystem ausgestattet werden.

Service mit Verlusten

Das Corona-Jahr 2020 habe dem Service herbe Verluste beschert. Nachdem bereits im Jahr 2019 die Bilanz minus 10,6 gelautet habe, seien im vergangenen Jahr Einbußen von 8,3 Prozent ausgewiesen worden. Dies entspreche einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Obgleich die Kfz-Meisterbetriebe nicht von den Schließungen im Lockdown als systemrelevante Branche betroffen gewesen seien, habe Corona die Verluste ausgelöst. Kontakt-und Reisebeschränkungen sowie Heimarbeitsplätze hätten sich direkt ausgewirkt: Weniger Fahrten, weniger Verschleiß, weniger Reparaturen, weniger Unfälle. Kraft sagte mit Blick auf die Servicebilanz 2021: „Homeoffice hat viele Fahrten entbehrlich gemacht und Corona hat deutliche Spuren im Kundendienst hinterlassen. Dennoch hat die Pandemie den Individualverkehr gestärkt: nur im eigenen Fahrzeug kann man genug Abstand zu anderen Personen und die Einhaltung der Hygieneregeln sicherstellen.“

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Ausbildungs-Bilanz: Große Rückgänge

Hohe Rückgänge bei neuen Ausbildungsverträgen habe das Kfz-Gewerbe hinnehmen müssen. Das hessische Kfz-Gewerbe verbuchte Krafts Angaben zufolge in 2020 eine Corona-bedingte negative Ausbildungsbilanz. 14,2 Prozent minus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Kfz-Mechatroniker und 12,5 Prozent minus beim Automobilkaufmann/-frau seien eine „enttäuschende Bilanz“. Dies entspreche 1.365 (Vorjahr: 1.590) neuen Mechatronikern und 336 (Vorjahr: 384) neuen Kaufleuten. Der geschrumpfte Ausbildungsmarkt sei allerdings nicht allein auf das Geschehen rund um die Pandemie wie fehlende Ausbildungsmessen und Schulpraktika zurückzuführen; sinkende Schulabgangszahlen seien ein weiterer wichtiger Grund. Kraft sagte, die aktuelle Lage am Ausbildungsmarkt sei eine „Momentaufnahme mit einigen Unwägbarkeiten“.

Viele Betriebe konnten durch Kurzarbeit ihre Beschäftigtenzahl auch in der Lockdownphase stabil halten. Nach aktuellen Rückmeldungen seien inzwischen wieder zunehmend weniger Kfz-Betriebe von Kurzarbeit betroffen. Kraft sagte, dass mit der Hoffnung auf eine bald wieder anziehende Konjunktur – auch dank des Instruments der Kurzarbeit – viele ausgelernte junge Menschen in ein festes Beschäftigungsverhältnis übernommen werden konnten.

Erste landesweite elektronische Gesellenprüfung erfolgreich absolviert.

In 2020 wurde erstmals in ganz Hessen die theoretische Gesellenprüfung für angehende Kfz-Mechatroniker(innen) digital durchgeführt. Die Kandidaten waren auf 8 Prüfungsorte verteilt und absolvierten erstmals ihre theoretische Gesellenprüfung am Notebook. „Es ist sehr erfreulich, dass es keinerlei Probleme mit der Durchführung, der technischen Abwicklung, sowie den Corona-bedingten Einschränkungen gab.“, sagte Kraft. In Hessen wird ab 2021 die Abnahme von theoretischen Gesellenprüfungen bei Kfz-Mechatronikern ausschließlich in elektronischer Form erfolgen.

Digitales Hessen-Projekt „virtuelles eAutohaus“

Dass das hessische Kfz-Gewerbe zu den aktiven Förderern der Elektromobilität gehört, zeigt ein bisher einzigartiges Projekt, das „virtuelle eAutohaus“. Auf dieser digitalen, interaktiven Erlebnis-Plattform werden in acht Erlebniswelten alle wichtige Themen und Informationen rund um das Thema Elektromobilität bereitgestellt. Im virtuellen E-Autohaus könnten sich alle Interessierten vom Kunden bis zum Automobilverkäufer rund um die Uhr sehr gut und neutral über die Vorteile der Elektromobilität informieren. Im nächsten Schritt solle das virtuelle E-Autohaus um einen Marktplatz erweitert werden, auf dem Produkte rund um die Elektromobilität in spannender digitaler Form präsentiert werden können.

Neue Marke im Kfz-Gewerbe: AÜK

AÜK steht für „Akkreditierte Überprüfung im Kraftfahrzeuggewerbe“. Unter AÜK würden zukünftig alle amtlichen Prüfungen und Untersuchungen zusammengefasst werden, die anerkannte Kfz-Werkstätten durchführen. Dazu gehörten neben der Abgasuntersuchung (AU) auch die Sicherheitsprüfung (SP) an Nutzfahrzeugen und die Gasanlagenprüfung (GAP). Die AÜK sei keine neue Untersuchung oder Prüfung, sondern eine neue Marke für die von anerkannten Werkstätten durchgeführten hoheitlichen Aufgaben.

Hintergrund sei, dass der Verordnungsgeber im Zusammenhang mit einer europäischen Richtlinie zur Harmonisierung der technischen Fahrzeugüberwachung die Qualität der amtlichen Fahrzeugprüfungen auf ein neues Level heben wolle. Das Kraftfahrzeuggewerbe beantworte diese anspruchsvolle Forderung mit dem neuen Qualitätsmanagementsystem AÜK. In Aufbau und Betrieb dieses AÜK-Systems seien – unter Führung des Bundesinnungsverbandes – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverbände und der regionalen Innungen eingebunden. Jede Werkstatt müsse diesem System beitreten, um dem Kunden auch in Zukunft diese beigestellten Überprüfungen anbieten und ihre Werkstattkompetenz unterstreichen zu können. In Hessen hätten bereits fast 90 Prozent der rund 2.500 hoheitlich anerkannten Betriebe ihren Beitritt erklärt, von den bundesweit 37.000 sind bislang fast 65 Prozent beigetreten.

