Zukunftsperspektiven für junge Geflüchtete aus Afghanistan

Verbandsnachrichten

BumF e.V. fordert Sicherheit und Zukunftsperspektiven für junge Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland

Die Sicherheitslage in Afghanistan ist katastrophal, tausende Menschen – darunter viele Kinder und Jugendliche – versuchen derzeit aus dem Land zu fliehen. Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) e.V. betont mit Nachdruck die Forderungen zur Schaffung sicherer Fluchtmöglichkeiten – ohne jegliche bürokratische Hürden – und zur Umsetzung von Bundes- und Landesaufnahmeprogrammen. Jahrelang hat die Bundesregierung eine Politik des systematischen Wegschauens und Beschönigens betrieben.

„Bis vor Kurzem wollte die Bundesregierung nicht von Abschiebungen absehen und hat sich immer wieder auf die geschönten Lageberichte des Auswärtigen Amtes berufen“, so Mohammed Jouni, Vorstandsmitglied des BumF und Mitbegründer von Jugendliche ohne Grenzen (JoG).

Wenigstens jetzt muss konsequent Verantwortung übernommen werden. Zugleich verweist der BumF auf die Situation der in Deutschland lebenden und der neu ankommenden jungen Geflüchteten aus Afghanistan und auf die dringende Notwendigkeit, wirksame Maßnahmen für ihren Schutz und ihre Zukunftsperspektiven zu ergreifen.

Zahlreiche junge Menschen aus Afghanistan leben – mitunter seit Jahren – ohne sicheren Aufenthaltsstatus in ständiger Angst vor der Abschiebung, in ständiger Sorge um ihre Zukunft. Zudem sind viele der geflüchteten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in permanenter Besorgnis um Angehörige, die in Afghanistan geblieben sind, in Nachbarländer geflohen sind oder in den Elendslagern an den EU-Außengrenzen festsitzen.

Weiterlesen  So ticken die Generationen: Kontrolle ist gut, Unabhängigkeit noch besser

Unter diesen Bedingungen ist ein Ankommen kaum möglich, Teilhabe- und Integrationsmöglichkeiten, etwa im Bereich Bildung oder auf dem Arbeitsmarkt, werden versperrt. Die Situation dieser jungen Menschen in den Blick zu nehmen, ist jetzt besonders dringlich. Die aktuellen Entwicklungen in Afghanistan verschärfen die zuvor schon enormen Belastungen und Unsicherheiten, denen junge Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland ausgesetzt sind, eklatant.

Wie sehr die Lage in Afghanistan das Leben von Kindern und Jugendlichen in Deutschland prägt, verdeutlicht Jeanne Amedi, pädagogische Leitung der stationären Hilfen bei Evin e.V.:

,,Die meisten Mädchen und Jungen, die Evin e.V. zurzeit stationär betreut, sind in Afghanistan geboren und haben ihre Kernfamilien dort. Die Entwicklungen in Afghanistan wirken sich direkt auf die Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen aus, in der Schule wie in den Ausbildungen. Zur Sorge um die Familie kam die gesteigerte Angst vor den Abschiebungen hinzu, insbesondere bei denen, die sich in Klageverfahren befinden. In einigen Fällen meinten wir Anzeichen von Retraumatisierungen zu erkennen. Insgesamt erschweren gerade viele Faktoren die ohnehin fordernden Bemühungen der Jugendlichen, hier Fuß zu fassen. Unsere Mitarbeiter*innen suchen in dieser Situation händeringend nach kostenfreien Rechtsberatungen für die Jugendlichen sowie nach psychotherapeutischen Angeboten.“

Weiterlesen  Fast jedes fünfte Nutzfahrzeug fällt bei der Hauptuntersuchung durch

Um ein Ankommen zu ermöglichen, um Sicherheit und Teilhabemöglichkeiten für die jungen Menschen zu schaffen, braucht es umfassende Maßnahmen, unter anderem:

1. Einen sofortigen unbefristeten, formellen und bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan! Die Innenministerkonferenz muss Fakten schaffen, die der Realität im Land gerecht werden: Abschiebungen nach Afghanistan müssen auch langfristig ausgeschlossen sein.

2. Allen afghanischen Schutzsuchenden muss ein sicherer Aufenthaltsstatus erteilt werden! Es braucht jetzt gerechte Bleiberechtsperspektiven für alle jungen Menschen aus Afghanistan. Die Behörden müssen in diesem Zusammenhang auch anerkennen, dass die Beschaffung von Dokumenten aus Afghanistan unmöglich ist und Aufenthaltstitel auch ohne die Vorlage von Personaldokumenten zulassen. In der Vergangenheit abgelehnte Schutzgesuche sind erneut zu prüfen und Folgeanträge durch das BAMF priorisiert positiv zu entscheiden.

Weiterlesen  Hochschulverband: Rektor des Jahres: Bonner Rektor Michael Hoch verteidigt Titel

3. Eine schnelle und unbürokratische Familienzusammenführung! Es muss ermöglicht werden, dass Familienangehörige, einschließlich Geschwisterkindern, von bereits in Deutschland lebenden jungen Geflüchteten, möglichst zügig nachziehen können. Es braucht insbesondere für die kommenden sechs bis zwölf Monate Regelungen für eine zügige, humanitäre Aufnahme von Angehörigen von in Deutschland lebenden afghanischen Geflüchteten – nicht nur aus Afghanistan, sondern auch aus den Nachbarländern – ohne zeitraubende Einzelfallprüfungen.

