Karenztag: VdK-Präsidentin Bentele lehnt Dulgers Lohnkürzung am ersten Krankheitstag als zynisch ab

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat sich dafür ausgesprochen, dass Beschäftigte am ersten Krankheitstag keinen Lohn erhalten sollen. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, weist diesen Vorschlag als inakzeptabel und zynisch zurück. Sie warnt, dass ein solcher Karenztag vor allem Geringverdiener treffe und kranke Menschen zur Arbeit zwingen könnte.
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– Arbeitgeberpräsident schlägt Lohnausfall am ersten Krankheitstag vor.
– VdK-Präsidentin lehnt Karenztag als Gefahr für Beschäftigte mit kleinem Einkommen ab.
– Kritik: Vorschlag könnte kranke Menschen zwingen, zur Arbeit zu gehen.

VdK reagiert scharf auf Arbeitgebervorschlag zum Karenztag

Am 6. März 2026 veröffentlichte der Sozialverband VdK eine Stellungnahme, in der er den Vorschlag des Arbeitgeberpräsidenten Rainer Dulger, den Lohn für Arbeitnehmer am ersten Krankheitstag auszusetzen, deutlich ablehnt. Dulger argumentiert, dass durch die Einführung eines Karenztags die Zahl kurzfristiger Fehlzeiten sinken könne; er sagte: „Seiner Meinung nach ließe sich dadurch die Zahl sehr kurzfristiger Fehlzeiten reduzieren.“

Die VdK-Präsidentin Verena Bentele weist diesen Vorschlag in einer klaren Stellungnahme zurück: „Dieser Vorschlag des Arbeitgeberpräsidenten ist inakzeptabel und zynisch. Denn gerade Beschäftigte mit kleinen Einkommen können oft nicht daheim arbeiten. Und sie können es sich nicht leisten, auch nur einen Tag Gehalt zu verlieren.“ Sie warnt vor den Folgen: „Fällt der Karenztag weg, ist die Gefahr groß, dass sich Menschen krank zur Arbeit schleppen. Dadurch gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen.“

Die Kritik an dem Vorstoß ist eindeutig. Bentele betont, dass Fehlzeiten durch Krankmeldungen kein Problem seien, das man durch Kurzzeit-Lohnkürzungen lösen könne. Sie sagte: „Ob ein Karenztag tatsächlich den Krankenstand reduziert, bezweifele ich stark. Aus einer erkälteten Person kann eine komplett erkrankte Abteilung werden. Eine Ersparnis bei der Lohnfortzahlung sehe ich daher nicht.“ Die Argumentation des VdK zielt auf den Schutz der Gesundheit und die soziale Absicherung der Beschäftigten ab.

In der Pressemitteilung fordert der Verband, keine Änderungen an bewährten Schutzmechanismen vorzunehmen und warnt vor weiteren Angriffen auf die Errungenschaften des Sozialstaats in Zeiten des Fachkräftemangels. Bentele fasst zusammen: „Die fortwährenden Angriffe auf die Errungenschaften des Sozialstaats, die dem Schutz der Arbeitnehmenden dienen, sind kontraproduktiv und gerade in Zeiten des Fachkräftemangels das falsche Signal.“

Dieser Hintergrund zeigt, warum die Stellungnahme des VdK an Relevanz gewinnt: Sie setzt ein Zeichen gegen Maßnahmen, die soziale Gerechtigkeit gefährden, und betont die Bedeutung sozialer Absicherung im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Gesellschaft.

Hintergrund: Was ist ein Karenztag?

Ein Karenztag bezeichnet den ersten Tag einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit, an dem das Entgelt normalerweise nicht vom Arbeitgeber gezahlt wird. Über diesen Tag hinaus erhalten Beschäftigte in der Regel weiterhin Krankengeld, während das Gehalt an diesem ersten Krankheitstag aussetzt. Das Prinzip eines Karenztags wird häufig vorgeschlagen, um kurzfristige Fehlzeiten zu reduzieren.