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In Deutschland stecke eine noch notwendige rechtliche Grundlage seit Monaten im Verordnungsverfahren fest. Dem Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums zur Änderung straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften wurde vom Bundesrat bereits zugestimmt. Doch die Sammelverordnung, in der auch andere Sachverhalte geregelt werden (zum Beispiel der umstrittene Bußgeldkatalog), sei immer noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Vizepräsident Kraft ist zuversichtlich: „Der Akkreditierungsprozess unseres AÜK-Systems durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) befindet sich aktuell auf der Zielgeraden. Wir haben bereits viel in den Aufbau des Qualitätsmanagementsystems investiert, zum Beispiel in Schulungen, Audits und die Errichtung einer zentralen Datenbank. Jetzt brauchen wir endlich Rechtssicherheit.“

Perspektive mit Fragezeichen

Prognosen für das neue Autojahr stehen nach Auffassung von Karpinski auf „tönernen Füßen“. Zwischen 4 und 6 Prozent seien Steigerungen in dem nur noch knapp neun Monate dauernden Autojahr bei Pkw-Neuzulassungen möglich, wenn die Rahmenbedingen im „Superwahljahr 2021 passen“. Die Stimmung in der Branche sei allerdings nicht angetan, mit zu optimistischen Erwartungen auf den weiteren Jahresverlauf zu schauen.

Einer aktuellen Umfrage in der Branche zufolge sähen lediglich 12 Prozent der Befragten in diesem Autojahr „bessere Geschäfte“. Jeder Zweite (53 Prozent) indes erwarte „eine Fortsetzung der Talfahrt“ und 35 Prozent antworteten „Die Lage bleibt auf dem schwachen Niveau des Vorjahres“.

Karpinski rechnet für das Autojahr 2021 mit etwa 315.000 Neuzulassungen und 540.000 Besitzumschreibungen. „Über unserer Branche schweben aber viele Fragezeichen“, sagte der Präsident mit Hinweis auf eine „höchst fragile Prognose“.

„Alte Herausforderungen“ verschärfen Corona-Lage

Das Kfz-Gewerbe stehe im neuen Jahr vor großen Herausforderungen, die die Corona-bedingten Verwerfungen verschärften. Die komplette Transformation der Wertschöpfungskette Automobil erfordere spürbare Investitionen, die Digitalisierung müsse weitergehen und die für den Vertrieb von Neufahrzeugen relevante Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung laufe in 13 Monaten aus. Aus Sicht des Kfz-Gewerbes wäre es sinnvoll, wenn es eine neue Verordnung für die Branche geben würde. Denn die Automobilhersteller übernähmen zunehmend durch einen Direktvertrieb den Verkauf von Neufahrzeugen und träten damit immer stärker in den direkten Wettbewerb zu ihren Vertragshändlernetzen.

Karpinski forderte, die staatlichen finanziellen Hilfen über den 30. Juni 2021 hinaus zu verlängern. Der Verband gehe nicht davon aus, dass alle Betriebe bereits im ersten Halbjahr „eine mögliche betriebswirtschaftliche Schieflage wieder ins Lot “ korrigiert hätten. Die Staatshilfe werde auch noch in der zweiten Jahreshälfte erforderlich werden.

Aktuelle Corona-Beschlüsse verschärfen die Lage

Die Beschlüsse des Corona-Gipfels vom 22. März mit einer erneuten Verlängerung und Verschärfung des Lockdown befeuern die Krise im Automobilhandel. „Natürlich sind wir nicht erfreut darüber, dass der Bund-Länder-Beschluss das gut funktionierende Click & Meet wieder gekippt hat. Viele Existenzen im mittelständischen Kraftfahrzeuggewerbe stehen mittlerweile auf dem Spiel.“ betont Karpinski. In der Debatte über die Lockdown-Maßnahmen wegen weiter steigender Corona-Infektionszahlen mahnt das hessische Kraftfahrzeuggewerbe zur Besonnenheit. Autohäuser mit ihren vergleichsweise großen Verkaufsflächen und der verhältnismäßig geringen Zahl gleichzeitig anwesender Kunden trügen in keiner Weise zum aktuellen Infektionsgeschehen bei.

„Unsere systemrelevanten Werkstätten beweisen seit Beginn der Corona-Krise im März 2020, dass sie alle Abstands- und Hygienevorschriften verantwortungsbewusst umsetzen und den Kunden eine maximale Schutzzone bieten. Ich frage den Gesetzgeber, warum das im Autohandel anders sein soll, denn in den meisten Betrieben finden Serviceannahme und Autoverkauf in den gleichen Räumlichkeiten statt.“ führt Karpinski an.

„Viele Kunden nutzen zur Vereinbarung von Serviceterminen neben dem Telefon bereits die Onlineangebote. Diese Kontaktmöglichkeiten gelten weiterhin auch für den Fahrzeughandel. Zudem bieten viele Autohäuser auch ein virtuelles Kauferlebnis an, so dass man sich bequem im Wohnzimmer mit seinem Wunschauto beschäftigen und sogar Probefahrten online vereinbaren kann.“ sagt Karpinski abschließend.

Landesverband Hessen des Kraftfahrzeuggewerbes
Am Landeshaus 6 65187 Wiesbaden
Tel.: 0611 999 89-22 Fax: 0611 999 89-99

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