4. Die Sicherstellung, dass Kommunen und Träger der Jugendhilfe kurzfristig zusätzliche finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, um die besonderen Bedarfe im Bereich der psychosozialen Begleitung und der rechtlichen Beratung auffangen zu können, die sich aus der derzeitigen Situation ergeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Aktuelle Verbandsnachrichten:

Deutscher Tierschutzpreis: Gewinner stehen fest

Engagierte Tierschützer mit dem Deutschen Tierschutzpreis geehrt Der Deutsche Tierschutzbund hat heute gemeinsam mit den Futtermarken Whiskas und Pedigree sowie den Zeitschriften FUNK UHR und Super TV Menschen und Projekte mit dem Deutschen Tierschutzpreis geehrt. Den 1. Platz belegte das Team des Tierschutzvereins Freital rund um die Vereinsvorsitzende Regina Barthel-Marr

Weiterlesen

Kinderschutzbund begrüßt Zielrichtung des Sondierungspapiers

Nachdem SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zugestimmt haben, versenden wir folgende Mitteilung: Berlin, 18.10.2021. Der Kinderschutzbund begrüßt die Zielsetzungen für Kinder und Jugendliche im Sondierungspapier. Starke Kinderrechte ins Grundgesetz, eine Kindergrundsicherung, ein Absenken des Wahlalters und familienpolitische Reformen zählten zu den Forderungen des Kinderschutzbunds. Jetzt

Weiterlesen

Frauenrat: Mit Rückenwind für Gleichstellung in die Ampelkoalition

Mit RückenWind für GleichStellung In Die AMpelKoalition Der Deutsche Frauenrat begrüßt die Absicht von SPD, GRÜNEN und FDP, gemeinsam im Bund regieren zu wollen. Damit dem Dreierbündnis der Aufbruch in eine gerechte, klimaneutrale und digital gut aufgestellte Gesellschaft gelingt, muss der Koalitionsvertrag eine ehrgeizige gleichstellungspolitische Agenda verfolgen, fordert der DF.

Weiterlesen

BVK zur Aufnahme der Koalitionsverhandlungen

Licht und Schatten der Ampel – Einschätzung des BVK zu beginnenden Koalitionsverhandlungen Nach Zustimmung der Parteigremien von SPD, Bündnisgrünen und FDP zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen sieht der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) vor dem Hintergrund des Ergebnisses der Sondierungsgespräche sowohl Licht als auch Schatten. „Positiv ist, dass die Einführung einer Bürgerversicherung,

Weiterlesen

Bauwirtschaft zu Koalitionsverhandlungen

Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. Bauwirtschaft zu Koalitionsverhandlungen Berlin (ots) Pragmatische Baupolitik für mehr Klimaschutz Investitionen verstetigen Wohnungsneubau und energetische Sanierung voranbringen Tarifgebundene Betriebe unterstützen Zum Beginn der Koalitionsverhandlungen appellieren die Präsidenten der Spitzenverbände der deutschen Bauwirtschaft an die drei potenziellen Koalitionäre, sich für eine pragmatische, nachvorne gerichtete Baupolitik einzusetzen, in

Weiterlesen

VDAB zum Ergebnis der Sondierungsgespräche der Ampel-Koalition

Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. VDAB zum Ergebnis der Sondierungsgespräche der Ampel-Koalition: Es braucht den Mut zu einer echten Strukturreform in der professionellen Pflege statt immer mehr Regulierung im System Am vergangenen Freitag haben SPD, DIE GRÜNEN und FDP ihre Sondierungsergebnisse präsentiert und auch erste Hinweise gegeben, welche Schwerpunkte

Weiterlesen

Weltosteoporosetag am 20.10.2021 – Volkskrankheit Osteoporose

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie Weltosteoporosetag am 20.10.2021Volkskrankheit Osteoporose: Ein persönlicher Vorsorgeplan und die richtige medizinische Behandlung helfen Betroffenen Berlin, 18.10.2021: Ältere Menschen leiden häufig unter Osteoporose. Dem schleichenden Abbau des Knochengewebes lässt sich durch eine aktive Lebensweise und medikamentöse Behandlung auch im Alter noch begegnen. Kommt

Weiterlesen

Flutopferhilfe Gastgewerbe: Große Solidarität der Branche

(Berlin, 18. Oktober 2021) Mit einer deutschlandweiten Spendenaktion hatte der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) alle Hoteliers, Gastronomen und Partner der Branche zur Solidarität mit den gastgewerblichen Unternehmern aufgerufen, die von der Flutkatastrophe im Sommer 2021 betroffen waren. Auf Presseveranstaltungen am heutigen Montag in den besonders betroffenen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und

Weiterlesen

VDI zu Koalitionsverhandlungen: Treibhausgasneutralität bis 2045 ist oberstes Ziel

VDI zu Koalitionsverhandlungen: Treibhausgasneutralität bis 2045 ist oberstes Ziel VDI-Direktor Appel: Nicht wieder vier Jahre tatenlos verstreichen lassen / VDI-Zukunftsagenda gibt Leitlinien für Klimaschutz, Mobilität der Zukunft, Digitalisierung. (Düsseldorf, 18.10.2021) Nach den erfolgreichen Sondierungen zwischen SPD, Grünen und FDP ist der Druck auf die nächste Bundesregierung groß: Schon in den kommenden

Weiterlesen