Internationale Praxis zeigt, dass Karenztage in mehreren Ländern üblich sind. So existieren sie in Ländern wie Großbritannien, Dänemark, Schweden, Spanien und Griechenland. Dort sind Karenztage verbreitet und bringen je nach Land unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich.*

Krankenstand und Kosten 2025: Fakten und Zahlen im Überblick

Der Krankenstand in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau. Beschäftigte fallen durchschnittlich etwa 20 Tage pro Jahr krankheitsbedingt aus, verteilt auf etwa zwei Krankschreibungen*.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie belastend Krankheitszeiten für Unternehmen und das Gesundheitssystem sind. Ein bedeutendes Instrument zur Kostenreduzierung ist der sogenannte Karenztag, bei dem der Lohnfortzahlungsanspruch entfallen soll. Für Arbeitgeber, die den Karenztag nur an 10 % der Fehltage nutzen, ergibt sich eine geschätzte Ersparnis von rund 8 Milliarden Euro — im Vergleich zu den bisher geschätzten 40 Milliarden Euro, die bei 20 Fehltagen pro Arbeitnehmer an Lohnkosten anfallen*.

In Ländern wie Großbritannien, Dänemark, Schweden, Spanien und Griechenland existieren bereits Formen des Karenztags, was eine länderbezogene Verbreitung zeigt*. In Deutschland sind Karenztage bei Vollzeitbeschäftigten finanziell spürbar, bei einem Tag sind es etwa 211 Euro brutto, was eine Netto-Einbuße von circa 4 % bedeutet. Teilzeitbeschäftigte sind dagegen mit bis zu 11,5 % Einbußen betroffen (Stand: 2024)*.

Eine mögliche Tabelle könnte die wichtigsten Kennzahlen zum Krankenstand und den finanziellen Folgen übersichtlich zusammenfassen. Dabei würden die Werte, das Jahr sowie die Quelle in der Spalte stehen, um die Transparenz zu gewährleisten.

Die Debatte um den Karenztag ist in Deutschland umstritten. Während Befürworter auf mögliche Einsparungen verweisen, warnen Kritiker vor negativen Folgen für Beschäftigte mit geringem Einkommen und die Gesundheit am Arbeitsplatz. Das statistische Bild zeigt, dass der Krankenstand ein komplexes Thema bleibt, das nachhaltige Lösungen erfordert, um sowohl die wirtschaftliche Belastung zu reduzieren als auch die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Gesellschaftliche Belastungen und wirtschaftliche Folgen: Wer trägt die Last?

Die Diskussion um die Auswirkungen von Krankmeldungen betrifft vor allem finanzielle Belastungen für Geringverdienende, das Risiko von Präsenzkrankheit (Presenteeism) und potenzielle Konsequenzen für Betriebe. Dabei stehen sich unterschiedliche Perspektiven gegenüber: Die Kritik des VdK verweist auf soziale Gerechtigkeit und die Gefahren für die Gesundheit sowie die Produktivität, während Arbeitgeber sinkende Kosten durch kürzere Fehlzeiten ansprechen.

Zu Beginn lässt sich festhalten, dass die Kernrisiken in der aktuellen Debatte vor allem in der finanziellen Härte für Beschäftigte und den erhöhten Ansteckungsgefahren am Arbeitsplatz liegen. Besonders Geringverdienende, die oft kein Homeoffice erledigen können, sind betroffen: Wenn der erste Krankheitstag keinen Lohn mehr bringt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich krank zur Arbeit schleppen – mit möglichen Folgen für die eigene Gesundheit, die Kolleginnen und Kollegen sowie die gesamte Unternehmensproduktivität.

In Kapitel 1 wurde das exakte Positionieren des VdK dargelegt: Demnach beeinflusst die Abschaffung des Karenztags vor allem Beschäftigte mit kleinen Einkommen, die sich keinen Tag ohne Gehalt leisten können. Die Gefahr, dass eine Person mit einer einfachen Erkältung eine Abteilung lähmt, ist hoch. Solche Vorfälle führen nicht nur zu kurzfristig höheren Krankheitsausfällen, sondern auch zu einem Risiko für die Arbeitsqualität. Die Experten des Sozialverbands kritisieren, dass ein solcher Ansatz sozial unausgewogen ist und die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährdet.

