Wohnraummangel in deutschen Städten: Warum die Kaufhausumwandlung selten zur innovativen Lösung wird

Angesichts eines bis 2025 prognostizierten Mangels von 720.000 Wohnungen zeigt eine Studie des ZIA und empirica, dass die Umwandlung leerstehender Kaufhäuser in Wohnraum zwar vereinzelt gelingt, wegen hoher Umbaukosten, langer Genehmigungszeiten und technischer Auflagen aber den Wohnraumbedarf nicht entscheidend decken kann. Nur Mixed-Use-Konzepte in enger Kooperation von Städten und der Immobilienwirtschaft bieten realistische Ansätze, um lebendige Innenstädte zu erhalten. Die Studie fordert daher flexible Nutzungsmodelle und eine aktiv unterstützende Stadtplanung bei künftigen Umnutzungsprojekten.
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Inhaltsübersicht

– Studie prognostiziert bis 2025 Wohnraummangel von 720.000 Einheiten in Deutschland.
– Empirica-ZIA-Studie zeigt: Kaufhaus-Wohnumwandlungen decken Wohnraumbedarf kaum messbar.
– Mixed-Use-Projekte erfordern flexible Erdgeschossnutzung und enge Zusammenarbeit von Städten und Immobilienwirtschaft.

Wohnungsnot in Deutschland: Kaufhäuser als Wohnraum – eine Idee mit Grenzen

Die Wohnungsnot in Deutschland verschärft sich dramatisch und könnte bis 2025 einen Mangel von 720.000 Wohnungen erreichen. Vor diesem Hintergrund wächst der Innovationsdruck auf die Immobilienbranche, neue Lösungen zu finden. Eine auf den ersten Blick vielversprechende Vision war die Umwandlung leerstehender Kaufhäuser in Wohnraum. Doch eine aktuelle Studie, beauftragt vom Zentralen Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) und durchgeführt von empirica unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Simons, zeigt die Grenzen dieses Ansatzes auf.

Die Untersuchung legt offen, dass die Umgestaltung von Kaufhäusern zwar in einzelnen Fällen gelungen ist, insgesamt jedoch nicht den erheblichen Wohnraumbedarf in Deutschland decken kann. Schnell wird deutlich: „Die Vorstellung, dass Kaufhäuser, über deren Nachnutzung sich Entscheider vielerorts den Kopf zerbrechen, bald im großen Stil zu Wohnungen umgemodelt werden, ist reizvoll, leider aber oft zu schön, um wahr zu sein.“

Die Studie nennt mehrere Hemmnisse, die den Umbau erschweren. Dazu gehören die Herausforderung, in großen Gebäuden ausreichend Tageslicht und Belüftung sicherzustellen, lange Planungs- und Genehmigungszeiten sowie der Verlust des Bestandsschutzes, der mit vielen Auflagen einhergeht. Das verringert die Attraktivität dieser Wandlungsoption erheblich und erklärt, warum die Umnutzung von Kaufhäusern dem Leerstand in den Innenstädten nur begrenzt entgegenwirken kann.

Trotz dieser Einschränkungen präsentiert der Bericht auch positive Beispiele für sogenannte Mixed-Use Immobilien, in denen unterschiedliche Nutzungen sinnvoll kombiniert werden. Erfolgreiche Projekte setzen auf Kooperationen zwischen Städten und der Immobilienwirtschaft. Simons und Thomas Abraham unterstreichen dabei die Bedeutung einer guten „Lauflage“ für die Attraktivität der Innenstädte und empfehlen, dass Kommunen flexibel sein sollten, was die Nutzung des Erdgeschossbereichs angeht, um nicht nur kommerzielle Zwecke zu verfolgen.

Der Appell der empirica-Studie richtet sich an die Kommunen, die Möglichkeit der Wohnnutzung in ehemaligen Kaufhäusern aktiv zu unterstützen und im Planungsprozess zu berücksichtigen. Diese Forderung steht für eine dynamischere Stadtpolitik, die Bestehendes nicht nur bewahrt, sondern innovativ umnutzt, um den Herausforderungen wie dem enormen Wohnraumbedarf zu begegnen.