Gegenübergestellt wird die Sicht der Arbeitgeberseite: Sie behaupten, durch die Abschaffung von Karenztagen könnten erhebliche Einsparungen erzielt werden. Für das Jahr 2024 wird eine potenzielle Einsparung von rund acht Milliarden Euro genannt* (Quelle: Focus, Stand: 2024). Diese Beträge entstehen vor allem durch weniger kurzfristige Fehlzeiten und geringere Lohnfortzahlungskosten.

Eine kurze Übersicht der betroffenen Gruppen und möglicher Konsequenzen zeigt, dass:

  • Geringverdienende ohne Homeoffice-Option sind am ehesten gezwungen, sich krank zur Arbeit zu schleppen, was die Gesundheit gefährdet.
  • Klein- und mittelständische Betriebe könnten einer erhöhten Gesundheitsrisiko- und Fehlerquote ausgesetzt sein.
  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit gesundheitlichen Risiken tragen ein höheres Risiko, bei kurzfristiger Krankmeldung Einkommenseinbußen zu erleiden.
  • Die Produktivität der Betriebe könnte durch erhöhte Ausfälle und Fehler steigen.

Letztlich steht die Debatte für grundsätzliche Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Fachkräftesicherung und der konkreten Bewertung von Einsparpotenzialen. Während die Kritiker befürchten, dass kürzere Fehlzeiten die Gesundheit der Beschäftigten und die Arbeitsqualität gefährden, argumentieren Befürworter mit möglichen Einsparungen in Milliardenhöhe. Die Diskussion bleibt somit ein zentrales Element der sozialpolitischen Debatte im Jahr 2025.

Ausblick: Die Debatte um Krankheitszeiten und soziale Sicherheit bleibt offen

Die Diskussion über mögliche Änderungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird auf politischer und gesellschaftlicher Ebene geführt. Dabei stehen unterschiedliche Positionen und Interessen im Raum, die eine differenzierte, evidenzbasierte Prüfung erfordern.*

Welche parlamentarischen Prüfungen in den kommenden Monaten erfolgen, bleibt abzuwarten.*

Es gilt zu prüfen, inwiefern praktische Abwägungen notwendig sind — etwa ob ein Karenztag die Fehlzeiten verringert oder ob er Belastungen für bestimmte Gruppen mit sich bringt.*

Eine zentrale Forderung betrifft die bislang unzureichende Datenlage. Es besteht Handlungsbedarf, belastbare Studien zu den tatsächlichen Effekten auf Krankenstände, Kostenentwicklung und Produktivität vorzulegen.*

Die wissenschaftliche Methodik sollte im Vordergrund stehen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.*

Gesellschafts- und wirtschaftspolitisch sind sowohl die Verantwortlichen in der Gesetzgebung als auch die Akteure in Unternehmen gefordert, diese Thematik transparent zu begleiten.*

Der Schutz der Arbeitskraft durch soziale Sicherungseinrichtungen muss weiterhin gewährleistet bleiben, während kurzfristige Kostensenkungen sorgfältig auf ihre langfristigen Folgen geprüft werden sollten.

Die Debatte wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Die Empfehlung an alle Beteiligten lautet, auf eine evidenzbasierte Bewertung zu setzen.* Die kommenden Schritte sollten eine gründliche wissenschaftliche Begutachtung einschließen, um Fehlentscheidungen zu vermeiden und belastbare Grundlagen für zukünftige sozialpolitische Weichenstellungen zu schaffen.

Diese Meldung basiert auf einer Pressemitteilung des Sozialverbands VdK Deutschland.

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11 Kommentare

  1. Der vorschlag klingt kurzfristig logisch fuer arbeitgeber, aber langfristig kontraproduktiv, denke ich. Die VdK prangert sozialungerechtigkeit an, was stimmt. Was ist mit prävention, betriebliches gesundheitsmanagement, impf kampagnen etc? Wen fragt man die betroffenen geringen einkommen? Mehr dialog mit gewerkschaften und betroffene nötig, link /soziales/vdk-stellungnahme

    1. Konstruktive idee Andre, praevention kostet ja auch, aber spart am ende vielleicht, das fehlt oft in diskussion. Warum nicht pilotprojekte in sektoren mit hohem krankenstand, datenerhebung und evaluation? So kann man effekte auf krankenstand, produktivität und kosten besser sehen bevor man landesweit ändert.

    2. Ich find den vorschlag nicht fein, aber ich bleib neutral und frag: wie messen wir presenteeism wirklich? Viele schuften krank weil kein geld, das trifft geringverdienende mehr. Vielleicht soziale ausgleichsfonds oder temp lohnzuschuss fur kleinen firmen waere fairer, und man braucht mehr studien, siehe /statistik/krankenstand-2024

  2. Ich bleib neutral: Einsparungen sind verlockend, aber welche kosten entstehen durch infektionen und fehler wenn leute krank kommen? Fachkräftemangel wird so noch schlimmer, und qualität leidet. Gibt es modellrechnungen fuer KMU oder industry sektoren? Vielleicht hybrid loesungen oder krankentage konto statt null lohn am ersten tag, siehe /politik/karenztag-debatte

  3. Neutral gesehen find ich das argument von VdK stark, sozialstaat schutz darf nit einfach weg, aber ich frag mich ob die studie zu 20 tagen krankstand wirklich repraesentativ is. Was sagen epidemiologen, oder gibt es unterschide nach branche? Man sollte mehr zahlen und weniger straf, nicht das arme leute gehn krank zur arbeit, link: /soziales/vdk-stellungnahme

    1. Das is wichtig Irma, denn statistik kann täuschen, wichtige variable fehlen oft, zB homeoffice möglichkeit, kinderbetreuung, oder saison. Wer macht die studie, uni oder lobby? Transparenz ist wichtig, und betroffene sollten gefragt werden, sonst wird nur rechnung gemacht und kein mensch geschützt

  4. Das thema trifft mein familie, weill meine frau teilzeit arbeitet und verliert geld bei feiertagen oft, ein Karenztag wuerd noch schlimmer. Ich versteh argument von arbeitgebern wegen kosten aber ist das menschlich? Gibt es alternative modelle wie karenztage sozial staffeln oder bezahlung fuer ärztliche attest? Mehr daten bitte in /statistik/krankenstand-2024

    1. Gute Frage, Ferdinand. Ich denk man könnte gestaffelt zahlen nach einkommen, oder kleine betriebe entlasten, so das geringverdienende nicht leidet. Aber wer setzt das durch, der staat oder gesetz? Und wie kontrolliert man missbrauch ohne vertrauen zu zerstören? Siehe auch /politik/karenztag-debatte fuer debattext

  5. Ich find das thema Karenztag zwar wichtig, aber ich weiss nit ob das so einfach ist. Die VdK argumentiert für schutz und sozialstaat, das klingt gut, aber andereseits sagen chefs sparen geld. Wie soll man das abwägen, wenne armer arbeitnehr hast kein homeoffice und kein geld, wer entscheidet das? Siehe auch /soziales/vdk-stellungnahme und /politik/karenztag-debatte

    1. Gute punkte von euch, aber ich bin unschlüssig. Der begriff Lohnfortzahlung wird oft benutzt, doch oft fehlt dat detail, wie das bei teilzeit aussieht, das macht viel aus. Kann jemand zahlen oder studien verlinken zB /statistik/krankenstand-2024 damit man besser verstehn kann was 8 milliarden ersparn heissen? Presenteeism is auch riskant

    2. Neutral gesehn, beide seiten ham recht, aber die praxis ist hart. Wenn ein Karenztag kommt, dann gehens viele krank arbeiten, das nennt man doch presenteeism, oder? Wer tragt dann die kosten fur krankheit langfrstig? Fragt doch mal in /ratgeber/krankheit-und-arbeit ob tips gibt fur kleingewerb und Mütter.

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