Der ZIA, als wichtige Stimme der Immobilienwirtschaft, und seine Partner bleiben gefordert, nachhaltige Lösungen für den wachsenden Bedarf zu entwickeln. Auch wenn die Umwandlung von Kaufhäusern kein Allheilmittel ist, bleibt die Suche nach innovativen Ansätzen eine zentrale Aufgabe. Der Dialog aller Akteure – von Stadtplanern über Immobilienunternehmen bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern – ist entscheidend, um langfristige und nachhaltige Strategien für die zukünftige Stadtentwicklung zu formulieren.

Kaufhaus-Umwandlung zwischen Druck und Perspektive

Leerstehende Kaufhäuser sind in vielen Städten zu sichtbaren Zeichen des gesellschaftlichen Wandels geworden. Die Umwandlung dieser Großflächen in neue Nutzungen stößt jedoch oft an praktische Grenzen. Zwar wächst der Druck, den Leerstand zu verringern und Immobilien wiederzubeleben, doch die Herausforderung liegt darin, aus ehemals rein konsumorientierten Orten lebendige Stadtquartiere zu formen. Die Nachnutzung ist nicht nur eine Frage von Immobilienwirtschaft, sondern auch eine städtische und gesellschaftliche Aufgabe, die neue Denkweisen und Kooperationen erfordert.

Die Umwandlung leerstehender Kaufhäuser ist mit zahlreichen Hindernissen verbunden, etwa:

  • Komplexe Eigentümerstrukturen und lange Planungsprozesse
  • Hohe Anpassungskosten für bestehende Bausubstanz
  • Schwierige Einbindung in städtische Infrastruktur und quartiersbezogene Bedürfnisse
  • Ein Wandel im Konsum- und Freizeitverhalten, der neue Konzepte verlangt

Doch gerade in diesem Spannungsfeld bieten sich Chancen, Innenstadtentwicklung neu zu denken. Es geht heute nicht mehr nur um reine Verkaufsflächen, sondern um die Transformation von Kaufhäusern zu so genannten Lebensräumen. Kommunen sind gefragt, mit mutigen Konzepten und flexiblen Rahmenbedingungen Räume zu schaffen, die Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gemeinschaftserleben verbinden.

Neue Wege in der Innenstadtentwicklung

Die Umwandlung von Kaufhäusern eröffnet neue Möglichkeiten, Innenstädte attraktiver, nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Mobilität, Klimaschutz, Digitalisierung und soziale Integration sind dabei Leitmotive, die auch bei Nachnutzungen berücksichtigt werden müssen. Es gilt, multifunktionale Nutzungskonzepte zu fördern, die nicht nur ökonomische, sondern auch gesellschaftliche Bedürfnisse zusammenführen.

Von der Warenwelt zum Lebensraum: Was Kommunen jetzt brauchen

Um diese Entwicklung zu unterstützen, sind gezielte städtebauliche Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit mit Eigentümern und Investoren erforderlich. Kommunen benötigen innovative Planungsinstrumente, Förderprogramme und eine klare strategische Ausrichtung, um die Transformation erfolgreich gestalten zu können. Diese Herausforderungen machen deutlich, dass der Umgang mit leerstehenden Kaufhäusern mehr ist als eine reine Bauaufgabe – es ist ein Thema, das identitätsstiftend für die Stadtentwicklung und zugleich richtungsweisend für den gesellschaftlichen Wandel sein kann.

Mit dem aktuellen Diskurs wächst die Chance, Städte widerstandsfähiger und lebenswerter zu machen – indem veraltete Warenwelten Schritt für Schritt zu lebendigen und vielfältigen Stadtteilen werden.


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Verspricht Umnutzung von Kaufhäusern zusätzlichen Wohnraum? Empirica-Studie im …

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